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Medikamente gegen Viren

Welche Medikamente gegen Viren gibt es?

Virostatika lautet der Überbegriff für die Gruppe aller Wirkstoffe, die gegen Viren wirksam sind. Aus dem Wort „Virostatika“ leitet sich ihre Wirkung schon ab. Es setzt sich aus den beiden Teilen „Virus“ und „stasis“ (griech. für Stillstand) zusammen und beschreibt die Wirkung der Medikamente. Es soll erzielt werden, dass sich die Viren nicht weiter vermehren können, ein sogenannter Replikationsstillstand soll eintreten.
Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, sondern sind auf die Stoffwechselprozesse der Wirtszelle angewiesen. Dies erschwert die kausale Therapie von Viruserkrankungen erheblich und man muss in die Replikationszyklen (Vermehrungskreisläufe) eingreifen.
Zur symptomatischen Therapie, die zwar die Symptome, nicht aber die Ursachen behandelt, können zahlreiche andere Medikamente eingesetzt werden: Entzündungshemmende Wirkstoffe, Schmerzmittel und fiebersenkenden Medikamente können die Folgen der Virusinfektion therapieren. Den Viren an sich gebieten sie allerdings keinen Einhalt.

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Im Normalfall schafft es der Körper selbst mit dem eigenen Immunsystem gegen die Viren vorzugehen und die Infektion zu bekämpfen. Aber nicht bei allen Patienten funktioniert das Immunsystem des Körpers so gut, dass sie die Infektion erfolgreich abwehren können. Dann werden Medikamente gegen Viren notwendig, da sie derzeit die einzige Möglichkeit für eine kausale Therapie, also eine Therapie, die die Ursachen bekämpft, sind.
Sie hemmen die Vermehrung der Viren durch Inhibition unterschiedlicher Stationen in deren Vermehrungsprozess.
In den letzten Jahren hat die Anzahl der antiviralen Substanzen zugenommen, was unter anderem auf den intensiven Kampf gegen die HIV-Infektion zurückzuführen ist. Jährlich werden mehrere neue virostatisch wirksame Medikamente zugelassen. Trotzdem gibt es bis heute noch keine Wirkstoffe, die Viren nachhaltig abtöten.

Wirkung/ Wirkstoffgruppen

Antivirale Wirkstoffe können nach ihrer Wirkweise unterschieden werden. Sie behindern die Vermehrung von Viren in unterschiedlichen Stadien. Um diesen Mechanismus zu verhindern, muss man zunächst die Stadien betrachten, die bei der Virusreplikation durchlaufen werden.

Zunächst binden die Viren an die Oberfläche der Wirtszelle (menschliche Zellen). Beim Andocken des Virus bindet ein Eiweißmolekül auf der Oberfläche des Virus an einen spezifischen Rezeptor des Wirts (Absorption). Im weiteren Verlauf dringt das Virus in die Zelle ein, je nach Virusart, entweder über Fusion zwischen Virushülle und Zellmembran oder durch Einschleusung über neugebildete Poren in der Membran der Wirtszelle.
Wenn das Virus in die Wirtszelle aufgenommen wurde, setzt es seine Erbinformation (Genom) frei. Dieser Prozess wird als „uncoating“ bezeichnet. Im Anschluss wird das virale Genom in mehreren Zwischenschritten vermehrt.
Abschließend werden die Viruspartikel zusammengebaut (Reifung) und die fertigen Viren werden freigesetzt.

An all diesen Knotenpunkten können Medikamente ansetzen und die Virusvermehrung verhindern. So ergeben sich folgende Wirkstoffgruppen: Zum einen Entry-Inhibitoren, denn sie verhindern das Andocken der Viruspartikel an die Zellmembran des Wirts (Ancriviroc, Aplaviroc).
Dann Penetrations-Inhibitoren, diese dienen dazu das Eindringen in die Wirtszelle zu verhindern und verhindern damit auch das „uncoating“ (Amantadin, Pleconaril).
Es folgt die riesige Gruppe von Inhibitoren der Vermehrung. Dazu zählen einige Untergruppen, die die Synthese von Nukleinsäuren oder Proteinen verhindern. Sie umfassen

  • DNA-Polymerase-Inhibitoren
  • DNA/RNA-Polymerase-Inhibitoren
  • RNA-Polymerase-Inhibitoren
  • Reverse Transkriptase-Inhibitoren
  • Inosinmonophosphat-Dehydrogenase-Hemmer
  • Proteaseinhibitoren
  • Integrase-Inhibitoren
  • Antisense-Oligonukleotide
  • Helikase-Primase-Inhibitoren

Diese Unterteilung ist allerdings recht unübersichtlich und schlecht verständlich. Sie eignen sich in ihrer Wirksamkeit gegen die Enzyme, welche für die Replikation benötigt werden.
Wichtig sind auch weitere Inhibitoren, die die Zusammensetzung der Viren verhindern, wie zum Beispiel das Medikament Bevirimat gegen HIV.
Abschließend gibt es Neuraminidase-Inhibitoren, welche die Freisetzung der neu produzierten Viren verhindern. Beispiele dafür sind Oseltamivir und Zanamivir, Medikamente gegen die Grippeviren.

Nebenwirkungen

Das Nebenwirkungsspektrum dieser Arzneimittelgruppe ist ebenso groß, wie die Anzahl der unterschiedlichen Wirkstoffe und neben der Art der Anwendung auch abhängig von der verabreichten Dosis. Allgemein kann man sagen, dass die lokal und äußerlich angewendeten Substanzen gut verträglich sind und die Nebenwirkungen nur auf das Anwendungsgebiet begrenzt sind. Die oral oder intravenös verabreichten Wirkstoffe haben Auswirkungen auf den ganzen Körper und lösen meist Übelkeit, Kopfschmerzen oder Durchfall aus.
Besonders Wirkstoffe, die gegen mehrere Erreger wirksam sind lösen häufiger Nebenwirkungen aus. Problematisch sind Wirkstoffe die über die Leber verstoffwechselt und abgebaut werden, denn sie können für Patienten mit Leberschädigungen noch schädlicher werden. Die speziellen Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe können in den Beipackzetteln nachgelesen werden.

Medikamente gegen Viren bei Erkältungen

Zumeist werden Erkältungen durch Viren, die über Tröpfcheninfektionen übertragen werden und den Betroffenen erkranken lassen, ausgelöst. Im Falle von Erkältungskrankheiten sind in den meisten Fällen keine Medikamente gegen Viren notwendig, da sie durch einfache Hausmittel gegen Erkältungen und leichte fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente wieder ausheilen.
Sollte zusätzlich zu seiner Erkältung aber auch ein starkes Krankheitsgefühl und Fieber auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann durch einen Grippeschnelltest ermitteln, ob Grippeviren verantwortlich sind. In diesem Fall können Medikamente gegen das Virus verschrieben und eingenommen werden.

Lesen Sie hier mehr über den Unterschied zwischen Grippe und Erkältung und die Therapie bei Erkältungen.

Medikamente gegen Herpesviren

Humane Herpesviren rufen beim Menschen ernsthafte Erkrankungen hervor. Am bekanntesten ist der etwas weiter verbreitete Lippenherpes, der vor allem von den Herpes simplex Viren Typ 1 und 2 hervorgerufen wird. Neben diesen Herpesviren gibt es aber noch zahlreiche andere, die sehr ernste Erkrankungen hervorrufen können.

Allen Herpesviren ist gemeinsam, dass sie eine doppelsträngige DNA enthalten, die von einem viruseigenen Enzym (DNA-Polymerase) repliziert werden kann. Genau an diesem Enzym setzen die Medikamente zur Behandlung von Herpes an. Die Wirkstoffe hemmen die virale DNA-Polymerase und verhindern so, dass sich die Viren weiter replizieren können.
Sie werden als Vorstufe verabreicht und im Körper dann durch einen kurzen Stoffwechselprozess aktiviert und wirksam. Insgesamt gibt es mehrere verschiedene Wirkstoffe, die gegen Herpes verwendet werden können, die Hauptvertreter sind Aciclovir und Valaciclovir.

Valaciclovir ist ein sogenanntes Prodrug, es wird nach der Einnahme im Körper zu Aciclovir umgewandelt und dann wirksam. Generell können beide Substanzen als Tablette oral eingenommen werden, über ein Gefäß als Infusion verabreicht oder als Creme auf der Haut angewendet werden.
Bei schweren Herpesinfektionen ist es notwendig, die Gabe über ein Gefäß zu vollziehen, weil dabei das Medikament am wirksamsten ist.
Allgemein ist Aciclovir ein gut verträgliches Virostatikum, allerdings kann es in höheren Dosierungen schädlich für die Niere sein.

Des weiteren gibt es noch die Medikamente Penciclovir und Famciclovir: Penciclovir eignet sich zur lokalen Anwendung auf der Haut, um den Herpes zu behandeln. Famciclovir hingegen kann auch als Tablette eingenommen werden, wird im Magen-Darmtrakt dann zu Penciclovir aktiviert und somit wirksam gegen das Herpesvirus.
Famciclovir sollte nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Gelegentlich treten Schwindel, Juckreiz und trockene Haut durch die Anwendung auf.

Das Medikament Brivudin wird als Tablette verabreicht. Neben seiner Wirkung gegen das Herpesvirus können manchmal Veränderungen im Blutbild auftreten, die aber reversibel sind. Auch dieses Medikament sollte nicht während der Schwangerschaft oder Stillzeit eingenommen werden, zusätzlich sollte der Arzt beim Verschreiben auf mögliche Wechselwirkungen mit einer eventuellen zytostatischen Therapie achten.

Verträglichkeit mit der Pille

Die Verträglichkeit von Medikamente gegen Viren und der Pille zur Verhütung kann durch zwei mögliche Wege beeinflusst werden: Zum Einen kann die Verträglichkeit mit der Pille durch den Abbau des Wirkstoffe in der Leber beeinflusst werden, zum Anderen wird die Pille über die Darmwand resorbiert. Deshalb ist es wichtig, dass die Darmflora intakt ist.
Bei starken Durchfällen oder Erbrechen kurz nach der Einnahme der Pille ist ihre Wirkung nicht garantiert. Generell haben Virostatika keinen Einfluss auf Darmbakterien, weshalb die Darmfunktion nicht beeinträchtigt sein sollte. Falls allerdings als Nebenwirkungen Durchfälle oder Erbrechen auftreten, kann die Pille ihre Wirkung verlieren.
Es ist zu empfehlen in der Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments gegen Viren genauer nachzulesen. Bei der Anwendung von Virostatika auf der Haut sollten keine Probleme mit der Verträglichkeit mit der Pille auftreten. Ebenso wird nicht erwartet, dass die Pille ihre Wirkung verlieren könnte.

Verträglichkeit mit Alkohol

Der allgemeine Grundsatz, dass sich Alkohol und Medikamente nicht gut vertragen und deshalb nicht zur gleichen Zeit eingenommen werden sollten, gilt auch für Medikamente gegen Viren. Viele der Substanzen werden über die Leber aktiviert, umgebaut oder abgebaut. Die Leber ist mit dieser Aufgabe gut ausgelastet. Alkohol wird ebenfalls über die Leber abgebaut und je nach Ausmaß des Konsums (viel Alkohol, hohe Promillezahlen) ist der Alkohol noch lange nach dem eigentlichen Trinken im Körper und beschäftigt die Leber mit dessen Abbau.
Beide Substanzen beanspruchen also die Leber, deshalb ist ein gleichzeitiger Konsum schädlich und kann zu unerwarteten Nebenwirkungen führen. Beide Substanzen können nicht adäquat verstoffwechselt werden und verbleiben so länger im Körper.

Zusätzlich ist es möglich, dass die Wirkung des Alkohols oder anderer Drogen durch die Medikamente gegen Viren verstärkt wird. Überdosierungen können schneller auftreten, die Wirkung des Alkohols kann schlechter steuerbar sein. Folglich sollte während der Einnahme von Virostatika so weit wie möglich auf Alkohol verzichtet werden.

Augentropfen gegen Viren

Eine Infektion der Augen durch Viren tritt vor allem bei Infektionen mit Herpesviren auf. Diese Infektionen sind sehr schmerzhaft und bedürfen einer sofortigen, wirkungsvollen Therapie. Der Wirkstoff Trifluidin eignet sich nur zur Anwendung gegen Herpesinfektionen im und am Auge. In Form von Augentropfen hemmt es die virale Replikation. Es führt zusätzlich zu Rötungen der Augen, Juckreiz und vermehrtem Tränenfluss. Auch dieses Medikament darf nicht in Schwangerschaft oder Stillzeit verwendet werden oder nach operativen Eingriffen am Auge.

Ein weiterer Wirkstoff, der zur lokalen Anwendung am Auge gegen Virusinfektionen verwendet werden kann, ist Ganciclovir oder sein Prodrug Valganciclovir. Es wird besonders bei Hornhautentzündungen eingesetzt, die durch Herpesviren verursacht wurden. Diese Wirkstoffe können die Blutbildung in aggressiver Art und Weise beeinflussen und Verwirrtheit hervorrufen. Darüber hinaus sind sie äußerst schädlich für ungeborene Kinder, weshalb sie nicht in Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden sollten.

Medikamente gegen Gürtelrose

Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist die Zweiterkrankung, die auf eine Infektion mit dem Windpockenvirus im Alter folgt, denn das Windpockenvirus bleibt nach dem Ausschlag im Kindesalter im Körper bestehen und nistet sich in Hirnnerven oder Nervenwurzeln des Rückenmarks ein. Bei einer geschwächten Immunabwehr können diese Viren reaktiviert werden und entlang der Nerven zur Haut wandern. In dem Versorgungsgebiet der entsprechenden Nerven tritt dann die Gürtelrose auf.
Neben der Haut können auch die Augen oder sogar das Gehirn befallen sein. Die symptomatische Therapie der Gürtelrose hat vor allem das Ziel die Schmerzen zu lindern. Das wird durch die Einnahme von Schmerzmitteln und das Auftragen von Hautcremes erzielt. Fast immer werden zusätzlich Virostatika verschrieben, die die weitere Vermehrung des Virus verhindern sollen.
Die Therapie mit den speziellen Medikamenten sollte zeitnah nach dem Auftreten der Symptome begonnen werden (2-5 Tage). Virusstatische Medikamente gegen Gürtelrose sind: Aciclovir, Valaciclovir, Famciclovir und Brivudin. Sie sorgen für ein schnelleres Ausheilen der Beschwerden und reduzieren das Risiko für Schmerzzustände nach dem Abheilen der Gürtelrose.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Medikamente gegen Viren finden Sie hier:

Eine Übersicht aller Themen aus dem Bereich Medikamente finden Sie unter Medikamente A-Z.

Haftungsausschluss/ Disclaimer

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Bitte beachten Sie, dass wir in unseren Texten keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit erheben können. Durch aktuelle Entwicklungen können die Angaben ggf. veraltet sein.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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