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Herzmuskelverdickung

Einleitung

Ein normales, gesundes Herz hat etwa die Größe einer geschlossenen Faust. Bei einer Herzmuskelverdickung ist es jedoch vergrößert, denn es handelt sich dabei um eine Erkrankung, die sich durch eine Verdickung der Herzkammerwände auszeichnet. Medizinisch wird sie auch als hypertrophische Kardiomyopathie bezeichnet. Meist ist das Herz dabei nicht gleichmäßig von der Verdickung betroffen, da sich bevorzugt die linke Herzkammer verdickt. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben und je nach Ausprägung unterschiedlich schwere Folgen nach sich ziehen. Grundsätzlich ist zwischen einer physiologischen – das heißt natürlichen – Herzmuskelverdickung bei sportlich sehr aktiven Menschen und einer pathologischen – das heißt krankhaften – Herzmuskelverdickung durch anhaltende Belastung des Herzens zu unterscheiden.


Ursachen

Die Ursachen einer Herzmuskelverdickung sind vielfältig. Bei sportlich sehr aktiven Menschen verdickt sich das Herz, da es gewohnt ist, viel und kräftig zu pumpen. Nicht nur die Skelettmuskulatur des Sportlers, sondern auch das Herz werden unter körperlicher Belastung stärker. Dies ist sinnvoll, da das Sportlerherz in der Folge mit weniger Schlägen mehr Blutvolumen weitertransportieren kann und dadurch in der Belastungssituation effizienter arbeitet.

Das Herz kann sich jedoch auch pathologisch vergrößern. Die häufigste Ursache hierfür ist dauerhafter Bluthochdruck. Auch durch eine Verengung der Aortenklappe ,das ist die Herzklappe zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader, (Aortenklappenstenose) kommt es zu einer starken Druckerhöhung auf die Herzmuskelwände. Diese verdicken sich kompensatorisch. Dabei ist meist nur die linke Herzkammer betroffen.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Aortenklappenstenose

Verdickt sich die rechte Herzkammer, so sind die häufigsten Ursachen dafür eine Druckerhöhung im Lungenkreislauf, beispielsweise durch diverse Lungenerkrankungen, oder eine Verengung der Pulmonalklappe, der Herzklappe zwischen rechter Herzkammer und Lungenarterie.

Medizinisch können zwei verschiedene Formen der Herzmuskelverdickung unterschieden werden: die konzentrische Form und die exzentrische Form. Die konzentrische Herzmuskelverdickung entsteht durch reine Druckbelastung, also beispielsweise Bluthochdruck. Dabei verdicken sich die Herzmuskelwände, sodass sich der Innenraum der Herzkammern verkleinert. Die Herzwände werden durch die Verdickung steifer und können sich in der Füllungsphase des Herzens nicht mehr so gut entspannen. Dadurch strömt weniger Blut in das Herz ein. In der Folge kann es auch nicht mehr so viel Blut auswerfen – die Pumpleistung wird ineffizient.

Bei der exzentrischen Herzmuskelverdickung liegt eine Kombination aus Druck- und Volumenbelastung vor. Dies geschieht beispielsweise, wenn die Aortenklappe undicht wird (Aortenklappeninsuffizienz). Dies hat zur Folge, dass ein gewisser Teil des Blutes, das vom Herzen ausgeworfen wurde, in der Entspannungsphase (Diastole) wieder zurück ins Herz fließt. Dadurch befindet sich dann ein unnatürlich hohes Blutvolumen in der Herzkammer, welches dazu führt, dass die Herzkammerwände gedehnt werden. Diese verdicken sich kompensatorisch. Gleichzeitig leiert die Kammer quasi aus, das heißt das Herzkammervolumen vergrößert sich.

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Symptome

Durch die insuffiziente Pumpleistung, die aus der pathologischen Verdickung des Herzmuskels resultiert, verspürt der Patient ab einem gewissen Schweregrad besonders unter körperlicher Belastung eine Leistungsminderung. Im Anfangsstadium kann die Erkrankung jedoch auch völlig ohne Symptome ablaufen, was erklärt, weshalb die Herzmuskelverdickung häufig erst spät diagnostiziert wird. Ab einem bestimmten Ausprägungsgrad kommen Kurzatmigkeit, beziehungsweise Atemnot hinzu. Auch geschwollene Beine (Ödeme), Brustschmerzen (Angina pectoris), Herzrhythmusstörungen, Schwindel, beziehungsweise Synkopen und Schwächegefühle können auftreten. Die Betroffenen müssen zudem nachts häufig Wasser lassen. All diese Symptome sind Anzeichen einer Herzinsuffizienz.

Diagnostik

Die Herzmuskelverdickung kann durch einen Kardiologen festgestellt werden. Der Arzt wird sich zunächst nach den bestehenden Beschwerden erkundigen. Diese können bereits einen Anhaltspunkt für eine kardiale Ursache liefern. Besteht der Verdacht auf eine Herzmuskelverdickung, so wird in der Regel zunächst eine Echokardiografie des Herzens vorgenommen, also eine Ultraschalluntersuchung. Darauf lässt sich erkennen, ob die Herzkammern breiter sind als gewöhnlich. Bei weiterhin bestehender Unklarheit oder besonderen Fragestellungen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT) angeordnet werden.

Therapie/Behandlung

Die Therapie der Herzmuskelverdickung richtet sich nach der festgestellten Ursache. Wichtig ist es, ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Da die häufigste Ursache ein arterieller Bluthochdruck (Hypertonie) ist, muss der Blutdruck optimal eingestellt werden. Dazu eignen sich verschiedene blutdrucksenkende Medikamente, beispielsweise Betablocker. Der Arzt wird je nach Schweregrad der Hypertonie des Patienten und dessen weiteren Erkrankungen ein passendes Präparat auswählen.

Liegt die Ursache der Herzmuskelverdickung in einem Herzklappenfehler, beispielsweise einer Verengung (Stenose) oder unzureichenden Schließfähigkeit (Insuffizienz) der Aortenklappe, so muss gegebenenfalls auch eine Herzklappenoperation in Erwägung gezogen werden. Dies wird ebenfalls vom Schweregrad der Klappenerkrankung und dem Alter des Patienten abhängig gemacht. Die fehlerhafte Klappe kann beispielsweise durch eine mechanische oder biologische Herzklappe ersetzt werden.

Prognose

Die Herzmuskelverdickung ist keine heilbare Erkrankung. Da der Entstehungsmechanismus sehr komplex ist und verschiedene Faktoren mit dazu beitragen, ist sie besonders im späten Stadium nicht immer gut einstellbar. Wird sie jedoch im Frühstadium entdeckt, können eine geeignete Medikation und ein angepasster Lebenswandel das Fortschreiten der Erkrankung verhindern, beziehungsweise deutlich verlangsamen. Die Lebenserwartung ist dann nicht maßgeblich vermindert. Eine sehr spät diagnostizierte Herzmuskelverdickung, die sich bereits durch vielfältige Symptome manifestiert hat, kann jedoch mit schweren Komplikationen einhergehen und auch zu einem plötzlichen Herztod führen.

Sport

Patienten, die unter einer Herzmuskelverdickung leiden, sollten starke körperliche Belastung vermeiden, da das Herz sonst schnell überfordert ist. Wettkampf- und Leistungssport sollten nicht praktiziert werden. Einige Sportler sind bereits währenddessen an ihrer Herzmuskelverdickung gestorben, auch ohne, dass sie zuvor von ihrer Krankheit gewusst haben. Dies ist das tückische an der Herzmuskelverdickung. Das erste Symptom kann unter Umständen der plötzliche Herztod sein. Eine Herzmuskelverdickung kann jedoch auch durch Sport entstehen und muss nicht automatisch krankhaft sein. Personen, die sich viel körperlich betätigen, leisten viel Muskelarbeit. Auch das Herz pumpt dann schneller und kräftiger, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Das Herz gleicht sich auf Dauer der hohen Belastung an und verdickt sich. Dies bewirkt, dass es unter Belastung effizienter arbeiten kann. Es kann dann mit einem Herzschlag mehr Volumen durch den Körper pumpen und muss daher insgesamt weniger schlagen. Dies zeigt sich eindrücklich am niedrigen Ruhepuls von Leistungssportlern.

Herzmuskelverdickung durch Bluthochdruck

Eine Herzmuskelverdickung kann durch Bluthochdruck entstehen. Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist dabei die häufigste Ursache für die Erkrankung. 20-60% der Patienten mit chronischem Bluthochdruck entwickeln eine Herzmuskelverdickung, die dann besonders die linke Herzkammer betrifft (linksventrikuläre Hypertrophie). Durch die ständige Druckbelastung passt sich das Herz an und verdickt sich. Dabei nimmt die Kammergröße ab, sodass sich das Herz weniger füllen kann. Die dicke Herzmuskelwand ist nicht mehr so elastisch, das heißt, dass sich das Herz in der Entspannungsphase nicht mehr so gut relaxieren kann. In der Folge sinkt die Auswurfleistung des Herzens. Erst ab einem bestimmten Schweregrad wird dies vom Patienten bemerkt. Anfangs kann die Erkrankung symptomlos ablaufen. Später stellen sich dann vor allem unter Belastung Beschwerden ein.

Folgen

Eine Herzmuskelverdickung ist ein Risikofaktor für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beziehungsweise verschiedene Komplikationen, die sich aus der Herzmuskelverdickung ergeben können. Zunächst kommt es ab einer gewissen Ausprägung der Herzmuskelhypertrophie zu einer allgemeinen Herzschwäche, der sogenannten Herzinsuffizienz. In diesem Zustand schafft das Herz es nicht mehr, den Körper in allen Situationen ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Die Patienten erleben anfangs vor allem unter körperlicher Belastung einen Leistungsknick, Kurzatmigkeit und Herzrhythmusstörungen. Bei fortgeschrittener Erkrankung können die Symptome auch bereits im Ruhezustand auftreten. Die Patienten können sich dann kaum noch körperlich betätigen, so gelingt es häufig nicht einmal mehr, Treppen zu steigen. Zudem ist das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, bei Vorliegen einer Herzmuskelverdickung erhöht. Hat ein Herzinfarkt stattgefunden, so wird dieser von Patienten mit Herzmuskelverdickung häufig schlechter toleriert, als von Patienten mit Herzinfarkt ohne diese Erkrankung.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.09.2018
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