Schwindel nach dem Sport

Einleitung

Sportliche Betätigung stellt je nach Trainingsgrad eine nicht unerhebliche Belastung für den Körper dar. Im Zuge dessen kann während oder kurzfristig, also etwa in der Stunde nach dem Training ein schwindeliges oder taumeliges Gefühl auftreten.

Unter dem Begriff Schwindel werden in der deutschen Sprache jedoch viele verschiedene Phänomene zusammengefasst. Es ist daher wichtig, den Schwindel als Missempfindung des Gleichgewichts zunächst von der Benommenheit abzugrenzen und weiterhin zu unterscheiden, in welche Richtung sich die Umgebung zu bewegen scheint.

Die Ursachen

Schwindel gehört zu den der Gruppe der unspezifischen Symptome, die auf Erkrankungen verschiedener Fachrichtungen hinweisen können. Zur Abklärung von Schwindel sollten daher zunächst die gefährlichsten und dann die häufigsten Ursachen ausgeschlossen werden, bevor seltenere Gründe für Schwindel in Betracht gezogen werden.

Tritt der Schwindel stets anfallsartig beim Sport oder bei anderer körperlicher Belastung auf, sollte der Kreislauf, insbesondere der Blutdruck überprüft werden. Ebenso können die Blutwerte überprüft werden: Eine Elektrolytstörung oder ein Eisenmangel beispielsweise kann eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Gehirns während körperlicher Belastung verursachen und so Schwindel auslösen.

Weiterhin sollte an Ursachen gedacht werden, die Schwindel zu jedem Zeitpunkt und nicht nur beim Sport verursachen können: Dazu gehören viele Krankheiten des Innenohrs, unter anderem ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel, eine Neuritis vestibularis oder die Menière-Krankheit.

Ein Sonderfall ergibt sich, wenn der Sport Tätigkeiten beinhaltet, bei denen die Arme über den Kopf gehoben und belastet werden: Hier kann sich ein Subclavian-Steel-Syndrom verbergen. Diese Erkrankung ist auf eine Verengung eines bestimmten arteriellen Abschnitts zurückzuführen und kommt selten vor. Wegen der Vielfalt der möglichen Ursachen sollte also auf jeden Fall ärztlicher Rat bei anhaltendem Schwindel beim Sport eingeholt werden.

Für weitere Informationen lesen Sie: Die Ursachen von Schwindel.

Das HWS-Syndrom als Ursache

Geht dauerhafter Schwindel mit starken Muskelverspannungen im Nacken einher und und wird durch bestimmte Bewegungen des Halses verstärkt, spricht man von einem HWS-Syndrom. Der Schwindel heißt dann auch zervikogener Schwindel (lat. Cervix = Hals).

Diese Form des Schwindels kann beispielsweise nach Verletzungen oder Unfällen auftreten, kann aber auch durch bestimmte „falsche“ Bewegungen oder Fehlbelastungen ausgelöst werden. Für die betroffenen Personen ist nicht nur der Schwindel, sondern oft auch das Gefühl der Bewegungseinschränkung durch die Schmerzen im Nacken sehr quälend. Therapeutisch steht die Muskelentspannung im Vordergrund (siehe unten).

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Das HWS-Syndrom.

Der Eisenmangel als Ursache

Eisen in seiner atomaren Form ist grundlegend für den Sauerstofftransport im Blut. Da Schwindel auch durch einen Sauerstoffmangel an den Zellen hervorgerufen werden kann, kommt Eisenmangel als Ursache ebenfalls in Frage: Der Eisenmangel führt in diesem Fall zu einer bestimmten Art der Blutarmut: Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) werden nicht mit ausreichend Eisenatomen ausgestattet, die Sauerstoff binden und transportieren können.

Besonderes Augenmerk sollte auf diese Möglichkeit gelegt werden, falls entsprechende begleitende Symptome auf einen Eisenmangel hinweisen: Müdigkeit, schnelle Erschöpfung oder Atemnot bei körperlicher Anstrengung, brüchige Nägel oder Haare, rissige Mundwinkel und auch psychische bzw emotionale Instabilität können Hinweise auf einen Eisenmangel sein. Durch eine Blutabnahme kann ein Eisenmangel meist relativ schnell und eindeutig bestimmt werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Schwindel durch Eisenmangel.

Die begleitenden Symptome

Da Schwindel ein Symptom ist, das viele verschiedene Ursachen haben kann, gibt es eine Reihe von sehr unterschiedlichen Begleitsymptomen. Zu den häufigsten gehören dabei Übelkeit bzw. Erbrechen und Kopfschmerzen, aber auch Nackenschmerzen, Sehstörungen wie ein Flimmern vor den Augen, Hörstörungen wie etwa ein Tinnitus oder schneller Puls und spürbares Herzklopfen können mit dem Schwindel einhergehen.

Diese Symptome geben wichtige Hinweise auf die Ursache des Schwindels, da sie nicht selten durch die gleiche Ursache ausgelöst werden. Die beiden häufigsten Symptome sollen nachfolgend kurz erklärt werden.

Die Übelkeit als Symptom

Übelkeit ist ein so häufiges Begleitsymptom, weil es sozusagen eine natürliche Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Sinneswahrnehmungen wie Schwindel ist: Das Innenohr und die Augen teilen einerseits Bewegung des Bodens mit, andererseits scheint alles festzustehen. Da das zentrale Nervensystem diese Art von Wahrnehmungen auch als Vergiftung wahrnimmt, versucht das ZNS das im Magen-Darm-Trakt befindliche Gift durch Erbrechen loszuwerden. 

Erfahren Sie hier mehr.

Die Kopfschmerzen als Symptom

Ein weiteres häufiges Begleitsymptom bei Schwindel sind Kopfschmerzen: Hier muss jedoch genau differenziert werden, wo und wie die Schmerzen wahrgenommen werden. Kopfschmerzen und Schwindel können bei gemeinsamen Auftreten auf einen akuten Migräneanfall (halbseitige Kopfschmerzen mit Sehstörungen, Lichtempfindlichkeit und Übelkeit), einen entzündlichen Prozess im Innenohr oder auch ein HWS-Syndrom mit Ausstrahlung der Verspannungsschmerzen vom Nacken in den Kopf hinweisen. Doch auch bei einem niedrigen Blutdruck kann es zu einem unangenehmen bis schmerzhaften Pochen im Kopf kommen.

Erfahren Sei hier mehr zum Thema: Schwindel und Migräne.

Die Diagnose

Zur Diagnose von Schwindel muss zunächst eine ausführliche Anamnese geführt werden. Das bedeutet, der Arzt befragt die betroffene Person über Zeitpunkt, Dauer, Häufigkeit, genaue Beschwerden und begleitende Symptome des Schwindels. Hierbei sollte auch auf Art des Sports und der genaue Zeitpunkt in Bezug zur sportlichen Aktivität eingegangen werden. Wichtig ist hier zu unterscheiden, bei welcher Art von Sport der Schwindel aufgetreten ist und ob es im Rahmen des Sports einen Sturz oder Stoß zum Beispiel gegen Kopf oder Wirbelsäule gegeben hat.

Weiterhin sollte routinemäßig der Blutdruck gemessen werden, da ein niedriger Blutdruck ebenfalls Schwindel verursachen kann. Da Schwindel ein generell häufiges Symptom ist, welches bei zahlreichen verschiedenen Erkrankungen auftreten kann, richtet sich die weiterführende Diagnostik nach den Ergebnissen der Anamnese. Im weiteren Verlauf der Diagnose können eine Blutuntersuchung durchgeführt werden und bestimmte Lagerungsmanöver durchgeführt werden. Selten kann eine Magnetresonanztomographie des Kopfes erforderlich sein, um Ursachen am Gehirn auszuschließen.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Die Diagnose des Schwindels.

Die Behandlung

Die Behandlung des Schwindels richtet sich nach den Ergebnissen der vorangegangenen Diagnostik bzw. der mutmaßlichen Ursachen. Ein schwacher Kreislauf kann mit weiterem, jedoch schonendem Training, viel Trinken sowie bei Bedarf einer salzhaltigeren Kost meist unter Kontrolle gebracht werden. Falls eine Blutarmut vorliegt, können die jeweils fehlenden Nährstoffe wie Eisen oder Vitamin B12 durch entsprechende Präparate zugeführt werden.

Ist ein HWS-Syndrom Ursache des Schwindels, kann regelmäßige Physiotherapie zur Muskelentspannung an der Halswirbelsäule und damit ebenfalls zur Linderung der Symptome führen. Ursachen des Innenohrs sollten von einem HNO-Arzt behandelt werden. Hier werden je nach Ursache oft entzündungshemmende Medikamente, aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen (etwa beim Lagerungsschwindel) eingesetzt.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema: Die Therapie des Schwindels.

Die Dauer

Mit der adäquaten Behandlung sollte Schwindel nie dauerhaft anhalten. Allerdings lassen sich nicht alle Ursachen von Schwindel gleich schnell beheben. Wird der Schwindel durch einen unzureichenden Kreislauf verursacht, wird die Häufigkeit Schwindelattacken und ihre Intensität nach und nach abnehmen, sobald sich der Kreislauf zu bessern beginnt. Ebenso verhält es sich mit einem HWS-Syndrom: Zwar sollte der Schwindel nach Therapiebeginn langsam abnehmen, bis zur vollständigen Symptomlosigkeit kann es in diesen Fällen jedoch einige Tage oder Wochen dauern.

Bei anderen Ursachen, wie etwa bei Funktionsstörungen des Innenohrs, sollte sich der Schwindel bereits dagegen bereits einige Tage nach Behandlungsbeginn bessern. Speziell bei einem dauerhaft niedrigen Blutdruck kann es jedoch immer wieder zu Rückfällen in die Schwindelanfälle kommen. Hier sollten dann die Strategie und die Maßnahmen der angewandten Therapie entsprechend geändert werden.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 29.05.2019 - Letzte Änderung: 20.05.2022
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