Bauchnabelentzündung beim Kind

Definition

Der Bauchnabel entsteht nach der Geburt durch das Durchtrennen der Nabelschnur. Die Reste der Nabelschnur trocknen ab und bilden den Nabel, der bei jedem Menschen ein wenig anders aussieht.
Eine Entzündung des Bauchnabels wird in der Fachsprache als Omphalitis bezeichnet und tritt meistens einige Tage nach der Geburt auf. Es handelt sich in den meisten Fällen um eine Infektion durch Bakterien, die während oder nach der Geburt auf das Kind übertragen werden.

Besonders in den Entwicklungsländern stellt eine Bauchnabelentzündung eine gefährliche Erkrankung dar und ist der Grund für viele Sterbefälle von Neugeborenen. In den Industriestaaten tritt sie sehr viel seltener auf und kann in den meisten Fällen erfolgreich behandelt werden.

Ursachen

Die Ursache für eine Bauchnabelentzündung beim Kind ist in den meisten Fällen eine bakterielle Infektion. Während oder nach der Geburt gelangen Bakterien in den Nabelbereich und führen dort zu einer Entzündung des Nabels und eventuell auch des umliegenden Gewebes. Dies ist hauptsächlich bei Neugeborenen der Fall, da deren Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist und die körpereigene Abwehr sich nicht ausreichend gegen die Bakterien wehren kann. Neugeborene, die ein sehr geringes Geburtsgewicht haben oder Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko, eine Entzündung des Bauchnabels zu entwickeln. Auch, wenn eine Punktion der Nabelschnur durchgeführt wurde, ist das Risiko erhöht.

Mehr Informationen dazu finden Sie auch hierBauchnabelentzündung beim Baby

Symptome

Die Symptome einer Bauchnabelentzündung beim Kind können einige Tage bis Wochen nach der Infektion auftreten.

Der Nabel selbst und die Haut um den Bauchnabel herum weisen oftmals eine Rötung und Schwellung auf. Aus dem Bauchnabel kann ein eitriges Sekret austreten, das sehr stark riechen kann. In manchen Fällen kann auch Blut aus dem Bauchnabel austreten.

Auch umliegendes Muskelgewebe oder anderes Weichteilgewebe kann bei einer Bauchnabelentzündung mit betroffen sein. Besonders gefürchtet ist dabei die sogenannte nekrotisierende Fasziitis, bei der viele Schichten der Haut und auch des darunterliegenden Gewebes durch Bakterien infiziert werden und infolgedessen absterben können.

Wenn die Erreger der Bauchnabelentzündung auf irgendeinem Weg in das Blut verschleppt werden, so kann sich daraus eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln. Diese macht sich unter anderem durch Fieber und andere allgemeine Krankheitszeichen bemerkbar.

Rötung des Bauchnabels

Eine Rötung tritt in den meisten Fällen bei einer Entzündung auf. Besonders der Bauchnabel selbst und die Region um den Nabel herum sind davon betroffen. Hinzu kommt oft noch eine Schwellung und eine Druckschmerzhaftigkeit.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unterSchmerzen am Bauchnabel

Eiteraustritt aus dem Bauchnabel

Wenn Eiter aus dem Bauchnabel austritt, ist dies ein relativ sicheres Zeichen für eine vorliegende Bauchnabelentzündung. Zusätzlich zu dem Eiter oder anstelle dessen, kann auch Blut aus dem Bauchnabel hervorkommen. In Verbindung mit einer Rötung und Schwellung des Bauchnabels und der umliegenden Region gehört Eiter zu den typischen Symptomen einer Bauchnabelentzündung.

Falls der Bauchnabel Ihres Kindes außerdem etwas unangenehm riecht, finden Sie hier weitere Informationen:Bauchnabel stinkt - was steckt dahinter?

Bauchnabel stinkt

Wenn der Bauchnabel beim Kind stinkt, kann dies ein Hinweis auf eine Bauchnabelentzündung sein. Oftmals liegen neben dem unangenehmen Geruch noch weitere Anzeichen - wie Rötungen und Schwellungen - vor, die den Anschein einer Bauchnabelentzündung unterstützen. Für den Geruch verantwortlich kann dabei z.B. Eiter sein.

Doch unangenehmer Geruch muss nicht zwingend auf eine Bauchnabelentzündung hindeuten. Es gibt noch viele weitere Gründe, die dafür verantwortlich sein können, dass der Bauchnabel beim Kind stinkt. 

Erfahren Sie mehr dazu auf unserer Seite zu: Bauchnabel stinkt - Was steckt dahinter?

Ab wann wird es gefährlich?

Prinzipiell kann jede Bauchnabelentzündung beim Kind gefährlich werden, wenn sie nicht therapiert wird. Daher sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Die Therapie orientiert sich dann am Ausmaß der Bauchnabelentzündung

Um eine gefährliche Bauchnabelentzündung ausschließen zu können, ist auch die Achtsamkeit der Eltern von Bedeutung. Achten Sie vor allem, ob Ihr Kind fiebert. Wenn Ihr Kind sich nicht spontan bewegt, nicht reagiert, sehr schläfrig ist oder eine auffallende Trinkschwäche hat, kann dies ein Hinweis auf dringende, behandlungsbedürftige Entzündung am Bauchnabel sein. Ebenso sollten Sie ständig darauf achten, ob der Bauch ihres Kindes angespannt und überdehnt ist. Auch dies stellt einen Notfall dar.

Diagnose

Eine Bauchnabelentzündung beim Kind kann meistens durch bloßes Ansehen diagnostiziert werden. Die Entzündung fällt durch Rötung und Schwellung der Nabelregion auf. Typischerweise kommt Sekret hinzu, das aus dem Bauchnabel austritt.

Der Arzt kann den Erreger der Bauchnabelentzündung durch einen Abstrich mit einem Tupfer genau bestimmen, um ein geeignetes Antibiotikum zur Behandlung auszuwählen. Im Blut treten bei einer Bauchnabelentzündung die typischen Entzündungszeichen auf. Es besteht die Möglichkeit die Bauchnabelregion mittels Ultraschall zu untersuchen. In der Regel reicht jedoch das klinische Erscheinungsbild aus, um die Diagnose einer Bauchnabelentzündung zu stellen.

Behandlung

Bei einer bestehenden Bauchnabelentzündung beim Kind sollte schnellstmöglich mit einer geeigneten Therapie begonnen werden, um zu verhindern, dass die Erreger in das Blut gelangen und dort zu einer Blutvergiftung führen.

Je nachdem, wie ausgeprägt die Entzündung ist, kann zuerst versucht werden, sie mit einer antiseptischen oder antibiotikahaltigen Salbe zu behandeln. Eine engmaschige Kontrolle durch den Kinderarzt ist allerdings notwendig, um auf eventuelle Verschlechterungen sofort reagieren zu können. Wenn die Bauchnabelentzündung beim Kind schon sehr ausgeprägt ist, oder wenn die Behandlung mit Salben nicht ausreicht, so wird ein Antibiotikum, meist in Form eines Saftes oder als Tabletten, in altersentsprechender Dosierung verschrieben. Dieses sollte auf jeden Fall über den gesamten vorgegebenen Zeitraum eingenommen werden, um alle Erreger abzutöten.

Kommt es zu Komplikationen beim Krankheitsverlauf, etwa wenn sich ein Abszess bildet, Gewebe abstirbt oder ein Fortschreiten der Infektion nicht durch ein Antibiotikum unterbunden werden kann, so muss die Bauchnabelentzündung operiert werden. Dann kann die Infektion nur durch einen chirurgischen Eingriff in den Griff bekommen werden und die Operation unter Umständen lebensrettend sein.

Eine Aufenthalt im Krankenhaus mit intensivmedizinischer Betreuung ist oftmals bei einer schweren, sich schnell ausbreitenden Bauchnabelentzündung nicht zu umgehen.

Welcher Arzt behandelt die Bauchnabelentzündung?

Da die Bauchnabelentzündung sich meistens während oder kurz nach der Geburt entwickelt, wird die Diagnose oftmals von den behandelnden Kinderärzten im Krankenhaus festgestellt. Dort kann dann auch die Behandlung durch Antibiotika stattfinden. Entwickelt sich die Bauchnabelentzündung erst nachdem das neugeborene Baby schon Zuhause ist, kann der Kinderarzt aufgesucht werden. Dieser behandelt entweder selber die Entzündung, wenn es sich nur um eine milde handelt oder gibt eine Überweisung ins Krankenhaus. Dies ist bei einer schweren Bauchnabelentzündung erforderlich.

Behandlung mit Salben

Eine Salbe ist häufig der erste Therapieansatz bei einer Bauchnabelentzündung beim Kind. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Entzündung nicht allzu weit fortgeschritten und nur auf den Bauchnabel begrenzt ist. In solchen Fällen verordnet der Kinderarzt eine antibiotikahaltige Salbe, die regelmäßig auf den Bauchnabel und die umliegende Region aufgetragen werden muss. Wenn durch die Salbe keine Besserung erreicht werden kann oder wenn die Entzündung sich sogar ausbreitet, sollte sofort ein Kinderarzt aufgesucht werden und mit einer systemischen Antibiotikagabe begonnen werden, also in Tabletten- oder Saftform.

Hausmittel bei einer Bauchnabelentzündung

Hausmittel bei einer Bauchnabelentzündung sind recht beliebt. Dennoch empfiehlt es sich, insbesondere bei Kindern, nicht nur auf Hausmittel zu vertrauen, da Kinder - vor allem Neugeborene - noch kein ausgereiftes Immunsystem haben. Somit kann es schnell zu Ausbreitung der Bauchnabelinfektion kommen. Daher sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Als Hausmittel bei einer Bauchnabelentzündung können Folgende eingesetzt werden:

  • Spülungen mit Salzwasser: Dies hat eine antientzündliche Wirkung auf den Bauchnabel und kann die Rückbildung der Infektion unterstützen
  • Spülungen mit Kamille: Auch Bäder mit einfachem Kamille können sich positiv auf die Entzündung auswirken, da sie ebenso antibakteriell wirken können
  • Öle:Teebaumöl und Kokosnussöl sind ebenso beliebte Mittel bei der Behandlung von der Bauchnabelentzündung. Diese Öle sollen die Vermehrung der Bakterien verlangsamen und sind auf diese Weise antibakteriell.
  • Kompressen: Wenn Sie merken, dass Ihr Kind Schmerzen hat, dann können unter Umständen warme Kompressen auf den Bauchnabel legen. Dies kann beruhigend auf Ihr Kind wirken.

Homöopathie bei einer Bauchnabelentzündung

Aloe Vera kann bei der Behandlung einer Bauchnabelentzündung in Form einer Salbe oder eines Gels um die entzündete Stelle aufgetragen werden. Dies soll eine beruhigende Wirkung vermitteln. Wichtig ist es, dass Gel nach etwa 15 bis 20 Minuten wieder zu entfernen, damit der Bauchnabel sauber bleibt.

Lesen Sie mehr zu dieser Heilpflanze unter:Aloe Vera

Dauer einer Bauchnabelentzündung beim Kind

Bei Verdacht auf eine Bauchnabelentzündung beim Kind sollte sofort ein Kinderarzt aufgesucht werden, da die Erreger sich sehr schnell ausbreiten und dann zu Komplikationen führen können.

Nach Beginn der Therapie durch antibiotikahaltige Salben oder die Einnahme eines Antibiotikums sollten sich die Symptome innerhalb weniger Tage bessern. Engmaschige Kontrollen durch den Kinderarzt sind sehr wichtig, da die Komplikationen unter Umständen lebensgefährlich sein können. Bei einem unkomplizierten Verlauf sollten die Symptome nach etwa einer Woche zurückgegangen sein.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema erhalten Sie auf folgenden Seiten:

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 17.10.2016 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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