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Plötzlicher Kindstod

Plötzlicher Kindstod, auch Sudden infant death syndrome (SIDS) genannt, ist der plötzliche, unerwartete Tod eines Säuglings oder Kleinkindes. Bei anschließender Obduktion kann die Todesursache nicht gesichert werden.

Anzeichen für einen plötzlichen Kindstod

Anzeichen die direkt auf das Nahen eines plötzlichen Kindstodes hinweisen gibt es leider nicht. Es gibt jedoch Risikofaktoren deren Bedeutung sich durch zahlreiche Studien im Laufe der letzten Jahre herauskristallisiert hat.
Hierzu gehören vor allem mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft und die Bauchlage des Kindes im Schlaf. Aber auch eine Überwärmung des Kindes im Schlaf, zu starkes Zudecken des Kopfes und fehlendes Stillen gelten als Risikofaktoren.
Wenn auch keine sicheren Hinweiszeichen auf das Nahen des plötzlichen Kindstodes, so gibt es doch Anzeichen, die ein besonderes hohes Risiko für das generelle Auftreten des plötzlichen Kindstodes bedeuten können. Hierzu zählen Atempausen des Kindes (Apnoephasen), sehr starkes Schwitzen des Kindes im Schlaf, ungewöhnlich blasse Haut des Kindes im Schlaf oder blaue Flecken oder blaues Anlaufen der Arme und Beine im Schlaf. Tritt eines dieser Anzeichen auf, sollte der Kinderarzt aufgesucht und darüber informiert werden. Kinder die bereits ein ähnliches Erlebnis durchgemacht haben gelten ebenfalls als besonders gefährdet für einen plötzlichen Kindstod. Ebenso Kinder, deren Geschwisterkind an einem plötzlichen Kindstod verstorben ist.

Maßnahmen bei Verdacht auf einen Atemstillstand

Zunächst sollte versucht werden das Kind zu erwecken. Dies darf dabei auf keinen Fall geschüttelt werden, da so Hirnblutungen ausgelöst werden können. Gelingt es nicht das Kind zu erwecken sollten Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden bis der Notarzt eintrifft. Dabei wird das Kind direkt 2mal über Mund- zu – Mund Beatmung beatmet und anschließend 30mal eine Herzdruckmassage durchgeführt. Dieser Wechsel wird anhaltend durchgeführt, bis ein Notarzt eintrifft, oder das Kind wieder funktionierende Vitalfunktionen zeigt.

Diagnostik

Zunächst sollte die genaue Vorgeschichte erhoben und die „Death Scene“, also die Schlafsituation betrachtet werden. Zur genauen Sicherung der Diagnose plötzlicher Kindstod ist eine Obduktion nach standardisierten Richtlinien jedoch notwendig. Dabei gilt zunächst, andere Ursachen für den Tod des Kindes auszuschließen. Lässt sich auch hier keine genaue Diagnose sichern, so gibt es einige Anhaltspunkte, wie Einblutungen auf der Pleura und Thymus, sowie Veränderungen im Gehirn und der Vergleich mit zuvor erhobenen Daten, die auf einen plötzlichen Kindstod hinweisen. Diese Veränderungen deuten auf einen früheren Sauerstoffmangel hin, der aber anamnestisch nicht nachgewiesen werden konnte. Plötzlicher Kindstod selbst lässt sich jedoch auch durch eine Obduktion nicht gesichert nachweisen.

Präventive Maßnahmen

Grundsätzlich gilt, dass einige der exogenen Risiken durch die Eltern vermieden werden können. Dazu zählt besonders, dass Säuglinge nicht auf dem Bauch schlafen sollten. Dies ist die wichtigste und wirksamste Präventionsmaßnahme. Außerdem sollte eine Überwärmung des Kindes vermieden werden. Auch weiche Schaffelle sollten gemieden werden, ebenso wie Niktoinexposition des Kindes im Sinne von passivem Mitrauchen. Säuglinge sollten zudem nicht alleine im Zimmer schlafen, sondern besser im Elternzimmer, aber in einem eigenen Bett. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Stillen sind wichtig für die Kinder, ebenso wie eine frühzeitige Behandlung von Infekten. Besonders wichtig aber ist die Aufklärung der Eltern, damit ihnen keine einfachen Fehler mit eventuell verheerenden Folgen unterlaufen.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Gefahren im Babybett.

Kinder mit endogenen Risikofaktoren sollten regelmäßig bei einem Kinderarzt vorgestellt werden. Hierbei ist sehr auf Pflege- und Gesundheitsmaßnahmen zu achten. Bei stark gefährdeten Kindern kann ein Heimmonitor zur Schlafüberwachung mitgegeben werden. Dies ist aber nur bei Kindern mit Neigung zu Atemstillständen, Frühgeborenen mit Fehlbildungen der Lunge und Säuglinge nach einem vorherigen Ereignis indiziert. Der präventive Effekt dieser Monitore ist jedoch nicht gesichert. Die Eltern müssen mit dem richtigen Umgang des Gerätes geschult werden und entsprechende Wiederbelebungsmaßnahmen erlernen. Aus diesem Grund sind die im Handel erhältlichen Monitore nicht geeignet um den plötzlichen Kindstod zu verhindern, sondern erwecken nur den Anschein einer höheren Sicherheit. Monitoring ohne ärztliche Begleitung ist entsprechend nicht sinnvoll.

Die beste Präventionsmaßnahme die Eltern selbstständig ergreifen können, sind Schlafsäcke in der richtigen Größe für Kinder. Außerdem sollten sie auf dem Rücken oder der Seite schlafen. Der Schlafsack verhindert ein Einwickeln in die Decke, hält die Temperatur konstant und lässt die Arme frei. Auch Kopfkissen, Kuscheltiere oder Bettdecken können potentielle Gefahren für das Kind darstellen und sollten gemieden werden.

Matratzen mit Alarm/ Angelcare®

Es gibt Kinder, die ein besonders hohes Risiko für einen plötzlichen Kindstod aufweisen. Zum Beispiel Kinder bei denen ein Geschwisterkind am plötzlichen Kindstod verstorben ist oder Kinder mit Atemstörungen. Für diese Säuglinge gibt es bestimmte Überwachungsgeräte zum sogenannten Heim-Monitoring. Hierbei wird insbesondere die Atmung überwacht. Einen Heimmonitor bekommen jedoch nur Kinder verschrieben, die ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Kindstod haben. Zahlreiche Eltern völlig gesunder und nicht vermehrt gefährdeter Kinder machen sich jedoch auch Nacht für Nacht große Sorgen um das Wohl ihrer Säuglinge. Daher wurden Überwachungssysteme entwickelt, die keiner medizinischen Verordnung bedürfen und privat erworben werden können.
Hierbei handelt es sich um Matratzen, die die Atembewegungen des Kindes messen. Sie werden auch als Sensormatten, Babymonitor oder Bewegungsmelder bezeichnet. Die bekanntesten Hersteller dieser Matratzen sind Angelcare® und Babysense. Meist sind diese Überwachungssysteme zusätzlich mit einem Babyphone kombiniert um eine zusätzliche auditorische oder visuelle Überwachung zu gewährleisten. Die Sensormatte wird unter die eigentliche Matratze des Bettes gelegt. Sie registriert die Atembewegungen des Kindes. Sobald es über einen gewissen Zeitraum zu keiner Bewegung kommt, die Matratze also eine Atempause annimmt, wird ein Alarm ausgelöst. Der Zeitraum ab dem ein Alarm ausgelöst wird beträgt meist 20 Sekunden ohne Atembewegung oder weniger als 10 Atemzyklen pro Minute. Sensormatten der Marke Angelcare® gibt es beispielsweise im Online-Handel ab 85 Euro zu erwerben.

Schnuller als Prophylaxe?

In einigen Studien ergaben sich Hinweise darauf, dass das Schlafen mit Schnuller das Risiko für den plötzlichen Kindstod senken könnte. Die Datenlage hierzu ist jedoch teilweise uneinheitlich. Bisher ist vor allem klar, dass das Stillen ein Schutz gegen den plötzlichen Kindstod darstellen soll. Weshalb, ist noch nicht klar. Es wurde daraufhin untersucht, ob es für Kinder die nicht gestillt werden (können) einen protektiven Effekt hat, wenn sie mit Schnuller schlafen. Diese Hypothese wurde in einigen Studien belegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass dem Kind ein Schnuller aufgezwungen werden sollte. Insgesamt gilt also: Gerade bei Kindern die nicht gestillt werden (können), könnte ein Schnuller einen schützenden Effekt haben. Das gilt jedoch nur für die Zeiten, zu denen das Kind schläft und nicht für die Wachzeiten. Diese möglicherweise schützende Wirkung bedeutet nicht, dass das Kind den Schnuller in jedem Fall bekommen sollte. Wenn es ihn nicht will oder im Schlaf verliert, dann sollte er nicht weiter angeboten werden. Bei Kindern die gestillt werden (können) ist die Bedeutung des Schnullers als Schutz vor einem plötzlichen Kindstod noch nicht hinreichend geklärt.

Begleitung betroffender Eltern

Der Tod des eigenen Kindes stellt für die Eltern einen sehr großen, belastenden Verlust dar. Zudem kann es zu großen Selbstvorwürfen und Schuldzuweisungen kommen, wenn ein plötzlicher Kindstod in der Familie eintrit. Die polizeilichen Ermittlungen zum Ausschluss einer Kindstötung tragen zu dem Gefühl der eigenen Schuld maßgeblich bei. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Eltern zu begleiten und aufzuklären. Erwiesenermaßen hilft es den Eltern sehr, mit dem obduzierenden Arzt zu sprechen, um die genauen Gründe für den Kindstod zu erfahren. Außerdem müssen die nahen Verwandten in den Trauerprozess einbezogen werden. Paare, die einen schweren Verlust erlitten haben, ziehen sich oft zurück und isolieren sich. Deswegen ist die familiäre Unterstützung extrem wichtig. Nicht zuletzt auch für die Partnerschaft. Diese kann durch den Tod des Kindes zerbrechen, es gibt aber auch Paare, die durch ein solches Schicksal enger zusammenwachsen. Zur Unterstützung gibt es außerdem Selbsthilfegruppen. In diesen Gemeinschaften wird über das erlebte gesprochen, um so den Verlust verarbeiten zu können.

Alter beim plötzlichem Kindstod

Mehr als zwei Drittel aller plötzlichen Kindstode treten innerhalb der ersten 6 Lebensmonate auf. Der Häufigkeitsgipfel liegt – je nach Studie – zwischen dem 2. und 4. oder zwischen dem 3. Und 4. Lebensmonat.Im Neugeborenenalter und bei älteren Kindern ab 1 Jahr kommt der plötzliche Kindstod eher selten vor. Die meisten Fälle ereignen sich während der Wintermonate. Der früher bekannte Wintergipfel verschwindet allerdings allmählich.
Die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes ist durch gezielte Präventionsmaßnahmen in den Europäischen Ländern von 1-3% auf unter 0,5% gesunken. Jungen sind in der Regel etwas häufiger betroffen als Mädchen.

Bis wann kann der plötzliche Kindstod eintreten

Etwa 2-6% der ungeklärten Todesfälle bei Kindern ereignen sich erst nach dem ersten Lebensjahr. Der plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome = SIDS) ist jedoch definitionsgemäß der Tod eines Säuglings durch eine ungeklärte Todesursache. Als Säugling wird ein Kind bis zur Vollendung des 1. Lebensjahres bezeichnet.

Gibt es auch einen plötzlichen Kindstod im Mutterleib?

Nein. Der plötzliche Kindstod ist ein Ereignis, das definitionsgemäß erst nach Geburt des Kindes auftritt. Er bezeichnet den Tod eines Säuglings der eine ungeklärter Ursache hat und tritt in der Regel innerhalb des ersten Lebensjahres auf. Natürlich kommt es leider auch vor, dass ungeborene Kinder im Mutterleib sterben. Dies wird dann jedoch nicht als plötzlicher Kindstod bezeichnet und kann verschiedenste Ursachen haben.

Ursachen des plötzlichen Kindstodes

Für den plötzlichen Kindstod gibt es bisher keine gesicherte Ursache. Deswegen gilt momentan die multifaktorielle Hypothese als am wahrscheinlichsten. Diese besagt, dass Kinder, die endogenen (inneren) und exogenen (äußeren) Risiken ausgesetzt sind, im Schlaf unter Sauerstoffmangel dekompensieren können. 90% der Kinder versterben im Schlaf. Die folgenden Risikofaktoren konnten dabei gehäuft bei verstorbenen Kindern durch SIDS beobachtet werden, als bei Kontrollkindern.

Die einzelnen Risikofaktoren können unterschiedlich großen Einfluss auf den plötzlichen Kindstod haben. Während die endogenen Risikofaktoren kaum beeinflussbar sind, können die exogenen Risikofaktoren zum Teil sehr gut umgangen werden. Wichtig zu wissen ist, dass die einzelnen Faktoren noch kein Risiko darstellen, sondern nur mehrere der folgenden Punkte auftreten müssen. Auch dann bedeutet dies aber nicht, dass sicher ein plötzlicher Kindstod auftreten kann. Da die Ursache noch nicht genau erklärt ist, handelt es sich hier um eine Zusammenfassung sämtlicher Faktoren, die mit dem plötzlichen Kindstod in Zusammenhang gebracht wurden.

Risikofaktoren

Zu den endogenen Risikofaktoren zählen Frühgeborene oder Mangelgeborene, besonders wenn eine Fehlentwicklung der Lunge vorliegt. Außerdem Säuglinge die unter einer schweren Form von Atemdepression und Kreislaufschwäche nach der Geburt litten. Geschwisterkinder von SIDS- Todesfällen und Säuglinge die schon einen Sterbeanfall erlitten haben und rechtzeitig behandelt wurden, haben ein erhöhtes Risiko. Des Weiteren gelten Kinder drogenabhängiger Mütter oder Kinder mit nachgewiesenen Atempausen während des Schlafs als gefährdet. Zudem sind folgende autonomen Regulationsschwächen risikobehaftet:

Reizleitungsveränderungen im Herz, erhöhte Schweißproduktion, Refluxerkrankung, gestörte Saug- Schluck- Koordination, auffallende Bewegungsarmut und schrilles Schreien. Auch Kinder die schwer erweckbar sind können ein erhöhtes Risiko haben.

Die exogenen Faktoren sind weitaus besser kontrollierbar, und entsprechend wichtig für die Eltern. Auffällig ist, dass die deutliche Mehrzahl der Kinder in Bauchlage gefunden wurde. Außerdem können eine Überwärmung im Schlaf und eine weiche Bettunterlage sowie Niktoinexposition während und nach der Schwangerschaft problematisch sein. Auch häufige Infekte der Kinder, sowohl viral als auch bakteriell können zu Atempausen oder Hitzestress führen. Auch die Schlafsituation ist sehr wichtig. So kann das Eindrehen in die Bettdecke, Einklemmung oder Überdecken eine Gefahr darstellen. Auch das Schlafen des Kindes in engem Körperkontakt zu alkoholisierten Eltern kann gefährlich werden. Psychosoziale Faktoren wie erhöhter Stress des Kindes, wenig Zuwendung, vernachlässigte Pflege und ein schlechter sozioökonomischer Status können Einfluss auf den plötzlichen Kindstod haben. Ob eine fehlendes Stillen Einfluss hat, ist bislang unklar.

Neben diesen eher vagen Ursachen gibt es auch einige krankhafte Ursachen für einen plötzlichen Kindstod. Dazu gehören zerebrale Erkrankungen wie Blutungen, Tumore und Fehlbildungen. Auch Atemwegserkrankungen, wie Pneumonie oder Fehlbildungen, sowie kardiale Erkrankungen oder Sepsis können zu einem plötzlichen Versterben führen. Auch angeborene Stoffwechselstörungen und gastrointestinale Erkrankungen können erklärbare Ursache sein. Des weiteren natürlich auch Unfälle im Schlaf, z.B. Strangulation und Ersticken oder mutwillige Kindstötung durch Ersticken oder Vergiften sind möglich. Um die Masse der möglichen Ursachen auf eine individuelle Diagnose zurückzuführen, ist eine Obduktion notwendig.

Bauchlage als Risikofaktor

Neben dem Rauchen dient die Bauchlage des Kindes als einer der Hauptrisikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Das Schlafen in Bauchlage soll das Risiko um das 9- bis 13-fache steigern. Doch auch die Seitenlage bedeutet im Gegensatz zur Rückenlage ein um das 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko. Vermutlich am ehesten deshalb, weil die Kinder aus der eher instabilen Seitenlage im Schlaf relativ rasch auf den Bauch rollen können. Früher wurde das Schlafen in Rückenlage als Risiko für die Entwicklung von Schädelverformungen angesehen. Dies ist jedoch heutzutage widerlegt. Außerdem können Eltern ihre Kinder in Wachphasen durchaus auf den Bauch legen um eine ständige Rückenlage zu vermeiden. Denn die Bauchlage ist nur während der Schlafphasen gefährlich. Der Einsatz von Babykissen, den sogenannten Schlafpositionierern, um die Bauchlage zu vermeiden wird nicht empfohlen, sie gelten eher als gefährlich.

Rauchen als Risikofaktor

Der plötzliche Kindstod ist noch immer Gegenstand von Forschung und Studien. Nach wie vor ist nicht geklärt, was ursächlich für das plötzliche Versterben scheinbar gesunder Kinder ist. Es gibt jedoch bestimmte Risikofaktoren die die Wahrscheinlichkeit, dass ein plötzlicher Kindstod eintritt erhöhten. Hierzu zählt unter anderem der Zigarettenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft.
Aktuellen Studien zufolge steigt das Risiko für den plötzlichen Kindstod ab einem Konsum von 10 Zigaretten pro Tag deutlich an. Ab 10 Zigaretten pro Tag soll sich das Risiko für einen plötzlichen Kindstod um das 8-fache bis 10-fache erhöhten. Vor 10 Jahren hat fast jede 5. Schwangere Frau geraucht. Das zeigt, was für einen wesentlichen Einfluss dieser Risikofaktor hat. Eine Studie aus dem Jahr 2007 hat herausgefunden, dass das Rauchen einer der wichtigsten Risikofaktoren überhaupt ist. Ohne Nikotinkonsum könnten laut dieser Studie 60% der Fälle von plötzlichem Kindstod verhindert werden. Auch das passive Einatmen von Zigarettenrauch, auch als Passivrauchen bezeichnet, erhöht das Risiko für einen plötzlichen Kindstod. Und zwar etwa um das 2- bis 3-fache.

Kamin als Risikofaktor?

Die aktuelle Datenlage bezüglich Faktoren die das Auftreten eines plötzlichen Kindstodes fördern können umfasst zwar Zigarettenrauch, nicht aber Kaminrauch. Laut aktueller Studienlage herrscht Einigkeit darüber, dass Zigaretten (sowohl in passiver Form beim Säugling als auch in aktiver Form durch Rauchen der schwangeren Mutter) einer der Hauptrisikofaktoren für den plötzlichen Kindstod ist und daher unbedingt vermieden werden sollten. Über den Einfluss von Kaminrauch gibt es bisher keine Daten. Bei einem Kamin, der – wie überall üblich – von einem Schornsteinfeger überprüft und abgenommen wurde, sollte der beim Anfeuern entstehende Rauch nach oben durch den Zug abziehen und somit keine Gefährdung darstellen.

Impfung als Risikofaktor?

Viele Impfgegner diskutieren über Impfungen als möglichen Auslöser oder Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod. Insbesondere die Sechsfachimpfung welche ab dem zweiten Lebensmonat verabreicht werden kann und zwei Mal wiederholt werden sollte, steht hier im Fokus. Es gibt jedoch keinerlei Studien, die einen Hinweis darauf liefern, dass Impfungen das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöhen könnten.
Im Gegenteil: Studien zeigen, dass Kontrollkinder (nicht verstorben) deutlich häufiger geimpft sind als Kinder die am plötzlichen Kindstod verstorben sind. Laut Expertenmeinung kam die Idee, dass Impfungen das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhen könnten nur daher, dass der Erkrankungsgipfel mit dem Zeitpunkt zusammenfällt, in dem die meisten Kinder ihre ersten Impfungen erhalten.

Statistik in Deutschland zum plötzlichen Kindstod

Im Jahr 2002 starben 334 Kinder in Deutschland am plötzlichen Kindstod. Die Diagnose war ursächlich für knapp 22% der Tode bei Kindern zwischen dem 8. Lebenstag und vollendeten ersten Lebensjahr. 2008 waren es noch 215 Fälle. Im Jahr 2014 starben noch 119 Kinder am plötzlichen Kindstod.
Etwa 80% dieser ungeklärten Todesfälle ereignet sich vor dem 6. Lebensmonat. Am häufigsten ereignet sich der plötzliche Kindstod zwischen dem 2 .und 4. Lebensmonat. Es sind etwa anderthalb mal so viele kleine Jungen wie Mädchen betroffen. Der plötzliche Kindstod ist nach wie vor die häufigste Todesursache während des ersten Lebensjahres.

Zusammenfassung

Plötzlicher Kindstod ist ein seltenes aber umso verheerenderes Ereignis, wenn es eintritt. Die Eltern können durch Präventionsmaßnahmen, wie die richtige Schlafsituation viele potentielle Gefahren für das Kind vermeiden und somit das Risiko für das eigene Kind deutlich senken. Besonders wichtig ist dabei, die Bauchlage bei schlafenden Kindern zu vermeiden. Tritt ein plötzlicher Kindstod ein, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden, sollte das Kind nicht erweckbar sein. Abhängig von der Zeitspanne des Atemstillstandes bis zu den ersten Wiederbelegungsversuchen kann eine erfolgreiche Reanimation sehr unwahrscheinlich sein. Ist der Tod eingetreten, wird in solchen Fällen immer eine polizeiliche Ermittlung angeschlossen, da eine willentliche Kindstötung ausgeschlossen werden muss. Dies bedeutet auch eine Obduktion, in der andere Ursachen für den Tod gesucht werden. Sind diese nicht zu finden, hingegen aber Hinweise, die auf einen Sauerstoffmangel hindeuten, wird die Diagnose plötzlicher Kindstod gestellt.

Nach einem so großen Verlust sollte die Trauerverarbeitung der Eltern mit ärztlicher und psychologischer Begleitung im Vordergrund stehen.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2018
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