Bromelain

Einleitung

Bromelain hat entzündungshemmende und gerinnungshemmende Wirkungen. Es steht für eine Gruppe eiweißabbauender Enzyme bestimmter Pflanzen. Diese besonderen Enzyme finden sich unter anderem in der Ananaspflanze. Daher wird es auch zur Gruppe der sogenannten Phytotherapeutika gezählt, die auch als pflanzliche Arzneimittel bekannt sind.
Bromelain wird durch seine bestimmten Wirkungen zur Therapie von Entzündungen oder Verletzungen, die mit Schwellungen einhergehen, eingesetzt. Auch in der Ödembehandlung findet es seine Anwendung. Bromelain ist unter anderem unter dem Handelsnamen Bromelain-POS©, Wobenzym© oder Traumanase© in der Apotheke zu erhalten.


Wirkung

Bromelain ist ein sogenanntes proteolytisches Enzym, das die Fähigkeit besitzt, Eiweiße zu spalten. Gewonnen wird es aus der Pflanze der Ananas.

Es löst vor allem Fibrin auf, das ein körpereigenes Eiweiß ist und unter anderem in der Blutgerinnung eine Rolle spielt. Durch die Zerkleinerung der Eiweiße können diese schneller abtransportiert werden und die Schwellung des Gewebes lässt somit nach.

Des Weiteren verhindert Bromelain die Zusammenlagerung der Blutplättchen. Können sich die Blutplättchen nicht richtig und schnell zusammenlagern, kommt es zu einer Verlängerung der Blutungszeit. Dieser Mechanismus ist besonders für diejenigen wichtig, die zusätzlich gerinnungshemmende Medikamente (z.B. Marcumar) nehmen, da sich die Wirkungen verstärken und es zu vermehrten Blutungen kommen kann.

Die eiweißspaltende Fähigkeit des Phytotherapeutikums kann man sich ebenfalls bei der Verdauung zu Nutze machen. Nimmt man Bromelain mit der Mahlzeit ein, so kann man die natürliche Verdauung des Körpers unterstützen und fördern.

Bromelain hat ebenfalls Einfluss auf das Gewebshormon Bradykinin. Bromelain spaltet und hemmt dieses Hormon, sodass die Kapillaren undurchlässiger für Flüssigkeit werden. Die Undurchlässigkeit führt zu einem verminderten Austritt von Flüssigkeit ins Gewebe. Dies wiederum führt zu einem Rückgang von Ödemen.

Verstoffwechselung

Bromelain wird im Darm des Menschen resorbiert und gelangt von dort in den Blutkreislauf. Im Blut bindet es an das sogenannte alpha2-Makroglobulin. Makroglobuline sind Transporteiweiße, die bestimmte Stoffe im Blut binden können und sie so zu ihren Zielorten transportieren können. Bromelain wird von der Leber rasch verstoffwechselt und so aus dem Kreislauf eliminiert.

Anwendung und Dosierung

Die häufigste Anwendungsform des Medikaments Bromelain ist die so genannte magensaftresistente Tablette. Bromelain kann man ebenfalls in Form von Dragees erwerben. Es ist zwar apothekenpflichtig, jedoch nicht rezeptpflichtig, sodass man es in der Apotheke frei erwerben kann.
Durch einen besonderen Schutzfilm passieren die Tabletten den Magen, ohne von der Magensäure bereits zersetzt zu werden. Dies ist nötig, da die Magensäure besonders Proteine aus der Nahrung im Magen bereits verdaut. Es ist daher wichtig, dass der Wirkstoff erst im Darmbereich freigesetzt wird und somit vom Blut aufgenommen werden kann, da er ansonsten verdaut wird und somit seine Wirkung verliert.

Die Anwendung für Bromelain ist nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Daher besteht für Kinder unter 12 Jahren eine Kontraindikation für die Einnahme von Bromelain.

Die Tablette sollte mit etwa 30 Minuten Abstand von einer Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden. Bromelain sollte ein- bis zweimal täglich als Tablette eingenommen werden. Die Einnahme sollte ohne ärztliche Beratung nicht länger als vier bis fünf Tage andauern. Für eine längere Behandlung sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Intoxikationen sind bei der Gabe von Bromelain nicht bekannt. Es kann jedoch bei einer Überdosierung zu einem verstärktem Auftreten der Nebenwirkungen kommen.

Gegen welche Beschwerden hilft Bromelain?

Aufgrund der entzündungshemmenden und abschwellenden Wirkung von Bromelain, kann es bei verschiedenen Erkrankungen zum Einsatz kommen.
Es lässt sich unter anderem bei postoperativen Schwellungen oder auch bei Schwellungen im Rahmen von Verletzungen anwenden. Bromelain kann auch bei nicht-bakteriellen Schleimhautschwellungen benutzt werden.

Bei mangelnder Produktion und Verfügbarkeit von Verdauungsenzymen, zum Beispiel im Rahmen einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, kann die Gabe von Bromelain hilfreich sein. Es kann außerdem bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder der ableitenden Harnwege und der Geschlechtsorgane zur Anwendung kommen.

Eingenommen werden kann Bromelain ebenfalls bei Venenerkrankungen oder bei Becken- und Beinvenenthrombose sowie bei einer Arthrose. In höheren Konzentrationen wirkt es auf den menschlichen Körper auch entwässernd, sodass es ebenfalls zur Behandlung von Ödemen benutzt werden kann.

Wann darf ich Bromelain nicht einnehmen?

Kontraindiziert ist die Einnahme von Bromelain bei Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff sowie bei Überempfindlichkeit gegenüber Ananas.
Auch Patienten mit Blutgerinnungsstörungen sollten auf die Einnahme des Medikaments Bromelain verzichten. Eine gleichzeitige Einnahme mit den so genannten Blutverdünnern wie Marcumar, Heparin oder ähnlichen Stoffen vermieden werden. Für Kinder bzw. Jugendliche unter dem 12. Lebensjahr ist das Medikament nicht geeignet .

Für die Einnahme von Bromelain in der Schwangerschaft liegen keine Daten vor, sodass von der Einnahme während der Schwangerschaft abgeraten wird. Bromelain sollte auch nicht während der Stillzeit eingenommen werden, da nicht bekannt ist, ob seine Bestandteile in die Muttermilch übergehen und so den Säugling erreichen.

Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Einnahme von Bromelain mit anderen Arzneistoffen kann die Aufnahme des Beimedikamentes gesteigert werden. Hierdurch kommt es zu einer Resorptionssteigerung und Wirkungsverstärkung.
Bei paralleler Einnahme eines Antibiotikums mit Bromelain kann es sowohl zu einer Erhöhung des Antibiotikumspiegels im Urin kommen sowie zu einer Erhöhung des Konzentrationsspiegels im Blut. Möglicherweise kommt es zu einer Steigerung der Blutungsneigung eines Patienten bei gleichzeitiger Einnahme von Bromelain mit Blutgerinnungshemmern. Darunter fallen u.a. die Medikamente, die zu der Gruppe der Antikoagulanzien und den Thrombozytenhemmer zählen und wesentlich die Blutgerinnung beeinflussen.

Nebenwirkungen

Bei einer Einnahme von Bromelain kann es, wie bei jedem anderen Medikament auch, immer zu Nebenwirkungen kommen. Unter der Therapie kommt es häufig zu asthmaähnlichen Beschwerden. Allergische Reaktionen sowie Hautreaktionen sind ebenfalls eine häufige Nebenwirkung bei der Gabe von Bromelain.
Im Gegensatz dazu kommt es nur gelegentlich zu Beschwerden des Magens oder auch zu Durchfällen. In Bezug auf die Verkehrstüchtigkeit sind keine negativen Auswirkungen oder Einschränkungen bekannt.

Weitere Informationen

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 30.01.2017
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