Dammschnitt

Einleitung

Unter dem Damm fasst man die Muskelgruppe zusammen, die sich beim Menschen unterhalb des Beckens und um After und Geschlechtsorgane herum ausspannt. Der Damm besteht aus zahlreichen Muskeln deren Aufgaben es ist, die Rumpfstabilität zu erhalten und zum anderen auch Haltevorgänge durchzuführen. Hierbei ist die Dammmuskulatur besonders wichtig bei der Kontinenz und der Geburt. Die Dammmuskulatur kann nicht immer bewusst bewegt werden (meistens nur nach Beckenbodentraining).

Die Dammmuskeln umschließen auch die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane und begrenzen diese. Sie spielen auch bei der Geburt eine entscheidende Rolle.

Die Dammmuskulatur ist nur begrenzt dehnbar. Beim Geburtsvorgang gleitet das Kind aus der Gebärmutter heraus und durchwandert die Scheide, die ,von der Dammmuskulatur begrenzt, maximal gedehnt wird. Da sich der Scheideneingang bei der Geburt um ein Vielfaches seiner normalen Größe dehnen muss, besteht die Gefahr, dass sowohl Scheide als auch Dammmuskulatur beim Geburtsvorgang einreißen. Um dies zu verhindern wird bei den Frauen, bei denen ein Einriss zu erwarten ist, vorsorglich ein Stück der Dammmuskulatur durchtrennt. Dadurch wird die Dehnungsfähigkeit der muskulären Partie in diesem Bereich erweitert und das Kind kann ohne Probleme geboren werden. Nach der Geburt werden die durchtrennten Enden der Muskeln wieder zusammengenäht. Während beim Dammschnitt keine Betäubung verwendet wird (die Frau spürt den Einschnitt während der Geburt nicht) wird ein Lokalanästhetikum beim Vernähen benutzt.


Wer einen Dammschnitt bekommen muss, entscheiden die Geburtshelfer meistens spontan während der Geburt. Mehrere Faktoren sind hierfür ausschlaggebend. Zum einen ist zu berücksichtigen, wie eng der Scheidenausgang der Patientin ist und wie stark die Dammmuskulatur ausgebildet ist (eine schwächer ausgebildete Muskulatur gibt beim Geburtsvorgang eher nach und muss in den meisten Fällen nicht durchtrennt werden), zum anderen ob das Kind eine überdurchschnittliche große Größe hat. Bei kleineren Kindern ist ein Dammschnitt meistens nicht notwendig während bei größeren Kindern oftmals ein Dammschnitt durchgeführt werden muss.

Lesen Sie hierzu auch: Schmerzen Geburt und Komplikationen unter der Geburt

Risiken

Verglichen zu anderen operativen Eingriffen sind die Risiken eines Dammschnitts relativ gering. Die Muskulatur im Bereich des Damms, die durchtrennt wird, wird nur 1-2 cm eingeschnitten. Diese Stelle wird nach der Geburt sogleich vernäht und heilt in der Regel gut aus.
Risiken bestehen in einer Wundheilungsstörung, das heißt, dass die zusammengenähten Muskelenden nicht richtig zusammenwachsen und dem Druck nicht standhalten. In diesem Fall kann die Muskulatur wieder aufreißen und die Wunde kann sich infizieren. Infektionen in dem Bereich kommen aber relativ selten vor. Wichtig ist auch, dass trotz eines Dammschnittes die äußere Umrandung des Scheideneingangs vom Geburtshelfer stabilisiert wird. Denn trotz eines Dammschnittes kann die Scheide und die umliegende Dammmuskulatur unkontrolliert einreißen.

Dammeinrisse stellen eine aufwändige Komplikation dar. Sie müssen aufwendig genäht bzw. auch rekonstruiert werden. Nach einem Dammschnitt ist die Muskulatur in dem Bereich aufgrund mangelnder Stabilität noch nicht wieder voll einsetzbar. Es kann daher vorkommen, dass direkt nach einer Geburt der Urin nicht wie gewohnt gehalten werden kann. Diese vorübergehende Inkontinenz sollte aber verschwinden sobald die Muskulatur wieder komplett zusammengewachsen ist. Trotz allen Vorsichtsmaßnahmen kann es trotzdem zu einer länger anhaltenden bis dauerhaften Inkontinenz nach einem Dammschnitt kommen.

Vorbeugen/Vermeiden

Die Frage, ob ein Dammschnitt durchgeführt werden soll oder nicht, ist nicht so einfach zu beantworten. Die Gegner postulieren, dass Dammschnitte die Zahl der Dammeinrisse erhöhen, die Verfechter des Dammschnitts halten dagegen, dass Dammschnitte Dammrisse vermeiden.

Bei der Fragestellung, ob man einen Dammschnitt vorbeugen oder vermeiden kann, ist zu beachten, dass das wichtigste ist, einen Dammriss zu vermeiden. Ist ein Dammriss wahrscheinlich, sollte zu einem Dammschnitt geraten werden, da Risiken und Nutzenabwägung klar auf Seite des Nutzens ist. Je kleiner ein Kind und je größer der Dammbereich der Frau gebaut, desto geringer ist die Notwendigkeit eines Dammschnittes.
Auch gibt es zahlreiche Darstellungen, dass forcierte Pressübungen während der Geburt ein Dammrissrisiko erhöhen. Aus schulmedizinischer Sicht ist jedoch ein zügiger Geburtsvorgang für die Sicherheit des Kindes sehr wichtig.
Weiter heißt es, dass Rückenlagen bei der Geburt das Dammrissrisiko/Dammschnittrisiko erhöhen. Hebammenverbände empfehlen andere Körperlagen zur Geburt.
Die wichtigste Maßnahme um Dammschnitte zu vermeiden, ist ein sicherer Dammschutz, der von der Hebamme durchgeführt wird. Unter einem Dammschutz versteht man eine durch den Geburtshelfer durchgeführte Haltetechnik, die die Ränder der Dammmuskulatur entsprechend begrenzt und abstützt. Diese Haltetechnik sorgt dafür, dass der Damm weniger häufig einreißt. Besonders stark trainierte Beckenböden neigen eher dazu, durch den muskulären Tonus stabil zu sein und dem geborenen Kind eher kein Platz zu machen, was das Risiko für einen Dammschnitt stark erhöht.

Einen Beckenboden untrainiert zu lassen, ist allerdings im Hinblick auf die Folgen einer Geburt (Gefahr einer Inkontinenz) nicht sinnvoll. Wird mit dem Dammschnitt zu lange gewartet oder bewusst darauf verzichtet und reißt der Damm ein, dann ist dieser Vorgang auch durch einen nachträglichen Dammschnitt nicht zu revidieren. Dammrisse sollten in jedem Fall verhindert werden.
Durch Hebammenverbände wird als weitere vorbeugende Maßnahme die Dammmassage kurz vor der Geburt empfohlen, um den starken Muskeltonus zu reduzieren. Für die Dammmassage sollten Hautöle verwendet werden.

Entzündung des Dammschnittes

Bei einem Dammschnitt werden durch ein Skalpell Muskeln des Dammbereiches voneinander getrennt, um dem Kind mehr Platz beim Geburtsvorgang einzuräumen. Diese Muskelenden werden nach der Geburt wieder vernäht und mit einem Verband verschlossen. Wie bei jeder Wunde, die heilen muss, kann es auch immer zu einer Entzündung kommen, die nach solch einem operativen Eingriff entsteht. Die Gefahr einer Entzündung der Wunde im Bereich der Dammmuskulatur ist zwar eher selten aber nicht auszuschließen. Infektionen im Bereich der Dammschnittwunde stellen sich in der Regel nach einigen Tagen ein.

Meistens wird bei der Dammschnittnaht selbst auflösendes Nahtmaterial verwendet. Die ersten Anzeichen einer Wundinfektion sind eine nässende Wunde, Rötung der Wunde und Schmerzen. Hier sollte dann gleich durch einen Gynäkologen eine Wundkontrolle durchgeführt werden. Dabei muss unbedingt geschaut werden, ob die Muskelenden schon miteinander verwachsen sind oder ob eine Wundlücke entstanden ist. In diesem Fall sollte die Naht nochmal korrigiert werden.
Im Falle einer Infektion sollte die Behandlung zügig erfolgen. Nicht medikamentös stehen Kamillebäder zur Verfügung, die regelmäßig angewandt werden können. Sollte das nicht ausreichen, muss antibiotisch behandelt werden. Hierbei sollte ein Präparat gewählt werden, das während der Stillzeit (s. auch Probleme in der Stillzeit) unbedenklich einsetzbar ist. Zu nennen wäre z.B. Cefuroxim 500 mg 2 mal täglich.

Heilung fördern

Wie lange es dauert bis ein Dammschnitt abheilt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zunächst ist die Länge und die Tiefe ausschlaggebend. Je länger und oder tiefer ein Dammschnitt ist, desto länger ist in der Regel die Heilungszeit. Des Weiteren ist wichtig wie gut die allgemeine Heilung der Patienten ist. Kommt es im gesamten Körper zu Heilungsstörungen, was bei jungen gesunden Menschen eher selten ist, kommt es auch zu Heilungsstörungen im Bereich des Dammschnittes.
Zur schnelleren Heilung sollte zunächst eine ausreichende Schonung eingehalten werden. Das Heben schwerer Lasten sollte genauso unterlassen werden wie sportliche Aktivität. Des Weiteren kann man den Dammbereich auch kühlen. Eine weitere Maßnahme ist die Anwendung von Kamillebädern. Da Kamille grundsätzlich desinfizierend wirkt, fördern Kamillebäder eine schnellere Heilung und reduzieren die Gefahr einer Infektion im Bereich des Dammschnittes.

Der Bereich um den Dammschnitt sollte auch möglichst trocken gehalten werden um Krankheitserreger keinen Nährboden zu geben. Nach jedem Toilettengang sollte der Dammbereich mit schonenden Lotionen gereinigt und anschließend getrocknet werden. Jede Auffälligkeit um Bereich der Wunde sollte ärztlich vorgestellt werden, um Infektionen zu vermeiden.

Narbe

Wie bei jedem Schnitt kommt es auch bei der Abheilung der Dammschnittwunde zu einer Narbenbildung. In aller Regel ist diese mit der Zeit immer weniger sichtbar, verschwindet aber nicht komplett. Je feiner die Naht gesetzt wurde, desto weniger sieht man die Narbe. Wenn sich nach dem Eingriff an entsprechende Ruhezeiten gehalten wird, kommt es in der Regel zu keinen Komplikationen der Dammschnittnarbe.
Probleme gibt es öfter nach Dammrissen oder sehr tiefen und langen Dammschnitten, bei entsprechenden Infektionen oder bei Einrissen der Naht durch übermäßige Belastung. Hier muss der Körper übermäßiges Bindegewebe bilden, um den entsprechenden Hautdefekt zu decken. Im Bereich dieses Bindegewebes ist die Muskelfunktion nicht so aufrecht zu erhalten wie im übrigen Muskelanteil. Inkontinenzen und Schwierigkeiten bei folgenden Geburten können auftreten, wenn große plattenförmige Bindegewebszüge entstanden sind.
Es gibt zahlreiche Salben, Lotionen und Gele, die für eine bessere Narbenheilung konzipiert wurden.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Dammschnittnarbe

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.01.2018
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