Almotriptan

Definition

Almotriptan ist ein Medikament, das vor allem bei der Behandlung der Migräne zum Einsatz kommt. Es gehört in die Gruppe der Triptane und ist von seinem chemischen Aufbau ein sogenannter 5-HT1 Rezeptoragonist. Das Medikament ist, wie alle Triptane, nicht für die vorbeugende Behandlung vorgesehen, sondern sollte erst zum Einsatz kommen, wenn die ersten Symptome einer Migräne einsetzen.

Wirkung und Wirkdauer

Almotriptan wirkt über eine Stimulation der 5-HT1 Rezeptoren, die an vielen Stellen im Körper verteilt sind. Almotriptan wirkt über drei unterschiedliche Wege. Zum Einen werden nach der Bindung des Medikamentes an einen 5-HT1 Rezeptor die Gefäße, die bei einem Migräneanfall geweitet sind, verengt, was zu einem Abnehmen des pochenden Schmerzreizes führt. In einem zweiten Schritt werden Mediatoren, die bei einem Migräneanfall vom Körper ausgeschüttet werden und die entzündliche Veränderungen hervorrufen, an der Ausschüttung gehindert, was die Entzündung reduziert. Im dritten Weg wirkt Almotriptan über eine reduzierte Weiterleitung der Schmerzreizes über die Hirnrinde, d.h. der Schmerz wird unter Einnahme von Almotriptan nicht in der Weise wahrgenommen, wie ohne Medikament.

Neben der kopfschmerzlindernden Wirkung kann Almotriptan auch oftmals erfolgreich die oft sehr massiven Begleitbeschwerden einer Migräneattacke reduzieren. Zu nennen wäre hier die Übelkeit und Erbrechen, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit. Im besten Fall muss neben Almotriptan überhaupt kein weiteres Medikament eingenommen werden. Nach der Einnahme, die direkt nach den ersten Kopfschmerzsymptomen erfolgen sollte, tritt eine erste Besserung der Beschwerden innerhalb der ersten 30 Minuten bis 2 Stunden ein.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier: Triptane

Im besten Fall verschwindet der Kopfschmerz komplett und eine weitere Medikamenteneinnahme ist nicht notwendig. In manchen Fällen kommt entweder der Kopfschmerz nach ca 4-6 Stunden wieder zurück oder die Begleitsymptome. Wann genau ein Triptan zu wirken beginnt, hängt zum einen von jedem Organismus individuell ab, zum anderen davon, welches Präparat gewählt wurde und in welcher Darreichungsform es angewendet wird. So sind Triptane, die als Tablette eingenommen werden in aller Regel etwas langsamer einsetzend als z.B. Triptane, die als Nasenspray eingenommen werden.

Nebenwirkungen

Almotriptan ist meistens recht gut verträglich. Allerdings gibt es einige Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die es zu beachten gilt. Da das Medikament ein Zusammenziehen der Blutgefäße bewirkt, kann es auch vorkommen, dass sich die Blutgefäße des Herzens zusammenziehen, was zu einem sogenannten Angina PectorisAnfall führen kann. In ganz ausgeprägten Fällen kann hieraus ein Herzinfarkt resultieren.

Des Weiteren wurden unter der Einnahme eines Triptans auch schon Blutdruckabfälle und ein schneller Puls festgestellt. Manchmal kann es auch zu neurologischen Begleiterscheinungen unter Almotriptan kommen. Zu nennen wären hier Parästhesien und Taubheitsgefühl von Armen, Beinen und Händen bzw Fingern. Schwindel tritt verhältnismäßig häufig unter der Einnahme von Almotriptan auf. Hierbei handelt es sich meistens um ein Mischbild aus Schwank-, und Drehschwindel. Dieser rührt vermutlich ebenfalls von einer medikamentös bedingten Engstellung der Blutgefäße.

Manchmal kann es auch unter Almotriptan zu einer paradoxen Reaktion kommen, d.h. das Medikament löst Kopfschmerzen aus, obwohl es ja gerade diese vermindern sollte. In den Fällen, in denen sich eine oder mehrere der Nebenwirkungen einstellen, sollte das Medikament abgesetzt werden. Des Weiteren ist auch die kombinierte Einnahme mit anderen Medikamenten zu beachten. So sollte Almotriptan nicht in Kombination mit einem Medikament aus der Gruppe der MAO Hemmer eingenommen werden.
Diese Medikamentengruppe wird heute noch selten bei der Behandlung einer schweren Depression eingesetzt. Häufiger zum Einsatz kommen Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SSRI), deren Kombination mit Almotriptan ebenfalls nicht erfolgen sollte. Der Grund liegt in der Gefahr, dass die kombinierte Aufnahme von SSRI und Almotriptan zu einem sogenannten Serotin Syndrom führen könnte. Hierbei kommt es zu einer unnatürlichen Anhäufung von Serotonin im Organismus. Die Symptome eines Serotonin Syndroms sind Schwitzen, Krankheitsgefühl, Blutdruckanstieg, Pupillenweitstellung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Eine schnelle Behandlung sollte unbedingt erfolgen, da sich aus einem Serotonin Syndrom auch ein lebensgefährlicher Zustand entwickeln kann.
Viele weitere Informationen erhalten Sie unter unserem Thema: Serotonin-Syndrom

Absolut kontraindiziert ist die Einnahme von Almotriptan, wenn eine der folgenden Erkrankungen bei dem Patienten vorhanden istkoronare HerzerkrankungSchlaganfallLeber-, oder NiereninsuffizienzDes Weiteren darf Almotriptan nicht eingenommen werden in der Schwangerschaft und bei Stillenden.

Entzugssymptomatik

Wie bei vielen anderen Schmerzmitteln auch, kann ein übermässiger Gebrauch zum gegenteiligen Effekt in Bezug auf Kopfschmerzen führen. Es handelt sich dabei genauer gesagt um eine paradoxe Wirkung, die sich bei übermässig langer Einnahmezeit mit Almotriptan einstellen kann. Manchmal ist es so, dass die Kopfschmerzen dann sogar erst durch Almotriptan ausgelöst werden Auch kommt es vor, dass es zunächst zu einer Besserung der Kopfschmerzen nach Einnahme von Almotriptan kommt, aber dann innerhalb weniger Stunden sich erneut Kopfschmerzen einstellt, was die Betroffenen dann erneut zum Almotriptan greifen lässt.

Ist es über lange Einnahmephasen zu solchen Symptomen gekommen, muss über eine Entwöhnung des Triptans nachgedacht werden. Eine Entwöhnungsbehandlung sollte nicht alleine daheim durchgeführt werden, sondern am besten stationär in einer Schmerzklinik. Hier kann man dann gezielt auf Beschwerden, die durch eine Entwöhnung von Almotriptan entstehen, auch medikamentös eingehen. Meistens melden sich Patienten zu einer Entwöhnungsbehandlung eines Triptans an, die 15 Tabletten oder mehr im Monat einnehmen mussten. Nach der Entwöhnungsphase muss ein neues Behandlungsprinzip festgelegt werden, da Triptane dann nicht erneut eingenommen werden sollten.

Indikation

Die Hauptindikation von Almotriptan ist die symptomatische Migräne. Durch das Medikament können Migräneattacken behandelt werden, die entweder mit einer Aura kombiniert sind oder auch ohne Aura. Als Aura bezeichnet man die Migräne begleitenden neurologische Symptome, die als Vorboten eines Migräneanfalls zu sehen sind. Diese Vorboten sind meistens ungewohnte Hörgeräusche oder Sehstörungen sowie ein generell ungutes Gefühl. Patienten haben im Vorfeld meistens das Gefühl „dass etwas nicht stimmt“ können aber meistens dann keine weiteren Angaben machen. Bei den Sehstörungen kommt es zu charakteristischen blitzähnlichen Symptomen, die das Gesichtsfeld einschränken und ca. 10-60 Minuten anhalten. Kurze Zeit nach dem Auftreten der Aura beginnen die Migränekopfschmerzen. Almotriptan sollte nur bei migränebedingten Kopfschmerzen eingenommen werden. Gegen spannungsbedingten Kopfschmerz ist das Medikament aufgrund seines Wirkungsprinzips nicht hilfreich. Gegen Clusterkopfschmerz kann das Medikament ebenfalls zum Einsatz kommen.

Dosierung

Die Dosierung von Almotriptan erfolgt durch 12,5 mg Tabletten. Sie können unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut eingenommen werden. Die Tagesdosis beträgt ebenfalls 12,5 mg. Eine zweite Tablette kann eingenommen werden, wenn die Kopfschmerzen innerhalb der folgenden 24 Stunden erneut einsetzen sollten.Hier muss aber ein Mindestabstand von 2 Stunden zur ersten Tablette eingehalten werden. Treten Beschwerden unter der Einnahme von Almotriptan auf, sollte auf keinen Fall eine zweite Tablette eingenommen, sondern ein Arzt aufgesucht werden. Almotriptan darf nicht in Verbindung mit Alkohol eingenommen werden, da sonst eine Veränderung der Medikamentenaufnahme bzw. des Abbaus im Körper stattfinden würde.

Erwerb in der Apotheke

Almotriptan ist rezeptfrei in der Apotheke zu beziehen. Eine Packung enthält 2 Tabletten a 12,5 mg. Vor einer Einnahme von Almotriptan sollte aber ein Arzt aufgesucht werden, da nur bei dem mirgänebedingten Kopfschmerz eine Wirkung von Almotriptan gegeben ist. Treten starke, vorher noch nicht dagewesene Kopfschmerzen auf, sollte ebenfalls umgehend ein Arzt aufgesucht werden; genauso bei sehr lange anhaltenden Kopfschmerzen.

Almotriptan vs. Naratriptan

Sowohl Naratriptan als auch Almotriptan sind rezeptfrei über die Apotheke zu beziehen. Bei beiden Medikamenten werden kleine Packungsgrößen abgegeben, deren Einnahme zunächst nicht überschritten werden sollte. Beide Präparate sind von der Wirkung in etwa gleich. Der Wirkunsgeintritt von Naratriptan findet etwa nach einer Stunde, maximal nach 4 Stunden statt. Die Wirkung von Almotriptan tritt in der Regel etwas früher ein. Je nach Patient und Organismus,kann es aber auch zu unterschiedlichem Wirkungseintritt der entsprechenden Präparate kommen.

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 10.01.2017 - Letzte Änderung: 21.05.2021