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Drehschwindel

Einleitung

Schwindel (lateinisch: Vertigo) ist eine der häufigsten Beschwerden, mit denen Menschen im Alltagsleben konfrontiert werden. Dies schlägt sich unter anderem im Wartezimmer des Hausarztes nieder. Etwa 10% aller Hausarzt-Patienten geben Schwindel als Vorstellungsgrund an. Im Alter nimmt die Häufigkeit von Schwindel zudem beständig zu. Bis zu 30% der über 65-Jährigen leiden mindestens einmal monatlich unter Schwindel.

Drehschwindel ist dabei neben dem Lift- und dem Schwankschwindel nur eine Unterform des Schwindels. Er kennzeichnet sich durch eine gerichtete Drehempfindung aus, welche sich entweder mit oder gegen den Uhrzeigersinn bewegen kann. Drehschwindel kann in den verschiedensten Situationen auftreten und vollkommen unterschiedliche Verläufe annehmen. Die Mechanismen hinter seinen verschiedenen Ursachen sind komplex und teilweise noch ungeklärt, eine effektive Behandlung daher oft schwierig.

Ursachen

Schwindel an sich ist keine eigenständige Erkrankung, sondern als Krankheitszeichen Teil einer Störung des Gleichgewichtssystems. Als eigentliche Ursache für diese Störung kommen eine Reihe verschiedener Krankheitsbilder in Frage, häufig liegt der Ort der Störung jedoch direkt im Gleichgewichtsorgan, das sogenannte Vestibularorgan, des Innenohrs. Von größter Bedeutung sind dabei vor allem drei Krankheiten. Nach Häufigkeit geordnet sind dies:

Um die Ursache des gutartigen Lagerungsschwindels zu verstehen, muss man sich zunächst den Aufbau des Gleichgewichtsorgans ansehen, welches unter anderem aus den drei Bogengängen, sowie zwei blind endenden „Röhren“ (Sacculus und Utriculus genannt) besteht. Letztere enthalten zusätzlich zu Haarzellen, welche auch in den Bogengängen enthalten sind, die sogenannten Otholithen. Dies sind mikroskopisch kleine Kristalle, welche einer gallertartigen Membran aufsitzen und die feinen Bewegungen der sie umgebenden Flüssigkeit bei Bewegungen des Kopfes verstärken. Als Ursache für den gutartigen Lagerungsschwindel werden von den meisten Wissenschaftlern heute kleine Absprengungen der Otholithen angesehen, welche einen Bogengang verstopfen und so die typische Symptomatik verursachen.

Die Ursache des Morbus Menière ist bis heute ungeklärt. Ebenso ungeklärt ist auch der Hintergrund der Neuritis vestibularis. Bei dieser ist eine Virusinfektion des Gleichgewichtsnervs jedoch sehr wahrscheinlich. Diskutiert wird daneben aber auch eine Zirkulationsstörung der in den Bogengängen enthaltenen Endolymphflüssigkeit.

Weitere Ursachen für einen Drehschwindel sind vielfältig. Zu ihnen gehören beispielsweise Durchblutungsstörungen von Kleinhirnanteilen, traumatische Verletzungen der Halswirbelsäule, ein mit Migräne in Verbindung stehender Schwindel oder auch starke psychische Belastungen und Erkrankungen.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema: Die Ursachen von Drehschwindel.

Drehschwindel durch Verletzungen der Halswirbelsäule

Neben den oben genannten Ursachen für einen Drehschwindel können auch traumatische Verletzungen der Halswirbelsäule eine Ursache für Drehschwindel und Schwindel im Allgemeinen darstellen. Infolge eines Schleudertraumas, bei dem es zu einer sogenannten Peitschenhieb-Bewegung kommt, können die Gelenke zwischen Kopf und Halswirbeln geschädigt werden, sodass eine Instabilität des Kopfgelenks entsteht. Diese Instabilität zieht eine unvollständige Ausrenkung (Subluxation) zwischen den ersten beiden Halswirbeln nach sich und kann durch einen dadurch entstehenden Druck auf Hirnanteile neurologische Symptome wie Bewusstseinsstörungen nach sich ziehen. In den allermeisten Fällen tritt dann zusätzlich Schwindel auf.

Lesen Sie mehr unter Schwindel Halswirbelsäule

Drehschwindel im Liegen

Tritt der Drehschwindel nur dann auf, wenn der Kopf bewegt wird, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit einer gutartiger (benigner) paroxysmaler Lagerungsschwindel vor. Typisch ist etwa das Auftreten des Schwindels bei einer simplen Drehung im Bett. Der Schwindel tritt bei dieser Erkrankung sehr plötzlich auf und hält zwischen 20 bis 30 Sekunden an. Eine Behandlung ist meist problemlos möglich, indem ein fachkundiger Arzt eines von mehreren Lagerungsmanövern durchführt.

Andere Arten von Schwindel treten hingegen situationsunabhängig sowohl im Liegen, als auch im Stehen oder Laufen auf. Dieses Unterscheidungsmerkmal spielt eine wichtige Rolle bei der Ergründung der Ursache eines Schwindels.

Weitere Informationen finden Sie auch unter Lagerungsschwindel

Drehschwindel durch Stress

Neben den rein körperlichen Ursachen kann Schwindel auch im Zusammenhang mit Stress und anderen psychischen Belastungen und Erkrankungen stehen und sowohl eine Folge, als auch Ursache für diese sein. Der dadurch auftretende Schwindel wird als somatoformer Schwindel bezeichnet und ist keineswegs weniger ernst zu nehmen, als eine körperliche Ursache des Schwindels. Tatsächlich leiden bis zu 20 Prozent aller Schwindelpatienten an dieser Form des Schwindels.

Die wichtigste Frage die sich hierbei zunächst stellt ist, wie schwerwiegend die Beschwerden sind. Insbesondere dann, wenn sie den Betroffenen in seinen alltäglichen Aktivitäten einschränken, sollte eine Behandlung in Betracht gezogen werden. Die Symptomatik eines durch Stress verursachten Schwindels kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. So kann er sich sowohl als Dreh-, Schwank- oder Liftschwindel darstellen und von Patient zu Patient unterschiedlich lang andauern.

Einer Diagnose des somatoformen Schwindels geht oft eine wahre Ärzteodyssee voraus, sodass eine effektive Therapie oft erst spät beginnt. Aus diesem Grund sollte eine psychische Ursache des Schwindels im Hinterkopf behalten werden, sollte der Besuch verschiedener Fachärzte aufgrund einer Schwindelsymptomatik ergebnislos bleiben.

Weitere Informationen finden Sie unter Schwindel durch Stress

Symptome

Das Symptom des Drehschwindels kann sehr umfangreich ausfallen und eine Reihe von Begleitbeschwerden mit sich bringen. Im Vordergrund steht dabei selbstverständlich der Drehschwindel an sich, welcher dem Betroffenen das Gefühl gibt, er drehe sich wie in einem Karussell. Der Drehschwindel weist dabei in der Regel eine klar definierte Drehrichtung auf, sodass Patienten meist sehr einfach angeben können, ob er gegen den Uhrzeigersinn gerichtet ist oder mit diesem verläuft.

Gleichzeitig mit dem Beginn des Schwindels treten außerdem oft weitere Symptome auf. Hierzu gehören beispielsweise ein Tinnitus, Ohrgeräusche oder eine Hörminderung. Oft beschreiben Patienten ein Gefühl, als hätten sie einen Pfropfen im Ohr. Auch dumpfe oder stechende Schmerzen im Ohr treten nicht selten auf.

Schwindel im Allgemeinen kann zudem Gleichgewichtsstörungen mit sich bringen und so erhebliche Einschränkungen beim Gehen mit sich bringen. Auch andere Symptome, wie etwa Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder Probleme beim Sprechen können auftreten.

Die Schwindelsymptomatik setzt meist sehr plötzlich ein. Wie lang sie jedoch anhält unterscheidet sich von Fall zu Fall teilweise stark. Dabei kann der Schwindel wenige Sekunden bis zu einigen Stunden andauern.

Drehschwindel mit Übelkeit

Unsere Wahrnehmung von Gleichgewicht ist wie die meisten anderen neurologischen Funktionen sehr komplex. An ihr sind eine ganze Reihe verschiedener Organsysteme beteiligt und sie selbst nimmt wiederum Einfluss aber andere Körperfunktionen. Unter anderem hat die Gleichgewichtsregulation und -wahrnehmung auch einen gewissen Einfluss auf unser vegetatives Nervensystem, welches nicht-steuerbare Funktionen, wie die Durchblutung verschiedener Körperteile, Schweiß- und Speichelsekretion und die Funktion des Magen-Darm-Traktes reguliert. Eine Störung des Gleichgewichtssystems geht daher oft mit Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen, Blässe und Schweißausbrüchen einher. Diese Krankheitszeichen sind daher als Symptomkomplex zu betrachten.

Eine Behandlung der Übelkeit sollte vor allem ursächlich, also im Rahmen einer Therapie des Schwindels, geschehen. Da dies jedoch oft nicht unmittelbar geschehen kann, ist die Einnahme sogenannter Antiemetika (Medikamente, welche Übelkeit mindern) möglich. Dies kann entweder durch rezeptfreie Medikamente wie etwa Vomex® oder aber mittels anderer Medikamente, welche durch einen Arzt verabreicht oder verschrieben werden können, geschehen.

Lesen Sie mehr zum Thema unter Schwindel mit Übelkeit

Diagnose

So vielfältig die Ursachen eines Drehschwindels sein können, so umfangreich kann auch seine Abklärung ausfallen. Ist es dem Hausarzt nicht möglich, eine Einordnung zu einer bestimmten Fachrichtung zu treffen, müssen unter Umständen zusätzlich verschiedene Fachärzte konsultiert werden. Zumeist liefert eine gründliche Anamnese, also das Arzt-Patienten-Gespräch, jedoch schon eine ganze Reihe von Hinweisen. Hierbei ist vor allem die Dauer und Häufigkeit der einzelnen Schwindelattacken und in welchen Situationen sie auftreten interessant. Nützliche Informationen für den Arzt sind zudem, ob ein Tinnitus oder Ohrgeräusche, eine Hörminderung und weitere Symptome wie Kopf- oder Ohrenschmerzen auftreten.

Eine körperliche Untersuchung bietet dann eine Reihe zusätzlicher Informationen. Hierbei wird meist ein EKG geschrieben (die Herzaktivität gemessen) und der Blutdruck gemessen. Weitere typische Untersuchungen sind die Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung.

Je nachdem, auf welche Erkrankung die Anamnese und körperliche Untersuchung hinweisen, können anschließend technische Zusatzuntersuchungen eingesetzt werden. Dazu gehören einerseits bildgebende Verfahren, wie etwa das CT oder MRT, aber beispielsweise auch die Gehörprüfung (Audiometrie).

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Diagnose des Schwindels

Therapie

Die Therapie des Drehschwindels richtet sich sehr stark nach der zugrundeliegenden Erkrankung. Je nach genauer Ursache stehen so eine Reihe verschiedener, teils sehr spezieller Therapien zur Verfügung.

Der gutartige paroxysmale Lagerungsschwindel kann in der Regel sehr schnell behandelt werden. Hierfür führt der behandelnde Arzt eines von mehreren Lagerungs-Manövern durch, welche die Ursache des Schwindels beheben. Die Beschwerden und ihre Nachwirkungen klingen dann üblicherweise schnell ab.

Die Neuritis vestibularis erfordert in erster Linie eine medikamentöse Therapie. Zum Einsatz kommen hier in erster Linie Glukokortikoide, mit Kortisol als dem bekanntesten Vertreter. Diese unterdrücken die Entzündungsreaktion am Gleichgewichtsnerv, welche höchstwahrscheinlich ursächlich für die Schwindelsymptomatik ist. Die Prognose im Rahmen dieser Erkrankung ist meist sehr günstig. Im Rahmen der Glukokortikoid-Therapie verschwinden die Beschwerden bei einem Großteil der Patienten vollständig, bei den meisten zeigt sich zumindest eine deutliche Besserung der Beschwerden.

Für den Morbus Menière hingegen existiert bis heute keine ursächliche Therapie. Aus diesem Grund wird vor allem versucht, die Symptome durch die Verwendung von Antivertiginosa (Arzneimittel zur Behandlung von Schwindel) und Antiemetika (Übelkeitsmindernde Medikamente) und Glukokortikoiden auf ein erträgliches Maß zu bringen. Sollte die Erkrankung eine zu starke Belastung für den Patienten darstellen, ist es außerdem möglich, das Gleichgewichtsorgan zu betäuben. Dies kann einerseits durch ein in die Paukenhöhle gespritztes Lokalanästhetikum geschehen. Andererseits bleibt als letzte Therapieoption die unumkehrbare Ausschaltung des Gleichgewichtsorgans durch das Einbringen des Antibiotikums Gentamycin in das Innenohr, welches schädigend (ototoxisch) auf die Sinnes-Haarzellen des Ohres wirkt.

Zusätzlich zu diesen ursächlichen Therapien bietet sich oft eine symptomatische Therapie unter Verwendung von Antivertiginosa und Antiemetika an. Diese Medikamente sind jedoch abhängig von der Ursache des Schwindels nicht in jedem Fall und nicht zur dauerhaften Behandlung geeignet.

Weitergehende Informationen finden Sie auch unter Schwindel Therapie

Medikamente

Um eine Schwindelsymptomatik und die sie begleitenden Beschwerden zu mindern stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Zur symptomatischen Behandlung werden je nach Ursache des Schwindels in erster Linie Medikamente aus der Gruppe der Antivertiginosa (Arzneimittel zur Behandlung von Schwindel) und Antiemetika (Übelkeitsmindernde Medikamente) eingesetzt. Als rezeptfreies Antiemetikum ist hierbei vor allem Vomex® (Dimenhydrinat) verbreitet. Nicht rezeptfrei, aber häufig verschrieben wird außerdem MCP (Metoclopramid). Antivertiginosa wie Betahistin hingegen sind stets verschreibungspflichtig.

Weiterführende Informationen

Mehr zum Thema "Drehschwindel" finden Sie hier:

Eine Übersicht aller Themen der inneren Medizin finden Sie unter Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 12.03.2019
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