Arthroskopie des Sprunggelenks

Allgemein

Die Arthroskopie des Sprunggelenks umfasst die endoskopische Diagnostik dieses Gelenks durch Besichtigung aller Gelenkstrukturen in Schlüsselloch-Technik.
Nur kleine Schnitte sind nötig, um die benötigten Instrumente in das Sprunggelenk einzuführen. Die Arthroskopie des Sprunggelenks wird durch die vielen Einsatzmöglichkeiten immer häufiger zur Therapie und nur noch seltener zur reinen Diagnostik eingesetzt, da die Kernspintomografie diese Aufgabe weitgehend ausfüllt.

Aufbau

Die Arthroskopie des Sprunggelenks ist ein invasives Verfahren zur Darstellung der Sprunggelenkshöhle und der dortigen Strukturen und bietet im Vergleich zu einer offenen Operation des Sprunggelenks beispielsweise den Vorteil geringerer Schmerzen nach dem Eingriff.

Bei der Arthroskopie des oberen Sprunggelenkes (Articulatio talocruralis) können die mit Knorpel überzogenen distalen Gelenkflächen der Tibia (Schienbein), der Fibula (Wadenbein) und die obere Gelenkfläche des Talus (Sprungbein) beurteilt werden.

Außerdem können die Außen- und Innenbänder sowie das vordere und das hintere Syndesmosenband eingesehen und beurteilt werden.

Das untere Sprunggelenk ist in eine vordere (Articulatio subtalaris) und eine hintere Gelenkkammer (Articulatio talocalcaneonavicularis) geteilt.
Die beiden Kammern werden vom Sprungbein-Fersenbein-Band (Lig. talocalcaneum interosseum) getrennt, das in der Arthroskopie ebenfalls besichtigt werden kann.

In der vorderen Gelenkammer können die Gelenkflächen des Os naviculare (Kahnbein), die unteren Gelenkflächen des Talus (Sprungbein) und die vorderen Gelenkflächen des Fersenbeins beurteilt werden. Am Boden der vorderen Gelenkkammer befindet sich das mit Knorpel überzogene Pfannenband, das in der Arthroskopie ebenfalls einsehbar ist.
In der hinteren Gelenkkammer artikulieren die obere Gelenkfläche des Fersenbeins und die hintere Gelenkfläche des Sprungbeines miteinander. Die Gelenkkapsel des unteren Sprunggelenks wird durch verschiedene Bandstrukturen verstärkt.

Die durch die Arthroskopie festgestellten pathologischen Veränderungen in der Gelenkhöhle des Sprunggelenks müssen nicht zwangsläufig mit den Symptomen oder Funktionseinschränkungen des Patienten korrelieren.


Indikation

Wenn das MRT-Bild vom Sprunggelenk nicht eindeutig ist, kann eine Arthroskopie des Sprunggelenks zu rein diagnostischen Zwecken durchgeführt werden.
Eine Arthroskopie des Sprunggelenks kann auch zur Therapie eingesetzt werden, da während dem Eingriff die Möglichkeit besteht, Instabilitäten des Sprunggelenks beispielsweise durch beschädigte Sehnen oder Bänder zu reparieren.

Freie Gelenkkörper können befestigt werden, Erkrankungen und Schäden des Knorpels behandelt und entzündete, eitrige Gelenke gespült werden.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht bei Erkrankungen der Gelenkschleimhaut sowie bei einer Arthrose des Sprunggelenks. Die Arthroskopie des Sprunggelenks wird zunehmend aufgrund ihrer vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten eingesetzt.

Arthrose Sprunggelenk

Die Arthroskopie des Sprunggelenks ist zum Beispiel bei einer Arthrose des Sprunggelenks indiziert.
Eine Arthrose im Sprunggelenk entsteht in einer Vielzahl der Fälle durch eine vorangegangene Bruchverletzung, die in einer Fehlstellung verheilt.

Kommt es beim sogenannten „Umknicken“ im oberen Sprunggelenk nicht nur zu einer Verletzung des Bandapparates, sondern auch zu einer Luxationsfraktur der Malleolengabel, kann eine Arthrose des oberen Sprunggelenks die Folge sein.

Nach einem Bruch des Fersenbeins kann es durch Fehlstellungen nach Abschluss der Knochenheilung allmählich zu einer Arthrose des unteren Sprunggelenks kommen.
Bei Knochenbrüchen im Bereich des Sprunggelenks muss deshalb auf eine korrekte Stellung der beteiligten Bruchstücke geachtet werden.

Die Arthrose des oberen Sprunggelenks betrifft also nicht nur ältere Patienten, kann aber natürlich auch ohne eine vorangegangene Verletzung durch gewöhnliche Alterserscheinungen des Knorpels und der Gelenkflächen auftreten. Patienten mit einer Arthrose im Sprunggelenk klagen häufig über Schmerzen beim Treppensteigen oder Bergaufgehen.

Die schmerzhafte Bewegungseinschränkung verschlechtert sich im Laufe der Zeit, sodass sich eine begleitende Fehlstellung im Sprunggelenk entwickeln kann.

Ablauf

Die Arthroskopie des Sprunggelenks wird entweder in Vollnarkose oder in regionaler Betäubung durchgeführt.
In Absprache mit dem Operateur und dem Anästhesisten wird das passende Narkoseverfahren für den jeweiligen Patienten ausgesucht.

Der Eingriff wird im Operationssaal unter sterilen Bedingungen durchgeführt. Es ist möglich, nur das obere Sprunggelenk oder nur das untere Sprunggelenk zu inspizieren, auch eine Kombination ist möglich. Das obere Sprunggelenk wird etwa doppelt so oft einer Arthroskopie unterzogen wie das untere.

Die Arthroskopie des Sprunggelenks wird nach Anlegen einer Blutsperre begonnen. Die Blutsperre ist nötig, um den Blutaustritt aus kleinen Gefäßen im Operationsgebiet zu verhindern, da dieses Blut die Sicht erheblich einschränken würde.

Da das Sprunggelenk sehr enge räumliche Verhältnisse aufweist, ist eine Distraktion (Auseinanderziehen) von Unterschenkel und Fuß nötig.
Diese Distraktion kann manuell oder durch Gewichte geschehen.
An der Vorderseite des Sprunggelenks werden zwei kleine Schnitte gesetzt, um die Instrumente einzuführen.

In eine der beiden Zugangsstellen wird ein stumpfer Führungsstab eingeführt, durch den die Kamera ins Gelenk eingebracht wird.
Der zweite Zugangsweg dient als Arbeitskanal für Instrumente. Durch die angewendete Schlüsselloch-Technik werden Muskeln und Sehnen nicht verletzt, sondern von den Instrumenten zur Seite geschoben, was die Komplikationsrate im Vergleich zu offenen Operationen deutlich senkt.

Es kann nötig werden, weitere Zugangswege für Instrumente zu schaffen, diese befinden sich entweder ebenfalls an der Vorderseite des Sprunggelenks oder werden an der seitlichen Rückseite angebracht. Die Kamera überträgt die Bilder aus dem Sprunggelenk, der Operateur kann also jederzeit sehen, wo er sich momentan befindet und welche Strukturen er mit den Instrumenten bearbeitet.

Während der Arthroskopie des Sprunggelenks identifiziert der Operateur die pathologischen Strukturen und behandelt diese gegebenenfalls durch Einführen geeigneter Instrumente durch den Arbeitskanal.
Der Untersucher identifiziert beispielsweise Knorpelschäden im kompletten Sprunggelenk und analysiert diese in Bezug auf angeborene Fehlstellungen oder frühere Verletzungen. Entdeckt der Operateur übermäßiges Wachstum von Schleimhautveränderungen oder Knochenausläufer, kann er diese entfernen.

Gerissene oder gelockerte Bandstrukturen können fixiert oder genäht werden. Die Arthroskopie des Sprunggelenks dauert je nach therapeutischem Eingriff 30-60 Minuten und kann in vielen Fällen ambulant durchgeführt werden.

Risiken

Die Arthroskopie kann in lokaler Betäubung durchgeführt werden und ist relativ risikoarm. Natürlich sollte die Arthroskopie aufgrund ihrer Invasivität trotzdem nur bei Patienten eingesetzt werden, bei denen dieser Eingriff zwingend notwendig ist.

Nachbehandlung

Nach der Arthroskopie ist eine Vollbelastung prinzipiell möglich, trotzdem sollte der Patient sich in den zwei Wochen nach dem Eingriff schonen und starke Belastungen vermeiden.

Schmerzen können durch die Einnahme von Schmerzmitteln gelindert werden. Eventuell verordnet der Arzt eine Teilbelastung des Sprunggelenks, Krankengymnastik oder eine Thromboseprophylaxe.

Die Prognose ist von der Grunderkrankung abhängig und nicht allgemeingültig vorherzusagen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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