Therapie des Bandscheibenvorfalls

Viele Bandscheibenvorfälle werden erst in relativ spätem Stadium diagnostiziert, da oftmals die angegebenen Schmerzen als chronische Rückenschmerzen oder ähnliche Erkrankungen gedeutet werden. Wurde die Diagnose mittels bildgebendem Verfahren gestellt, gibt es im Prinzip zwei Behandlungsmöglichkeiten:

  1. die konservative Therapie des Bandscheibenvorfalls und
  2. die Bandscheibenoperation.

1. Konservative Therapie: Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn der Bandscheibenvorfall zwar vorhanden ist, die ausgelösten Beschwerden jedoch im Rahmen des Erträglichen bleiben und keine neurologischen Einschränkungen, wie z.B. Taubheitsgefühl der Beine oder neu aufgetretene Inkontinenz entstehen.
Zur konservativen Therapie des Bandscheibenvorfalls gehört zunächst einmal die Schmerzbehandlung, die dazu beiträgt, dass durch Schmerzminderung keine Fehl- oder Schonhaltungen vom Patienten eingenommen werden. Meistens kommen Schmerzmittel zum Einsatz, die in die Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika gehören. Gerne wird das Medikament Ibuprofen dafür eingesetzt. Wichtig ist jedoch darauf zu achten, dass parallel eine Magenschutztablette z.B. aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer gegeben wird (z.B. Omeprazol), da die Dauereinnahme von Ibuprofen den Aufbau der schützenden Magenschleimhaut hemmt. Bei der konservativen Therapie wird die Schmerzbehandlung dauerhaft durchgeführt, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass sich der Bandscheibenvorfall von alleine zurückbildet und deshalb die Beschwerden wieder auftreten, sobald die Schmerzmittel abgesetzt werden.
Des Weiteren kann versucht werden alternativ zu den Schmerzmitteln in Tablettenform eine Schmerztherapie mittels Infiltrationsbehandlung durchzuführen. Dabei wird ein Lokalanästhetikum in den schmerzenden Bereich seitlich der Wirbelsäule injiziert. Nachteile dieser Behandlung sind meistens eine kürzere Dauer der Wirkung sowie die potentielle Gefahr eines Spritzenabszess, der ein gefährliches Krankheitsbild darstellt.
Eine weitere wichtige Säule der konservativen Behandlung des Bandscheibenvorfalls ist die Physiotherapie. Sie umfasst zum Einen das Erlernen von muskel- und gelenkschonenden Bewegungen sowie das gezielte Auftrainieren von Muskeln, die die Wirbelsäule unterstützen. Dazu zählen u.a. die Muskeln, die seitlich entlang der Wirbelsäule ziehen und beim Aufrichten dieser helfen (autochthone Rückenmuskulatur). Des Weiteren kann durch gezieltes Auftrainieren des Musculus latissimus dorsi sowie schonendes Auftrainieren der Bauchmuskeln die Wirbelsäule ebenfalls unterstützt und entlastet werden.

2. Operative Therapie:
Die operative Behandlung wird immer dann durchgeführt, wenn Bandscheibenvorfälle so weit fortgeschritten sind, dass diese massive Beschwerden verursachen, speziell, wenn neurologische Symptome, wie Lähmungen oder Inkontinenzen auftreten. Operiert wird meistens in Abteilungen der Neurochirurgie. Durchgeführt werden können Operationen an der Wirbelsäule entweder offen oder minimal-invasiv. Die letztere Methode ist schonender für den Patienten, dauert aber etwas länger aber zeigt kosmetisch ein besseres Ergebnis, da nur kleine Hautschnitte notwendig sind.
Das minimal-invasive Verfahren setzt gewisse anatomische Gegebenheiten voraus. Wenn Sichtverhältnisse eine solche Operation nicht zulassen, muss am offenen Rücken operiert werden. Ziel jeder Operation ist die Beseitigung des Bandscheibenvorfalls. In aller Regel wird dabei die Bandscheibe entfernt bzw. der Teil der zwischen den Wirbelkörpern hervorgetreten ist. Meistens müssen danach die beiden Wirbelkörper versteift werden, da kein ausreichender Schutz mehr dazwischen vorhanden ist und durch eine Versteifung eine Knochenreibung zwischen beiden Wirbelkörpern unterbunden wird.

Der Patient merkt von dieser Versteifung nach der Bandscheibenoperation in seinen alltäglichen Bewegungen in aller Regel nicht viel, da die anderen Wirbelkörper die Bewegung des versteiften Gelenks übernehmen können. Die Versteifung wird meistens mit seitlich an der Wirbelkörpern angelegten Platten oder Schrauben durchgeführt. Die Operation wird häufig durchgeführt, aufgrund der Lokalisation und der Nähe zu Nerven und Rückenmark ist sie aber immer auch risikobehaftet. So können postoperative Schwellungen im Bereich der Wirbelkörper zu einer Kompression des Rückenmarks mit Lähmungserscheinungen führen.
Des Weiteren kann während der Operation eine Verletzung von die  Wirbelsäule begleitenden Strukturen erfolgen und entsprechende erweiterte Operationen notwendig machen. Nach der Operation sollte der Patient zur Gelenkschonung zunächst ein Korsett tragen und schweres Heben sowie Bücken in den ersten Wochen einschränken.

Jeder Wirbelsäulenoperation schließt sich auch eine physiotherapeutische Behandlungsstufe an, die unterschiedlich langen durchgeführt werden kann. Mittlerweile gibt es Ansätze, die Bandscheibe komplett zu ersetzen. Dazu werden Knorpelzellen außerhalb des Körpers angezüchtet und vermehrt. Danach wird in einem zweiten operativen Verfahren die Ersatzbandscheibe wieder zwischen die entsprechenden Wirbelkörper eingebracht. Sowohl dieses als auch das Versteifungsverfahren zeigt unterschiedliche Erfolge. In aller Regel können neurologische Symptome abgemildert werden. Komplett schmerzfrei werden die Patienten jedoch selten, sodass eine ergänzende Schmerztherapie oft angezeigt ist.

 


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Autor: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 06.05.2012