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Stimmbandkrebs

Definition

Der Stimmbandkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Stimmbänder und die häufigste Unterform des Kehlkopfkrebses (etwa 2/3).
Synonyme sind auch das Glottiskarzinom, das Stimmlippenkarzinom oder das Stimmbandkarzinom. Der Kehlkopfkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Hals-Nasen-Ohren-Tumoren. Die Erkrankung tritt meist bei Männern im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf. Frauen sind aber durch den erhöhten Tabakkonsum auch immer häufiger betroffen.

Welche Symptome treten beim Stimmbandkrebs auf?

Hauptsymptom des Stimmbandkrebses ist meist eine über Wochen und Monate anhaltende Heiserkeit.
Dazu kann ein Kratzen im Hals kommen, wodurch sich Betroffenen häufig räuspern müssen. Wird der Tumor größer, so kann es zu einem dauerhaften Fremdkörpergefühl oder Schluckbeschwerden kommen. Außerdem kann ein chronischer Husten auftreten.
Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kann es außerdem zu Atembeschwerden mit Atemgeräuschen kommen. Häufig entwickeln die Patienten sogar eine Luftnot (Dyspnoe). Weiterhin sind auch Schwellungen der Lymphknoten im Halsbereich möglich, wenn der Tumor Metastasen bildet (Tochtergeschwüre). Da bei dieser Form des Kehlkopfkrebses die Symptome meist früh auftreten, kann die Erkrankung oft schon früh erkannt werden.

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Ursachen von Stimmbandkrebs

Hauptursache aller Kehlkopftumoren ist Tabakkonsum, durch diesen ist bei Männern das Risiko 20-fach erhöht, bei Frauen 5-10-fach. Bei Nichtrauchern ist Kehlkopfkrebs sehr selten. Als weitere Ursache wird der Alkoholmissbrauch angesehen. Zudem scheint es so, als würde erhöhter Alkoholkonsum insbesondere in Kombination mit anderen Risikofaktoren (wie zum Beispiel Rauchen) die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen bösartigen Tumor des Kehlkopfes zu entwickeln.

Weitere Ursachen können Viren wie HPV (Humane Papillomviren). Eine HPV-Infektion führt zunächst zu einer gutartigen Tumorerkrankung, der sogenannten Larynxpapillomatose, aus der sich ein bösartiger Tumor entwickeln kann. Auch kann eine Asbest-Exposition zu einem Kehlkopfkrebs führen. Zuletzt ist auch die Arbeit mit Holz- und Metallstäuben sowie chrom- und nickelhaltigen Farben und Lacken ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Stimmbandkrebses.

Ein anderer Risikofaktor ist die Refluxkrankheit, bei der saurer Magensaft aus dem Magen in die Speiseröhre gelangt und dort zu Veränderungen des Gewebes führen kann. Außerdem kann auch eine chronische Entzündung des Kehlkopfes (Laryngitis) zu einem bösartigen Tumor in diesem Bereich führen. Auch ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise nach einer HIV-Infektion oder ähnlichem, kann zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung dieses Tumors führen.

Der Tumor entwickelt sich häufig über Jahre hinweg. Zuerst entstehen sogenannte Dysplasien, Veränderungen des Gewebes, die zum Verlust der klassischen Struktur und Funktion führen, oder Hyperplasien (zu viele Zellen). Dies nennt man eine Präkanzerose, eine Art Krebsvorstufe. Aus dieser kann sich dann über die Zeit ein bösartiger Tumor entwickeln. Die häufigste Vorstufe des Stimmbandkrebses ist die sogenannte Stimmlippenleukoplakie, eine weißliche, nicht abwischbare Gewebeveränderung. Man kann nur mikroskopisch feststellen, ob es sich um die gutartige Vorstufe oder den bösartigen Tumor handelt.

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Wie wird die Diagnose Stimmbandkrebs gestellt?

Die Diagnose kann auf verschiedene Weise gestellt werden.
Bei besonders fortgeschrittenem Wachstum kann man die Tumoren zum Teil bereits durch Abtasten feststellen. Eine andere Möglichkeit ist die Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie). Hierbei kann man die Lage und genaue Größe des Tumors meist besser bestimmen und einen Gewebeprobe entnehmen, um die Verdachtsdiagnose auch histologisch zu sichern (mit einem Mikroskop durch einen Pathologen im Labor).
Weitere diagnostische Methoden sind das CT (Computertomographie) oder das MRT (Kernspintomographie). Mit diesen Verfahren kann besonders gut bestimmt werden, ob der Tumor in andere Gewebe in der Nachbarschaft eingewachsen ist oder bereits Metastasen in anderen Organen zu finden sind.

Wie wird der Stimmbandkrebs therapiert?

Die Therapie der Wahl beim Stimmbandkrebs ist die Operation, da nur diese zur vollständigen Heilung führen kann. Solange der Patient also operabel ist, also nichts gegen eine Operation spricht, sollte er auch operiert werden.
Die Art der Operation hängt dabei davon ab, wie fortgeschritten die Erkrankung bereits ist. Allerdings hat die Operation viele Risiken. So kann der Patient beispielsweise seine Stimme verlieren. Um die Stimme wiederherzustellen, kann entweder durch einen Logopäden ersatzweise eine „Speiseröhrenstimme“ erlernt werden. Es gibt auch die Möglichkeit eine Stimmbandprothese einzubringen oder eine elektronische Sprechhilfe zu verwenden.

Eine weitere Therapieoption ist die Strahlentherapie. Diese kann als alleinige Therapie verwendet werden, wenn der Tumor schon so weit fortgeschritten ist, dass eine Operation nicht mehr möglich ist. Meist wird dann zusätzlich noch eine Chemotherapie verwendet. Außerdem kann in fortgeschrittenen aber noch operablen Stadien die Strahlentherapie zusätzlich zur Operation genutzt werden, um möglichst gute Ergebnisse zu erzielen und den Tumor komplett wegzubekommen.
In sehr frühen Stadien kann auch eine Strahlentherapie von innen durch die Speiseröhre erfolgen, bei der die Stimme gut erhalten werden kann.

Eine andere Therapiemöglichkeit ist die zielgerichtete Therapie mit einem Antikörper, der die Krebszellen erkenne sollen, namens Cetuximab. Dieser Antikörper wird in der Regel bei sehr fortgeschrittenem Tumorwachstum mit Tochtergeschwüren angewendet. In der Regel wird Cetuximab noch mit einer Strahlen- und Chemotherapie kombiniert.

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Wie läuft die Operation beim Stimmbandkrebs ab?

Die Operation des Stimmbandtumors ist stadienabhängig.
Es gibt verschiedene Formen der Operationen. Die erste Form wird bei Tumoren angewendet, die sehr früh erkannt wurden und daher noch lokal begrenzt sind. Hier wird der Tumor mit Hilfe eines Lasers endoskopisch, das heißt im Rahmen einer Spiegelung, entfernt. Hier kann der Kehlkopf meist erhalten werden.

In den fortgeschritteneren Stadien ist nur noch eine offene Operation möglich und der Kehlkopf muss in der Regel komplett entfernt werden. In seltenen Fällen kann auch eine Teilentfernung des Tumors erfolgen. Sind die lokalen Lymphknoten mitbetroffen, so werden auch sie in der Operation mitentfernt. Dabei werden alle Lymphknoten im Halsbereich entfernt.

Wie lange dauert die Therapie?

Die Dauer der Therapie hängt natürlich von der Art der Therapie ab.
Die Operation an sich dauert nicht lange, jedoch kommt es darauf an, ob der Patient anschließend noch einen Stimmenersatz braucht und ob Komplikationen aufgetreten sind. Auch eine begleitende Strahlen- oder Chemotherapie verlängert die Therapiedauer. Hier kann mit wenigstens einem Monat gerechnet werden.
Die Antikörpertherapie kann, wenn sie wirksam ist, mehrere Monate bis Jahre gehen, ist aber ambulant zu erhalten, das heißt der Patient muss dafür nicht im Krankenhaus bleiben auf Dauer.

Alles in allem kann die Therapie zwischen 2 Wochen und mehreren Jahren dauern.

Wie sind die Heilungschancen und die Lebenserwartung bei Stimmbandkrebs?

Die 5-Jahres-Überlebensrate der Patienten mit Stimmbandkrebs liegt bei 90 %, wenn die Krankheit noch nicht sehr fortgeschritten war.
Das ist meist der Fall, da der Tumor durch die frühen Symptome, wie Heiserkeit, in der Regel sehr früh erkannt wird. Die Sterblichkeit im Rahmen der Erkrankung ist sehr gering. Nur etwa 1-1,5% der Krebstoten sind auf die übergeordnete Gruppe der Kehlkopftumoren zurückzuführen.
Dazu muss man jedoch erwähnen, dass die meisten Stimmbandkarzinome aufgrund von Rauchen entstehen, was mit vielen weiteren schwerwiegenden Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und auch anderen Tumorerkrankungen verbunden ist. Somit stellt der Rauchstopp die wichtigste Grundlage für eine Lebensverlängerung dar.

Metastasierung bei Stimmbandkrebs

Das Stimmbandkarzinom metastasiert meist lokal im Bereich des Kehlkopfes auf beiden Seiten.
Es können also nicht nur die Stimmlippen, sondern auch die Bereiche darüber und darunter betroffen sein. Dieser Tumor metastasiert selten in andere Bereiche und Organe, da er meist früh erkannt wird, bevor sich Metastasen gebildet haben. Sollte es doch zu Metastasen kommen, so findet man diese vor allem in der Lunge und der Leber.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.07.2019
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