Kollagenose

Definition

Der Begriff “Kollagenosen” beschreibt eine Gruppe von Erkrankungen autoimmunen Ursprungs. Dies bedeutet, dass das Immunsystem des Betroffenen eine Abwehrreaktion gegen körpereigene Zellen auslöst.
Im Falle der Kollagenosen richtet sich diese Abwehrreaktion gegen Zellen des Bindegewebes. Da Bindegewebe überall im Körper vorkommt, kann praktisch jedes Organ betroffen sein. Häufig kommt es zu Hauterscheinungen und Gelenkbeschwerden.

Lesen Sie mehr unter: Autoimmunerkrankung - Was versteht man darunter?

Ursachen

Warum Autoimmunerkrankungen entstehen, ist nicht bekannt.
Normalerweise dient das Abwehrsystem des Körpers dazu, körperfremde Zellen zu identifizieren und zu eliminieren. Im Fall von Autoimmunerkrankungen richtet sich diese Abwehrreaktion gegen körpereigene Zellen. Im Fall der Polymyositis und Dermatomyositis, die zu den Kollagenosen zählen, wird eine paraneoplatische (d.h. tumorbedingte) oder eine virale Genese diskutiert. Abschließend geklärt sind diese Theorien allerdings noch nicht.
Hat das Immunsystem begonnen eine Immunantwort auszulösen, kommt es zu einer Entzündungsreaktion. Werden, wie es bei den Kollagenosen der Fall ist, beispielsweise Zellen des Bindegewebes angegriffen, kommt es dort zum Einwandern von Entzündungszellen und auf längere Sicht zu einem fibrotischen Umbau. Diesen Umbau kann man sich in etwa wie eine Narbe an einer Stelle, an dem ehemals ein Schaden vorlag, vorstellen. Da es sich bei dem “Narbengewebe” nicht mehr um das ursprüngliche Gewebe des Organs handelt, geht ein solcher Umbau je nach Ausmaß mit einem Funktionsverlust einher. 

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt anhand des klinisches Erscheinungsbildes sowie einer Laboruntersuchung. Da es verschiedene Erkrankungen gibt, welche zu den Kollagenosen gehören, wird nicht die Diagnose “Kollagenose”, sondern die der jeweiligen Erkrankung gestellt. Zu den Kollagenosen gehören folgende Krankheitsbilder:

Bei der Laboruntersuchung werden spezifische Antikörper im Blut nachgewiesen, sog. antinukleäre Antikörper (ANA).

Symptome

Je nach vorliegender Erkrankung können sich die Symptome unterschiedlich präsentieren (lesen Sie hierzu den zugehörigen Artikel der jeweiligen Erkrankung, s.o.). Einige klinische Erscheinungsbilder haben die Kollagenosen jedoch gemeinsam. Es können allgemeine Symptome wie Fieber und Gewichtsverlust auftreten. Häufig sind Kollagenosen mit Gelenkbeschwerden und Muskelentzündungen assoziiert. Auch Hauterscheinungen sind häufig. Zu ihnen zählt das sog. Raynaud-Syndrom, eine Durchblutungsstörung der Hände. Dabei färben sich die Finger bei Kälte zunächst weiß, dann blau und anschließend rot. 

Genaueres erfahren Sie unter: Raynaud-Syndrom

Da bei Kollagenosen das Bindegewebe angegriffen wird, kann jedes Organ von der Erkrankung betroffen sein. Es kann beispielsweise eine Entzündung des Herzbeutels, eine sog. Perikarditis, auftreten. Ist die Lunge betroffen, kann sich das Lungenfell entzünden. Dies bezeichnet man als Pleuritis. Besteht die Entzündung über einen langen Zeitraum, kann eine Lungenfibrose entstehen. Auch die Nieren oder das Gehirn können von der Entzündung betroffen sein.

Therapie

Das Prinzip der Therapie besteht in einer Linderung der Entzündungssymptomatik sowie einer Unterdrückung des Immunsystems. Eine kausale Behandlung, die die Ursache der Erkrankung beseitigt, gibt es nicht. Zudem gibt es eine Reihe allgemeiner Maßnahmen, die die Beschwerden eindämmen können. Dazu gehört die Vermeidung von Kälte beim Vorliegen eines Raynaud-Syndroms, die konsequente Durchführung von Physiotherapie sowie eine begleitende psychotherapeutische Behandlung.
Gegen die Entzündung können entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der NSAR zu denen beispielsweise Ibuprofen gehört, eingesetzt werden. Eine weitere oft verwendete Medikamentengruppe sind die Glucocorticoide, welche bei zahlreichen Autoimmunerkrankungen zum Einsatz kommen, da sie eine immunsuppressive Wirkung aufweisen. Weitere Medikamente, die das Immunsystem modulieren sind beispielsweise Azathioprin oder Methotrexat.

Lesen Sie hier mehr über die Medikamentengruppe derImmunsuppressiva

Dauer und Prognose

Bei den Kollagenosen handelt es sich um chronische Erkrankungen für die bisher keine kausale Therapie zur Verfügung steht. Bei einigen Kollagenosen kann die Erkrankung von alleine zum Stillstand kommen, die Selbstheilungstendenz ist jedoch in der Regel eher niedrig. Oft schreitet die Erkrankung langsam voran, sodass sich der Leidensdruck für die Betroffenen lange in einem gut erträglichen Ausmaß befindet. Die Prognose ist abhängig von Schweregrad und Lokalisation der Schäden. Insbesondere die Ausprägung in den Organen Lunge, Herz und Nieren spielen eine entscheidende Rolle beim Krankheitsverlauf. Sind sie erst spät oder nur geringfügig betroffen, ist die Prognose deutlich besser als bei einer schweren Krankheitsmanifestation in diesen Organen.

Krankheitsverlauf

Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel. Die meisten Kollagenosen manifestieren sich im mittleren Erwachsenenalter. In vielen Fällen nehmen die Symptome nur sehr schleichend zu. Es kann sein, dass manche Kollagenosen sich lediglich durch Hauterscheinungen bemerkbar machen. Möglich ist jedoch auch ein systemischer Verlauf, welcher einer aggressiveren immunsupprimierenden Therapie bedarf. Der Krankheitsverlauf ist abhängig vom Zustand der betroffenen Organe. Unterliegen lebenswichtige Organe wie Niere, Herz oder Lunge einem schweren fibrotischen Umbau, kann es zu einer raschen Verschlechterung der Funktion dieser Organe kommen. Sind Gelenke und Haut Hauptmanifestationsort, können viele der Betroffenen unter entsprechender Therapie ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen. Jedoch lässt sich keine pauschale Aussage über den Verlauf treffen, da die Kollagenosen ein sehr variables Bild von Symptomen hervorrufen können.

Wie ansteckend ist das?

Eine Ansteckungsgefahr besteht bei Kollagenosen nicht. Bei der Polymyositis und Dermatomyositis besteht der Verdacht auf einen viralen Ursprung der Erkrankung durch eine Coxsackie-Virus-Infektion. Virale Erkrankungen sind häufig ansteckend. Allerdings bedeutet eine Ansteckung mit dem Virus nicht, dass daraus das Krankheitsbild einer Kollagenose entsteht. Es wird vermutet, dass das Immunsystem durch das Virus falsch “geprägt” wird, was es dazu veranlasst, körpereigene Zellen zu attackieren. Wieso dies in individuellen Fällen passiert, ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 16.04.2020 - Letzte Änderung: 11.08.2021
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