Chlamydieninfektion am Auge

Was ist eine Chlamydieninfektion am Auge?

Chlamydien sind eine bestimmte Art von Bakterien, die im Inneren von Körperzellen leben und sich vermehren.
Dabei unterscheidet man zwischen mehreren Typen, die unterschiedliche Organe befallen:

Die hier wichtige Unterart Chalmydia trachomatis befällt beispielsweise das Auge und den Genitalbereich.
Eine Chlamydieninfektion am Auge führt normalerweise zu einer Bindehautentzündung, die sich zunächst durch die entsprechenden Symptome (Rötung, Juckreiz, Brennen, Lichtscheu – dazu unten mehr) äußert und unbehandelt im schlimmsten Fall den Verlust der Sehkraft zur Folge haben kann.

Ursachen

Ursächlich für diese Art von Augeninfektion ist – wie oben bereits erwähnt – das Bakterium Chlamydia trachomatis.
Speziell handelt es sich um einige Untertypen davon, auf die aber hier nicht weiter eingegangen werden soll.

Diese Chlamydien besiedeln bevorzugt Schleimhäute, besonders die im Genital- und Harntrakt, jedoch auch die Schleimhaut am Auge.
Als Ursache für eine Chlamydieninfektion am Auge kann also häufig eine unzureichende Hygiene in Betracht gezogen werden, und zwar nicht unbedingt von der betroffenen Person selbst:

Auch Personen, mit denen die betroffene Person intensiven und intimen Körperkontakt hatte, können durch unzureichende Hygiene Chlamydien übertragen und so eine Infektion verursachen.

Übertragungsweg

Am häufigsten ist, wie im vorigen Abschnitt bereits angedeutet, die Übertragung der Chlamydien von Mensch zu Mensch.

In vielen tropischen Gegenden gibt es außerdem die Übertragung von Fliegen direkt auf den Menschen, wodurch die Chlamydieninfektion eine der häufigsten Ursachen für eine Erblindung in diesen Gegenden ist.
In Europa ist diese Art der Übertragung jedoch zu vernachlässigen.

Der Übertragungsweg von Mensch zu Mensch ist meist begünstigt durch eine mangelnde Hygiene oder intimen Kontakt:
Bemerkenswert ist nämlich, dass eine Chlamydieninfektion des Harn- oder Genitalbereichs sehr oft von der betroffenen Person selbst gar nicht bemerkt wird.
Hieraus kann sich dann die unbeabsichtigte Übertragung der Bakterien vom Genitalbereich auf die Augenschleimhaut ergeben.

Doch auch an Orten, an denen sich viele Menschen gleichzeitig aufhalten, kann eine Übertragung stattfinden:
Dazu gehören beispielsweise Schwimmbäder und Saunen.

Wie ansteckend ist das?

Chlamydien sind sehr einfach und schnell zu übertragen.
Bereits der einmalige Kontakt mit Chlamydien kann eine Infektion zur Folge haben.

Da Chlamydieninfektionen im Bereich des Harn- oder Genitaltrakts häufig symptomlos und dadurch unbemerkt bleiben, ist es schwierig, eine genaue Zahl über die für eine Infektion notwendigen Bakterien festzulegen. Gleichzeitig ist das jedoch ein Faktor, der beim Ansteckungsrisiko selbstverständlich betrachtet werden muss:
Eine Infektion oder Übertragung kann auch stattfinden, wenn die übertragende Person keine Symptome aufweist oder sogar nicht einmal von der eigenen Infektion weiß.

Diagnose

Zur Diagnose einer Chlamydieninfektion, egal welcher Lokalisation, sollte immer der Nachweis der Bakterien aus Zellmaterial der betroffenen Region erfolgen.

Beim Auge kann also ein Abstrich erfolgen, der dann in ein Labor weitergeschickt wird.
Hier erfolgt dann der Nachweis, der jedoch verglichen mit anderen Bakterien schwierig ist:
Grund dafür ist, dass die Chlamydien sich fast ausschließlich in den Körperzellen befinden.

Ein Nachweis bzw. Ergebnis seitens des Labors kann daher bis zu 14 Tage in Anspruch nehmen.
In einigen Fällen kann es daher sein, dass auch vor Erhalt des diagnostischen Ergebnisses bereits eine Therapie begonnen werden sollte.

An diesen Symptomen erkenne ich eine Chlamydieninfektion am Auge

Je nach Untergruppe der auslösenden Chlamydien äußert sich eine Chlamydieninfektion am Auge durch unterschiedliche Symptome.
Gemein ist allen Untergruppen aber die Bindehautentzündung, auf die unten weiter eingegangen wird.

Bei der in Europa weitaus häufigeren Chlamydien zeigen sich im Rahmen einer Infektion außerdem an der Innenseite des Ober- und Unterlid kleine erhabene Stellen, die oft außen herum gerötet oder mit Äderchen durchsetzt sind.
Medizinisch spricht man bei diesen Auffälligkeiten von „konjunktivalen Follikeln“, die durch die Aktivierung und Ansammlung der Immunzellen an dieser Stelle verursacht werden.

Die in Europa seltener, in tropischen Regionen jedoch häufiger vorkommenden Chlamydien lösen dagegen schwerwiegendere Entzündungen an den Innenseiten der Augenlider, also an den Schleimhäuten aus. Es kommt bei längerem Bestehen der Infektion dann zu Vernarbungen der Schleimhäute.
Dadurch entsteht eine „Verklebung“ von Geweben, die eine Bewegungseinschränkung des Auges erklärt.
Durch die Mitbeteiligung der Hornhaut des Auges kann die Vernarbung und Verklebung der Schleimhaut auf den Augapfel übergreifen, wodurch es in extremen Fällen zu einem Funktionsverlust des Auges kommen kann (dazu mehr im Abschnitt „Erblindung“).

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Die Infektion an der Bindehautentzündung erkennen

Eine Bindehautentzündung (medizinisch „Konjunktivitis“) ist das häufigste Beschwerdebild, das eine Chlamydieninfektion auslöst.

Es kommt dabei zu einem geröteten und tränendem Auge.
Die betroffenen Personen empfinden meist ein Jucken oder Brennen am Auge und können Helligkeit schlecht ertragen.
Oft wird außerdem ein Fremdkörpergefühl beschrieben, also das Gefühl, „irgendetwas im Auge zu haben“.

Eine Bindehautentzündung kann durch viele verschiedene Erregerarten ausgelöst werden, und tatsächlich stellen Viren eine weitaus häufigere Ursache für Bindehautentzündungen dar.
Daher ist es wichtig, die Ursache im jeweils vorliegenden Fall zu erkennen und die medikamentöse Behandlung entsprechend auszuwählen.

Therapie

Bei Chlamydien handelt es sich um Bakterien, die sich fast nur im Inneren von Körperzellen aufhalten.
Um eine Chlamydieninfektion zu behandeln, sind daher Antibiotika notwendig, die sich als besonders wirksam gegen diese „intrazellulären“ Bakterien herausgestellt haben.

Diese Antibiotika werden dann meist sowohl lokal am Auge wie auch am ganzen Körper angewendet.
Um eine weitere, fortschreitende Entzündung und dadurch entstehende Vernarbung zu verhindern, werden zusätzlich oft entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.
Zu diesem Zweck haben sich in der Augenheilkunde die Glucocorticoide (wie beispielsweise Cortison) besonders bewährt. Diese Kombination von Antibiotika und Glucocorticoiden wird bei Augeninfektionen häufig, in anderen Fachrichtungen der Medizin dagegen sehr selten eingesetzt.

Da es sich bei Chlamydien um eine Krankheit handelt, die auch sexuell übertragen wird, muss bei jeglichen Infektionen mit diesem Bakterium auch eine Behandlung der Partnerin oder des Partners der betroffenen Person erfolgen.
Sonst kann es zu einer gegenseitigen Wieder-Ansteckung kommen, da immer bei einer der beiden Personen eine (eventuell symptomlose) Infektion vorliegt.

Krankheitsverlauf

Eine Infektion mit Chlamydien beginnt – vergleichbar mit anderen infektiösen Erkrankungen – zunächst mit einer Inkubationszeit.
Darunter versteht man die Zeit, die ein Krankheitserreger braucht, um sich im Körper so weit zu vermehren, dass Symptome ausgelöst werden können.
Diese Zeit kann eine oder mehrere Wochen dauern.

Bei einer Infektion am Auge beginnt danach die Zeit der akuten Infektion, in der die oben beschriebenen Symptome auftreten.
Wird die Infektion nicht behandelt, kann es dann zu einer Chronifizierung oder einer Vernarbung mit Funktionsverlust des betroffenen Auges kommen.

Dagegen sind die Heilungsoptionen unter Antibiotika-Therapie hervorragend:
Durch den Einsatz dieser Medikamente kann die Infektion vollständig beseitigt werden.

Bereits bestehende Vernarbungen können jedoch irreversibel, also bleibend sein.

Was können die langfristigen Folgen sein?

Unbehandelte Chlamydieninfektion am Auge können durch die andauernde Entzündung schwerwiegende Schäden verursachen:

Bei einer entzündlichen Reaktion entsteht eine Zerstörung des Gewebes, das wiederum Narbenbildung nach sich zieht.
Durch diese Narbenbildung kommt es auch zu einer Einschränkung oder sogar zu einem Verlust der eigentlichen Funktion des Gewebes.
Im Falle der Augeninfektion durch Chlamydien kann daher im schlimmsten Fall die Erblindung eine Folge sein.

Aber auch eine Chronifizierung der Infektion ohne Erblindung ist möglich:
Darunter versteht man das dauerhafte Andauern der Symptome sowie das damit verbundene schlechtere Ansprechen auf Medikamente.

Erblindung

Der Verlust der Sehkraft durch eine Chlamydieninfektion ist möglich, jedoch besonders in Europa und anderen Ländern mit guten hygienischen Verhältnissen sehr selten.

Denn nicht alle Untergruppen der Chlamydien sorgen für den Prozess der Vernarbung, der wie oben beschrieben langfristig zur Erblindung führen kann:
Die Untergruppen („Serovare“), welche in Ländern mit guten hygienischen Verhältnissen häufig vorkommen, lösen diesen Prozess eben nicht aus.

Vorsicht ist also eher in Ländern geboten, die nicht den hygienischen Standard von Industrieländern erfüllen, sowie bei Ländern mit tropischem Klima.
Hier kann es durchaus zu einer Infektion mit den gefährlicheren Arten von Chlamydien kommen, die langfristig eine Erblindung zur Folge haben können.

Prognose

Eine akute Infektion mit Chlamydien am Auge sollte stets medikamentös behandelt werden, da sie sonst schwerwiegende Risiken wie Chronifizierung oder sogar Erblindung mit sich bringt.

Eine antibiotische Therapie dauert meist zwischen einer und drei Wochen.
Befindet sich die Person in einer Partnerschaft, sollte eine möglicherweise bestehende Infektion des Partners mitbehandelt werden, da es sich bei Chlamydien um eine durch Körperkontakt und Schmierinfektionen übertragbare Krankheit handelt.

Nach abgeschlossener Therapie kann jedoch von einer vollständigen Heilung der Infektion ausgegangen werden.
Ein erhöhtes Risiko für eine Wiederinfektion ist bei Beachtung hygienischer Hinweise nicht gegeben.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 26.03.2020 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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