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Schleimbeutelentzündungen der Schulter

Einleitung

Die Schleimbeutelentzündungen in der Schulter (Bursitis subacrominalis) ist ein weit verbreitetes Phänomen besonders bei Personen im mittleren Alter.
Der Schleimbeutel bildet eine Gleitschicht für die Muskeln und trennt diese auch von den Knochen. Da dieser Schleimbeutel bei fast jeder Bewegung in der Schulter beansprucht wird, ist dieser auch besonders anfällig für Schmerzen.

Die Schleimbeutelentzündung in der Schulter ist aufgrund ihres klinischen Bildes relativ gut von anderen Ursachen für Schmerzen in der Schulter abzugrenzen. Vielfältig sind jedoch die Ursachen einer Schleimbeutelentzündung, bei der es wichtig ist, diese frühzeitig zu behandeln, damit es nicht zu einer Chronifizierung der Entzündung kommt. Die Schleimbeutelentzündung ist so schmerzhaft, weil der Schleimbeutel als Verschiebeschicht zwischen Muskeln und Knochen dient. Kann der Schleimbeutel aufgrund einer Entzündung dieser Aufgabe nicht mehr nachkommen, kommt es zu schwersten Schmerzen.


Symptome

Zunächst kommt es zu starken Schmerzen in der Schulter. Besonders auffällig ist dabei der so genannte „schmerzhafter Bogen“. Dabei empfinden die Patienten stärkste Schmerzen bis sie den Arm über 90° gehoben haben, danach können sie den Arm weiter heben ohne weitere Schmerzen zu empfinden.
Bei der Schleimbeutelentzündung in der Schulter kommt es auch zu den typischen lokalen Entzündungszeichen wie einer Rötung und neben den Schmerzen auch zu einer Schwellung. Diese allgemeinen Entzündungszeichen sind unspezifisch und können auch auf eine andere Entzündung zurückgehen.
Besonders die Schmerzen sind als Warnsignal zu verstehen, auf das die Belastung der Schulter zur Vermeidung größerer Schäden unbedingt sofort eingestellt werden sollte. Bei der anhaltenden Entzündung kommt es zu einer erhöhten Bildung von Flüssigkeit und Kollagen.
Durch die übermäßige Produktion von Kollagen kann es bei chronischen Entzündungen des Schleimbeutels auch zu einer Versteifung des Gelenks kommen, was allerdings eher selten ist, da die Schleimbeutelentzündung in der Schulter meist frühzeitig erkannt wird.
Sehr eindeutig hingegen ist das oben aufgeführte Bewegungsmuster, welches auch bei der Diagnostik wegweißend ist.

Ein weiteres Symptom ist auch die Bewegungseinschränkung, die vor allem durch die Schmerzen zustande kommt. Bleibt die Schleimbeutelentzündung längere Zeit unbehandelt, kann es aufgrund der eingenommenen Schonhaltung auf die Dauer zu einer Atrophie der Schultermuskulatur führen. Bis es zu dieser Symptomatik kommt, dauert es aber eine längere Zeit. Meistens ist die Beeinträchtigung durch die Schmerzen so hoch, dass die Bertoffenen sich Hilfe holen bevor es zu einem Rückgang der Muskulatur kommt.

Ursachen

Es gibt mehrere Ursachen für eine Schleimbeutelentzündung der Schulter. Zum einen kann es immer wieder zu kleinen Mikrotraumen im Schleimbeutel kommen, dadurch können immer wieder Bakterien in den Schleimbeutel eindringen und dort Entzündungen auslösen.
Der geschädigte Schleimbeutel reagiert darauf mit einer vermehrten Kollagen- und Flüssigkeitsproduktion, was wiederum zu weiteren Funktionseinschränkungen führt.

Zum anderen kann das Impingement-Syndrom Auslöser einer Schleimbeutelentzündung sein. Dabei kommt es zu einer Einklemmung der Sehne des Musculus supraspinatus, was auf diese Art und Weise zu einer Reizung des direkt danebengelegenen Schleimbeutels kommt. Der Musculus supraspinatus ist unter anderem verantwortlich für die Außenrotation des Armes verantwortlich.

Es kann auch zu Mikrokalkablagerungen im Schleimbeutel im Schultergelenk kommen, aufgrund derer sich immer wieder neue Entzündungen bilden. Diese Mikrokalkablagerungen sind normale Alterserscheinungen, die aber bei manchen Menschen eher zur Entstehung der Schleimbeutelentzündung führen als bei anderen.
Außerdem wird die Entstehung dieser Ablagerungen durch Entzündungen getriggert, so dass die Gefahr einer weiteren Schleimbeutelentzündung mit jeder Entzündung steigt. Im Rahmen von chronischen Gelenkerkrankungen kann es auch häufiger zu Schleimbeutelentzündungen der Schulter kommen.
Bei den chronischen Gelenkerkrankungen kann es sich dabei zum Beispiel um die rheumatoide Arthritis oder Gicht handeln. Bei diesen Erkrankungen kommt es zu Veränderungen am Gelenk, weswegen der Schleimbeutel seine Funktion als Gleitschicht nicht mehr optimal erfüllen kann.
Durch die permanente Reizung durch An- und Umbauten am Gelenk kommt es dann zu Entzündungen des Schleimbeutels in der Schulter. Aus dem gleichen Grund kann es auch im Rahmen einer Arthrose im Schultergelenk auch häufiger zu Schleimbeutelentzündungen kommen.

Therapie

Als erste Therapiemaßnahme eignet sich die Ruhigstellung des Schultergelenks, da der Schleimbeutel auf diese Art und Weise nicht noch mehr belastet wird. Die Ruhigstellung führt in der Regel auch zu einer Abnahme der Schmerzen, da die Schleimbeutelentzündung der Schulter dann besonders schmerzhaft ist, wenn Bewegungen auf den Schleimbeutel ausgeübt werden.
Unterstützend kann auch die Kühlung des Schleimbeutels zu einer Schmerzlinderung führen.

Wichtig bei der Therapie der Schleimbeutelentzündung in der Schulter ist die Schmerztherapie, damit keine krankhaften Bewegungsmuster erlernt werden. Daher ist auch der großzügige Einsatz von Schmerzmitteln gerechtfertigt. Häufig werden dazu so genannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet. Zu dieser Gruppe der Schmerzmittel gehören unter anderem Aspirin, welches das Enzym Cyclooxygenase beeinflusst, und Ibuprofen. Bei der Einnahme von Aspirin sollte man jedoch auf einen geeigneten Magenschutz achten, da dieses Medikament auch die Produktion des Magenschleims, der die Magensäure neutralisiert, hemmt.
Daher kann es bei der dauerhaften Einnahme von Aspirin zu Magenbeschwerden kommen. Die NSAR hemmen die Produktion von Entzündungsmediatoren, weswegen es zu einem Rückgang der Entzündung kommt.

Ein weiterer Therapieansatz ist die Physiotherapie. Diese kann auch zusätzlich zu einer medikamentösen Therapie angewandt werden. Bei der Physiotherapie werden schonende Bewegungsmuster erlernt und es soll auch gezeigt werden, wie die Betroffenen in Zukunft Bewegungen vermeiden könne, die die Entstehung einer Schleimbeutelentzündung der Schulter begünstigen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, Kortison und dessen Derivate direkt in das den betroffenen Schleimbeutel zu spritzen. Diese so genannten Steroide vermindern ebenso die Ausschüttung von Entzündungsmediatoren wie die NSAR.
Dabei steht auch der Rückgang der Entzündung des Schleimbeutels der Schulter im Vordergrund. Allerdings handelt es sich bei den Steroidderivaten um Derivate von körpereigenen Stoffen, was sie grundlegend von den NSAR unterscheidet.

Eine weitere Therapiemöglichkeit stellt eine Operation dar. Dabei wird minimal-invasiv der Schleimbeutel entfernt. Zu diesem Schritt sollte allerdings erst gegriffen werden, wenn andere Therapieansätze frustran waren. Zwar bringt die Operation eine Beschwerdefreiheit mit sich, doch natürlich birgt sie wie jede andere Operation auch Risiken. So kann es zum Beispiel nach der Operation zu Wundheilungsstörungen oder Infektionen der Operationswunde kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Röntgenreizbestrahlung

Diagnose

Die Diagnose läuft meist über die klinische Symptomatik des schmerzhaften Bogens. Unterstützend kann auch die Diagnostik auch über ein Röntgenbild laufen, allerdings kann aufgrund der Strahlenbelastung beim Röntgen auch auf den Ultraschall zurückgegriffen werden.

Eine weitere Untersuchung in der Bildgebung ist hier die Magnetresonanztomographie der Schulter (MRT der Schulter). Bei dieser Untersuchung können vor allen Dingen Weichteilschwellungen und Ergüsse im Schultergelenk gut dargestellt werden. Allerdings wird das MRT der Schulter eher selten bei einer Schleimbeutelentzündung der Schulter in Anspruch genommen, da die Untersuchung relativ lange dauert und die Untersuchung des Bewegungs- und Schmerzmusters meist eindeutig ist.
Da zudem auch mit dem Ultraschallgerät Ergüssen nachgewiesen werden können und dieses gerät in vielen Hausarztpraxen vorhanden ist, ist dies eine gute Alternative zur sehr aufwendigen MRT.
Mehr Informationen erhalten Sie auch unter: MRT vom Schultergelenk

Außerdem gibt es noch mehrere Funktionstests, die bei dem Verdacht auf eine Schleimbeutelentzündung der Schulter durchgeführt werden. Bei der Untersuchung auf das so genannte Neer-Zeichen wird der Patient gebeten, den Arm ausgestreckt in der Ausgangsposition zu halten, während der Untersuchende das Schulterblatt fixiert. Dann wird der Patient gebeten den Arm zu heben, Schmerzen beim Anheben des Arms weisen auf ein Impingement-Syndrom hin. Dabei spricht man von einem positiven Neer-Zeichen.

Prognose

Die Prognose bei einer früh behandelten Schleimbeutelentzündung der Schulter ist recht gut. Wichtig ist, dass die Schleimbeutelentzündung frühzeitig behandelt wird. Eine frühzeitige Behandlung steigert die gute Prognose, da hier erst gar kein Versuch unternommen wird, krankhafte Bewegungsmuster zur Schmerzvermeidung zu erlernen.

Je weiter die Entzündung unbehandelt fortschreitet, desto höher ist auch das Risiko von Komplikationen. Glücklicherweise treten Komplikationen bei einer adäquaten Behandlung jedoch recht selten auf. Komplikationen können bei dieser Art der Erkrankung zum Beispiel eine Versteifung des Gelenks oder ein Rückgang der Schultermuskulatur sein. Dieser Rückgang der Muskulatur tritt jedoch erst ab einer längeren Zeit der Ruhigstellung ein.

Bei einer rezidivierenden Schleimbeutelentzündung der Schulter sehen die langfristigen Prognosen ein wenig anders aus. Zwar sind die einzelnen Entzündungen immer wieder gut mit medikamentöser Therapie in den Griff zu bekommen, allerdings kann die medikamentöse Therapie auf die Dauer auf Nebenwirkungen auslösen.

Daher können Betroffene in Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt eine Operation zur Entfernung des Schleimbeutels in Erwägung ziehen. Dieser Schritt sollte jedoch erst bei länger anhaltenden Schmerzen in Betracht gezogen werden.

Verbessernd wirken vorallem auch Bewegungsschulungen, bei denen die Patienten lernen, besonders belastende Bewegungen zu vermeiden. Bei der chronischen Schleimbeutelentzündung der Schulter als eine Begleiterscheinung einer anderen chronischen Erkrankung wie zum Beispiel der rheumatoiden Arthritis hängt die Prognose sehr stark vom Verlauf der chronischen Grunderkrankung ab. Auch hier sind zwar die Schmerzen behandelbar, die Grundproblematik eines dauerhaft gereizten Schleimbeutels bleibt jedoch auf die Dauer bestehen.

Prophylaxe

Als Prophylaxe einer Chronifizierung der Schleimbeutelentzündung der Schulter bietet sich eine frühzeitige Therapie an. Wer jedoch eine bereits ausgeheilte Schleimbeutelentzündung der Schulter hinter sich hat und eine weitere vermeiden möchte, der sollte den geeigneten und gelenkschonenden Sport wählen.
So eignet sich zum Beispiel regelmäßiges Schwimmtraining sehr gut, um Sport zu treiben der alle Gelenke schont. Es sollte darauf verzichtet werden, Sportarten auszuüben, die große Scherkräfte auf die Schulter ausüben. Zu diesen Sportarten gehört zum Beispiel Ringen. Auch an den Klettersport sollte man sich nach überstandener Schleimbeutelentzündung der Schulter erst wieder langsam gewöhnen.
Allerdings gilt auch, dass man den Sport nicht wegen einer überstandenen Schleimbeutelentzündung komplett einstellen sollte. Man sollte lediglich zunächst eine zu hohe Krafteinwirkung auf die Schulter vermeiden.

Da die Schleimbeutelentzündung der Schulter meist am stärker belasteten Arm auftritt, sollte in Zukunft versucht werden, mit beiden Arm ungefähr gleich schwer zu belasten. Dies fällt meist bei einfachen Tätigkeiten wie zum Beispiel bei dem Anheben und Tragen eines Koffers auf. Gerade nach einer Schleimbeutelentzündung sollte versucht werden, schwere Gegenstände mit dem anderen Arm anzuheben und keine starken mechanischen Reize auf den Schleimbeutel auszuüben. Generell gilt, dass ein moderates Training der Muskulatur vor Schleimbeutelentzündungen schützt, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass der Kraftsport nicht zu exzessiv betrieben wird, da dadurch das Gegenteil bewirkt werden kann. Sollte man Schmerzen in der Schulter bemerken, empfiehlt sich eine direkt Abklärung der Ursachen, bevor das Schultergelenk weiterhin belastet wird.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 08.01.2018
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