Bindegewebsmassage

Einleitung

Die Bindegewebsmassage gehört zu den Reflexzonenmassagen und wird auch als subkutane Reflextherapie (SRT) bezeichnet.

Dabei handelt es sich um eine manuelle Reiztherapie, die am Rücken ansetzt und auf einer Strich- und Zugtechnik beruht.

Hintergedanke der Massage ist, dass die Behandlung nicht nur lokal wirkt, sondern auch über bestimmte Nervenreizungen (Reflexe), vor allem Wirkungen auf innere Organe, den Bewegungsapparat und Gefäße erzielen kann.

Dies unterscheidet die Bindegewebsmassage von klassischen Massagearten, die auf den Bewegungsapparat und die Lockerung der Muskulatur ausgerichtet sind.

Der Reflexbogen, der dabei genutzt wird, ist der sogenannte kutiviszerale Reflexbogen.

Die Bindegewebsmassage führt primär zu einer gesteigerten Durchblutung.

Lesen Sie hier weiter: Faszien - Funktion, Schäden, Schmerzbehandlung

Wirkungen

Durch die Bindegewebsmassage kommt es im Optimalfall zu einer Entspannung des massierten Bindegewebes sowie zu einer Entspannung der inneren Organen, der Muskulatur und Gefäße.

An der Körperoberfläche beziehungsweise an der Haut unterscheidet man verschiedene Zonen, die sogenannten Head’schen Zonen.
Jede dieser Zonen steht in einer nervalen Verbindung zu einem inneren Organ, da sie von demselben Nervenstrang versorgt werden.

Durch eine Massage des entsprechenden Hautsegments sollen diese Organe positiv beeinflusst werden. Durchblutung und Stoffwechsel des Organs werden angeregt, wodurch das Organ besser mit Nährstoffen versorgt wird.

Aufgrund dieser Begebenheiten sollte der Behandelnde gute Kenntnisse über die Reflexbögen und das Nervensystem besitzen.

Therapeuten gehen davon aus, dass Verspannungen der Muskulatur und des Bindegewebes oft durch Erkrankungen innerer Organe entstehen, wodurch die Haut fester mit der Unterhaut verbunden ist, sodass das Unterhautbindegewebe aufgequollen oder eingezogen erscheint.

Durch Behebung dieser Verspannungen wird versucht die Situation des betroffenen Organs zu verbessern und die Verklebung des Bindegewebes zwischen Unterhautfettgewebe und Muskelfaszie kann gelöst werden.


Durch die Behandlung kommt es zu einer Entspannung der glatten Muskulatur der peripheren Blutgefäße, wodurch die Gefäße weit gestellt werden und eine bessere Durchblutung erfolgt.

Diese Durchblutungssteigerung (Hyperämie) stellt die erste und wichtigste Reaktion auf die Bindegewebsmassage dar.

Über den Reflexbogen werden neben der Gefäßweitstellung Organfunktionen wie Sekretion und Bewegung normalisiert und verbessert.

Bei funktionellen Schmerzsyndromen ist eine schmerzlindernde Wirkung durch die Behandlung möglich.

Desweiteren kann die Bindegewebsmassage unter Umständen auch Auswirkungen auf das periphere Nervensystem haben, sodass der Patient beispielsweise anfängt zu schwitzen.

Typisch für die Bindegewebsmassage ist, dass der Patient während der Behandlung ein klares Schneidegefühl im behandelten Abschnitt empfindet, als würde der Therapeut nicht mit den Fingerkuppen, sondern mit den Fingernägeln die Behandlung durchführen.

Dementsprechend wird die Behandlung von den Patienten als eher unangenehm wahrgenommen. Dieses Schneidegefühl ist umso stärker, je höher die Gewebespannung ist.

Durch die Behandlung kommt es zudem zu einer zeitlich begrenzten Quaddelbildung (kleine rote Erhebungungen der Haut), die eine Reaktion auf die Durchblutungssteigerung darstellen.

Insbesondere bei Patienten mit schwachem Bindegewebe können durch die Behandlung blaue, nicht schmerzhafte Flecken auftreten. Teilweise beobachten Patienten etwa ein bis zwei Stunden nach der Massage eine eintretende Müdigkeit.

Therapieablauf

Die Behandlung dauert etwa 10-30 Minuten und wird zwei bis drei Mal pro Woche durchgeführt.

Für eine gesteigerte Effektivität sollten die ersten Behandlungen allerdings länger dauern.

Um die beste Wirkung zu erzielen, sollte der Patient nach der Behandlung eine 30-minütige Ruhepause einhalten.

In der Regel beginnt die Bindegewebsmassage mit dem sogenannten kleinen Aufbau, im Bereich des unteren Rückenabschnitts (Kreuzbein).

Beendet wird die Massage im Bereich des oberen Rückens.

Auch wenn der verspannte Bereich hauptsächlich ein bestimmtes Areal beziehungsweise Organ betrifft, sollte die Behandlung immer den ganzen Rücken einbeziehen, da die einzelnen Organsysteme miteinander in Verbindung stehen und sich so gegenseitig beeinflussen können.

Die Massage wird hauptsächlich von Ring- und Mittelfinger in einer Strich- und Zugtechnik durchgeführt. Sie bezieht sich auf Haut, Unterhaut und Fasziengewebe.

Dabei kann der Therapeut verschiedene Techniken anwenden.
Bei der „flächigen Technik“ verschiebt man flächig das Unterhautgewebe mit Daumen und Fingerkuppen.

Die „Hauttechnik“ wirkt hingegen oberflächlicher, in dem man oberflächlich und ebenfalls flächig die oberflächliche Verschiebeschicht der Haut bearbeitet.

Bei der „Unterhauttechnik“ muss man einen stärkeren Zug aufwenden.
Die Technik ist am effektivsten, je höher die angewendete Spannung ist.

Als letztes gibt es noch die „Faszientechnik" (Faszie = derbe Bindegewebsschicht, die Muskeln oder ganze Körperabschnitte umgibt), dabei hakt der Therapeut an den Faszienrändern mit den Fingerkuppen an.
Der stärkste Zug ergibt sich verglichen mit den anderen Techniken insgesamt bei der Faszientechnik.

Abbildung Bindegewebe stärken

Bindegewebe stärken
I
- Haut mit starkem
Bindegewebe
(Straffe Hautoberfläche)
II - Haut mit
Bindegewebsschwäche
(Dellen auf der
Hautoberfläche)

  1. Haut - Cutis
  2. Gestärkte Gewebefasern
  3. Normale Fettzellen -
    Adipozyten
  4. Tiefliegende Fettschichten
    (Fettreserve)
  5. Muskel
  6. Vergrößerte Fettzellen
  7. Schwache Gewebefasern
    Methoden die das Bindegewebe
    zumindest positiv beeinflussen:

    A - Gewichtsnormalisierung
    B - Ausgewogene Ernährung
    (frisches Obst, Gemüse, Reduktion
    von Zucker und tierischen Fetten)
    C - Ausreichende Trinkmenge
    (etwa 1,5 - 2 Liter am Tag)
    D - Regelmäßiger Sport
    (Joggen, Walken, Schwimmen,
    Radfahren, Gymnastik-Bauch-Beine-Po,
    Aquajogging)
    E - Massagen
    (Algenwickel, Lymphdrainagemassagen)
    F - Hautpflege
    (Anti-Cellulite-Cremes)
    G - Chirurgische Maßnahmen
    (Fettabsaugung, Bauchdeckenstraffung,
    Oberschenkel- und Oberarmstraffung)

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Indikationen

Die Bindegwebsmassage verschafft bei diversen Krankheiten Linderung.

Man wendet sie hauptsächlich bei Erkrankungen des Bewegungsapparates an, wie bei Arthrosen, rheumatischen Erkrankungen oder Erkrankungen nach erfolgten Traumata.

Aufgrund des kutiviszeralen Reflexbogens lässt sich die Massage auch bei Erkrankungen innerer Organe anwenden, wie Atemwegserkrankungen, Erkrankungen der Verdauungsorgane, der urogenitalen Organe und bei nicht-akuten Organentzündungen.

Aufgrund der durchblutungsfördernden Eigenschaften erzielt sie gute Wirkungen bei Gefäßerkrankungen im Rahmen der Arteriosklerose (Arterienverkalkung), bei arteriellen Durchblutungsstörungen, bei Venenleiden wie Krampfadern.

Sie lässt sich gut zur Schmerzbehandlung verschiedener Genese anwenden, beispielsweise verzeichnen sich bei Menstruationsbeschwerden und auch bei Migräne Erfolge.

Ein weiteres Anwendungsgebiet sind neurologische Störungen, wie Lähmungen, Spastiken oder Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nerven (Neuralgie).

Auch zur Stressbehandlung kann die Bindegewebsmassage angewendet werden.

Kontraindikationen

Im Prinzip ist die Bindegewebsmassage nebenwirkungsfrei, sollte aber bei gewissen Erkrankungen tendenziell vermieden werden.

Kontraindikationen beziehungsweise Erkrankungen, bei denen man vor der Anwendung einer Bindegewebsmassage Rücksprache mit seinem behandelnden Arzt halten sollte, sind:

Geschichte

Die Bindegewebsmassage wurde 1929 zufällig von der deutschen Krankengymnastin Elisabeth Dicke (1884-1952) entdeckt und entwickelt.

Durch Behandlung schmerzhafter Areale am Becken entdeckte sie per Zufall am eigenen Körper, dass die Behandlung außer der lokalen Schmerzlinderung eine Wirkung auf die Durchblutung ihrer Beine hat.

Ihr rechtes Bein litt zu der Zeit an einer Durchblutungsstörung und hätte vermutlich in Kürze amputiert werden müssen.
Nach dreimonatiger Behandlung bildeten sich die Beschwerden jedoch vollständig zurück.

Von ihrem Erfolg überzeugt, testete sie ihre neuen Erkenntnisse auch an ihren Patienten aus und erzielte ähnliche Ergebnisse.

Zusammen mit der Krankengymnastin und Ärztin Hede Teirich-Leube (1903-1979) entwickelte Elisabeth Dicke ihre Technik weiter.
An der Universität Freiburg wurde die Effektivität der Bindegewebsmassage klinisch untersucht.

Letztendlich veröffentlichten die beiden Krankengymnastinnen ein Buch über ihre gemeinsame Arbeit.
Ab 1950 verbreitete sich diese neue Methode relativ schnell und wird seitdem von Physiotherapeuten und Ärzten eingesetzt.

Abbildung Bindegewebe

Bindegewebe
I
- Haut mit starkem
Bindegewebe
(Straffe Hautoberfläche)
II - Haut mit
Bindegewebsschwäche
(Dellen auf der
Hautoberfläche)

  1. Haut - Cutis
  2. Gestärkte Gewebefasern
  3. Normale Fettzellen -
    Adipozyten
  4. Tiefliegende Fettschichten
    (Fettreserve)
  5. Muskel
  6. Vergrößerte Fettzellen
  7. Schwache Gewebefasern
    Anzeichen einer Bindegewebsschwäche:
    A - Cellulite (Orangenhaut) -
    eingedellte Hautstruktur
    B - Schwangerschafts- oder
    Dehnungsstreifen
    C - Besenreiser
    (eine Art von Minikrampfvenen)
    D - Krampfadern
    (Varizen)
    E - Hämorrhoiden
    (Enddarmkrampfadern)
    F - Gebärmuttersenkung
    (Senkung der Gebärmutter in
    ihrem Halteapparat)

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Weitere Informationen zu diesem Thema

Weitere allgemeine Informationen zu diesem Thema:

Eine Übersicht immer unter: Orthopädie A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 04.01.2018
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