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Diagnose von Schwindel

Diagnosestellung bei Schwindel

Die Schwindeldiagnostik beruht auf einer ausführlichen Anamnese und einer gründlich durchgeführten körperlichen Untersuchung. Die meisten Schwindelsyndrome lassen sich auf diese Weise diagnostizieren und voneinander abgrenzen.

Diagnose vom Hausarzt

Welche Untersuchungen werden vom Hausarzt vorgenommen?

Zur Standard-Untersuchung gehört die Kontrolle der sogenannten Vitalparameter (Blutdruck, Puls, Atmung).
Hiermit will der Arzt prüfen, ob die Ursache des Schwindels auf eine Störung des Herz-Kreislauf-System zurückzuführen ist. Dazu gehören die Messung des Blutdrucks, des Pulses und der Atemfrequenz.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel und Kreislauf

Um eine Herzrhythmusstörung, Herzklappenfehler oder Ausflussstörung des Herzens auszuschließen, wird das Herz abgehört (Auskultation) und ein Elektrokardiogramm (EKG) angefertigt. Die Halsarterien (Aa. carotides) werden auf Fließgeräusche abgehört. Falls solche Fließgeräusche festgestellt werden, spricht dies für eine Verengung der Arterien (Stenose).
Die Lunge wird abgeklopft (Perkussion) und abgehört (Auskultation), um eine Lungenentzündung auszuschließen, die zu einer Sauerstoffunterversorgung im gesamten Kreislauf führen könnte.

Der Arzt wird mit einem kleinen Lämpchen in die Augen leuchten, um die Pupillenreaktion zu testen. Außerdem testet er die ruckartigen Einstellbewegungen der Augen beim Blick nach rechts und nach links (Nystagmus).
Ungleiche Einstellbewegungen würden auf einen zentral-bedingten (Gehirn) oder systemischen Schwindel hinweisen, der vom Gleichgewichtsorgan ausgeht.

Über eine kurze neurologische Untersuchung prüft der Arzt Reflexe mit dem Reflexhammer, Sensibilität der Haut, Druckgefühl und Gelenkwahrnehmung bei geschlossen Augen, um einen Hinweis auf Oberflächen- und Tiefenwahrnehmung des Patienten zu erhalten. Eine Störung dieser Wahrnehmungen könnte eine Störung des Gleichgewichts bzw. einen Schwindel begünstigen.

Diagnose vom Facharzt

Was wird untersucht, wenn mich der Hausarzt zum Facharzt überweist?

Da Schwindel in vielen verschiedenen Fachgebieten seine Ursache haben kann, können viele verschiedene Fachdiziplinen Untersuchungen vornehmen.
In Schwindelambulanzen, die einige Praxen und Kliniken anbieten, wird eine umfassende Diagnostik in Zusammenarbeit aller Fachrichtungen angeboten.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Schwindelambulanz

Untersuchungen werden in folgenden Fachbereichen durchgeführt:

  • HNO-Untersuchung (Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde)
  • Augenärztliche Untersuchung (Augenheilkunde)
  • Orthopädische Untersuchung (Orthopädie)
  • Neurologische Untersuchung (Neurologie)

Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Ein HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) wird bei Verdacht auf eine Störung im Bereich des Gleichgewichtorgans eine Spülung der Gehörgänge mit kaltem und warmen Wasser durchführen (Kalorischer Test). Dadurch werden neurologische Reaktionen provoziert, zum Beispiel einen Nystagmus, die auf eine Ursache des Schwindels schließen lassen. Ein Lagerungstest kann über frei bewegliche Partikel im Bogengangssystem des Gleichgewichtsorgans (Canalolithiasis) Aufschluss geben.

Augenheilkunde

Der Augenarzt prüft die allgemeine Sehkraft, eine Einschränkung des Gesichtsfeldes und misst den Augeninnendruck. Einschränkungen dieser Qualitäten provozieren besonders bei älteren Menschen ein unsicheres Gefühl beim Laufen mit Schwindel.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Schwindel und Auge

Orthopädie

Der Orthopäde (Facharzt für Orthopädie) wird sich die Wirbelsäule, speziell die Halswirbelsäule genauer anschauen und auf Haltungsschäden, Muskelprofil, Blockaden und Verspannungen untersuchen.

Neurologie

Ein Neurologe wird sein Augenmerk besonders auf Symptome richten, die Zeichen einer Hirnstamm- oder Kleinhirnverletzung darstellen. Sensibilitätsstörungen an der Mundschleimhaut, Gaumensegellähmungen, Schluckstörungen, Augenbewegungsstörungen oder Halbseitenlähmungen geben Hinweise auf eine zentrale Ursache des Schwindels.

Bei Verdacht auf eine Verletzung, Blutung, Schädelbasisfraktur oder eines Tumors wird der Neurologe ein Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) vom Schädel anfordern, um einen genauen Überblick vom Inneren des Schädels zu erhalten.

Spezielle Diagnostik bestimmter Schwindelerkrankungen

Diagnostik benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel (BPLS) wird anhand eines speziellen Lagerungsmanövers nachgewiesen. Bei positivem Befund kann auf diese Weise ein Lagerungsschwindel, sowie ein sogenannter Lagerungsnystagmus (Augenzittern) auf der betroffenen Seite ausgelöst werden. Der Patient dreht im Sitzen seinen Kopf um 45° zur Seite und wird zur entgegengesetzten Seite gelagert. Anschließend erfolgt die gleiche Bewegung in die andere Richtung.

Liegt doch der Verdacht auf eine zentrale Ursache im Gehirn nahe, werden zusätzlich eine Doppler-Sonographie der Gefäße und ein hoch auflösendes MRT durchgeführt.

Diagnostik Neuritis vestibularis

Bei der Diagnostik der Neuritis vestibularis fällt bei der neurologischen Untersuchung ein spontanes Augenzittern (Spontannystagmus) zur betroffenen Seite auf. Mittels einer sogenannten Frenzel-Brille, die eine hohe Linsenbrechkraft besitzt und die Fixation eines Gegenstands verhindert, wird die Symptomatik untersucht.
Eine Fallneigung zur kranken Seite wird bei verschiedenen Stand- und Gangtests beobachtet. Dreht der Untersucher den Kopf des Patienten mit beiden Händen ruckartig zur betroffenen Seite, lässt sich eine Einstellsakkade ausmachen. Unter einer Sakkade versteht man die schnelle, ruckartige Rückbewegung des Augapfels nachdem ein Gegenstand fixiert wurde. Diese Einstellsakkade gilt als Zeichen für einen verlangsamten Reflex. Wenn dieser sogenannte Kopfimpulstest kein eindeutiges Ergebnis liefert, folgt in der weiteren Diagnostik eine Elektronystagmographie mit Spülung des äußeren Gehörgangs durch kaltes und warmes Wasser.

Diagnostik Vestibularisparoxysmie

Die Diagnose der Vestibularisparoxysmie kann primär durch eine passende Anamnese gestellt werden. Betroffene berichten über kurze, einige Sekunden bis Minuten anhaltende Schwindelattacken, die sich sowohl als Drehschwindel oder als Schwankschwindel äußern können. In manchen Fällen liegen zusätzlich Symptome an den Ohren vor, wie zum Beispiel eine Hörminderung oder ein Ohrgeräusch. Derartige Schwindelattacken können versuchsweise provoziert werden im Rahmen der Untersuchung durch hyperventilieren oder Bewegen des Kopfes in verschiedene Positionen. Liegt aufgrund der Anamnese und des Untersuchungsbefundes ein begründeter Verdacht für eine Vestibularisparoxysmie vor, wird eine MRT Untersuchung veranlasst, um zu sehen, ob ein bestimmtes Gefäß den Gleichgewichtsnerven durch Druck schädigt. In der MRT Aufnahme lässt sich allerdings nur sehen, ob Gefäß-Nerven-Kontakt besteht, dies kann auch bei gesunden Personen der Fall sein. Die richtige Diagnose wird meist erst gestellt, wenn sich die geschilderten Symptome nach Beginn einer Therapie bessern.

Diagnostik Morbus Menière

Auch in der Diagnostik des Morbus Menière spielen die Anamnese und die vom Patienten geschilderte Symptomkonstellation eine wichtige Rolle. Folgende Symptome sind typisch für dieses Schwindelsyndrom:

  • Hörminderung
  • Schwindel
  • Tinnitus

Um dem Arzt möglichst genaue Informationen über die Beschwerden zu liefern, macht es Sinn ein Anfallstagebuch zu schreiben. Um die Diagnose stellen zu können müssen mindestens zwei Drehschwindelanfälle aufgetreten sein, die mindestens 20 Minuten angedauert haben. Zusätzlich muss ein Tinnitus oder ein Druckgefühl auf dem Ohr, sowie eine gemessene Hörminderung vorliegen. Diese Hörminderung wird im Rahmen einer audiometrischen Untersuchung bestimmt, hierbei handelt es sich um eine Schallempfindungsstörung, die vor allem die tiefen Töne betrifft.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter Morbus Menière

Diagnostik somatoformer Schwankschwindel

Ein somatoformer Schwindel ist dadurch definiert, dass keine körperliche Ursache festgestellt werden kann und die Symptome eine psychosomatische Ursache haben. Die häufigste Form des somatoformen Schwindels ist der phobische Schwankschwindel. Im Rahmen der Diagnostik kann hierbei dann eine körperliche Ursache ausgeschlossen werden. Die Anamnese richtet sich nach den folgenden Leitsymptomen:

  • Schwankschwindel mit Stand- und Gangunsicherheit
  • Fallangst ohne tatsächlichen Sturz
  • Assoziation mit typischen Situationen (Überqueren von Brücken, Menschenansammlungen), die im zeitlichen Verlauf vermieden werden
  • Besserung durch Alkoholgenuss und bei körperlicher Belastung

Liegen all diese Symptome vor, ist die Diagnose phobischer Schwankschwindel wahrscheinlich.

Schwindel und Kopfschmerzen

Die beiden Symptome Schwindel und Kopfschmerzen können häufig gemeinsam auftreten, was verschiedene Ursachen haben kann.

Bei plötzlich auftretender Schwindelsymptomatik in Kombination mit starken Kopfschmerzen, sollte eine Hirnblutung dringend ausgeschlossen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die beiden Symptome noch nie zuvor gleichzeitig aufgetreten sind. Die Diagnose erfolgt dann mit Hilfe einer Computertomographie und/oder einer CT-Angiographie.

Kopfschmerzen, die häufig am Hinterkopf betont auftreten, sind auch ein typisches Symptom der vestibulären Migräne. Die sogenannte Schwindelmigräne tritt wiederholt auf und bildet sich nach einigen Stunden zurück. Sie wird in unterschiedlicher Ausprägung von Übelkeit, Stand- und Gangunsicherheit, eingeschränktem Sehvermögen und Lichtempfindlichkeit begleitet. In ungefähr einem Drittel der Fälle kommt sie ohne Kopfschmerzen vor.

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Leitlinien zur Schwindeldiagnostik

In den Deutschen Leitlinien zur Schwindeldiagnostik wird die Bedeutung einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung und einer ausführlichen Anamnese betont. Bildgebende Verfahren wie das CT oder MRT und andere apparative Techniken werden in der Regel nicht eingesetzt, sondern nur bei bestimmten Verdachtsmomenten. Unabhängig vom vorliegenden Schwindel, werden immer ähnliche Diagnosekriterien erhoben. Sie helfen in der Differenzierung der einzelnen Schwindelsyndrome. Zu diesen Kriterien wird die Art des Schwindels gezählt (Dreh-, Schwank-, Benommenheitsschwindel), die zeitliche Ausdehnung (Attacke oder Dauerschwindel), etwaige Begleitsymptome (Übelkeit, Kopfschmerzen etc.) und das bewegungsabhängige bzw. bewegungsunabhängige Auftreten des Schwindels.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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