Schmerzen an der Patellasehne

Definition

Schmerzen an der Patellasehne sind unangenehme, teils stechende oder ziehende Sinnesempfindung im Bereich der Patellasehne.

Anatomisch betrachtet liegt die Patellasehne als derbe Bandstruktur zwischen der Unterseite der Kniescheibe und dem Schienbein, genauer gesagt an der Tuberositas tibiae, einem aufgerauten Knochenfortsatz an der Vorderseite des Schienbeinknochens.

Die Patellasehne ist bei Bewegungen im Kniegelenk beteiligt, da sie Teil der Gelenkkapsel ist. Bei ruckartigen Stoppbewegungen und/oder schnellen Richtungswechsel wird die Patellasehne besonders beansprucht.


Ursachen für Schmerzen an der Patellasehne

Für Schmerzen an der Patellasehne können verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen die Ursache sein.

Generell sind allerdings meistens die Patellasehne selbst, die Patella oder nähere in der Umgebung liegende Strukturen betroffen. Konkrete erwähnenswerte Krankheitsbilder, die typischerweise Schmerzen an der Patellasehne auslösen, sind das Patellaspitzensyndrom, die Retropatellaarthrose, ein Riss oder Teilriss der Patellasehne sowie eine Entzündung.

Außerdem kommt es nicht selten nach einer Kreuzbandplastik zu schmerzhaften Empfindungen an der Patellasehne. Um im Einzelfall die richtige Therapie zu wählen, ist eine genaue Diagnostik essenziell, da es mehrere mögliche Ursachen für Schmerzen an der Patellasehne gibt.

Schmerzen durch das Patellaspitzensyndrom

Basierend auf einer Überbelastung des Knies kann es zu chronischen Verschleißerscheinungen im Bereich der Patellasehne kommen, was mit starken Schmerzen einhergeht. Dieses Krankheitsbild nennt sich Patellaspitzensyndrom, wenn die Schmerzen bevorzugt an der unteren Spitze der Kniescheibe lokalisiert sind.

Als Synonyme für das Patellaspitzensyndrom gelten unter anderem das „Kniescheibenspitzensyndrom“, das „Springerknie“ (engl. Jumpers knee) und „Tendinitis patallae“.

Ursächlich für die Erkrankung ist eine zu starke Zugbelastung der Patellasehne. Wie das Synonym „Springerknie“ bereits vermuten lässt, sind manche Sportarten prädisponiert für die Entstehung eines Patellaspitzensyndroms. Hierzu zählen Volley –und Basketball und aus der Leichtathletik Weit –und Hochsprung.

Ein Patellaspitzensyndrom kann allerdings unabhängig von bisher erwähnten Faktoren aufgrund des Alters oder sonstigen primär verantwortliche Pathologien im Knie –und Patellasehnenbereich entstehen. Als typische Symptome gelten Schmerzen, die in einem leichten Stadium vorerst unter starker Beanspruchung auftreten und zu einem weiter fortgeschrittenen Zeitpunkt bereits bei geringen Belastungen wie dem Treppensteigen oder sogar in Ruhe auftreten. Die Schmerzen sind meistens im unteren Bereich der Patella, also an deren distalen Pol, lokalisiert. Eben dort, wo die Patellasehne ihren Ursprung hat. Bei Schmerzen der Patellasehne sollte von einem Arzt daher abgeklärt werden, ob ein Patellaspitzensyndrom als mögliche Ursache in Frage kommt und es dann gegebenenfalls entsprechend  behandeln.

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Schmerzen durch den Riss oder Teilriss der Patellasehne

Ein Riss der Patellasehne als Grund für Schmerzen an der Patellasehne ist eher selten, da es sich hierbei um ein weniger häufiges Krankheitsbild bzw. Verletzungsmuster handelt.

Je nach Vorschädigung der Patellasehne oder je nach Stärke einer Überbelastung und Hebewirkung kann es allerdings zu einem Riss der Sehne kommen. Der Riss, in der Medizin als Ruptur bezeichnet, kann sich an unterschiedlichen Stellen manifestieren.

Im jüngeren Alter reißt die Patellasehne tendenziell eher am Ansatz im Bereich des Schienbeins, im höheren Alter jedoch eher am Ursprung, also am Unterrand der Kniescheibe.

In beiden Fällen klagen Betroffene über plötzliche einsetzende Schmerzen, die bevorzugt in der Umgebung der Patella lokalisiert sind. Außerdem ist die Bewegung im Kniegelenk insofern eingeschränkt, dass eine völlige Streckung nicht mehr möglich ist.

Bei einer kompletten Ruptur der Sehne, kann man zudem im Vergleich zu der gesunden Seite einen Hochstand der Kniescheibe, also der Patella, erkennen. Mithilfe verschiedener diagnostischer Maßnahmen kann evaluiert werden, ob die Patellasehne nur angerissen oder komplett durchgerissen ist. Davon abhängig gestaltet sich dann die Behandlung.

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Schmerzen nach Kreuzband-Plastik

Schmerzen an der Patellasehne stehen häufig im Zusammenhang mit einer Kreuzband-OP bzw. Kreuzbandplastik.

Grund dafür ist die Tatsache, dass ein Teil der Patellasehne als Transplantat, also als Ersatz für das zerstörte Kreuzband, verwendet wird.

Der operative Eingriff erfolgt über einen kleinen Hautschnitt an der Vorderseite des Knies in der Nähe der Patellasehne. Anschließend werden ein kleiner Knochenteil der Kniescheibe sowie ein Knochenblock des Unterschenkels entnommen, da zwischen den beiden knöchernen Anteilen die Patellasehne gespannt ist.

Diese kann dann als Ersatz für das Kreuzband nach Modulierung eingesetzt werden. Alternativ kann auch ein Teil der Semitendinosussehne als Transplantat gewählt werden, allerdings verfügt die Patellasehne über eine größere Reißfestigkeit, sodass sie bevorzugt genutzt wird.

Durch die Entnahme eines Teils der Patellasehne können Betroffene nach der OP jedoch Schmerzen im Bereich der Patellasehne verspüren. Diese können zum Teil nur wenige Monate anhalten, leider jedoch auch länger auftreten. Solange die Schmerzen an der Patellasehne vorhanden sind, sollten extreme Beugebewegungen wie Hinknien oder Sportarten mit starker Beanspruchung der Patellasehne wie Volley –und Basketball vermieden werden.

Begleitende Symptome

Neben den Schmerzen an der Patellasehne können, je nachdem was die Ursache für die Beschwerden ist, weitere Begleitsymptome hinzukommen. Diese sind dann meist typisch für die jeweilige Erkrankung, die unter anderem Schmerzen an der Patellasehne auslöst.

Basieren die Schmerzen an der Patella auf einem Patellaspitzensyndrom, so treten diese in 20-30% der Fälle sogar beidseits auf. Ein weiteres Merkmal ist die Bewegungsabhängigkeit. In einer leicht ausgeprägten Form des Patellaspitzensyndroms treten die Schmerzen nur zu Beginn und am Ende einer Belastung auf.

Währen der Belastung können sie verschwunden sein. Im weiteren Krankheitsverlauf können sich die Schmerzen aber bereits bei geringer Belastung, vor allem beim Treppensteigen oder dem Bergabgehen, manifestieren. Es kann letztendlich eine Verschlimmerung bis hin zu einer Chronifizierung der Schmerzen kommen.

Im Falle einer Retropatellararthrose sind die Schmerzen ebenfalls beim Treppensteigen und Bergabgehen verstärkt. Hinzu kommt ein sogenannter „Anlaufschmerz“, das heißt, dass die Schmerzen an der Patellasehne vor allem nach dem Aufstehen aus einer längeren Sitzposition verstärkt sind, bedingt durch die vorherige lange Beugehaltung.

Falls sich die Patellasehne entzündet haben sollte, können neben den Schmerzen typische Symptome wie eine Schwellung und Überwärmung, selten eine Rötung auftreten. Mit den Schmerzen geht in den meisten Fällen zudem eine Bewegungseinschränkung einher. Da die Patellasehne in Zusammenarbeit mit dem Oberschenkelmuskel (lat. Musculus quadriceps) an der Streckung des Kniegelenkes beteiligt ist, kann diese Bewegung bei Schädigung der Patellasehne unterschiedlicher Art eingeschränkt bis nicht mehr möglich sein.

Schmerzen beim Treppensteigen

Die Schmerzen beim Treppensteigen gelten als typische bewegungsabhängige Schmerzen bei Beschwerden an der Patellasehne. Sie gelten als charakteristischer Schmerz bei dem Patellaspitzensyndrom im fortgeschrittenen Stadium sowie der Retropatellararthrose. Grund dafür ist die anatomische Lage der Patellasehne und ihre Verbindung mit dem Oberschenkelmuskel (lat. Musculus quadriceps femoris).

Die sehnigen Anteile des M. quadriceps femoris strahlen in die Patella hinein und setzten sich im weiteren Verlauf in die Patellasehne fort. Da dieser große Oberschenkelmuskel eine dominierende Rolle in der Streckung des Kniegelenkes hat, ist es naheliegend, dass die Patella bei jeder Streckbewegung mit beansprucht wird.

Da es sich beim Treppensteigen um ein ständiges Abwechseln von Beugen und Strecken im Kniegelenk handelt, sind Schmerzen in der Patella bei diesem Bewegungsmuster nachvollziehbar. Selbstverständlicher Weise nur, wenn an der Patella oder an der Patellasehne selbst irgendwelche Pathologien in Form von Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen.

Diagnose

Hinweisgebend sind zu allererst eine genaue Anamneseerhebung, also ein Patientengespräch in dem die genaue Symptomatik, deren Charakter, Dauer, Zusammenhänge mit Stürzen oder sonstigen Einwirkungen erfragt wird, und eine klinische Untersuchung, wobei der Fokus auf dem Knie, insbesondere der Patella und der Patellasehne liegen sollte.

Je nach genauerer Lokalisation der Schmerzen an der Patellasehne muss der Oberschenkel oder das Kniegelenk mit in die Untersuchungen eingeschlossen werden. Für die jeweiligen möglichen Verdachtsdiagnosen, wie ein Riss der Patellasehne oder einer Retropatellaarthrose gibt es spezielle Tests zur Diagnosestellung.

Zur sicheren Abklärung der Diagnose können zudem bildgebende Verfahren hinzugezogen werden. Hierfür eignet sich zuerst vor allem der Ultraschall. Mithilfe des Ultraschals können Veränderungen an der Sehne detektiert werden. Ein genaueres Verfahren stellt die Magnetresonanztomographie (=MRT) dar. Das MRT Bild eignet sich zur genaueren Lokalisation und Einschätzung des Schweregrades der Pathologie. Zum Ausschluss knöcherner Verletzungen kann des Weiteren eine Röntgenaufnahme sinnvoll sein. Hier gibt es spezielle Aufnahmen, wie beispielsweise die sogenannte „Patella Defilee Aufnahme“, bei der sich das Knie zum Zeitpunkt der Aufnahme in einer bestimmten Beugehaltung befinden muss.

Therapie bei Schmerzen an der Patellasehne

Im Allgemeinen und ganz unabhängig von der genauen Ursache ist eine symptomatische Therapie zur Schmerzlinderung immer sinnvoll und indiziert. Medikamentös stehen hierfür Schmerzmittel aus der Substanzgruppe NSAR („Nichtsteroidale Antirheumatika“) zur Verfügung.

Sie wirken unter anderem schmerz –und entzündungslindernd, sodass allein hiermit eine Reduktion der Hauptbeschwerden, nämlich der Schmerzen an der Patellasehne, erzielt werden kann. Weitere therapeutische Maßnahmen richten sich dann nach der jeweiligen ursächlichen Erkrankung oder Verletzung. Ein Patellaspitzensyndrom kann mit speziellen Therapien wie der Kälte –und Wärmebehandlung aber auch einer Stoßwellen –und Elektrotherapie behandelt werden.

Darüber hinaus gibt es eine Empfehlung sowohl zur regelmäßigen Physiotherapie als auch Krankengymnastik.

Zusätzlich dazu besteht die Möglichkeit, dass Betroffenen selbst Dehnübungen mit dem Ziel der Reduktion der Muskeleigenspannung des Oberschenkelmuskel und der Druckbelastung auf die Patella, durchführen. Somit kann der Oberschenkelmuskel gestärkt werden, was mit einer höheren Stabilität des Kniegelenks und der Patella einhergeht.

Als eine ganz einfache Übung sei hier das Wandsitzen genannt: Man lehnt sich mit dem Rücken an die Wand und winkelt die Beine so an, als säße man auf einem Stuhl, stattdessen hält man die Position jedoch mit reiner statischen Anspannung der Muskeln. Diese Übungen und auch die Physiotherapie bzw. Krankengymnastik haben einen positiven Einfluss auf den Heilungsverlauf eines Patellaspitzensyndroms.

Eine Retropatellaarthrose kann hingegen mit einer Injektion verschiedener Substanzen in das Kniegelenk behandelt werden. Neben dem meist verwendete Kortison können auch Hyaluronsäure oder das Glykosaminglykan injiziert werden, da sie einen natürlichen Bestandteil des Gelenkknorpels darstellen.

Je nach Schweregrad und Ansprechen auf erste konservative Maßnahmen kann bei einer Retropatellaarthrose eine operative Versorgung notwendig sei. Schlimmstenfalls kann eine Prothese eingesetzt werden müssen. In den meisten Fällen kann bei Schmerzen an der Patellasehne eine Bandage bzw. ein Tapen des Kniegelenkes hilfreich sein.

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Tapen als Behandlungsoption bei Schmerzen an der Patellasehne

Das Tapen oder wahlweise auch das Tragen einer Bandage ist im Zusammenhang mit Schmerzen an der Patellasehne therapeutisch sinnvoll.

Durch die Bandage kann eine Schmerz –und Reizreduktion erfolgen mit gleichzeitiger stabilisierender Funktion. Da die Bandagen sehr elastisch und strapazierfähig sind, werden Betroffene in ihrer Beweglichkeit nicht eingeschränkt, sondern lediglich unterstützt.

Wichtig ist daher aber immer eine richtige Passgenauigkeit- die Bandage darf weder zu eng noch zu locker sitzen. Im Falle eines Patellaspitzensyndroms gibt es sogar eine ganz spezielle Bandage, die sogenannten „Kasseler-Bandage“. Hierbei handelt es sich um eine Propriozeptionsbandage, da durch den leichten Druck, welcher durch die enganliegende Bandage auf die Patellarückseite ausgeübt wird, die Propriozeption, das heißt der Lagesinn, stimuliert.

Das Anbringen von Tapes sollte in der Regel dem dafür ausgebildetem Personal überlassen werden, um einen optimalen Wirkungseffekt, nämlich eine Schmerzlinderung und eine Förderung des Heilungsprozesses zu erzielen. Dies kann mithilfe des Tapes über eine Steigerung der Durchblutung und einer Herabsetzung der Zugbelastung auf die Patellasehne realisiert werden.

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Dauer der Schmerzen an der Patellasehne

Wie lange die Beschwerden in Form von Schmerzen an der Patellasehne anhalten, variiert individuell und hängt von der jeweiligen Ursache ab. Bei einer reinen Reizung der Patellasehne können Betroffenen beispielsweise bereits nach wenigen Tagen bis Wochen wieder beschwerdefrei sein.

Ein Riss der Patellasehne oder ein Patellaspitzensyndrom stellen eher langwierige Verletzungen bzw. Erkrankungen dar, die mehrere Wochen benötigen, um völlig auszuheilen. Individuelle Kriterien wie das Alter, Vorerkrankungen, körperliche Fitness und die Compliance, also das Einhalten der vorgeschriebenen Therapie, haben immer Einfluss auf die Dauer des Heilungsprozesses.

Bei allen Schmerzen an der Patellasehne ist das größte Risiko generell übrigens eine Chronifizierung der Schmerzen. Dies muss unbedingt durch eine rechtzeitige und konsequente Therapie verhindert werden.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.01.2018
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