Hüftschmerzen beim Kind

Allgemeines

Hüftschmerzen bei Kindern können vielfältige Gründe haben.

Die Hüfte ist beim Erwachsenen nicht anders aufgebaut als bei Kindern; der einzige Unterschied besteht darin, dass die Hüfte bei kleineren Kindern noch nicht komplett verwachsen ist.

Die Hüftpfanne besteht generell aus 3 unterschiedlichen Knochenanteilen(Os ischium, Os ilium und Os pubis). Kleinkinder haben hier noch offene Wachstumsfugen, nämlich genau dort wo diese Knochenanteile noch nicht zusammengewachsenen sind. Kommt es nun zum Hüftschmerzen kann eine der vielfältigen Ursache ein harmloser Wachstumsschmerz sein. Weitere Ursachen können z.B. die Kinderkrankheit Morbus Perthes oder ein sogenannter Hüftschnupfen (Coxitis fugax) sein.


Ursachen

Da die Hüfte für den aufrechten Stand und das Gehen erforderlich ist, sollten Hüftschmerzen beim Kind sehr ernst genommen werden.
Ein Arzt (Kinderarzt oder besser Kinderorthopäde) sollte im Zweifelsfall immer zu Rate gezogen werden.

Tritt der Schmerz hauptsächlich nachts auf und verschwindet nach wenigen Tagen wieder kann die Ursache der sogenannte Wachstumsschmerz sein.

Es gibt jedoch auch ernstere Ursachen.
Prinzipiell kann ein Kind wie auch ein Erwachsener an einer Hüftfraktur leiden oder an einer Muskelverspannung im Bereich der Hüfte.
Auch eine Überdehnung oder gar ein Riss der Bänder am Hüftgelenk sind möglich.
Diese möglichen Ursachen von Hüftschmerzen können z.B. beim Spielen auftreten, ein Sturz auf die Hüfte vom Klettergerüst oder ein Verdrehen des Beines beim Fußball können ursächlich sein.
Wichtig ist jedoch zu beachten, dass Kinderknochen noch sehr viel weicher sind als die Knochen von Erwachsenen und deswegen sehr viel seltener brechen. Auch ein Bänder- oder Sehnenriss ist beim Erwachsenen eher wahrscheinlich als bei einem Kind.

Neben diesen Ursachen gibt es beim Kind typischen Hüftschnupfen (Coxitis fugax). Hierbei handelt es sich um eine nichtinfektiöse Entzündung des Hüftgelenks. Diese tritt meist zwischen dem 3-10. Lebensjahr auf. Meist hatten die Kinder wenige Wochen zuvor eine viral-bedingte Entzündung der Atemwege oder des Magendarmtraktes. Die Kinder projizieren die Hüftschmerzen manchmal bis in das Knie und haben besonders starke Schmerzen wenn sie das Bein nach innen drehen sollen.
Die Entzündung, und somit der Hüftschmerz, verschwindet nach wenigen Wochen spontan wieder. Da ein Infekt der Krankheit vorhergeht, tritt der Hüftschnupfen meist im Frühjahr auf, hier ist die Erkältungsrate am Größten.

Eine weitere Ursache für Hüftschmerzen beim Kind kann der Morbus Perthes sein. Hierbei handelt es sich um eine orthopädische Kinderkrankheit bei der es aufgrund von Durchblutungsstörungen zum Absterben von Knochengewebe im Hüftknopf (Os femoris) kommt.
Es kommt zu starken Hüftschmerzen und die Kinder versuchen durch eine entsprechende Schonhaltung und verminderte Bewegung den Schmerz zu vermeiden. Wie genau ein Morbus Perthes entsteht ist nicht sicher und kann von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Eine Ursache kann eine hormonelle Dysbalance sein, eine weitere Ursache ist eine Durchblutungsstörung aufgrund von Fehlbildung der zuführenden Gefäße. Aber auch genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen da ein Geschwisterkind von betroffenen Kind sehr viel wahrscheinlicher erkrankt, als ein Kind ohne genetische Vorbelastung.
Im Anfangsstadium kommt es zu einer Entzündung im Bereich des Hüftkopfes sowie der Hüftpfanne, später kommt es zu einer Fehlstellung von Hüftkopf und -pfanne und dementsprechend zu Hüftschmerzen und erschwertem Gehen.

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Eine letzte Ursache, die zu Hüftschmerzen bei Kindern führt, ist die Epiphyseolysis capitis femoris. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Epiphysenlösung. Dazu muss man wissen, dass der Oberschenkelknochen, der ja mit der dem Beckenknochen das Hüftgelenk bildet, aus einem Kopf und einem langen Schaft besteht. Bei kleinen Kindern ist zwischen dem langen Schaftknochen und dem Kopf ein kleiner Spalt, der Wachstumsspalt, der erst im Laufe des Wachstums zuwächst. Kommt es nun zu einer Loslösung des Kopfes vom rechtlichen Schaft des Oberschenkelknochens, führt dies teilweise zu Hüftschmerzen bei den betroffenen Kindern, noch häufiger sind jedoch Knieschmerzen oder Schmerzen im Oberschenkel.

Symptome und typisches Erkrankungsalter

Je nach Krankheitsbild unterscheidet man typische Schmerzen bei den Kindern. Auch das Alter, in dem die Kinder erkranken, spielt eine wichtige Rolle.

Bei Wachstumsschmerzen treten die Schmerzen typischerweise nachts auf. Die Kinder haben dann über mehrere Tage leichte Schmerzen, diese verschwinden dann jedoch. Solche Wachstumsschmerzen können theoretisch während der kompletten Wachstumsphase auftreten. Das entscheidendste „Erkrankungsalter“ ist jedoch von circa 3-13 Jahren.
Eine Fraktur hat selbstverständlich kein klassisches Erkrankungsalter. Es ist jedoch bis circa 10 Jahren recht unwahrscheinlich, dass ein Kind sich schnell einen Knochen bricht, da die Knochen noch sehr weich und biegsam sind. Hier tritt der Schmerz plötzlich auf und verschwindet meist auch nicht.

Bei einer Coxitis fugax, also dem Hüftschnupfen, treten die Schmerzen eher kontinuierlich auf. Vor allem die Innenrotation des Beines ist schmerzhaft. . Nach wenigen Wochen verschwindet der Schmerz einfach wieder. Das Erkrankungsalter liegt bei 3-10 Jahren.

Beim Morbus Perthes muss es nicht zwingend zu Schmerzen kommen. Meist sind treten jedoch Ruhe-, Belastungs- oder Anlaufschmerzen im Knie- und/oder Hüftbereich. Als erstes Symptom wird jedoch meist das Hinken des Kindes bemerkt. Das Erkrankungsalter liegt hier bei 3-12 Jahren, wobei 5-7 jährige Jungen mit weißer Hautfarbe besonders häufig betroffen sind.

Die Epiphyseolysis capitis femoris äußert sich vor allem durch Schmerzen im Kniebereich oder im Oberschenkel, selten auch in der Leiste. Hüftschmerzen müssen nicht immer vorhanden sein. Um die Schmerzen zu reduzieren halten die Kinder das Bein meist in der Außenrotation. Auch hier kann es zu schonendem Hinken kommen. Etwa ab dem 9. Lebensjahr können vor allem übergewichtige Jungen an dieser Krankheit erkranken.

Diagnose

Klagt ein Kind über Hüftschmerzen und hatte es zusätzlich vorher eine Infektion, wird meist eine Blutuntersuchung angeordnet. Es muss nämlich ausgeschlossen werden, dass das Kind unter einer bakteriellen Infektion leidet.
Findet man im Blutbild keinen Hinweis auf eine Infektion, kann man davon ausgehen dass das Kind unter dem nichtinfektiösen Hüftschnupfen leidet. Um einen Morbus Perthes auszuschließen sollte außerdem eine Röntgenaufnahme gemacht werden, Bei dieser Röntgenaufnahme sieht man auch, ob das Kind eventuell an einer Epiphyseolysis capitis femoris leidet.

Therapie

Für Wachstumsschmerzen gibt es keine richtige Therapie. Wichtig ist nur, dass die Kinder sich nicht eine falsche Schonhaltungen angewöhnen. Durch Physiotherapie oder kalte oder warme Umschläge kann man versuchen, die Wachstumsschmerzen zu lindern und ihnen vorzubeugen.
Die Coxitis fugax lässt sich primär durch Schonung heilen. Mindestens 2-4 Tage sollte die Hüfte geschont werden, bei starken Schmerzen können NSAR wie Ibuprofen gegeben werden. Nach einer Woche sollten die Schmerzen verschwunden sein.

Beim Morbus Perthes gibt es einige unterschiedliche Therapieansätze.
Bei milden Formen versucht man konservativ das Bein in die richtige Stellung zu bringen und es mithilfe von Schienen und Orthesen in dieser Stellung zu lassen. Ebenfalls wichtig ist ein absolutes Sportverbot; Kinder dürfen nicht hüpfen oder springen, da dies die Hüfte zu sehr belastet.
Bei fortgeschrittenen Stadien ist eine Operation indiziert. Hier gibt es mehrere Verfahren, die je nach Ausmaß und Anatomie angewendet werden können.

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Bei der Therapie des Epiphyseolysis capitits femoris kommt es sehr auf den Schweregrad an. Fast immer ist eine Operation nötig. Hierbei wird versucht, mithilfe von sogenannten Kirschner-Drähten oder mithilfe von Zugschrauben den Knochen in der richtigen Position aneinander zu halten.
In schweren Fällen wird mithilfe der Imhäuser-Operation der Kopf wieder richtig in die Gelenkpfanne eingefügt und mit Platten und Zugschrauben stabilisiert um ein erneutes Herausrutschen zu verhindern.

Prophylaxe

Für die meisten Hüftschmerzen bei Kindern gibt es keine Prophylaxe. Wachstumsschmerzen hat jedes Kind einmal, der Schweregrad hängt jedoch von der Schnelle des Wachstums ab. Abgesehen von Wickeln oder entspannenden Bädern kann man jedoch nicht viel tun um den Wachstumsschmerz zu lindern.
Da die genaue Ursache der Coxitis fugax nicht bekannt ist, ist es natürlich auch schwer möglich dem Hüftschnupfen vorzubeugen.
Einem Morbus Perthes kann man leider gar nicht vorzubeugen.
Auch der Epiphyseolysis capitis femoris kann man schwer vorbeugen. Auffällig ist jedoch, dass vor allem adipöse (übergewichtige) Kinder an dieser Erkrankung leiden. Deshalb ist anzunehmen, dass Sport und ein gesunder Lebensstil den Kindern helfen kann, eine solche Erkrankung zu vermeiden.

Prognose

Die Prognose der meisten Erkrankungen bei Hüftschmerzen bei Kindern ist sehr gut. Wachstumsschmerzen und Hüftschnupfen verschwinden spontan wieder. Beim Morbus perthes und bei der Epiphyseolysis capitis femoris kann durch eine rechtzeitige Diagnose und mit richtiger Therapie ebenfalls mit Erfolg gerechnet werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Hüftschmerzen Kinder finden Sie hier:

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 28.02.2017
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