Diabetes insipidus

Der Diabetes insipidus beschreibt die Unfähigkeit der Niere bei Wassermangel konzentrierten Urin zu produzieren.

Synonyme im weiteren Sinne

Wasserharnruhr, Diabetes spurius, Diabetis renalis

Englisch:

Häufige Tippfehler: Diabetis insipidus

Definition

Unter der Erkrankung des Diabetes insipidus versteht man die verminderte Fähigkeit der Niere bei Wassermangel, wenn der Körper also über zu wenig Flüssigkeit verfügt, konzentrierten Urin zu produzieren. Man kann zwischen einer zentralen und renalen Form (in der Niere gelegene Ursache) unterscheiden.

Zusammenfassung

Beim Diabetes insipidus handelt es sich um einen Hormonmangel (ADH - Hormon), der zu einem erhöhten Flüssigkeitsverlust über die Niere führt. Dieser Mangel kann entweder auf Grund von zu geringer Produktion im Gehirn oder wegen unzureichender Verwertung an der Niere selbst zu Stande kommen. In beiden Fällen wird eine zu große Menge an zu wenig konzentriertem, also stark verdünntem, Harn ausgeschieden.
Die Betroffenen haben immer großen Durst und könne auch während der Nacht nicht auf das Trinken verzichten. Im Durstversuch und durch die Gabe von ADH- ähnlichen Substanzen kann die Diagnose gestellt werden. Die Therapie hängt von der Form der Erkrankung ab.

Ursachen

Es sind zwei Ursachen des Diabetes insipidus bekannt. Eine zentrale Form, also im Gehirn verursachte Fehlleitung der Informationen, und eine renale (ren (lat.) = Niere) also in der Niere gelegene Fehlfunktion des Hormons ADH.

Dieses Hormon ist verantwortlich für eine geregelte Flüssigkeitsausscheidung über die Niere. Es sorgt je nach Wassergehalt des Körpers für eine dementsprechend regulierende Ausscheidung der Flüssigkeit. Der Mechanismus liegt in dem Einbau von kleinen Kanälen (Aquaporinen) in die Wand der Nierenkanälchen. Je mehr dieser Kanäle, die Wasser aus dem Primärharn in der Niere in das Kreislaufsystem zurückleiten, vorhanden sind, umso weniger Flüssigkeit kann über die Niere eliminiert werden. Fehlt also dieses Hormon, können weniger dieser Aquaporine eingebaut werden und dem Körper geht Flüssigkeit verloren.


Diabetes insipidus nach Alkohol

Dieses Phänomen kennen wir alle nach Alkoholgenuss.
Wer Alkohol trinkt, muss öfter Wasserlassen, da die Produktion des Hormons ADH unterdrückt / vermindert wird. So kommt auch der verstärkte Durst in der Nacht oder am Tag danach zustande. Durch den verstärkten Verlust an Mineralien über den ADH-Mangel kann es ebenfalls zu nächtliche Muskelkrämpfen kommen.
Jeder Student kennt dieses "Problem" und selbst "Ärzte" sollen an diesem Phänomen von Zeit zu Zeit leiden ;-)

Symptome / Beschwerden

Die drei wichtigsten und typischen Symptome des Diabetes insipidus sind:

  • häufiges Wasserlassen (Polyurie)
  • ständiges Durstgefühl mit häufigem Trinken (Polydipsie)
  • fehlende Konzentrationsfähigkeit des Harns (Asthenurie)

Die Polyurie (vermehrtes Wasserlassen) kann bei den Patienten bis zu 20 Liter am Tag betragen. Der Urin ist durch den hohen Wassergehalt sehr stark verdünnt.

Durch den hohen Flüssigkeitsverlust ist der Diabetes insipidus Patient immer durstig - auch nachts kann er auf das Trinken nicht verzichten. Ist es dem Patienten nicht möglich die Mengen, die er ausscheidet, auch wieder zu sich zu nehmen, entsteht eine Exikkose, die vor allem bei Kleinkindern schnell zur tödlichen Gefahr werden kann. Auch bei Erwachsenen ist eine Exikkose (innerliche Austrocknung) gefährlich.

Weitere Symptome, die auf Grund des Flüssigkeitsmangels auftreten können, sind:

Bei Kleinkindern (unter 2 Jahren) besteht häufig statt einer Polyurie (häufiges Wasserlassen) eine Diarrhö (Durchfall)!!

Leidet der Patient nicht unter nächtlichen Drang zum Wasserlassen, ist ein Diabetes insipidus praktisch auszuschließen.

Diagnose

Für die klinische Diagnostik des Diabetes insipidus stehen im Wesentlichen zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Bei beiden wird die Urinosmolarität gemessen, also quasi die Konzentration des Harns.

Zum einen steht den Ärzten der so genannte Durstversuch zur Verfügung. Dieser basiert allerdings auf Mitarbeit des Patienten. Im Durstversuch, der aufgrund des Flüssigkeitsverlusts höchstens 24 Std. dauern sollte, kommt es trotz Dehydratation („Austrocknung des Körpers“) nicht zu einer vermehrten Sekretion (Ausscheidung) des Hormons ADH. Diese Sekretion wäre wichtig, um bei zu geringer oder fehlender Flüssigkeitsszufuhr eine Aufrechterhaltung des Blutvolumens zu gewährleisten.

Zum anderen kann eine Substanz namens Desmopressin verabreicht werden. Diese Substanz hat die gleiche Funktion wie das Hormon Vasopressin (ADH). Mit Hilfe dieser Methode kann zwischen einem zentralen und renalen Diabetes insipidus unterschieden werden. Wird nämlich keine verstärkte Urinkonzentration beim Durstversuch festgestellt, so kann zwar ein Diabetes insipidus diagnostiziert werden, aber die genaue Unterform lässt sich nur durch die Gabe des Hormons Desmopressin feststellen.
Reagiert die Niere nicht darauf, sprich es wird immer noch hochverdünnter Urin ausgeschieden, so liegt die Ursache in der Niere selbst. Sie kann die Wasserkanäle nicht einbauen. Andernfalls, bei nun normaler Urinkonzentration, ist die Ursache zentral, also in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu suchen. Hierbei produziert die Hirnanhangsdrüse zu wenig oder kein ADH (Anti-Diuretisches-Hormon).

Prophylaxe

Eine Vorbeugung ist leider nicht möglich, da die Ursachen nicht beeinflusst werden kann. Bei Auftreten der typischen Symptome (siehe oben) sollte schnellst möglich ein Arzt aufgesucht werden.
Sollte etwa ein Tumor im Gehirn vorliegen, kann dieser umso besser operiert werden, je früher er erkannt wird. Auch einem Voranschreiten einer Nierenentzündung kann Einhalt geboten werden.

Prognose

Die Prognose des zentralen Diabetes insipidus hängt von der Prognose des Grundleidens ab. Liegt dem Ganzen ein Tumor zu Grunde, so orientiert sich die Prognose am Ausmaß des Tumors, ob er operabel ist oder nicht, ob er gut- oder bösartig ist usw..

Im Allgemeinen ist die Prognose günstig. Eine Heilung jedooch kann nur erreicht werden wenn die Ursachen beseitigt werden können. Ein Hypophysentumor kann möglicherweise komplett entfernt werden.

Mit Hilfe der richtigen Medikation können die Betroffenen ein ganz normales Leben führen.


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.02.2012