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Haarausfall durch eine Schilddrüsenstörung

Einleitung

Haarausfall ist zunächst eine sehr alltägliche Sache. Jeder Mensch verliert jeden Tag einige Haare, gerade bei Männern in höherem Alter ist der Haarausfall auch eine natürliche Reaktion des Körpers.
Grundsätzlich sollten einem jedoch pro Tag nicht mehr als 100 Haare ausfallen. Wer dagegen deutlich mehr Haare verliert, leidet an Haarausfall.

Die Schilddrüsenstörung wird in zwei gegensätzliche Erkrankungen unterteilt: Man unterscheidet zwischen der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) und der Hypothyreose (Unterfunktion). Beide Schilddrüsenstörungen können durch die Veränderung der Hormone einen Haarausfall begünstigen.

Ursachen

Die Ursachen für Haarausfall durch eine Schilddrüsenstörung können sowohl in der Über- als auch der Unterfunktion der Schilddrüse liegen.

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bildet das Organ zu viele seiner Hormone. Dadurch wird unter anderem das Wachstum der Haare gestört, sodass diese ausfallen können.

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) dagegen wirkt sich eher auf die Struktur der Haare aus. Diese werden durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen stumpf und trocken, wodurch sie schnell abbrechen und ausfallen.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei der Schilddrüsenüberfunktion ist Haarausfall eines der vielen typischen Symptome. Dabei kann die Überfunktion durch verschiedenste Faktoren ausgelöst werden.

Oftmals entsteht die Hyperthyreose aufgrund von entzündlichen oder autoimmunen Prozessen im Körper. Dabei beginnt das Immunsystem die Schilddrüse als einen Fremdkörper zu erkennen. Im Gegenzug bildet die Schilddrüse mehr Hormone.

Selten sind auch bösartige Erkrankungen der Grund für eine Schilddrüsenüberfunktion. Wenn sich beispielsweise in der Schilddrüse ein hormonproduzierender Tumor bildet, kommt es plötzlich zu einer deutlich verstärkten Ausschüttung der Schilddrüsenhormone.

Außerdem darf auch die sogenannte iatrogene Ursache der Schilddrüsenüberfunktion nicht ausgeschlossen werden. Dabei handelt es sich um eine von Menschen (meist behandelnden Ärzten) verursachte Schilddrüsenüberfunktion durch eine zu hohe Dosierung der Schilddrüsenhormone. So können selbst Personen mit einer Schilddrüsenunterfunktion durch eine Überdosierung ihrer Medikamente zu viele Schilddrüsenhormone im Blut haben.

Auch bei der Überfunktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) kann eine Schilddrüsenüberfunktion entstehen. Dort wird das Hormon TSH produziert, welches die Schilddrüse wiederum dazu anregt ihre Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin) zu bilden.

Die Hormone T3 und T4 wiederum steigern insgesamt den Grundumsatz des Körpers, zudem wird die Neubildung verschiedener Substanzen, die für das Haarwachstum notwendig sind, gehemmt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema Schilddrüsenüberfunktion unter: Hyperthyreose

Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wirkt sich in der Regel nicht unmittelbar am Wachstum der Haare aus, daher ist Haarausfall ein eher seltenes Symptom der Hypothyreose.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Sehr selten ist die Funktion der Schilddrüse bereits im Neugeborenenalter gestört, in diesem Fall ist die Schilddrüse nicht voll ausgebildet, sodass kaum Schilddrüsenhormone gebildet werden. Dies führt neben vielen anderen Symptomen bei den Neugeborenen dazu, dass sie ihre ersten Haare nicht verlieren und keine neuen Haare gebildet werden.

Im höheren Lebensalter ist die Schilddrüsenunterfunktion auf verschiedenste Faktoren zurückzuführen. Häufig ist ein Mangel an Jod und Selen die Ursache für die Entstehung der Unterfunktion. Ohne diese Elemente ist die Schilddrüse nur bedingt leistungsfähig, es kommt zu einer deutlich reduzierten Ausschüttung der Schilddrüsenhormone.

Auch autoimmune Prozesse spielen bei der Schilddrüsenunterfunktion eine Rolle. So können beispielsweise entzündliche Prozesse ausgelöst werden, die die Funktion der Schilddrüse negativ beeinflussen. Auch die Erkrankung Hashimoto löst eine Schilddrüsenunterfunktion aus. Grundsätzlich können Schilddrüsenunterfunktionen auch durch Operationen an der Schilddrüse ausgelöst werden.
Zudem kann eine Erkrankung der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Schilddrüse beeinflussen. Wird zu wenig Hormon TSH in der Hypophyse gebildet, erhält die Schilddrüse nicht genug Anreiz, ihre Hormone zu bilden.

Die Hypothyreose macht sich durch einen Mangel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 bemerkbar. Dadurch wird die Stoffwechselleistung des Körpers gesenkt. An den Haaren führt dies zu brüchigem und trockenem Haar, wodurch der Haarausfall begünstigt wird.

Weitere Informationen zur Schilddrüsenunterfunktion finden Sie hier: Hypothyreose

Hashimoto

Der Morbus Hashimoto (Hashimoto Thyreoiditis) bezeichnet eine autoimmune Erkrankung der Schilddrüse. Bei Autoimmunerkrankungen greifen Zellen des Immunsystems körpereigene Organe an, im Falle des Hashimoto ist die Schilddrüse betroffen. Die genauen Ursachen der Erkrankung sind bis heute nicht geklärt, es handelt sich jedoch um eine häufige Erkrankung.

Zunächst kann Hashimoto mit einer kurzzeitigen Schilddrüsenüberfunktion einhergehen, welche durch einen Überschuss an Hormonen das Wachstum der Haare stören kann. Auf lange Sicht allerdings entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion. Diese macht das Haar besonders brüchig und kann so den Haarausfall hervorrufen. Die Hashimoto Thyreoiditis ist zur Zeit nicht heilbar, jedoch kann man durch die Gabe der Schilddrüsenhormone die Symptome sehr gut therapieren.

Leiden Sie an einer Hashimoto Thyreoiditis? Lesen Sie mehr dazu unter: Hashimoto Thyreoiditis

Diagnose

Die Diagnostik bei der Schilddrüsenfunktionsstörung sollte mit einer ausführlichen Anamnese beginnen. Dabei stellt der Arzt durch gezielte Fragen fest, welche Beschwerden die betroffene Person hat. Dabei ergeben sich anhand der verschiedenen Symptome erste Hinweise darauf, ob es sich um eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse handelt.

Um von einem Haarausfall durch Schilddrüsenfunktionsstörungen zu sprechen muss zudem das Kriterium des Haarausfalls mit über 100 Haaren am Tag erfüllt sein. Die Schilddrüse kann anschließend durch Tasten und Abhören untersucht werden, dabei können eine Vergrößerung der Schilddrüse, Knoten sowie eine vermehrte Durchblutung auffallen. Um die Diagnose der Funktionsstörung zu sichern, wird eine Blutuntersuchung durchgeführt, dabei fallen Veränderungen der Schilddrüsenhormone TSH, T3 und T4 auf.

Mehr Informationen zu diesem Thema können Sie im nächsten Artikel nachlesen: Bluttest

Wie kann man sicher feststellen, dass der Haarausfall durch die Schilddrüse verursacht wird?

Ob der Haarausfall durch die Schilddrüsenfunktionsstörung verursacht wird, ist nicht mit absoluter Sicherheit festzustellen. Jedoch wird es wahrscheinlicher, je mehr andere Symptome einer Funktionsstörung auftreten und je weniger andere Ursachen es für den Haarausfall geben könnte. Häufig spielen hormonelle Veränderungen eine Rolle bei Beschwerden wie Haarausfall, daher sollte man zunächst klären, ob außer der Schilddrüse auch andere Hormone in veränderten Konzentrationen vorliegen. Gerade bei Männern ist zudem eine Abgrenzung zum natürlichen Haarausfall schwierig. Die sicherste Methode für einen Nachweis ist, wenn der Haarausfall abnimmt oder aufhört, nachdem man die Therapie der Schilddrüsenfunktionsstörung begonnen hat.

Weitere Symptome bei einer Schilddrüsenstörung

Bei Schilddrüsenfunktionsstörungen muss man grundsätzlich zwischen der Überfunktion und der Unterfunktion unterscheiden. Da es sich um zwei gegensätzliche Krankheitsbilder handelt, sind auch die begleitenden Symptome sehr unterschiedlich.

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) regt den Stoffwechsel des Körpers stark an. Dies kann zu einem starken Gewichtsverlust, Heißhunger, Nervosität und Schlaflosigkeit führen. Auch das Herz-Kreislauf-System wird von dem Überschuss an Schilddrüsenhormonen beeinflusst, so kommt es sowohl zu höheren Blutdrücken als auch zu einer Steigerung der Herzfrequenz bis hin zu krankhaft schnellen Herzschlägen. Zusätzlich treten vor allem sogenannte Hitzesymptome auf. Es kommt zu starkem Schwitzen und damit einhergehend feuchter Haut. Zudem halten sich betroffene Personen nicht gerne im Warmen auf, sondern sie bevorzugen die Kälte.

Die Schilddrüsenunterfunktion dagegen weist viele genau gegensätzliche Symptome auf. So kommt es zu einer Kälteintoleranz und verstärktem Frieren sowie Appetitlosigkeit und eventuell einer Gewichtszunahme. Typischerweise wird die Haut sehr trocken. Auch allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche können der Ausdruck für eine Hypothyreose sein. Außerdem wird häufig auch der Verdauungstrakt von der Schilddrüse beeinflusst, so kommt es bei der Schilddrüsenunterfunktion vermehrt zu Verstopfungen.

Eines der wenigen Symptome, welches beiden Schilddrüsenfunktionsstörungen gemeinsam ist, ist der Haarausfall, er wird jedoch durch verschiedene Mechanismen hervorgerufen.

Schwitzen

Das Schwitzen ist ein typisches Symptom der Schilddrüsenüberfunktion. Durch die Überproduktion der Schilddrüsenhormone wird der Stoffwechsel des Körpers stark aktiviert. Der Körper verbraucht sehr viel Energie und produziert dadurch besonders viel Wärme.

Um nicht zu überhitzen startet der Körper seinen einfachsten Kühlmechanismus: das Schwitzen. Die Feuchtigkeit, die sich beim Schwitzen auf der Haut bildet, verdampft an der Luft und entzieht der Haut dadurch Energie (=Wärme). So kann der Körper gut wieder abkühlen.

Bei der Schilddrüsenunterfunktion dagegen kommt es häufig zu einem besonders verstärkten Kälteempfinden, betroffene Personen schwitzen also deutlich weniger als sonst.

Behandlung

Die Therapie des Haarausfalls bei Schilddrüsenfunktionsstörungen besteht in einer Einstellung der Schilddrüsenhormone. Dabei muss man je nachdem ob eine Über- oder Unterfunktion vorliegt, auf unterschiedliche Therapiemechanismen zurückgreifen.

Die Schilddrüsenunterfunktion wird in den meisten Fällen durch die Substitution der Schilddrüsenhormone behandelt. Ist erst einmal ein normaler Hormonspiegel erreicht, verbessern sich die Symptome in der Regel innerhalb kurzer Zeit. Allerdings dauert es häufig eine gewisse Zeit, bis die richtige Einstellung erfolgt ist. In schwierigen Fällen muss man mit einer Dauer der Hormoneinstellung von bis zu einem Jahr rechnen.

Die Therapie der Schilddrüsenüberfunktion dagegen muss in Abhängigkeit von der auslösenden Ursache gewählt werden. Produziert die Schilddrüse selbst zu viele Hormone, kann die Funktionsstörung mit Medikamenten behandelt werden, man nennt diese Thyreostatika.
Bleibt die Schilddrüsenfunktion trotz der Thyreostatika erhöht, sollte eine Operation der Schilddrüse erwogen werden.  Dabei kann eine teilweise oder vollständige Entfernung der Schilddrüse vorgenommen werden.
Insbesondere bei einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma) ist eine sogenannte Strumaresektion notwendig, dabei kann jedoch ein Teil der Schilddrüse erhalten bleiben.
Ist ein Tumor die Ursache der Hyperthyreose, muss eine vollständige Entfernung (Thyreoidektomie) durchgeführt werden.

Dauer des Haarausfalls

Wie lange das Symptom des Haarausfalls bei Schilddrüsenfunktionsstörungen anhält ist vor allem davon abhängig, wie lange es dauert eine sogenannte Euthyreose zu erreichen. Dieser Begriff bezeichnet einen Zustand, in welchem weder zu viele noch zu wenige Schilddrüsenhormone vorliegen.

Da die Funktion der Schilddrüse einem komplexen Regelkreis unterliegt, kann eine gute Einstellung der Funktion bis zu einem Jahr dauern. Meist bessert sich jedoch der Haarausfall bereits einige Wochen, nachdem die Schilddrüsentherapie begonnen wurde.

Prognose

Bei Haarausfall durch eine Schilddrüsenfunktionsstörung können die Haare wieder nachwachsen. Ist die Schilddrüse gut eingestellt, sind die Faktoren, die das Wachstum der Haare stören oder die Haare brüchig machen, nicht mehr vorhanden. Dadurch können sich die Haare teilweise regenerieren. Häufig müssen jedoch neue Haare erst wieder wachsen, sodass es eine Zeit lang dauert, bis die ursprüngliche Haarsituation wiederhergestellt ist.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.08.2019
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