Erektionsstörungen Ursachen

Synonyme

Potenzstörung, Impotenz,
medizinisch: Erektile Dysfunktion (ED)

Die Ursachen der Erektionsstörungen liegen in den verschiedenen Systemen, die zu der Erektionsfähigkeit eines Mannes beitragen. So gibt es eine psychische, gefäßbedingte (vaskuläre), das Nervensystem betreffende (neurogene), hormonelle oder auch die kleinen Muskeln betreffende (myogene) Erektionsstörungen. Bei vielen Männern setzt sich die Erkrankung jedoch aus mehreren dieser Faktoren zusammen. Auch Medikamente können eine Erektionsstörung verursachen.


1. Psychogen bedingte Erektionsstörung:

Genauso, wie eine geeignete Stimulation der Psyche, zum Beispiel durch Bilder oder Gedanken, eine Erektion hervorrufen kann, so kann ein anderer mentaler Reiz sie auch blockieren oder unterbrechen.

  • Ursachen: Besonders Gefühle wie Angst, sei es vor dem Versagen gegenüber der Frau, oder durch frühe kindliche Erfahrungen, Erziehung oder Traumata ausgelöst, können die Erektionsfähigkeit eines Mannes stark einschränken oder gänzlich verhindern.
  • Epidemiologie: Etwa 40% der Erektionsstörungen sind psychisch bedingt.
  • Symptome: Die hier beschriebenen, mehr oder weniger unterbewussten Ängste führen zu einer sogenannten primären Störung, die lange anhält, während Probleme innerhalb der jeweiligen Situation oder der Partnerschaft eine meist akute, sekundäre Störung auslösen, die sich lediglich auf die momentane Situation bezieht. Diese wird oft durch weitere Sexualstörungen, wie zum Beispiel Libidoverlust (Verlust der sexuellen Lust) oder eine Ejakulationsstörung (Störung des Samenergusses), begleitet.

Somit ist die psychogene Erektionsstörung als ein Symptom eines tiefer greifenden, psychischen Problems zu betrachten. Hier muss demzufolge auch die Therapie ansetzen.

2. Vaskulär bedingte Erektionsstörung:

Hier sind die Blutgefäße des Penis betroffen. Können sie ihre Funktion nicht mehr oder weniger gut erfüllen, kommt es zu Erektionsstörungen.

  • Ursachen: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der arteriellen (den Blutzustrom betreffenden) und der venösen (den Blutabstrom betreffenden) Störung. Eine arterielle Störung kann durch folgende Faktoren verursacht werden: Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes mellitus. Hieraus ergeben sich also die klassischen Risikofaktoren einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die auch die feinen Gefäße des Penis und seines Schwellkörpers betreffen kann. Sind diese verkalkt, kann weniger Blut durch sie hindurch in den Schwellkörper einfließen. Auch ihr Durchmesser lässt sich weniger gut erweitern, es kommt zu einer Erektionsstörung.
    Weitere Ursachen für eine eingeschränkte Funktion der Arterien können auch Verletzungen derselben sein, die durch Operationen oder Unfälle verursacht wurden. Venösen Abflussstörungen können ebenfalls mehrere Ursachen zugrunde liegen.
    Eine davon ist die angeborene Existenz von zusätzlichen (ektopen) Venen im Schwellkörper. Sind mehr Venen vorhanden, so fließt auch mehr Blut ab und es kann sich nicht mehr genügend im Schwellkörper aufstauen, um eine Erektion zu ermöglichen. Ist die Muskulatur des Schwellkörpers in ihrem Aufbau verändert, wie zum Beispiel durch Einlagerung von Bindegewebe, so verliert sie ihre Erschlaffungsfähigkeit, die ja eine essentielle Voraussetzung für die Füllung der Schwellkörper und die Komprimierung der Venen ist. Dies wird meist durch eine vorangehende arterielle Störung verursacht, da hierdurch die Muskelzellen nicht mehr ausreichend ernährt werden und sich zu Bindegewebe umbauen.
    Die Schwellkörpermuskulatur kann aber nicht nur in ihrem Aufbau (morphologisch), sondern auch funktionell verändert sein. Hier ist der Ablauf der Signalübertragung gestört, die zu einer Erschlaffung führt. Die Folgen sind jedoch die selben wie gerade beschrieben.
    Ein weiterer Faktor, der zu einer venösen Abflussstörung führt, ist eine pathologische Verbindung der Schwellkörpervenen mit denen des umliegenden Penisgewebes oder der Eichel. Ist dies der Fall, fließt auf diesem Weg übermäßig viel Blut aus dem Schwellkörper wieder ab, was eine Erektionsstörung zur Folge hat.
    Ist die bindegewebige Hülle (Faszie), die die Schwellkörper umgibt, die sogenannte Tunica albuginea, beschädigt, so führt dies ebenfalls zu einer venös bedingten Erektionsstörung, da die Schwellkörper sich auch hier nicht ausreichend füllen können, um den Abfluss über die Venen zu verhindern.
  • Epidemiologie: Arterielle Gefäßeinschränkungen machen etwa 50 – 80% aller organisch bedingten Erektionsstörungen aus. Hier ist es erwähnenswert, dass Studien zufolge eine große Abhängigkeit zwischen der Erkrankungsrate an einer Erektionsstörung und der Zahl der sklerosierten Herzkranzgefäße besteht. Bezüglich Mehrgefäßerkrankungen des Herz – Kreislaufsystems waren hier 2/3 der Patienten von einer Erektilen Dysfunktion betroffen; bei 70% von ihnen ging die Potenzstörung sogar den Symptomen der Koronaren Herzerkrankung voraus.
  • Symptome: Typisch für gefäßbedingte Erektionsstörungen, die die Arterien betrifft, ist eine verspätete und/oder verlangsamte Erektion, die sich entweder nur schwach oder auch vollständig ausbilden kann. Diese Erektionsstörung ist natürlich Partnerunabhängig. Weiterhin beginnt die Störung nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam und nimmt an Schweregrad zu.

Eine venöse Erektionsstörung zeigt sich durch die Symptomatik einer schnell eintretenden Erektion, die jedoch nach wenigen Minuten wieder nachlässt, also nicht aufrechterhalten werden kann. Sind zusätzliche Venen im Penis vorhanden, so ist dies meistens seit Geburt der Fall. Diese Potenzstörung entwickelt sich also nicht erst langsam, sondern ist von Anfang an vorhanden und wird durch den Mann meist in der Pubertät entdeckt.
Liegt eine gemischte Problematik vor, sind also sowohl Arterien als auch Venen in irgendeiner Form betroffen, so kommt es in moderaten Fällen zu einer verlangsamten Erektion, die nur kurz anhält und/oder sich gar nicht vollständig ausbildet.

3. Endokrin (hormonell) bedingte Erektionsstörung

  • Ursachen: Der Einfluss der männlichen Hormone (Androgene) auf den Erektionsmechanismus ist heute noch nicht vollständig geklärt. Das männliche Sexualhormon Testosteron spielt hierbei jedoch scheinbar eine Rolle. So wurde festgestellt, dass es bei Männern mit zu niedrigen Testosteronspiegeln zu einer Erektionsstörung kommen kann. Dies kann beim sogenannten Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen) der Fall sein, aber auch im Alter sinkt der Testosteronspiegel. Seltener werden auch bei einer Schilddrüsenüberfuntion oder Unterfunktion Potenzstörungen beobachtet.
  • Symptome: Bei einem Testosteronmangel kommt es vor allem zu verminderten nächtlichen Erektionen. Durch die visuelle Stimulation mit Bildern ist sie jedoch trotzdem auslösbar. Für den Geschlechtsverkehr reicht die Ausprägung der Erektion aber nicht aus.

Oftmals ist die endokrin bedingte Erektionsstörung auch mit einem Libidoverlust (Verlust des sexuellen Verlangens) und einer verminderten Samenproduktion vergesellschaftet.

4. Neurogen (durch das Nervensystem) bedingte Erektionsstörung

Sowohl für die Aufnahmen von Reizen, sei es über die Augen in Form von Bildern oder über die Haut durch Berührung, als auch für ihre Verarbeitung, Verschaltung und Weiterleitung ist unser Nervensystem verantwortlich. Um eine Erektion auszulösen sind funktionierende Nervenfasern somit unabdingbar.

  • Ursachen: Eine Ursache für eine neurogene Erektionsstörung kann eine Schädigung des Rückenmarks sein. Hier verlaufen die Nervenbahnen, die zwischen dem Gehirn und den Geschlechtsorganen kommunizieren. Eine Querschnittslähmung, ein Tumor oder auch eine Gefäßschädigung kann dafür verantwortlich sein.
    Als häufige Ursache einer neurogenen Erektionsstörung gilt die Schädigung des Nervus pudendus, die sich bei einer radikalen Prostata Entfernung bei Prostatakrebs nur schwer vermeiden lässt.
    Impotenz ist hier neben Blutungen das größte Risiko bei solch einer Operation.
    Weiterhin gibt es zahlreiche Erkrankungen, die eine Schädigung des zentralen oder peripheren Nervensystems nach sich ziehen. Beispiel wären hierfür die Polyneuropathie, der Morbus Parkinson, die Multiple Sklerose oder der Morbus Alzheimer. Auch ein Tumor oder eine Blutung im Gehirn kann die Areale lahmlegen, die für die Erektionsfähigkeit intakt sein müssen.
  • Symptome: Sie unterscheiden sich je nach Ort der Nervenschädigung. Ist ein Mann vom Bereich der Brust- oder Lendenwirbel an abwärts gelähmt, so funktioniert die psychogene Erektion nicht mehr, die reflektorisch auslösbare Erektionsfähigkeit bleibt jedoch erhalten.
    Genau umgekehrt ist es der Fall, wenn sich die Läsion im Rückenmark unterhalb des zweiten Kreuzwirbels (S2) befindet. Dann bleibt die durch Gedanken auslösbare Potenz erhalten, die Reflexbahn für die reflektorische Erektion ist jedoch unterbrochen und somit ist diese lahmgelegt.
    Bei neurodegenerativen Krankheiten sowie bei Tumoren oder Blutungen richtet sich die Symptomatik nach der Lokalisation und dem Grad der Nervenschädigung.

5. Medikamentös bedingte Erektionsstörung:

Die Einnahme verschiedener Medikamente können Impotenz als Nebenwirkung nach sich ziehen. Die wichtigsten seien im Folgenden aufgezählt:

  • Herz-Kreislauf-Medikamente: Antihypertensiva (Blutdrucksenker), Diuretika (Entwässerungsmedikamente)
  • Hormontherapeutika: Antiandrogene (Medikamente, die den Testosteronspiegel senken)
Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.12.2016
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