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Hüftluxation beim Baby

Definition

Der Begriff Hüftluxation beschreibt einen Zustand, bei dem im Hüftgelenk beim Baby der Oberschenkelkopf nicht mehr in die Gelenkpfanne der Hüfte greift und aus dieser herausgerutscht ist, sodass die beteiligten Gelenkpartner nicht mehr physiologisch miteinander verbunden sind. Man kann diese Definition einer Hüftluxation ähnlich wie bei der Schulter als "ausgerenkte Hüfte" übersetzen.

Beim Baby ist die Hüftluxation eine der häufigsten angeborenen Fehlstellungen und beruht in aller Regel auf einer Fehlentwicklung der Hüftpfanne während der Schwangerschaft (Hüftdysplasie beim Kind), die ein herausrutschen des Oberschenkelkopfes begünstigt. Die Gelenkpfanne ist dabei nicht ausreichend gebildet, sodass der Oberschenkelkopf zu viel Bewegungsfreiheit hat. Dadurch rutscht er schon bei kleinen Bewegungen aus der vorgesehenen Fassung.

Von der Hüftluxation beim Baby sind etwa 5-6 Mal häufiger Mädchen als Jungen betroffen. In ca. 60% der Fälle tritt die Hüftluxation beim Baby einseitig auf. Die Ursachen sind vielfältig und beruhen oft auf Fehllagen beim Baby in der Schwangerschaft. Aufgrund der Häufigkeit einer Hüftluxation beim Baby wird in der Vorsorgeuntersuchung U3 im ersten Monat routinemäßig eine Ultraschalluntersuchung der Hüfte durchgeführt, um Fehlstellungen früh zu erkennen. Mit einer zeitnah eingeleiteten Therapie lässt sich die Hüftluxation beim Baby gut behandeln und so dauerhaften Schäden vorbeugen.

Ursachen

Eine Hüftluxation beim Baby ist Ausdruck einer unzureichend gebildeten Hüftpfanne im Rahmen einer Hüftdysplasie beim Kind, einer der häufigsten angeborenen Störungen des Bewegungsapparates. Die Ursache dieser Hüftdysplasie, die zur Hüftluxation führt, ist multifaktoriell. Zunächst spielen erbliche Faktoren eine nicht unwichtige Rolle. Vor allem bei Mädchen, deren Mütter schon eine Hüftluxation hatten, ist das Risiko erhöht. In sehr seltenen Fällen kann das Ehlers- Danlos- Syndrom eine Ursache für eine Hüftluxation sein. Weitere Ursache ist ein abweichender Schwangerschaftsverlauf, da sich hier die normale Bildung der Gelenke abspielt.

Haltungen des Babys im Mutterbauch, die zur Einengung und so erschwertem Wachstum führen, sind eine der Hauptursachen. So können Zwillingsschwangerschaften Zwangshaltungen hervorrufen, die Ursache eine Hüftluxation beim Baby sein kann. Doch auch eine verminderte Fruchtwassermenge, z.B. durch übertragene Schwangerschaften oder eine Fehlanlage der fetalen Nieren, kann zu einer Einengung des Fetus führen.

Eine weitere Ursache für eine Hüftluxation auf dem Boden einer Hüftdysplasie ist eine Lageanomalie des Babys im Uterus.
Besonders eine Beckenendlage, bei der die Hüftgelenke stark gebeugt werden, geht gehäuft mit einer Hüftluxation beim Baby einher, da hier über längere Zeit ein starker Druck auf die wachsenden Gelenkpfannen beim Baby ausgebeübt wird, wodurch diese nicht ihre physiologische Form annehmen können. Ebenso ist aus noch nicht voll verstandenen Gründen das Risiko, eine fehlgestellte Hüfte zu haben, bei Vorliegen anderer Fehlstellungen wie dem Klumpfuß oder an der Wirbelsäule erhöht.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Hüftdysplasie beim Kind

Symptome

Die Hüftluxation beim Baby verursacht einige nach außen sichtbare Symptome, die auf das Vorliegen einer Fehlstellung hinweisen. Meist jedoch treten diese sichtbaren Anzeichen ohne Symptome wie Schmerzen, Entzündung oder ähnliches auf, sodass beim Baby zunächst kein Leidensdruck entsteht. Diese Symptome dienen in der klinischen Untersuchung auch als diagnostische Hinweise.

Bereits in den ersten Lebenstagen fällt eine Hüftluxation beim Baby durch Symptome wie Beinlängendifferenzen, bei dem das luxierte Bein gegenüber dem gesunden verkürzt ist, oder eine eingeschränkte Beweglichkeit auf. Das Baby kann das betroffene Bein nicht in normalem Maße abspreizen, was auch durch passive Bewegungen durch den Arzt erschwert ist.

Die Hüftluxation beim Baby weist desweiteren Symptome auf, die erst bei genauerer Betrachtung oder gezielter Testung zu Tage treten. An Oberschenkel oder Gesäß sind meist asymmetrische Hautfalten sichtbar, die für den erfahrenen Arzt Hinweise auf die Hüftluxation beim Baby sein können. Die Instabilität des Hüftgelenks ist ein Hauptanzeichen einer Hüftluxation beim Baby und fällt dadurch auf, dass bei An- oder Abspreizen des Beines der Hüftkopf von außen spürbar aus der Pfanne raus und wieder zurückrutscht. Dieses Phänomen wird auch Barlow-Zeichen genannt. In abgeschwächter Form lässt sich ein Klicken im Hüftgelenk bei ähnlichen Bewegungen spüren, wenn eine Hüftdysplasie noch ohne Hüftluxation vorliegt, was Ortalani-Zeichen genannt wird. Jedoch schädigen diese Tests weiter das Gelenk, sodass man das Auslösen beim Baby nach Möglichkeit vermeiden sollte. Darüber hinaus verursacht die Hüftluxation beim Baby zunächst keine Symptome.

Allerdings kommt es unbehandelt zu einer Reihe typischer Folgeerscheinungen, die im Kleinkindalter auffällig werden. Durch das häufige Herausspringen des Hüftkopfes wird der Gelenkknorpel immer weiter geschädigt. Es kommt früh zur Arthrose, was mit erschwertem Gehen und auch Schmerzen einhergeht. Das Wachstum der Hüftpfanne beim Kind ist ebenso stark beeinträchtigt, sodass die Fehlstellung im Laufe der Kindesentwicklung weitere Symptome verursacht. Es kommt zu einem humpelnden Gangbild und einer Schwäche der Hüftmuskulatur. Oftmals fällt eine Hüftdysplasie mit Hüftluxation bei Kleinkindern primär durch Knieschmerzen auf.

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Diagnose

Die Diagnose Hüftluxation wird in der Regel früh beim Baby gestellt, da die Hüfte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) routinemäßig untersucht wird. Eine Hüftluxation beim Baby zeigt sich relativ deutlich durch ein verkürztes Bein und einer Reihe weiterer unspezifischer klinischer Zeichen, sodass die Diagnose auf der Klinik basiert.

Da diese jedoch nicht ausreichend ist, die Diagnose Hüftluxation oder Hüftdysplasie beim Baby zu stellen, wird die Diagnose mittels Ultraschall objektiviert. Hiermit lassen sich auch Veränderungen der Hüfte feststellen, die eine Hüftluxation beim Baby begünstigen, ohne dass es bereits zu dieser gekommen ist. Standardmäßig wird die Hüfte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U3 in der 4.-5. Lebenswoche auf ein Hüftluxation geschallt.

Dabei wird die Position des Hüftkopfes in Bezug zum Gelenkdach der Hüfte nach Graf in 4 Stadien eingeteilt: 1: normal entwickelte Hüfte; 2: Reifungsverzögerung (Dysplasie); 3: dezentrierte Gelenke (Subluxation); 4: vollständige Luxation. Diese Untersuchungen reichen aus, um die Diagnose Hüftluxation beim Baby zu stellen und aufgrund des Schweregrades eine angemessene Therapie einzuleiten. Bei Diagnose nach dem 1. Lebensjahr wird zusätzlich das Röntgen eingesetzt, um knöcherne Anteile besser darzustellen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Vorsorgeuntersuchung bei Kindern

Hüftsonographie

Glücklicherweise ist die Hüftsonographie bei Kindern in der Vorsorgeuntersuchung in Deutschland Standard und vorgeschrieben. Mitunter liegt das an der Häufigkeit dieser Fehlstellung, aber auch an dem hohen Nutzen, der erreicht wird, wenn die Diagnose und Therapie so früh wie möglich erfolgt.

Wenn möglich erfolgt die erste Ultraschalluntersuchung nach der Geburt. Verpflichtend ist diese jedoch mindestens bei der U3-Vorsorge in der 4.-5. Woche. Während des ersten Lebensjahres lässt die Knochenstruktur noch eine gute Beurteilbarkeit der Strukturen in der Sonographie zu. Vorteile der Untersuchung sind keine Belastung durch Röntgenstrahlung, die Dynamik während der Untersuchung und Verfügbarkeit in den meisten Arztpraxen. Untersucht wird nach der Graf‘schen Untersuchungstechnik der Winkel des Pfannendachs, des Knorpeldachs und der Lage des Hüftkopfes.

Behandlung

Die akute Behandlung der Hüftluxation beim Baby sieht eine schnelle Reposition, also ein wieder Einrenken der Hüfte vor. Zunächst wird diese Behandlung in konservativer Weise versucht, bei der unter Narkose und beim Baby gelähmter Muskulatur mittels bestimmter Manöver der Hüftkopf wieder in die Gelenkpfanne gedrückt wird. Gelingt dies nicht, kann eine OP erforderlich werden.

Langfristig sollte sich dann die Behandlung der Hüftdysplasie anschließen. Das Ziel dieser Behandlung ist es, die Ursache der Hüftluxation beim Baby zu beheben. Das Wachstum der fehlgebildeten Hüftgelenkspfanne, die gewissermaßen die Überdachung des Hüftkopfes darstellt und diesem so Stabilität gibt, kann hierbei so gefördert und gelenkt werden, dass wieder eine physiologische Funktion im Gelenk erreicht wird.

Auch hier muss zwischen konservativer Behandlung und einer OP abgewogen werden. In leichten Fällen reicht es, das Bein mit Wickeln und Bandagen so einzustellen, dass das Bein im Hüftgelenk leicht gebeugt und abgespreizt ist. In dieser Position wird das Bein für ca. 6 Wochen gehalten, wodurch das Wachstum von Knorpel und Knochen beim Baby über dem Hüftkopf angeregt wird. In schwereren Fällen sind Spreizhosen oder Orthesen angezeigt, die etwas länger für bis zu 3 Monate getragen werden müssen. In einigen Fällen ist das Anlegen eines Gips beim Baby nötig, als letzte Option steht eine OP zur Korrektur der Verhältnisse am Gelenk zur Verfügung.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Therapie der Hüftdysplasie

Gips

Neben Bandagen und Orthesen steht ein Gips als Option bei der Behandlung der Hüftluxation beim Baby zur Verfügung. Der Gips kommt meist dann zum Einsatz, wenn nach einer reponierten Hüftluxation weiterhin eine deutliche Instabilität im Hüftgelenk beim Baby besteht und eine weitere Hüftluxation nicht zufriedenstellend durch Bandagen, Wickeln oder Schienen verhindert werden kann. Jedes weitere herausspringen des Hüftkopfes beim Baby würde das Gelenk weiter schädigen und die Heilung verzögern, was durch einen Gips effektiv verhindert werden kann.

Der Gips wird bei dieser Form der Behandlung ebenfalls so angelegt, dass das Bein leicht in der Hüfte gebeugt und nach außen abgespreizt ist, je nach Ausmaß der Dysplasie. In dieser Lage besteht wieder ein ausreichender Kontakt zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne, um das Wachstum des Gelenks beim Baby zu physiologischen Verhältnissen hin zu fördern. Der Gips wird über einen Zeitraum von 4-12 Wochen angelegt. Wichtig ist es natürlich, den Gips regelmäßig auf die richtige Lage zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass beim Baby keine Gefäße oder Nerven durch einen zu engen Gips abgedrückt werden. Der Verlauf der Behandlung sollte ebenso regelmäßig durch Ultraschalluntersuchungen kontrolliert werden.

OP

In den meisten Fällen wird eine Hüftluxation beim Baby durch eine konservative Behandlung gut therapiert, sodass innerhalb des ersten Lebensjahres bereits zufriedenstellende Ergebnisse zu erwarten sind. In manchen Fällen ist das Ausmaß der Hüftluxation bzw. -dysplasie und damit das Risiko einer dauerhaften Hüftluxation beim Baby jedoch größer oder wurde zu spät erkannt. Hier muss über die Möglichkeiten einer OP nachgedacht werden.

Es gibt mehrere Methoden, diese Fehlstellung mit einer OP zu behandeln. Eine akute Hüftluxation beim Baby erfordert dann eine OP, wenn die manuelle Reposition nicht möglich ist. Das kann dann der Fall sein, wenn z.B. Hindernisse wie Knochensplitter oder Sehnen im Gelenkspalt ein Zurückgleiten verhindern. Diese offene Reposition mittels OP muss nur selten angewandt werden. Eine langfristige Behandlung der Hüftluxation beim Baby mit OP besteht darin, die beteiligten Knochen an der Hüfte so umzuformen, dass eine ausreichende „Überdachung“ des Hüftkopfes durch die Gelenkpfanne gegeben ist. Verfahren hierfür sind die intertrochantäre Varisierungs-Osteotomie, die Osteotomie nach Salter oder die Triple-Osteotomie nach Tönnis, die bei älteren Patienten Verwendung findet. Allen Verfahren ist im Prinzip gemein, dass durch Einsetzen oder Wegnehmen von Knochenstücken an der Hüfte über dem Gelenk das Gelenkdach flacher wird und so besser den Hüftkopf umgreift. Dies sorgt für bessere Stabilität, der Hüftkopf gleitet nicht mehr aus dem Gelenk.

Prognose und Prophylaxe

Die Prognose für eine Hüftluxation beim Baby ist in aller Regel sehr gut, wenn die Fehlstellung früh erkannt wird. Dabei gilt: Je früher erkannt, desto besser die Prognose. Wird die Hüftluxation in den ersten Tagen nach Geburt festgestellt und therapiert, heilt die Erkrankung quasi immer aus, bei adäquater Behandlung ist nicht mit Spätfolgen wie Humpeln oder Schmerzen zu rechnen. Bei älteren Patienten ist die Prognose schlechter.

Die Prognose einer Hüftluxation ist somit abhängig vom Zeitpunkt der Diagnosestellung und Intervention.  Außerdem lohnt es sich deswegen früh mit einer Therapie anzufangen, da anfangs die Knochen noch formbarer sind und eine kürzere Therapierdauer ausreichend ist.

Die möglichen Spätfolgen sind gekennzeichnet durch Fehlstellungen und Fehlhaltungen mit den dadurch bedingten verfrühten Verschleißerscheinungen.

Eine Komplikation ist die Coxa valga. Dies bedeutet, dass der Schenkelhalswinkel des Oberschenkelknochens zu steil auf die Hüftpfanne trifft. Außerdem kann es sein, dass das Kind im Verlauf ein Hohlkreuz entwickelt durch die permanente Fehlstellung in der Hüfte. Aufgrund der fehlerhaften, nicht physiologischen Belastung findet ein übermäßiger Verschleiß der Gelenke statt, mit Gefahr der Hüftarthrose und Hüftkopffraktur.

Vorsicht geboten ist auch bei der Durchführung der Therapie mit Einrenkungen und Spreizen durch Spreizhosen oder Gips. Ist die Spreizung zu stark oder nicht stark genug und ist die Beanspruchung des Gewebes bei der Einrenkung zu massiv, so kann es zur Minderdurchblutung des Hüftkopfes kommen mit der Gefahr einer Hüftkopfnekrose.

Zur Prophylaxe kann gesagt werden, dass es sich bei der Hüftdysplasie um eine angeborene Fehlstellung handelt, der nicht vorgebeugt werden kann. Es gibt allerdings Methoden zur Prophylaxe, die zumindest die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Hüftluxation verringern. Wichtig ist es, das Baby nach der Geburt so zu legen und zu tragen, dass das Bein in der Hüfte weiter gebeugt ist. Frühzeitiges Strecken ist hier der größte Risikofaktor für eine Hüftluxation beim Kind. Bauchlagen sollten dazu vermieden werden. Das Tragen des Babys in einem Tragetuch mit leicht gebeugter und abgespreizter Haltung in der Hüfte ist ebenso als Prophylaxe geeignet, um das Risiko für eine Hüftluxation beim Baby zu verringern, bis die Hüfte ausgereift ist.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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