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Milz

Synonyme im weiteren Sinne

Medizinisch: Splen, Lien

Milzriss, Immunabwehr, Thromboszyten, Blutplättchen

Englisch: spleen

Anatomie der Milz

Die Milz ist ein Organ, das sich in der Bauchhöhle (Abdomen) befindet und verschiedene Funktionen ausübt. Sie ist ungefähr so groß wie eine Niere und schmiegt sich im linken Oberbauch an das Zwerchfell (Diaphragma), an den Magen und an die linke Niere an.
Die durchschnittliche Größe der Milz beträgt 4x7x11 cm.
So zwischen anderen Organen eingekeilt, wird ihre Form oft mit der eines Orangensegments verglichen. Da die Milz so nah am Zwerchfell ist, bewegt sie sich beim der Atmung mit, ist dennoch bei normaler Größe meist von den Rippen bedeckt und so von außen nicht tastbar.
Sie ist zum einen als Filterstation in den Blutkreislauf eingeschaltet und zum anderen spielt sie eine wichtige Rolle für die Abwehr gegen „Eindringlinge“ im Körper, das heißt die Milz ist Teil des Immunsystems.
Diese unterschiedlichen Funktionen machen sich auch farblich bemerkbar. Der Blutfilter der Milz ist rot und der Bereich, der für die Abwehr verantwortlich ist, scheint weiß (rote Pulpa und weiße Pulpa).
Das Organ ist aus einem sehr weichen Material (Pulpa) aufgebaut und bekommt durch eine dünne Kapsel (und von der Kapsel ins Innere ziehende Fasern) erst ein wenig Stabilität.
Für die Blutfilterfunktion der Milz ist es sehr wichtig, dass eine große Schlagader (Arterie) Blut anliefert und eine ebenso große Ader (Vene) das Blut wieder abführt.


Funktion der Milz

Man kann sich die Milz wie einen Schwamm vorstellen, in den das Blut hineingepresst wird. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die noch jung und biegsam sind, können durch die Maschen des Schwamms hindurchschlüpfen, wohingegen die alten (meist mit einem Alter von ungefähr 120 Tagen) darin hängen bleiben und abgebaut werden.

Die Abwehrfunktion der Milz lässt sich mit einem Parkplatz oder Sammelplatz für weiße Blutkörperchen (Leukozyten) beschreiben. Die weißen Blutkörperchen schwimmen nicht ununterbrochen im Blutkreislauf, sondern sammeln sich an unterschiedlichen Stationen im Körper, zum Beispiel in der Milz.
Im Gegensatz zu den Lymphknoten, die eine Filterstation für eine bestimmte Region im Körper darstellen, ist die Milz eine Filterstation für den gesamten Blutkreislauf.
Die weiße Pulpa, die für die Abwehr verantwortlich ist, gruppiert sich um die Gefäße als eine Lymphscheide (Vagina periarterialis lymphatica) und als Milzknötchen (Malphigi-Körperchen).
Die weißen Blutkörperchen, die für die Abwehr in der Milz die größte Rolle spielen, sind die so genannten Lymphozyten.
Sie warten in der weißen Pulpa, um auf vorbeigespülte Krankheitserreger reagieren zu können oder um nach gewisser Zeit wieder ins Blut überzutreten und im Blutkreislauf zu patrouillieren.
So hat die Milz bei einer Blutvergiftung, bei der sich Bakterien im Blut vermehren, eine besondere Rolle. In der weißen Pulpa der Milz können auch neue Lymphozyten gebildet werden.

Obwohl die Milz wichtige Funktionen innehat, ist sie kein überlebenswichtiges Organ.
Wenn sie zum Beispiel bei einem Unfall verletzt wird und wegen der dünnen Kapsel platzt (Milzruptur / Milzriss), ist es aufgrund der starken Durchblutung notwendig, sie zu entfernen. Die Aufgaben der Milz werden dann von der Leber und anderen Organen übernommen, wobei man anfälliger für Infekte sein kann.
Vor allem bei Kindern, deren Abwehrsystem gegen Krankheitserreger noch nicht ausgereift ist, würde man die Milz nicht leichtfertig entfernen. Nach einer Milzentfernung muss man sich gegen bestimmte Krankheiten, bzw. bestimmte Erreger  impfen lassen, so zum Beispiel gegen eine Hirnhautentzündung und Lungenentzündung. Die dafür verantwortlichen Erreger sind die so genannten Pneumokokken, Menigokokken und Haemophilus influenzae.

Erkrankungen

Die Milz kann im Rahmen anderer Erkrankungen vergrößert sein, was sich sowohl als Über- als auch Unterfunktion äußern kann. Diese Vergrößerung ist gut im Ultraschall zu sehen (Sonographie).

Wenn der Körper gegen „Eindringlinge“ kämpft, zum Beispiel gegen Viren, Bakterien oder Parasiten, wie es bei der Malaria der Fall ist, vermehrt sich das Abwehrgewebe der Milz.
Auch wenn die Abwehr sich gegen körpereigene Strukturen wendet, bei Autoimmunerkrankungen, kann die Milz vergrößert sein. Beispiele sind die rheumatoide Arthritis und Lupus (systemischer Lupus erythematodes).

Die Milz kann auch aufgrund einer Blutstauung und der damit verbundenen vermehrten Blutfüllung vergrößert sein. Dies kann das Milzgewebe schädigen. Stauungen treten bei Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose und bei einer Schwäche des rechten Herzens (Rechtsherzinsuffizienz) auf.

Sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) zum Beispiel durch genetische Ursachen in ihrer Form verändert, wie es bei der Sichelzellenanämie oder Thalassämie der Fall ist, bleiben sie eher im Maschenwerk der Milz hängen.
So werden rote Blutkörperchen abgebaut, die noch benötigt werden und gut funktionieren. Der vermehrte Abbau führt dazu, dass der rote Blutfarbstoff und dessen Abbauprodukte im Blut zirkulieren. Dies kann zur Gelbsucht (Ikterus) führen. Eine Möglichkeit, das Problem des unnötigen Abbaus zu lösen, ist die Milz zu entfernen - mit allen Folgen, die damit verbunden sind (siehe oben).

Das Abwehrgewebe der Milz (lymphatisches Gewebe) kann auch übermäßig wachsen, so dass sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren der Milz bekannt sind. Bösartige Tumoren sind beispielsweise Blutkrebs (Leukämie) und Lymphome. Auch können sich Tochtergeschwulste (Metastasen) anderer bösartiger Tumoren in der Milz ansiedeln.

Häufige Erkankungen der Milz

Die Milz kann bei einigen Erkrankungen mehr oder weniger schwer erkranken.
Auf folgende Erkrankungen gehen wir detaillierter ein:


Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis beschreibt eine Entzündung des Körpers, die schubweise auftritt und vor allem die Gelenke der Hände und Füße angreift.
Charakteristisch sind geschwollene und besonders morgens steife Fingergrundgelenke (Metacarpophalangeal-Gelenke) und Zwischenfingergelenke (proximale Interphalangeal-Gelenke) auf beiden Seiten.
Die Krankheitsprozess der rheumatoiden Arthritis führt nach und nach zu einer Zerstörung der Knorpel- und Knochenstruktur und ist mit Medikamenten wie zum Beispiel Cortison und Methotrexat nur schwer aufzuhalten. Dennoch kann man die äußerlichen Krankheitszeichen wie Schmerzen behandeln.
Weitere Informationen zu diesen Thema finden Sie auch unter:

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Der systemische Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung. Das heißt die Abwehr des Körpers, die normalerweise vor Eindringlingen schützen soll, greift aus noch unbekannten Gründen körpereigenes Gewebe an.
Es entstehen dabei viele Antikörper (kleine „Zangen“, die Eindringlinge erkennen und markieren), die verkleben und sich an unterschiedlichen Stellen im Körper ablagern und dort Schäden verursachen.
Typische Zeichen des SLE sind:

Außerdem können die verklebten Antikörper auch in inneren Organen wie

Schäden verursachen. Man versucht den systemischen Lupus erythematodes (SLE) mit Cortison, Schmerzmitteln und Mitteln zu behandeln, die das Abwehrsystem unterdrücken (Immunsuppressiva, z.B. Methotrexat).

Weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Lupus erythematodes

Milzriss

Ein Milzriss entsteht, wenn eine große Kraft auf den Bauch einwirkt, wie es bei einem Unfall der Fall sein kann.
Außerdem können gebrochene Rippen mit ihren scharfen Enden die dünne Kapsel, die die Milz umgibt, durchbrechen, so dass es aufgrund der starken Durchblutung der Milz zu Blutungen in den Bauchraum kommt.
Es besteht die Gefahr, dass der Körper deshalb in einen Schock verfällt. Bei kleinen Verletzungen der Milz kann man mit einem bestimmten Gewebekleber die Verletzung beheben. Meistens muss aber die komplette Milz entfernt werden, weil dann die Blutstillung einfacher ist.

Milzstauung

Aufgrund zum Beispiel einer Lebererkrankung wie der Leberzirrhose ist im Blutkreislauf, der zwischen Darm und Leber geschaltet ist (portaler Kreislauf) und in den die Milz auch eingebunden ist, der Druck erhöht. Medizinisch bezeichnet man diesen Zustand als Pfordaderhochdruck. So kann es zu einem Blutstau in der Milz kommen, die dann vergrößert ist. Eine vergrößerte Milz baut mehr rote Blutkörperchen ab, sodass es zu einer Blutarmut (hämolytische Anämie) kommen kann.

Sichelzellenanämie

Bei der Sichelzellenanämie ist aufgrund einer vererbbaren genetischen Besonderheit die Struktur des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) verändert. Dadurch können die roten Blutkörperchen nicht ihre gewohnte Form, vergleichbar mit der eines runden Schlauchboots, einnehmen und sehen eher sichelförmig aus.
Diese Sichelzellen sind nicht so flexibel wie die normalen roten Blutkörperchen und können deshalb kleine Gefäße verstopfen (wie zum Beispiel in der Milz), was die Blutzufuhr zu wichtigen Organen unterbrechen kann.
Man unterscheidet hinsichtlich der Schwere der Ausprägung, ob ein Mensch noch zur Hälfte normalen roten Blutfarbstoff bildet (heterozygot) oder ob ein Mensch nur noch veränderten Farbstoff bildet (homozygot). Wobei letzterer Fall deutlich schwerwiegender ist.

Thalassämie

Bei der Thalassämie kann auf unterschiedliche Weise die Bildung des roten Blutfarbstoffs gestört sein.
Wie die Sichelzellenanämie, ist auch die Thalassämie eine vererbbare Erkrankung. Der normale Blutfarbstoff bindet den Sauerstoff um ihn zu transportieren, wohingegen der veränderte Blutfarbstoff den Sauerstoff nicht so gut binden kann und es daher zu einer Minderversorgung der verschiedenen Gewebe kommen kann.
Es treten Zeichen der Blutarmut auf:

Man unterscheidet abhängig von der Menge des betroffenen Blutfarbstoffs eine „kleine“ Minor-Form, eine mittelschwere Intermedia-Form und eine schwere Major-Form. Als Therapie kommen Bluttransfusionen oder bei der Major-Form eine Knochenmarkstransplantation in Frage.