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Stimmlippenkarzinom

Synonyme

Stimmbandkarzinom, Glottiskarzinom, Stimmlippenkrebs

Auftreten und Risikofaktoren

Das Stimmlippenkarzinom ist ein bösartiges (malignes) Krebsgeschwür (Tumor), welches sich im Bereich der Stimmlippen im Kehlkopf befindet. Damit gehört es in die Gruppe des Kehlkopfkrebses (Larynxkarzinom).

Am häufigsten findet man diese Krebsart bei Männern jenseits des 70. Lebensjahres. Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung eines Stimmlippenkarzinoms ist der langjährige Zigarettenmissbrauch. Das Nikotin und andere schädigende Substanzen, die sich im Zigarettenrauch befinden, zeigen eine zerstörende Wirkung auf die Schleimhaut des Kehlkopfes.
Man geht davon aus, dass Personen, die pro Tag mindestens 20 Zigaretten rauchen, ein um 6% höheres Risiko für ein Stimmlippenkarzinom haben als die Normalbevölkerung.

Darüber hinaus gibt es allerdings auch noch eine große Anzahl weiterer Risikofaktoren:

  • Noxen wie Asbest (bei einer Asbestbelastung am Arbeitsplatz gilt das Larynxkarzinom als anerkannte Berkufskrankheit),Benzol, Chromate, Nickel, aromatische Kohlenwasserstoffe, Ruß, Teer, Zementstaub- oder Textilstaub, Schwefelsäure-, Benzin- oder Dieseldämpfe;
  • ein über lange Zeit hinweg bestehender gastroösophagealer Reflux (GERD), was sich als Sodbrennen äußert;
  • ionisierende Strahlung, sofern diese sehr intensiv (zum Beispiel bei der Bestrahlung dieses Gebiets im Rahmen einer Tumortherapie) oder über einen sehr langen Zeitraum hinweg erfolgte.

Zu den Vorstufen eines Stimmlippenkarzinoms zählen bestimmte Formen einer Kehlkopfentzündung (chronisch-hyperplastische Larnygitis), Leukoplakie und Larynxpapillome, jedoch nicht die gutartigen Stimmlippenpolypen, -zysten oder -knötchen.

Klassifikation des Stimmlippenkarzinoms

Wie die meisten soliden Tumoren wird auch das Stimmlippenkarzinom mithilfe der UICC-Klassifikation beschrieben, wobei das T für Tumor steht und es gilt, je höher das Stadium desto schlechter die Prognose:

  • ein T1-Tumor ist auf die Stimmlippen beschränkt,
  • ein T2-Tumor ist nach oben (Supraglottis) und / oder unten (Subglottis) hin ausgebreitet und geht mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der Stimmlippen einher,
  • ein T3-Tumor ist noch großflächiger, allerdings noch auf den Kehlkopf begrenzt, die Stimmlippen sind hier komplett unbeweglich,
  • bei einem T4-Tumor sind der Schildknorpel und andere Organe außer des Kehlkopfes mitbetroffen.

Diese Einteilung ist wichtig für das Aussuchen einer angemessenen Therapie.

Symptome

Das Leitsymptom von einem Stimmlippenkarzinom ist die Heiserkeit.

Diese kann natürlich auch eine Vielzahl von anderen Ursachen haben, sollte eine Heiserkeit allerdings länger als drei Wochen bestehen bleiben (die meisten entzündlich bedingten Heiserkeiten verschwinden nämlich in der Regel innerhalb zwei Wochen), so sollte man unbedingt einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufsuchen.

Weitere Symptome sind Reizhusten oder in fortgeschrittenen Stadien auch eine Atemnot oder Schluckbeschwerden. Das Stimmlippenkarzinom bildet nur äußerst selten und wenn, dann spät Metastasen (Tochtergeschwulste) aus, da dieser Bereich nur sehr spärlich mit Lymphgefäßen versorgt ist, die Tumorzellen verschleppen können. Sollte doch einmal eine Metastasierung stattfinden, so erfolgt diese meistens regional (also in der direkten Umgebung der Stimmlippen) oder in Leber oder Lunge.

Häufiger, nämlich bei etwa 20-30% der Betroffenen, treten sogenannte Zweitkarzinome auf, die sich meistens im oberen Respirationstrakt oder der Lunge befinden. Sowohl bei Zweittumoren als auch bei Metastasen können je nach deren Lokalisation zusätzliche Symptome hinzukommen.

Diagnostik

Bei Verdacht auf ein Stimmlippenkarzinom führt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine direkte oder indirekte Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie) durch, mit deren Hilfe sich der Kehlkopf und die Stimmlippen gut beurteilen lassen.

Bei einem vorliegenden Karzinom ist die betroffene Stimmlippe typischerweise gerötet und verdickt, manchmal ist auch ein Defekt der Schleimhaut (Ulzeration) oder ein weißlicher Fibrinbelag erkennbar.
In einem späteren Krankheitsstadium kann es passieren, dass das Karzinom in die Stellknorpel (Aryknorpel) einwächst. Bei solchen Patienten ist die Beweglichkeit der Stimmlippen eingeschränkt und sie befinden sich nicht mehr in ihrer typischen Stellung. Um eine genauere Aussage hierüber zu erhalten, kann die Schwingungsfähigkeit der Stimmlippen mithilfe einer Stroboskopie überprüft werden.

Zur Sicherung der Diagnose wird bei der Laryngoskopie unter lokaler Betäubung ein kleines Stück des verdächtigen Gewebes im Kehlkopf entnommen (mittels Probeexzision = PE bzw. Feinnadelpunktion), das dann zur mikroskopischen Untersuchung (Histologie) geschickt wird.

Um besser beurteilen zu können, wie weit und wie tief ein Karzinom bereits gewachsen ist, kann eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden. Um nach eventuell vorhandenen Metastasen zu suchen, wird außerdem eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) empfohlen, die sich auch zur Verlaufskontrolle anbietet.

Therapie

Wenn sich das Karzinom bei der Diagnose noch in einem frühen Stadium (T1) befindet, dann wird heutzutage meistens eine Abtragung mittels eines Lasers durchgeführt (endolaryngeale Operation).

Alternativen sind die etwas veraltete konventionelle Chordektomie, bei welcher die Stimmlippe inklusive des Stimmmuskels durch einen Zugang von außen (hierzu muss der Schildknorpel gespalten werden) entfernt wird, und die Bestrahlung des Tumorgebietes von außen.
Die Bestrahlung hat jedoch den entscheidenden Nachteil, dass keine Gewebeuntersuchung erfolgen kann.

In weiter fortgeschrittenen Tumorstadien ist das Verfahren der Wahl abhängig von der Ausbreitung des Karzinoms entweder eine teilweise oder eine vollständige Resektion des Kehlkopfes (Laryngektomie). Wenn in den umgebenden Halslymphknoten auch Tumorgewebe entdeckt wurde, so werden diese ebenfalls mit entfernt (neck dissection).

Prognose

Die Prognose eines Stimmlippenkarzinoms ist mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von ungefähr 90% als gut anzusehen.
Dies hat verschiedene Gründe:

  • Zum einen kann wegen der früh bemerkbaren Symptome häufig früh eine Diagnose gestellt und eine Therapie eingeleitet werden, weshalb zum Zeitpunkt der Erkennung in den meisten Fällen auch noch keine Streuung (Metastasierung) stattgefunden hat.
  • Außerdem gibt es mittlerweile gute und moderne Behandlungsmöglichkeiten, mit denen man hohe Erfolgsquoten verzeichnen kann.

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Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 17.12.2018
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