Stärken des Bindegewebes

Viele Menschen leiden unter einer sog. Bindegewebsschwäche. Doch welche Methoden existieren, um gezielt das Bindegewebe zu stärken?

Ausgangssituation Bidegewebsschwäche

Eine Bindegewebsschwäche ist genetisch bedingt. Das heißt die Anlage, schwaches Bindegewebe auszubilden, wird über die Eltern vererbt.

Die Bindegewebsschwäche nimmt mit dem Alter zu.
Auch die Hormonsituation ist entscheidend für die Ausbildung einer Bindegewebsschwäche. Während der Schwangerschaft und in den Wechseljahren ändert sich der Hormonhaushalt der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron, sodass in diesen Situationen das Bindegewebe besonders empfindlich wird.

Frauen sind generell deutlich häufiger als Männer betroffen. Verhaltensweisen wie Rauchen, Bewegungsarmut, ungesunde und fettreiche Kost sowie einige Medikamente können das Problem drastisch verstärken.

Die Bindegewebsschwäche zeigt sich nicht nur wie oft vermutet in einer Cellulite (Orangenhaut) oder der Ausbildung von Schwangerschafts- oder Dehnungsstreifen, sondern kann auch die Ausbildung von Leistenbrüchen oder Bandscheibenvorfällen begünstigen. Auch BesenreiserKrampfadernHämorrhoiden und die Gebärmuttersenkung sind bei Betroffenen mit schwachem Bindegewebe häufiger. Die Bindegewebsschwäche ist damit also ein kosmetisches und ein medizinisches Problem.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Schwäche des Bindegewebes.


Abbildung Bindegewebe stärken

Bindegewebe stärken
I
- Haut mit starkem
Bindegewebe
(Straffe Hautoberfläche)
II - Haut mit
Bindegewebsschwäche
(Dellen auf der
Hautoberfläche)

  1. Haut - Cutis
  2. Gestärkte Gewebefasern
  3. Normale Fettzellen -
    Adipozyten
  4. Tiefliegende Fettschichten
    (Fettreserve)
  5. Muskel
  6. Vergrößerte Fettzellen
  7. Schwache Gewebefasern
    Methoden die das Bindegewebe zumindest positiv beeinflussen:
    A - Gewichtsnormalisierung
    B - Ausgewogene Ernährung (frisches Obst, Gemüse, Reduktion von Zucker und tierischen Fetten)
    C - Ausreichende Trinkmenge (etwa 1,5 - 2 Liter am Tag)
    D - Regelmäßiger Sport (Joggen, Walken, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik-Bauch-Beine-Po, Aquajogging)
    E - Massagen (Algenwickel, Lymphdrainagemassagen)
    F - Hautpflege (Anti-Cellulite-Cremes)
    G - Chirurgische Maßnahmen (Fettabsaugung, Bauchdeckenstraffung, Oberschenkel- und Oberarmstraffung)

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Therapie

Da man die Qualität des Bindegewebes vererbt bekommt, gibt es keine Ursachentherapie. Allerdings gibt es Methoden, die das Bindegewebe zumindest positiv beeinflussen.

Gewichtsnormalisierung

Bei Übergewichtigen ist das Bindegewebe permanent unter Zug, sodass es auf Dauer ausleiert und schwach wird. Die Folge sind nicht nur Dehnungsstreifen und Cellulite, sondern das Übergewicht stellt auch einen Risikofaktor für die Entstehung von Leistenbruch und Bandscheibenvorfall dar! Darum gilt es, entweder das eigene Normalgewicht zu halten oder zu erreichen. Ist eine Gewichtsabnahme erforderlich, sollte unbedingt eine Ernährungsumstellung erfolgen. Sehr schädlich sind nämlich starke Gewichtsveränderungen, wie bei wiederholten Nulldiäten mit anschließendem Jo-Jo-Effekt. Hierbei kommt es nämlich zur abwechselnden Dehnung und Lockerung des Bindegewebes, was die nicht elastischen Bindegewebsfasern ausleiert und damit schwächt.

Ernährung und Trinkmenge

Neben der Gewichtsnormalisierung sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Viel frisches Obst, Gemüse und Reduktion der Zufuhr von Zucker und tierischen Fetten fördert einen gesunden Aufbau des Bindegewebes. Wichtig ist die Vitaminzufuhr, die jedoch meist durch eine ausreichende Versorgung mit Obst und Gemüse gedeckt werden kann und keine Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich macht. Ausschlaggebend ist außerdem eine ausreichende Trinkmenge. Diese sollte etwa 1,5 bis 2 L am Tag betragen – bei körperlicher Betätigung und an heißen Sommertagen auch etwas mehr. Das Bindegewebe speichert Wasser und wirkt straffer, wenn es genügend Wasser enthält. Außerdem können nur so Abfallprodukte des Stoffwechsels, die sich auch im Bindegewebe ansammeln, über die Nieren aus dem Körper gespült werden.

Bindegewebe stärken durch Sport

Regelmäßiger Sport ist essenziell zur Straffung des Bindegewebes. Optimal ist eine Mischung aus Ausdauersport und Kraftsport. Als Ausdauersport bieten sich zum Beispiel zweimal wöchentlich eine Dreiviertelstunde Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren an. Gymnastik, Bauch-Beine-Po Kurse, Aquajogging und viele weitere Angebote fördern gezielt die Straffung der betroffenen Körperregionen. Der Sport erfordert sehr viel Disziplin und Geduld, ist aber unerlässlich zur Stärkung des Bindegewebes!
Auch die sog. Blackroll kann beim Stärken des Bindegewebes helfen.

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Wechselduschen

Durch warm-kalte Wechselduschen fördert man die Durchblutung des Bindegewebes und den Abtransport von Lymphflüssigkeit. Dazu hält man nach dem Duschen den Duschstrahl auf die betroffenen Stellen. Man beginnt immer mit warmem Wasser und schließt die Wechseldusche mit kaltem Wasser ab – das Ganze 4 bis 5 mal im Wechsel. Als Nebeneffekt machen Wechselduschen wach und man sagt ihnen nach, dass sie den Körper abhärten gegen Kälte, Wärme und Erkältungen.

Massagen

Viele Betroffene schwören auf Massagen. Diese regen die Durchblutung der Haut, Unterhaut und Muskulatur an und stimulieren damit das Bindegewebe. Es gibt zahlreiche Massagetechniken, wobei eine einfache Bürste aus Drogeriemärkten täglich in kreisenden Bewegungen unter Druck angewandt ausreicht, um den gewünschten Effekt zu zeigen. Auch Algenwickel und die Anwendung von Lymphdrainagemassagen können helfen, überschüssige Lymphflüssigkeit aus dem Bindegewebe zu befördern.

Hautpflege

Zur Pflege sollte regelmäßig die Haut eingecremt werden. Cremes, u.a. Anti-Cellulite-Cremes, gibt es in allen Preisklassen zu kaufen. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass diese lediglich eine Unterstützung der Hautstraffung bewirken können und NICHT allein den Körper neu modellieren können. Die oben genannten Lifestyle-Änderungen sind also trotz der Cremes unumgänglich um das Bindegewebe gesund und straff zu halten.
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Andere Methoden

Es existiert ein großes Angebot an Nahrungsergänzungmitteln, pflanzlichen und homöopathischen Mitteln und Mineralien gegen Bindegewebsschwäche. Bitte bedenken Sie jedoch, dass oftmals keine klinisch erprobten Studien zu dem Wirkerfolg existieren. Recht neu ist die Entdeckung, dass spezielle Ultraschallwellen zur Straffung des Bindegewebes beitragen sollen. Dabei werden über eine schmerzfreie Bestrahlung mit Ultraschallwellen die Durchblutung und damit der Stofftransport angeregt.
So ähnlich funktioniert Reizstrom. Diese Methode stammt aus der Sportmedizin. Mit schwachen elektrischen Strömen werden Muskeln zur Kontraktion angeregt, wobei es zum Muskelaufbau und zur Bindegewebsstärkung kommen soll.
Beim Training im Vakuum, was heutzutage einige Fitnessstudios anbieten, wird während dem Steppen oder Fahrradfahren ein Sog auf Beine und Gesäß ausgeübt. Dies führt zu verstärkter Durchblutung und Erwärmung der betroffenen Regionen. Diese Verfahren sind teilweise recht kostspielig, es wurden jedoch tatsächlich schon positive Effekte nachgewiesen.

Chirurgische Maßnahmen

In schweren Fällen kann auch die Schönheitschirurgie einen Beitrag zur Bindegewebsstraffung erzielen. Eine spezielle Bindegewebschirurgie gibt es nicht. Allerdings kann bei vergeblichen Versuchen zur Gewichtsabnahme eine Fettabsaugung in Frage kommen. Nach Schwangerschaften oder starker Gewichtsreduktion kann eine Bauchdeckenstraffung die kosmetischen Ergebnisse günstig beeinflussen. Es gibt auch die Möglichkeit einer Oberschenkelstraffung oder Oberarmstraffung.

Bindegewebe für straffe Brust

Schwaches Bindegewebe der Brust ist besonders bei Frauen ein wichtiges Thema.

Da die weiblichen Brüste keine Muskeln enthalten, sondern vielmehr aus Bindegewebe, Fett und Drüsen bestehen, kann ein gezielter Muskelaufbau in diesem Bereich, anders als beim Mann, selten eine befriedigende Verbesserung der Bindegewebestabilität erreichen.

Viele Frauen befürchten, dass Schwangerschaften, die Stillzeit und andere Faktoren das Bindegewebe beeinflussen könnten und das äußere Erscheinungsbild einer „hängenden Brust“ auftreten könnte.

Studien aus den Vereinigten Staaten konnten zeigen, dass die Befürchtung, dass die Stillzeit einen negativen Effekt auf das Bindegewebe im Brustbereich hat nicht aufrecht zu halten ist.
Stattdessen hat die genetisch vererbte Größe der Brust, sowie externe Faktoren wie beispielsweise die individuelle Ernährung und der Konsum von Zigaretten einen erwiesenen Einfluss auf die Beschaffenheit der Haut und auf das Bindegewebe.

Auch das Erreichen der Wechseljahre hat einen Effekt auf das Bindegewebe der weiblichen Brust. In dieser Zeit bildet sich das Drüsengewebe innerhalb der Brust zurück, weshalb sie kleiner werden und das Bindegewebe an Straffheit verliert.

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Ernährung

Es wird angenommen, dass die Ernährung einen großen Effekt auf das Bindegewebe und den allgemeinen Gesundheitsstatus der Haut hat.

Abgesehen davon, dass die Ernährung effektiv helfen kann, das eigene Gewicht zu reduzieren, und damit einen positiven Einfluss auf das Erscheinungsbild eines schwachen Bindegewebes hat, wird bestimmten Nahrungsbestandteilen nachgesagt, einen positiven Effekt auf die Beschaffenheit der Haut und auf das Bindegewebe zu haben.

So ist eine ausreichende Menge an Vitaminen, insbesondere dem Vitamin C, ein wichtiger Bestandteil für strafferes Gewebe.
Unter einer normalen, ausgewogenen Ernährung sollte jedoch im Regelfall genügend Vitamin C enthalten sein. Es gilt zu beachten, dass eine Überdosierung von Vitamin C keinesfalls einen positiven Effekt auf den Körper hat und unter Umständen sogar die Entstehung von Nierensteinen verursachen kann.
Das regelmäßige Essen von Zitrusfrüchten versorgt den Körper mit ausreichenden Mengen an Vitamin C.

Wichtiger ist es, auf bestimmte Nahrungsbestandteile zu verzichten, um das Bindegewebe nicht zusätzlich zu belasten.
So ist eine fettarme und generell gesunde Ernährung essentiell für ein strafferes Gewebe, da sich weniger Fett anlagert, welches dann, durch die genetisch bedingte Bindegewebsschwäche, als unästhetisch wahrgenommen werden könnte.

Da das Bindegewebe außerdem Wasser speichern kann, wirkt es bei einer ausreichenden Trinkmenge die, ohne übermäßige körperliche Belastung oder hohen Temperaturen, bei etwa 1,5 bis 2 Litern liegen sollte, gestraffter. Abgesehen von dem positiven Effekt auf das Bindegewebe ist eine ausreichende Trinkmenge aus gesundheitlichen Gründen zu empfehlen.

Bindegewebe im Gesicht stärken

Mit höherem Alter nimmt die Elastizität und Straffheit des Bindegewebes auch in unserem Gesicht ab.
Bemerkbar wird dies durch Falten, wobei sich ein großer Industriezweig mit der Bekämpfung selbiger beschäftigt.

Grundsätzlich gehört das schwächer werdende Bindegewebe im Gesicht zum Alterungsprozess dazu, es gibt jedoch einige Möglichkeiten, den Effekt abzumildern. So existieren einige Salben und Cremes, die strafferes Bindegewebe im Gesicht versprechen.
Realistisch gesehen helfen diese Cremes meist besser bei kleineren Falten und in jüngerem Alter. Die Cremes beinhalten oft Stoffe wie Co-Enzym Q10, Vitamin A, E, C und B sowie Hyaluronsäure und Kollagen.

Alle haben gemein, dass sie die Faltentiefe abmildern wollen, wobei manche Cremes dieses Versprechen tatsächlich in einem gewissen Rahmen halten können.
Ein drastischer Effekt ist jedoch mit keinem der verfügbaren Cremes wahrscheinlich.

Eine andere Methode für die Faltenbekämpfung und der Straffung des Bindegewebes im Gesicht verspricht eine Therapie, die den Aufbau der Muskeln im Gesicht zum Ziel hat und damit eine effektive Faltenreduktion verspricht.

Chirurgische Maßnahmen der Straffung der Haut im Gesicht, sowie das Spritzen von Botox unter die Haut sind Möglichkeiten, das schwach werdende Bindegewebe zu kaschieren, sind jedoch mit eigenen Nebenwirkungen, beziehungsweise chirurgischen Eingriffen verknüpft.

Bindegewebe und Krampfadern

Der Begriff der Krampfadern (medizinisch: Varikose) beschreibt ein medizinischen Phänomen, dass unter anderem durch eine angeborene Bindegewebsschwäche ausgelöst werden kann.

Die Venen in unseren Beinen haben die Aufgabe, dass Blut zurück zum Herzen zu pumpen. Da dies entgegen der Schwerkraft passieren muss, gibt es Mechanismen, die diesen Vorgang erleichtern.
Mit jeder Muskelkontraktion kann ein bisschen Blut weiter nach oben transportiert werden.

Damit das Blut nach Erschlaffen des Muskels nicht sofort wieder in Richtung Füße fließt, existieren Venenklappen, die die Vene nach unten hin verschließen.

Bei einer Bindegewebsschwäche verlieren die Wände der Venen an Elastizität, was dafür sorgt, dass die Venenklappen nicht mehr richtig verschließen und doch Blut zurück fließt.

Somit herrscht ein höherer Druck auf die nächste, weiter unten liegende Klappe, welche dann leichter nachgibt. Durch diese höheren Druckverhältnisse in den oberflächlichen Venen entstehen die sogenannten Krampfadern, die von außen als geschlängelte Vene zu sehen sind.

Doch Krampfadern sind keineswegs nur ein ästhetisches Problem sondern können einige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Um die Entstehung von Krampfadern aufgrund von schwachem Bindegewebe zu verhindern, ist eine ausreichende Bewegung und Stärkung des Muskelgewebes entscheidend.
Durch die Bewegung und den Muskelaufbau können die Venen in ihrer Aufgabe des Rücktransports des Blutes gestärkt werden und somit einer Entstehung von Krampfadern effektiv vorgebeugt werden.

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      Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 24.08.2017
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