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Juckreiz bei Amoxicillineinnahme

Warum kommt es zum Juckreiz?

Amoxicillin ist ein Antibiotikum und wird zur Behandlung von bakteriellen Infektionen verschiedener Körperregionen eingesetzt. Es gehört zur Gruppe der Penicilline.

10 von 100 Anwendern leiden während der Einnahme von Amoxicillin an Juckreiz (Pruritus), d.h. dass Juckreiz als relativ häufige Nebenwirkung des Medikaments auftritt. Der Juckreiz entsteht, da der Körper überempfindlich bzw. allergisch auf Amoxicillin oder Bestandteile des Medikaments reagiert.

Das Immunsystem wird hierbei fälschlicherweise aktiviert durch im Blut vorhandene Antikörper, die an das Medikament und dessen Bestandteile binden. Dadurch wird zum Beispiel aus den Mastzellen Histamin, das sich mitunter in Haut und Schleimhaut befindet, freigesetzt. Histamin ist ein Gewebshormon und letztlich bei erhöhter Ausschüttung einer der stärksten Auslöser von Juckreiz. Histamin kann aber auch Hautausschläge oder Ödembildung (Wassereinlagerungen) verursachen.

Außerdem ist es möglich, dass die erste Einnahme von Amoxicillin gut vertragen wurde und es erst bei erneuter Einnahme – auch erst Jahre später – zu einer allergischen Reaktion wie Juckreiz kommt. Warum ein Mensch überempfindlich reagiert und ein anderer nicht, liegt wahrscheinlich in den Genen begründet.

Was kann man dagegen tun?

Der Juckreiz während oder nach der Einnahme von Amoxicillin geht meist mit einem Hautausschlag einher, ist im Verlauf allerdings meist harmlos. Trotzdem sollte man bei Symptomen, die möglicherweise auf das Medikament zurückzuführen sind, den behandelnden Arzt aufsuchen. Dieser kann untersuchen, ob es sich um eine allergische Reaktion auf das Amoxicillin handelt und ob dieses abgesetzt, durch ein anderes ersetzt werden bzw. eine weitere Behandlung erfolgen muss.

Diese weitere Behandlung kann nötig machen, dass weitere Medikamente eingenommen werden müssen. So können bei starkem Juckreiz und begleitendem Hautausschlag cortisonhaltige Cremes vom Arzt verschrieben und auf die juckenden Hautstellen aufgetragen werden.
Bei starkem Juckreiz kann der Arzt sogenannte H1-Antihistaminika wie zum Beispiel Fenistil (Wirkstoff Dimetinden) in Tropfen- oder Tablettenform verschreiben, die den Juckreiz lindern.

Da der Juckreiz auch von anderen lebensbedrohlichen Symptomen wie Schwellungen im Gesicht und Halsbereich, Atemnot oder Blutdruckabfall begleitet sein kann, sollte bei solchen Anzeichen dringend der Notarzt gerufen werden. Amoxicillin und andere Penicilline sollten dann bei der nächsten Behandlung von bakteriellen Infektionen unbedingt vermieden werden.

Lesen Sie dazu auch unser Thema: Juckreiz der Haut

Dauer

Wie lange der Juckreiz anhält, ist von Person zu Person verschieden. Nachdem das Medikament abgesetzt wurde, sollte sich das Jucken schon nach einigen Tagen gebessert haben. Normalerweise verschwindet der Juckreiz bei den meisten Menschen nach ungefähr ein bis zwei Wochen.

Sollte die Haut über diesen Zeitraum hinaus weiterhin jucken oder generell keine Besserungstendenz zu erkennen sein, sollte erneut der Arzt aufgesucht werden. Dieser kann bei starkem und anhaltendem Juckreiz zum Beispiel eine Spritze mit Antihistaminika verabreichen, welche zu einer sofortigen Besserungen des Juckreiz führen sollte.

Begleitende Symptome

Ausschlag

Der Juckreiz, der durch die Einnahme von Amoxicillin ausgelöst wird, ist nicht selten von weiteren Symptomen begleitet. So kommt es häufig auch zur Rötung oder Schwellung der juckenden Hautstellen. Außerdem können sich Bläschen und Quaddeln auf der Haut bilden.

Dieser entzündlich allergische Hautausschlag wird dann als „Arzneimittel-Exanthem“ bezeichnet. Der Ausschlag ist meist rot, fleckig oder landkartenartig und kann sich über den gesamten Körper hinweg ausbreiten.
Allerdings kann sich ein juckender Hautausschlag auch nur an bestimmten Körperstellen wie an Händen, Füßen und / oder Gesicht zeigen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Hautausschlag - diese Erkrankungen sind die Ursache

Bei einer Unverträglichkeit auf Amoxicillin kann es neben Juckreiz auch zu Übelkeit und Durchfall kommen. Während diese genannten Begleitsymptome eher harmloser Natur sind, können andere Symptome wie Fieber, Schluckbeschwerden, Schwellungen der Schleimhäute im Halsbereich oder Gesichtsschwellungen auf eine schwere allergische Reaktion hindeuten. Die Schwellung des Halses kann zu einer lebensbedrohlichen Atemnot führen. Daher sollte dringend ein Notarzt gerufen werden, wenn Schwellungen im Gesicht und Schluckbeschwerden nach Einnahme von Amoxicillin auftreten.

Lesen Sie hier auch unser Thema: Ausschlag durch Amoxicillin

Wirkungen am After

Als allergische Reaktion auf Amoxicillin kann sich der Juckreiz über dem ganzen Körper – somit auch am After – ausbreiten.
Da eine Überempfindlichkeit auf Amoxicillin aber auch zu weichem Stuhl oder Durchfall führen kann, kann es sein, dass sich der After durch den veränderten Stuhlgang leicht entzündet und dadurch juckt und brennt.

Das Jucken am After (Pruritus ani) kann bei längerer Einnahme von Amoxicillin auch durch eine Pilzinfektion ausgelöst werden. Durch die Einnahme von Amoxicillin werden gutartige Bakterien, die sonst auf der Haut und Schleimhaut am After sitzen, ungewollt abgetötet. Dadurch haben Pilze eine bessere Möglichkeit sich zu vermehren und auszubreiten. Die Pilze, die meistens eine Afterinfektion hervorrufen, sind Candida-Pilze. Diese Infektionen werden meist lokal mit Cremes, die zum Beispiel Ciclopirox enthalten, behandelt.

Wirkung im Genitalbereich

Das Jucken am äußeren Genitalbereich mit eventueller Rötung der Haut, kann durchaus auf eine allergische Reaktion auf Amoxicillin zurückgeführt werden.

Bei Frauen kommt es allerdings oftmals zu einem Jucken am äußeren Genital oder auch in der Scheide. Diese Reaktion wird in den meisten Fällen durch eine Pilzinfektion ausgelöst. Der Grund dafür ist, dass durch die Einnahme des Antibiotikums gutartige Bakterien, die zum Beispiel in der Scheidenschleimhaut leben, unbeabsichtigt abgetötet werden. Dadurch wird eine Pilzinfektion – in den meisten Fällen von der Candida-Spezies ausgelöst - begünstigt. Da diese Infektion nicht von allein verheilt, sollte sie behandelt werden. Dazu werden zur äußeren Anwendung antimykotische Cremes verschrieben. Für die innere Anwendung gibt es Antimykotika-enthaltende Zäpfchen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Scheidenpilz

Nach dem Absetzen

Wie bereits beschrieben, kann das Jucken nach Absetzen von Amoxicillin noch einige Tage bis Wochen später anhalten.
Allerdings zeigt sich bei den meisten Patienten bereits nach einigen Tagen eine Besserung des Juckreizes. Sollte dies nicht der Fall sein, sollte ein Arzt aufgesucht werden, der Medikamente verschreiben kann, die den Juckreiz lindern.

Von einer erneuten Einnahme von Amoxicillin oder anderen Penicillin-Präparaten sollte abgeraten werden, da diese bei der nächsten Einnahme wieder die gleichen oder sogar stärkere und gefährlichere Symptome hervorrufen können.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Amoxicillin finden Sie hier:

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    Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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