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Ursachen für Schwindel

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinische: Vertigo

Formen: Lagerungsschwindel, Drehschwindel, Schwankschwindel,
Englisch: Vertigo, Dizziness

Definition Schwindel

Schwindel (Vertigo) ist die häufigste Ursache weswegen ein Arzt aufgesucht wird. Die Ursachen für Schwindelgefühle sind vielseitig. Im Allgemeinen kann man differenzieren zwischen einem

  • vestibulären Schwindel
  • nicht-vestibulären Schwindel

Vestibulärer Schwindel geht vom Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) im Innenohr aus.
Nicht-Vestibulärer Schwindel findet seinen Ursprung nicht im Gleichgewichtsorgan und kann viele verschiedene Auslöser haben.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Schwindelarten

Ursachen für Schwindel nach Geschlecht

Ursachen bei der Frau

Bei jungen Frauen tritt Schwindel häufig im Zusammenhang mit niedrigem Blutdruck auf.
In Kombination mit einer zu geringen Flüssigkeitsaufnahme kommt es vor allem beim zu raschen Aufstehen zum Schwarz werden vor den Augen und den unangenehmen Schwindelattacken, die jedoch in der Regel rasch vorübergehen.

Dieses Phänomen tritt, zwar seltener, ebenfalls bei Menschen mit normalen Blutdruck auf. Frauen im gebärfähigen Alter sollten bei Schwindelattacken begleitet von übermäßiger Müdigkeit an eine mögliche Schwangerschaft denken.
Sport kann in beiden Fällen Hälfen die Attacken zu reduzieren. Ein weitere sehr häufige Schwindelursache bei Frauen wird durch Stress und Situationen provoziert, vor denen sie Angst haben.
Fachsprachlich wird diese Schwindelform als phobischer Schwankschwindel bezeichnet und ist mit die häufigste Schwindelursache allgemein bei jungen Menschen, wobei Frauen tendenziell öfter darunter leiden, wie Männer.
Um sich besser in die Situation hineinzuversetzen, hier ein kleines Beispiel:

"Man stelle sich vor ungesichert auf einem Hausdach zu stehen. Plötzlich fängt das Dach an sich zu bewegen und schwankt wie ein Schiff hin und her"

Diese Schwindelattacke, die die Betroffenen erleiden besitzt in aller Regel keinen Krankheitswert, sondern ist eine komplexe Reaktion des Körpers auf den psychischen Stress, dem der Betroffene sich ausgesetzt wird.
In unserem Beispiel würde fast jeder Mensch so reagieren. Frauen, die an einem phobischen Schwankschwindel erleiden diese Attacken jedoch in alltäglichen Situationen, vor denen sie sich fürchten, wie beispielsweise in Prüfungssituationen oder beim Bahn fahren bei Platzangst.

Des weiteren treten Schwindelattacken gelegentlich auch im Rahmen einer Migräne auf unter der Frauen statistisch häufiger leiden. Typisch für diese Art von Schwindel ist, dass er begleitend zu dem charakteristisch-pochenden und einseitigen Migränekopfschmerz auftritt.
Für die betroffenen Frauen fühlt es sich wie eine zu schnelle Karussellfahrt an. Man spricht von Drehschwindel. Treten plötzliche Drehschwindelanfälle in Kombination mit Tinnitus und Hörverlust auf, sollte bei Frauen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr an die Menière-Krankheit gedacht werden.
Frauen leiden an der Innenohrerkrankung geringfügig häufiger als Männer (siehe: Schwindel durch Erkrankungen des Ohrs). Man geht davon aus, dass durch Anstieg von Flüssigkeit (Endolymphe) im Innenohr für Gleichgewicht und Hörsinn wichtige Membranen einreißen.
Das Gehirn erhält fälschliche Informationen und glaubt, es sei dauerhaft in Bewegung, was die oben beschriebenen Symptome erklärt.

In sehr selteneren Fällen treten die Schwindelattacken im Rahmen einer Multiplen Sklerose auf. Frauen leiden in etwa doppelt so häufig an dieser Erkrankung, die zu einer Zerstörung der Nervenummantelungen führt.
Begleitend zum Schwindel treten oft Sehstörungen, Schmerzen im Bereich des Auges bei Bewegung und Kribbel- beziehungsweise Taubheitsgefühle an Armen und Beinen, seltener Lähmungen auf.

Eine wiederum sehr häufige Schwindelerkrankung ist der Lagerungsschwindel, an dem ebenfalls vor allem Frauen erkranken.
Fachsprachlich wird die Schwindelform als benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel bezeichnet. Paroxysmal bedeutet, dass der Schwindel schlagartig bei Verlagerung des Kopfes, wie beim Hinlegen, Aufstehen und vor allem bei Drehung des Kopfes, beispielsweise beim Umdrehen im Bett auftritt.
Typisch sind bei dieser Form heftige Drehschwindelattacken, die, insofern die Betroffene ruhig liegen bleibt, auch schnell wieder verschwinden, bei der nächsten Kopfdrehung jedoch erneut auftreten.

Die Ursache liegt in kleinen Steinchen im Innenohr, den Otolithen, die sich von ihrem Ursprungsort gelöst haben und bei jeder Bewegung in den Innenohrbogengängen herumrutschen. Durch die Otolithenbewegung kommt das Gleichgewichtsorgan durcheinander und sendet fälschliche Informationen an das Gehirn, was in dem Symptom Schwindel resultiert.

Ursachen für Schwindel beim Mann

Männer können grundsätzlich aufgrund der gleichen Erkrankungen an Schwindel leiden, wie Frauen. Sie sind jedoch in der Regel den Frauen prozentual unterlegen, sprich Frauen erkranken häufiger und leiden damit auch öfter an Schwindel und Schwindelattacken.
Am häufigen phobischen Schwankschwindel, der in sehr stressigen und dem Betroffenen unangenehmen Situationen auftritt, leiden Männer in einem späteren Alter als Frauen.

Ursache des Schwindels durch Stress

Stress ist mit einer der häufigsten Schwindelauslöser überhaupt, vor allem bei jungen Menschen bei denen krankhafte Veränderungen von Gleichgewichtsorgan im Ohr und Gehirn unwahrscheinlich sind.

Das Schwindelgefühl kann mitunter so stark sein, dass alltägliche Aufgaben nicht mehr ausgeführt werden können. Betroffene bilden sich den Schwindel keineswegs ein.
Er ist die Reaktion und Antwort des Körpers und des Gehirns auf teils extremst psychisch belastende Situationen, wie beispielsweise der Tod eines geliebten Menschen, aber auch in Prüfungssituationen bei Menschen mit Prüfungsangst.

Das Gehirn versucht mithilfe dieser Reaktion von den schlimmen Gefühlen abzulenken. Zudem machen viele Betroffene im Rahmen der Schwindelattacken die Erfahrung, sich dank des Schwindels aus Situationen, wie einer unangenehmen Konversation „befreien“ zu können. Sie ziehen also unbewusst einen positiven Nutzen aus ihrem Schwindel, weshalb das Gehirn beim nächsten unschönen Gespräch wieder auf dieses Hilfsmittel zurückgreift, wobei der Schwindel, wie gesagt nicht eingebildet ist, sondern real besteht.
In aller Regel wird die Attacke als Schwankschwindel empfunden, also so, als würde man auf einem Schiff bei starkem Seegang stehen. Die Betroffenen leiden oft zusätzlich unter Angststörungen, Panikattacken oder Depressionen.

Trotz alledem sollten Erkrankungen des Gehirns oder des Ohres, in dem ein Teil des Gleichgewichtsorganes sitzt, nicht außer Acht gelassen werden und bei Verdacht mit untersucht werden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel durch Stress

Ursachen im Nacken

Dauerverspannungen in der Nacken- und Halsmuskulatur sind ebenfalls dazu in der Lage Schwindel zu bedingen.
Meist überwiegen die anhaltenden Kontraktionen bestimmter Muskelgruppen des Halses bei einem steifen Nacken, was zum unbewussten Abknicken des Halses auf diese Seite führt.
Dieser Lagerungswechsel des Kopfes führt dazu, dass das Gleichgewichtsorgan im Ohr fälschliche Signale an das Gehirn aussendet, welches nun davon ausgeht, der Kopf sei in Bewegung.
Auf Dauer führen diese Verarbeitungsfehler bedingt durch die krampfhafte Fehlhaltung des Nacken und Halses zu Schwindelattacken. Sogar Verspannungen der Muskulatur an Beinen und Rücken sind in der Lage Schwindel auf diesem Wege auszulösen.

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Ursachen an den Augen

Die Augen bieten ein breites Erkrankungsfeld, welches, jedes für sich, Schwindel als Symptom haben kann.
Schwindel, der durch Erkrankungen der Augen oder ihrer Muskeln bedingt wird, ist jedoch insgesamt selten.

Ursächlich sind in der Regel Sehfehler, meist in Folge von Achsenfehlstellungen der Augen. Durch die Fehlstellung senden die Augen fehlerhafte Informationen der Umgebung an das Gehirn weiter, was Schwindelgefühle verursachen kann.
Die Augenzentren dort sind nämlich über mehrere Verschaltungen mit dem Gleichgewichtszentrum verbunden. Schielen ist solch eine Fehlstellung und kann neu als Folge von Augenmuskellähmungen auftreten.

Augenmuskellähmungen wiederum kommen als Reaktion verschiedener Erkrankungen, wie Entzündungen, Hirntumore, Schlaganfälle, Autoimmunerkrankungen oder durch Unfälle, bei denen das Gehirn oder die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden zustande.
Eine weitere Ursache von augenbedingtem (okulären) Schwindel können so genannte Nystagmuserkrankungen sein.
Die ruckartigen Augenbewegungen können ebenfalls Folge verschiedener Erkrankungen sein, zu denen Probleme des Gleichgewichtsorgans, aber auch angeborene Gehirnveränderungen zählen. Schwindel kann auch beim Anpassen und Tragen einer neuen Brille auftreten.
Manche Menschen erleiden beim Schauen eines 3D-Filmes oder beim Spielen eines 3D-Spieles Schwindelattacken mit Übelkeit. Erklärbar ist dieses Phänomen ähnlich mit der Übelkeit und dem Schwindel, der während einer Autofahrt auftreten kann.
Die Augen melden dem Gehirn dreidimensionale Bilder, die sich meist auch noch schnell bewegen, während das Gleichgewichtsorgan im Ohr Ruhe meldet, da man ja sitzt. Diese „Uneinigkeit“ führt dann bei darauf empfindlichen Menschen zu den oben genannten Symptomen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel und Sehstörungen, Schwindel und Auge

Ursachen an der Halswirbelsäule/ Kopf

Schleudertraumen, vor allem nach PKW-Unfällen können noch Tage im Anschluss des Unfalls zu Schwindelattacken führen.
Durch den Aufprall wir der Kopf ruckartig beschleunigt und wieder abgebremst, was zum einen eine Gehirnerschütterung, als auch eine Nackenverspannung zur Folge haben kann.
Beides wiederum kann sich symptomatisch mit Schwindel, in schlimmeren Fällen gepaart mit Übelkeit und Erbrechen präsentieren.
Fehlstellungen der Halswirbelsäule und des Kopfes führen dazu, dass das Gleichgewichtsorgan des Ohres fälschliche Informationen über die Lage des Kopfes an das Gehirn weitervermittelt. Dieses interpretiert diese Information als Kopfbewegung, auch wenn der Kopf ruhig gehalten wird. Das „Informationsungleichgewicht“ führt schließlich bei den Betroffenen zu Schwindelgefühlen.

Zu den Fehlhaltungen von Halswirbelsäule und Kopf kommt es zum einen beim Verschleiß der Halswirbelsäule, vor allem bei älteren Menschen im Zusammenhang mit einer Arthrose und Bandscheibenabnutzung oder durch krampf- und dauerhafte Verspannungen der Nackenmuskulatur.
Zusätzlich zu den Schwindelsymptomen empfinden Betroffene dann oft Schmerzen im Nacken- und Hinterkopfbereich.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel durch Ursachen an der Halswirbelsäule

HWS-Syndrom

Typisch für ein Wirbelsäulensyndrom der Halswirbelsäule auch HWS-Syndrom genannt, sind Verspannungen und Schmerzen im Bereich des Nacken- und Schulterbereiches. Teilweise kommt es zusätzlich durch gereizte Nerven noch zu einem Kribbel- oder Taubheitsgefühl in diesen Bereichen. Im äußersten Fall kann sogar eine Lähmungerscheinung auftreten.
Manchmal kann es aber beim HWS-Syndrom zusätzlich zu der bereits genannten Symptomatik auch zu einem Schwindel kommen. Neben dem Schwindel können als weitere Symptome auch ein Tinnitus, Kopfschmerzen oder Sehstörungen auftreten. Treten mehrere dieser Symptome auf, sollte möglichst zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.
Ein HWS-Syndrom kann durch verschiedene Ursachen (HWS-Syndrom Ursachen) entstehen. Zum einen durch eingeengte oder gereizte Nerven. Diese Einengung kann zum Beispiel im Rahmen eines Bandscheibenvorfalls oder eines Tumors geschehen. Teilweise kommt es im Zuge einer Raumforderung nicht nur zur Einengung eines Nerven, sondern auch zur Einengung eines Blutgefäßes. Handelt es sich dabei um eine Arterie, die das Gehirn mit Blut versorgt, kommt es zu einer Mangelversorgung des Gehirns, wodurch sich dann eine Schwindelsymptomatik einstellen kann.
Ein HWS-Syndrom ist häufig auch Stress bedingt. Stress fördert gleichzeitig ebenfalls die Entstehung eines Schwindelgefühls, sodass dieser auch durch das gleichzeitige bestehen eines HWS-Syndroms und von Stress begünstigt sein kann.

Lesen Sie auch unser Thema: HWS-Syndrom und Schwindel

Ursachen am Herz

Zahlreiche Herz-Kreislauf-Erkrankungen können ebenfalls Schwindel als Symptom haben.
Typisch sind zu dem Schwindel und der zugrunde liegenden Erkrankung weitere begleitende Symptome, wie Schweißausbrüche, Benommenheit bis Ohnmacht, Herzrasen oder Flimmern/ Sternchen vor den Augen.

Der zugrunde liegende Mechanismus der Schwindelentstehung ist fast allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gemein, und zwar eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns.
Mögliche Herzerkrankungen, die Schwindel zur Folge haben können, sind Herzinsuffizienz, bei der das Herz irgendwann zu groß wird und nicht mehr in der Lage ist genügend Blut auszuwerfen, Herzrhythmusstörungen, unter anderem Vorhofflimmern und Vorhofflattern, angeborene Herzfehler und die in Deutschland inzwischen weit verbreitete koronare Herzkrankheit, die in einer Verkalkung der herzversorgenden Arterien (Koronararterien) resultiert und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen kann.

Letztere Erkrankung führt zu einer Minderdurchblutung des Herzmuskels, welcher dadurch nicht mehr seine ursprüngliche Kontraktionskraft erreicht, was wiederum in einem geringeren Blutauswurf führt mit oben genannten Symptomen.
Mögliche Kreislauferkrankungen sind Bluthochdruck oder das Subclavia-steel-Syndrom, bei dem es auch zu einer vorübergehenden Mangeldurchblutung des Gehirns als Folge der Einengung der Schlüsselbeinarterie, aus der hirnversorgende Arterien entspringen, kommt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel und Herzrasen

Ursachen für Schwindel im Liegen

In der Regel bessert sich Schwindel im Liegen und wird vor allem beim Aufstehen und bei Bewegungen schlimmer.
Dabei gibt es allerdings eine wichtige Ausnahme und zwar den fachsprachlich als benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel bezeichneten Schwindel. Oder kurz einfach nur Lagerungsschwindel. "Benigne" steht dabei für eine gutartige Ursache und "paroxysmal" für anfallsartig/plötzlich. Der Lagerungsschwindel tritt typischerweise bei Menschen zwischen 60 und 80 auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Bei diesem Lagerungsschwindel befinden sich innerhalb der Bogengänge unseres Gleichgewichtsorgans Ohrsteinchen, die sich durch Ablagerungen innerhalb unseres Innenohres gebildet haben. Ohrsteinchen reizen dann die Bogengänge und lösen dadurch einen Schwindel aus. Der Schwindel tritt üblicherweise im Liegen auf, vor allem dann, wenn man sich im Bett umdreht. Zusätzlich kann er auch beim Aufsetzen aus dem Liegen oder bei einer raschen Bückbewegung auftreten.
Die Schwindelattacken sind beim Lagerungsschwindel im Gegensatz zu anderen Schwindelerkrankungen nur sehr kurz. Innerhalb von Sekunden ist der Anfall meist schon wieder von alleine vorbei. Teilweise wird der Drehschwindel noch durch eine Übelkeit und/oder durch Sehstörungen begleitet.
Wurde der Lagerungsschwindel durch den behandelnden Arzt diagnostiziert und das betreffende Ohr identifiziert, kann man diesen in der Regel leicht behandeln. Die Behandlung ist frei von Medikamenten und kann vom Patienten selbst vorgenommen werden. Durch diese Übungen werden die Ohrsteinchen letztlich aus den Bogengängen heraus transportiert. Es gibt zwei Übungen, die vom Patienten durchgeführt werden können, zum einen das Sémont-Manöver und zum anderen das Epley-Manöver.
Das Sémont-Manöver lässt sich am besten mit einer zweiten Person als Hilfe durchführen. Der Patient sitzt bei dieser Methode aufrecht, während der Kopf um 45 Grad zur nicht betroffenen Seite gedreht wird. Durch die zweite Person wird dann der Patient schnell zur Seite geneigt, sodass der Patient auf einer Liege mit Blick nach oben liegt. In dieser Position verharrt er dann zwei bis drei Minuten.
Anschließend richtet er sich wieder auf und wird abrupt auf die andere Seite gelagert, wobei der Kopf in der alten Position verharrt, sodass der Blick diesmal nach unten zur Liege gerichtet ist. Anschließend wird er wieder aufgerichtet und verbleibt dann für circa drei Minuten in der aufrechten Position. Danach kann die Übung wiederholt werden.
Beim Epleymanöver sitzt der Patient, wobei die Beine ausgestreckt vor ihm liegen. Der Kopf ist wieder um 45 Grad zur Seite geneigt, allerdings diesmal in Richtung des kranken Ohres. Danach wird der Patient rasch in Rückenlage umgelagert, wobei der Kopf über die Liege/das Bett hinaus ragen sollte, sodass der Kopf hängt. Dadurch wird ein Schwindel ausgelöst. Der Patient soll so lange in dieser Position verharren bis der Schwindel nachlässt beziehungsweise die Position mindestens für eine Minute eingehalten wird. Anschließend wird der Kopf um 90 Grad zur gesunden Seite gedreht und wieder gewartet, bis die Schwindelsymptomatik verschwindet. Als letztes dreht sich der Patient auf seine gesunde Körperhälfte und verharrt so für circa eine Minute. Anschließend erfolgt wieder das aufrechte Aufsetzen.
Um eine Übelkeit während dieser Übung zu vermeiden, sollten am besten die Augen während der Durchführung geschlossen gehalten werden.

Neben dem Lagerungsschwindel kann auch bei einer Entzündung unseres Gleichgewichtsnerven der Schwindel ebenfalls im Liegen vorhanden sein. Durch die Entzündung sendet der Gleichgewichtsnerv permanent Signale an das Gehirn, wodurch ein Schwindel ausgelöst wird. Allerdings ist der Schwindel bei dieser Erkrankung genauso im Stehen und Sitzen vorhanden. Es handelt sich hierbei nicht um eine kurzzeitige Schwindelattacke, sondern um einen Dauerschwindel.

Bei schwangeren Frauen (Schwindel in der Schwangerschaft) kommt es manchmal zu einem schwindelauslösenden Vena-cava-Syndrom.
Bei der Vena cava handelt es sich um eine Hohlvene, die innerhalb der rechten Körperhälfte verläuft und unser Blut wieder zurück zum Herzen transportiert.
Durch den Bauchumfang in der Schwangerschaft, kann es dazu kommen, dass diese Hohlvene komprimiert wird, sodass weniger Blut zurück zum Herzen gepumpt wird. Letztlich kann dadurch das Herz den Körper weniger mit Blut versorgen, sodass auch weniger Blut im Gehirn ankommt, wodurch ein Schwindel auslöst werden kann. Das Vena-cava-Syndrom wird ausgelöst, wenn die Schwangeren in Rechtsseitenlage oder in Rückenlage liegen. Drehen sie sich dann auf die linke Seite, verschwindet der Schwindel, da die Hohlvenenicht mehr komprimiert wird.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel im Liegen

Ursachen für Schwindel im Alter

Viele Menschen leiden im Alter unter Schwindelgefühlen.
Die Ursachen hierfür sind sehr vielfältig und sollten immer mit bedacht werden. Im Alter kommt es zum einen häufig zu einer Abnahme der Aktivität und der Muskelmasse.
Die älteren Menschen vergessen den Tag über zu trinken. Beides zusammen führt, vor allem beim Aufstehen zum Absacken des Blutdrucks. Das Gehirn wird kurzfristig minderdurchblutet und die Betroffenen empfinden Schwindel und oft auch Schwarz werden vor Augen.

Solch ein niedriger Blutdruck als auch das Symptom Schwindel kann auch Nebenwirkung zahlreicher Medikamente sein, die ältere Menschen meist zu genüge zu sich nehmen.
Zu diesen Medikamenten zählen unter anderem Mittel gegen Depressionen, Schlafmittel, Beruhigungstabletten, diverse Medikamente gegen Bluthochdruck.
Eine bestimmte Gruppe Antibiotika können zudem als Nebenwirkung kurzfristige Auswirkungen auf das im Innenohr gelegene Gleichgewichtsorgan haben.

Diverse Erkrankungen, unter denen ältere Menschen zahlenmäßig häufiger leiden, können auch Schwindel als eines ihrer Symptome zur Folge haben. Zu ihnen zählen zahlreiche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes, Blutarmut (Anämie), sowie Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushalts als Folge von Nierenerkrankungen.

Ursachen des vestibulären Schwindels

1. Gutartiger Lagerungsschwindel

(Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel)

Gutartiger Lagerungsschwindel ist eine weit verbreitete Schwindelform, die bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern auftritt. Die Wahrscheinlichkeit an dieser Form des Schwindels zu leiden, nimmt mit steigendem Alter zu.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel zeigt sich mit

  • kurzen, weniger als 30 Sekunden dauernden Drehschwindelattacken, die durch eine Veränderung der Kopfhaltung ausgelöst werden
  • Übelkeit (möglicherweise)
  • Sehstörungen

Sehstörungen, die im Rahmen eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel auftreten, sind sogenannte Oszillopsien. Dabei scheint es dem Betroffenen, als ob fixierte Objekte zittern. Das Bild welches der Betroffene wahrnimmt, gleicht also dem einer verwackelten Videoaufnahme.

Für weitere Informationen lesen Sie auch: Ursachen eines Drehschwindels.

2. Vestibuläre Migräne

Im Zuge einer vestibulären Migräne kommt es zu immer wiederkehrenden Schwindelattacken, die sich über Minuten bis Stunden erstrecken, die mit Kopfschmerzen vergesellschaftet sein können.

Auch Licht- oder Lärmempfindlichkeit und Auren, wie bei einer klassischen Migräne, können teilweise wahrgenommen werden. Trotz der Bezeichnung „vestibuläre Migräne“, kann es möglich sein, dass ausschließlich die Drehschwindelattacken ohne Kopfschmerzen auftreten.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Schwindel und Migräne - Alles was Sie zur vestibulären Migräne wissen müssen

3. Morbus Menière

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohres, die überwiegend zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr auftritt. Die Ursache des Morbus Menière ist bis heute nicht ganz klar. Man geht von einem Endolymphstau aus (Endolymphe ist eine kaliumreiche Flüssigkeit), der einen Überduck in der Gehörschnecke bedingt.
Typischerweise leiden Erkrankte an der sogenannten Menière’schen-Trias:

  • Drehschwindelattacken
  • eine einseitige Hörverschlechterung/Hörverlust
  • „Klingeln der Ohren“ (Tinnitus aurium).

Lesen Sie viele weiter Informationen unter unserem Thema: Morbus Menière

4. Neuritis vestibularis

Eine Neuritis vestibularis ist eine akut eintretende einseitige Funktionseinschränkung oder gar ein Funktionsausfall des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan). Gründe dieses entzündlichen Prozesses, der vor allem zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr auftritt, sind unklar. Man geht von einer

  • Virusinfektion
  • Virusreaktivierung eines im Körper schlummernden Virus oder
  • Durchblutungsstörung aus.

Eine Neuritis vestibularis präsentiert sich symptomatisch mit

  • akut beginnendem Dauerdrehschwindel, der sogar einige Wochen anhalten kann
  • Sehstörungen (Oszillops ien)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Fallneigung zur erkrankten Seite
  • horizontale rhythmische Augenbewegungen zur gesunden Seite (Spontannystagmus)

Hörstörungen treten bei einer Neuritis vestibularis nicht auf.

5. Akustikusneurinom

Ein Akustikusneurinom ist ein gutartiger (benigner) Tumor der Schwann’schen Zellen des Gleichgewichtsnervs. Patienten mit einem Akustikusneurinom erleiden

6. Bilaterale Vestibulopathie

Bilaterale Vestibulopathie bedeutet, dass das Gleichgewichtsorgan und/oder der Gleichgewichtsnerv (Nervus vestibularis) beidseitig ausgefallen sind.

Patienten verspüren dabei

  • Schwankschwindel, der abhängig von Bewegung auftritt
  • Gangunsicherheit besonders bei schlechten Licht- und Bodenverhältnissen
  • Sehstörungen (Oszillopsien)
  • Störungen des räumlichen Gedächtnisses

7. Vestibularisparoxysmie

Ursache der Vestibularisparoxysmie ist eine Kompression des Gleichgewichtsnervs (Nervus vestibularis) auf seinem Weg vom Ohr zum Gehirn. Grund für die Kompression ist eine geschlängelte oder erweiterte Arterie. Es kommt zu akut auftretenden und kurz andauerndem Dreh- oder Schwankschwindel.

8. Weitere zentrale Ursachen für eine Störung des Gleichgewichtsorgan

können ebenso als Ursachen für Schwindel sein.

Ursachen für nicht-vestibulären Schwindel

1. Herz- Kreislauf- System

Auch viele Veränderungen oder Erkrankungen des Herz- Kreislauf- Systems können für Schwindel sorgen. Zu nennen sind beispielsweise

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel und Kreislauf

2. Somatoformer Schwindel

Schwindel der psychosomatisch bedingt ist, wird als somatoformer Schwindel bezeichnet. Beim somatoformen Schwindel können alle verschiedenen Formen des Schwindels

  • Drehschwindel
  • Schwankschwindel
  • Liftschwindel auftreten.

Verschiedene Krankheiten können Auslöser sein:

Lesen Sie mehr hierzu unter: Schwindel durch Stress.

Auch ein Schwindel, der primär durch eine organische Erkrankung, wie zum Beispiel ein Morbus Menière bedingt ist, kann im weiteren Verlauf in einen somatoformen Schwindel übergehen.

3. Halswirbelsäule

Ein sogenannter zervikogener Schwindel ist ein Schwindel der von der Halswirbelsäule ausgeht.

4. Augen

Okulärer Schwindel hat seinen Ursprung in den Augen und kann beispielsweise durch Augenmuskellähmungen und Fehlsichtigkeit ausgelöst werden. Diese Art des Schwindels hat jedoch gewöhnlich eher eine untergeordnete Bedeutung.

5. Weitere Ursachen für nicht-vestibulären Schwindel

sind weitere Ursachen für Schwindel.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schwindel durch Eisenmangel

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.03.2019
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