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Hüftschmerzen nachts - Was steckt dahinter?

Definition

Hüftschmerzen können bei Menschen jeden Alters auftreten. Sie bestehen ein- oder zweiseitig und werden je nach Ursache entweder direkt im Hüftgelenk, in der Leiste oder am seitlichen Oberschenkel verspürt. Treten die Schmerzen nachts auf, werden sie als besonders belastend empfunden und verhindern eine gute Schlafhygiene.

Die Ursache kann entweder im Gelenk selbst liegen oder an den Schleimbeuteln, Nerven oder Muskeln gefunden werden. Auch eine ungeeignete Matratze kann manchmal der Auslöser von nächtlichen Hüftschmerzen sein.

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Ursachen

Grundsätzlich kommen viele Ursachen für nächtlichen Hüftschmerz in Frage. Generell kann jedoch angenommen werden, dass ein in Ruhe auftretender Schmerz eher entzündlich bedingt ist, während bei Belastung auftretende Beschwerden eher für ein Abnutzungsgeschehen sprechen. Eine Entzündung des Hüftgelenks kann rheumatisch bedingt sein, wenn zum Beispiel eine Rheumatoide Arthritis oder ein Morbus Bechterew bestehen. Außerdem kann selten auch eine Stoffwechselstörung wie die Gicht zu einer Entzündung des Hüftgelenks führen. Auch eine Schleimbeutelentzündung führt zu nächtlichen Beschwerden.

Es ist immer abzuklären, ob die Hüftschmerzen tatsächlich von der Hüfte ausgehen oder ob es sich um ausstrahlende Schmerzen handelt, die beispielsweise von der Wirbelsäule ausgehen. So kann unter Umständen auch ein Bandscheibenvorfall zu nächtlichem Hüftschmerz führen.

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Schleimbeutelentzündung an der Hüfte

Schleimbeutel sind kleine, wenige Zentimeter große Gewebsbeutel, die mit der gleichen Flüssigkeit, die sich auch im Inneren von Gelenken befindet, gefüllt sind. Sie dienen als natürliche Polster und finden sich an besonders beanspruchten Körperstellen, wie z.B. großen Gelenken oder in dem Raum zwischen Sehnen und Knochen. Wenn die Schleimbeutel sich entzünden, kommt es zu einer schmerzhaften Schwellung, Rötung und Überwärmung des betroffenen Bereichs. Das entsprechende Gelenk kann in der Regel durch den Schmerz nicht voll bewegt werden. Die Schleimbeutelentzündung kann in Folge eines Traumas auftreten, aber auch das Resultat einer Überreizung oder Fehlbelastung des Gelenks sein. Auch rheumatische Erkrankungen oder bakterielle Entzündungen nach OPs an dem entsprechenden Gelenk können zu einer Schleimbeutelentzündung führen. In sehr seltenen Fällen ist eine Gicht ursächlich.

An der Hüfte gibt es viele Schleimbeutel, die direkt an der Hüftgelenkskapsel liegen. Am häufigsten ist jedoch ein außenliegender Schleimbeutel von einer Entzündung betroffen. Dieser Schleimbeutel liegt an einem Knochenvorsprung des Oberschenkelknochens, über den eine große Sehnenplatte zieht. Daher ist dieser Schleimbeutel bei Bewegung ganz besonders viel Druck ausgesetzt und wird schnell überreizt.

Eine Schleimbeutelentzündung der Hüfte zeigt sich meist durch Hüft- oder auch Leistenschmerz. Nachts tritt der Schmerz meist beim seitlichen Liegen an der Seite des Oberschenkels auf, da der Druck auf den seitlich liegenden entzündlichen Schleimbeutel erhöht wird.

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Hüftarthrose

Mit der älter werdenden Gesellschaft steigt die Zahl der Menschen mit Hüftarthrose stetig. Die Arthrose bezeichnet eine Abnutzung des Gelenkknorpels. Aufgrund des fehlenden Knorpels reiben die Knochen am Gelenk direkt aufeinander. Dies kann sehr schmerzhaft sein. Die Abnutzung des Knorpels ist eine natürliche Erscheinung im Alter. Im Mittel sind die Patienten beim ersten Auftreten der Beschwerden zwischen 50 und 60 Jahre alt.

Die Hüftarthrose macht sich durch Schmerzen in der Leiste und am oberen, seitlichen Oberschenkel bemerkbar. Klassischerweise sind die Schmerzen zunächst nicht nachts, sondern tagsüber bei Bewegung vorhanden. Bei der Hüftarthrose schmerzt vor allem das bergauf Gehen und die Innenrotation ist nur noch eingeschränkt möglich. Besonders schmerzhaft ist dabei der Beginn einer Bewegung und sehr lang anhaltende Belastungen. Im weiteren Verlauf chronifiziert sich die Erkrankung und die Beschwerden treten zusätzlich auch in Ruhe und nachts auf. Ein Schmerz, der nachts auftritt und durch reichlich Bewegung im Tagesverlauf besser wird, ist hingegen nicht wegweisend für eine Arthrose. Hierbei handelt es sich eher um eine entzündliche Erkrankung. Die Diagnose der Hüftarthrose wird vom Arzt unter Zusammenschau von der Beschwerdesymptomatik, der körperlichen Untersuchung und einer Röntgen-Untersuchung des Hüftgelenks gestellt.

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Begleitende Symptome

Die, die Schmerzen begleitenden Symptome können auch sehr hilfreich für die Diagnosestellung sein. So spricht eine Überwärmung, Schwellung und Rötung des Gelenks für ein entzündliches Geschehen. Falls die Entzündung rheumatischer Genese ist, treten meist auch an anderen Gelenken Beschwerden auf. Bei der rheumatoiden Arthritis sind vor allem die Fingergelenke mitbetroffen. Der Morbus Bechterew bezieht meist die Wirbelsäulengelenke und das Kreuz-Darmbeingelenk mit ein. Außerdem kommt es bei diesem Krankheitsbild oft auch zu einer Versteifung der Gelenke und einer Entzündung von Muskelsehnen. Auch eine Regenbogenhautentzündung des Auges kann auftreten. Diese ist auch bei einer Arthritis, die mit der Schuppenflechte assoziiert ist, vorhanden. Wichtig ist hier, dass das Ausmaß des Hautbefundes der Schuppenflechte nicht mit den Gelenkbeschwerden parallel verlaufen muss.

Bei einer abnutzungsbedingten Gelenkarthrose sind neben den Schmerzen, die zunächst nur bei Bewegung, aber später auch nachts in Ruhe vorhanden sein können, meist keine weiteren Symptome vorhanden.

Falls die Ursache der nächtlichen Hüftschmerzen auf ein malignes Tumorgeschehen zurückgeht, kann es zu Fieber, einem ungewollten Gewichtsverlust von über 10% des Körpergewichts und einem vermehrten Schwitzen in der Nacht kommen.

Wenn eine schlecht angepasste Matratze ursächlich ist, bestehen meist nicht nur Hüft-, sondern auch Rücken- oder Nackenschmerzen. Die Muskeln sind verspannt und schmerzen.

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Diagnose

Die Diagnose kann von einem Orthopäden gestellt werden. Dieser beachtet dabei sowohl die geschilderten Symptome, die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung als auch eine Röntgenuntersuchung der Hüfte. Auf dem Röntgenbild kann zum Beispiel eine Arthrose sicher erkannt werden. Falls rheumatische Erkrankungen abgeklärt werden sollen, kann auch eine Blutuntersuchung zur Testung auf bestimmte Antikörper weiterhelfen. Unter Umständen kann auch eine MRT-Untersuchung erfolgen.

Behandlung

Je nach Ursache der nächtlichen Schmerzen kann die Therapie entweder gänzlich aus einer Tablettentherapie bestehen oder aber vor allem auf Physiotherapie beruhen. Auch eine operative Therapie kommt bei wenigen Ursachen in Frage.

Eine Hüftgelenksarthrose wird zunächst mithilfe von gezielter Physiotherapie, konsequentem Training und einer vorübergehenden Einnahme von Schmerzmitteln therapiert. Falls die Beschwerden sich langfristig nicht bessern, kann ein künstliches Hüftgelenk eingebaut werden. Die Prognose ist in diesem Falle sehr gut.

Eine Schleimbeutelentzündung wird in der Regel konservativ therapiert. Das bedeutet, dass vor allem Ruhigstellung und Kühlung des Beins bzw. des Hüftgelenks im Vordergrund stehen. Außerdem können kurzfristig Schmerzmittel, wie z.B. Ibuprofen, eingenommen werden. Falls es sich um eine bakterielle Entzündung handelt, die den gesamten Körper miteinbezieht, kann eine Antibiotikaeinnahme sinnvoll sein. Ebenso sollte dann auch über eine chirurgische Entlastung der Eiterhöhle im Schleimbeutel nachgedacht werden.

Auch bei rheumatischen Erkrankungen spielt langfristig körperliches Training eine große Rolle. Im akuten Schub sollte das betroffene Gelenk gekühlt und geschont werden. Außerdem kann kurzfristig Kortison Linderung verschaffen. Um weitere Schübe zu vermeiden, wird langfristig mit so genannten Basistherapeutika (DMARD) wie zum Beispiel Methotrexat, welches auch bei der Schuppenflechte eingesetzt wird, behandelt. Falls dies keine Besserung verschafft, können Immunsuppressiva, wie zum Beispiel Cyclosporin oder neue Antikörper-Medikamente, wie zum Beispiel Infliximab, eingesetzt werden. Die Eignung der verschiedenen Medikamente ist unbedingt individuell mit einem Arzt zu diskutieren.

Dauer der Hüftschmerzen

Die Dauer der Beschwerden richtet sich nach der Ursache. Bei rheumatischen Erkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis oder dem Morbus Bechterew und auch bei der Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung ist keine Heilung zu erwarten. Das Ziel der medikamentösen Therapie ist, die Krankheit einzudämmen und so Schübe der Erkrankung zu verhindern. So kann erreicht werden, dass die Erkrankung längerfristig stumm bleibt.

Die Arthrose hingegen kann geheilt werden, indem ein Gelenkersatz durchgeführt wird. In früheren Stadien können die Schmerzen mithilfe von Bewegungstraining und kurzzeitiger Schmerzmitteleinnahme vorübergehend verschwinden.

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Hüftschmerzen im Liegen

Nächtliche Hüftschmerzen im Liegen können entzündlicher Ursache sein oder aber auch auf Kompression entzündlicher Regionen beruhen. Wenn die Schmerzen vor allem beim seitlichen Liegen vorhanden sind, kann es sich um eine Schleimbeutelentzündung handeln. Am seitlichen Oberschenkel befindet sich zwischen dem Oberschenkelknochen und der Sehnenplatte, der von der Hüfte zum Bein verlaufenden Muskulatur ein Schleimbeutel, der durch die starke mechanische Beanspruchung gereizt werden kann.

Außerdem machen sich auch rheumatisch, entzündliche Erkrankungen des Hüftgelenks besonders in Ruhe beim Liegen bemerkbar. Bei rheumatischen Gelenkerkrankungen kommt es neben den Schmerzen im Liegen auch beim Aufstehen zu einer anfänglichen Steifigkeit der Gelenke, die sich durch vermehrtes Bewegen bessert. Es kann sich um eine rheumatoide Arthritis, einen Morbus Bechterew oder auch um eine mit der Schuppenflechte assoziierte Arthritis handeln.

Des Weiteren kann in seltenen Fällen auch eine Tumorerkrankung des Knochens Grund für Hüftschmerzen im Liegen sein. Der Tumor kann primär im Knochen sitzen, es kann sich aber auch um eine Metastase eines Tumors aus einem anderen Organsystem handeln. Generell ist eine Krebserkrankung nur äußerst selten der Grund für Hüftschmerzen, sollte aber bei Schmerzen in Ruhe, für den kein anderer Grund gefunden werden kann, immer mit abgeklärt werden.

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Hüftschmerzen in der Schwangerschaft

Da Schwangeren dazu geraten wird, immer seitlich liegend zu schlafen, kann es schnell zu Hüftschmerzen im Liegen kommen. Für viele ist diese Schlafposition ungewohnt oder die Frauen verkrampfen sich aufgrund einer ungewohnten Fehlhaltung beim Liegen. Dies kann zu Schmerzen führen.

Außerdem kann es durch den Schwangerschaftsbauch zu einer Kompression von durch die Leiste laufenden sensiblen Hautnerven kommen. Dies führt neben Schmerzen auch zu einer kribbligen Missempfindung im Bereich des seitlichen Oberschenkels. Auch hormonelle Faktoren spielen in der Schwangerschaft eine Rolle, da der Bandapparat der Hüfte elastischer wird und es so zu einer schmerzhaften Öffnung der Schambeinfuge kommen kann.

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Welche Rolle spielt die Matratze?

Die Auswahl der richtigen Matratze spielt eine entscheidende Rolle für die nächtliche Erholung. Beim Matratzenkauf sollte darauf geachtet werden, dass die Matratze gerade so hart bzw. weich ist, dass natürliche Krümmungen des Körpers ausgefüllt werden und hervorstechende Körperteile einsinken können. Zu den schmalen Krümmungen gehört in Rückenlage die untere Wirbelsäule und in Seitenlage die Taille. Hervorstechende Körperteile sind zum Beispiel in Seitenlage die Hüfte und auch die Schulterpartie.

Das Ziel ist, dass die Wirbelsäule im Liegen sowohl in Seitenlage als auch in Rückenlage genauso gerade verläuft wie beim Stehen. Eine ständige Fehlhaltung in der Nacht kann nicht nur zu Hüftschmerzen, sondern auch zu Rücken- oder Nackenschmerzen führen.

 

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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