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Kielbrust

Synonyme

Hühnerbrust

Einleitung

Unter einer Kielbrust ist eine knöcherne Fehlbildung des Brustkorbes zu verstehen. Diese äußert sich in einem in seinem unteren Teil prominenten, also vorspringenden, Teil des Brustbeines, so dass sich der Brustkorb der betroffenen Patienten in der Mitte nach vorne wölbt.

Daher kommt auch der Name, da die Form im entfernten Sinne an einen Schiffskiel erinnern kann. Diese Fehlbildung tritt im Gegensatz zur Trichterbrust, die meist angeboren ist, erst in der Wachstumsphase, also zwischen erstem und zweitem Lebensjahrzehnt, auf und kommt weitaus seltener vor als diese.

Die Deformation des Brustkorbes ist nur selten hochgradig ausgeprägt und somit eigentlich immer aus ärztlich-funktioneller Sicht ungefährlich.


Ursachen einer Kielbrust

Im Gegensatz zur Trichterbrust, die angeboren ist, entwickelt sich eine Kielbrust meist im Laufe des Wachstums ab einem Alter von 10 Jahren.
Zu den Ursachen muss man wissen, dass die Rippen über einen knorpeligen Anteil, an den sich die Gelenke zum Brustbein anschließen, verbunden sind. Wenn es in diesem Anteil zu übermäßigem Wachstum oder einer strukturell herabgesetzten Stabilität des Knorpels kommt, wird das Brustbein aufgrund der fehlenden Ausweichmöglichkeit nach vorne gedrückt: Ein kielartiger Vorsprung bildet sich aus.

Eine genetische, also vererbbare Ursache für die Kielbrust wird stark vermutet, da sich das Auftreten einer Kielbrust in vielen Familien häuft, aber man konnte noch kein dafür verantwortliches Gen nachweisen oder einen genauen Erbgang beschreiben.

Dagegen spricht, dass die Erkrankung bei anderen Familien sporadisch auftritt, d.h. ohne erkrankte Verwandte oder erkennbaren Auslöser. Eine lange bestehende körperliche Fehlhaltung wird als eine der Ursachen der Kielbrust diskutiert.

Des Weiteren tritt sie häufiger im Zusammenhang mit bestimmten anderen Grunderkrankungen auf, bei denen wichtige Stoffwechselvorgänge gestört sind.
Ein Beispiel dafür ist das Marfan-Syndrom, bei dem überall im Körper Schwächen im Bindegewebe, also auch im Knorpel, vorliegen. Auch eine Fehlbildung im Mutterbauch durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft gilt als eine Ursache der Kielbrust.

Was genau jedoch das vermehrte Wachstum des Knorpels verursacht ist immer noch Gegenstand intensiver Forschung.

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Ursachen einer Trichterbrust

Die genetische Komponente erscheint wahrscheinlich, wurde aber noch nicht nachgewiesen. Doch es ist auffällig, dass in Familien, in denen Brustwandanomalien - wie Trichterbrust - gehäuft vorkommen, auch häufiger das Bild der Kielbrust zu finden ist. Des Weiteren kann man einen Zusammenhang mit dem Marfan-Syndrom und einer bestimmten Unterform der Mukopolysaccharidosen feststellen.

Bei der Entstehung der Kielbrust spielt ein überschießendes Wachstum der knorpeligen Anteile der Rippen an ihrem Ansatz am Brustbein vermutlich eine wesentliche Rolle. Hierbei wachsen diese Anteile im Verhältnis zu stark und drücken das Brustbein dadurch nach vorne, beziehungsweise zwingen sie durch den entstehenden Druck, sich nach vorne zu wölben.

Es kann alternativ auch dazu führen, dass das Brustbein durch das Wachstum nach hinten gedrängt wird, was dann die Entstehung einer Trichterbrust zur Folge hat. Wenn das Wachstum auf den beiden Seiten des Brustkorbes unterschiedlich erfolgt, kann es auch zu Mischformen und asymmetrisch verzogenen Formen der Kielbrust kommen. Die genaue Ursache für das überschießende Knorpelwachstum ist noch nicht geklärt.

Symptome einer Kielbrust

Problematisch ist eine Kielbrust weniger im medizinisch-funktionellen Sinne als vielmehr in der psychischen Komponente. Nur bei einer sehr starken Ausprägung kann diese auch körperliche Symptome hervorrufen. Bei einer sehr starken Asymmetrie ist so eine Beeinträchtigung der Atmung möglich, was sich in einer Kurzatmigkeit, insbesondere bei Belastung, äußern kann.

Das Liegen auf dem Bauch wird oft als unangenehm empfunden und es kann in seltenen Fällen auch zu Schmerzen im Bereich des vorgewölbten Anteils kommen. Auch werden im Zusammenhang mit einer Kielbrust vermehrt Fehlhaltungen der Wirbelsäule beobachtet, was dann häufig zu Rückenschmerzen führt.

Doch hat auch hier die psychische Komponente einen Einfluss, da diese häufig durch den Versuch entsteht, die auffällige Verformung nach außen hin zu kaschieren. Das Hauptproblem bei der Kielbrust besteht also in der psychischen Belastung der Betroffenen durch das eigene Aussehen. Oftmals ist die Kielbrust nicht stark ausgeprägt, so dass die Missbildung nicht sehr auffällt.

Bei starken Ausprägungen jedoch fühlen sich die Patienten mit ihrem Äußeren oftmals sehr unwohl, gerade da die Entstehung meist in die Zeit der Pubertät fällt. Die seelische Belastung durch die kosmetische Beeinträchtigung ist nicht zu unterschätzen und besitzt oft Krankheitswert, gerade wenn sie durch mangelndes Selbstbewusstsein zu sozialer Isolation führt.

Diagnostik der Kielbrust

Die Diagnose kann bereits bei der körperlichen Untersuchung gestellt werden, ist also eine Blickdiagnose. Gestützt wird diese oftmals noch durch Röntgenbilder, die eine genaue Darstellung und Beurteilung der Ausprägung zulassen.

Therapie einer Kielbrust

Die Therapie von Betroffenen mit einer Kielbrust besteht aufgrund der psychischen Probleme auch vorrangig in einer psychologischen Betreuung, gerade wenn die Ausprägung der Fehlbildung eine Operation nicht rechtfertigt.

Konservativ kann ansonsten die Anlage einer Pelottenbandage versucht werden. Hierbei wird eine Bandage angelegt, die gezielt Druck auf den vorstehenden Bereich der Kielbrust ausübt und somit das Wachstum zu einem normalen Aussehen lenken soll. Allerdings muss hierfür schon ein großer Leidensdruck bei einer Kielbrust bestehen, da das oft unangenehme Tragen der Bandage über einen langen Zeitraum hinweg kontinuierlich erfolgen muss, damit diese Maßnahme Erfolg hat. Außerdem kann diese Möglichkeit nur in Betracht gezogen werden, solange der Patient mit einer Kielbrust sich noch in der Wachstumsphase befindet. In diesen Fällen kann damit auch ein gutes Ergebnis erzielt werden.

Selten besteht bei einer Kielbrust die Indikation für eine Operation. Diese wird nur bei einem sehr ausgeprägten, körperlichen Befund gestellt, wenn zum Beispiel

  • Einschränkungen der Atmung vorliegen,
  • die Vorwölbung so weit nach vorne ragt, dass die Haut durch Kleidung aufgescheuert wird
  • wenn zusätzlich zum körperlichen Bild ein sehr großer psychischer Leidensdruck besteht.

Diese ist aber wirklich nur in seltenen Fällen bei Patienten mit einer Kielbrust angezeigt und sollte auch erst nach Abschluss der Wachstumsphase erfolgen.

Meist werden bei der OP einer Kielbrust relativ kleine Zugänge gewählt, so dass auch nur kleine Narben zurückbleiben. In der Regel wird das Brustbein von den Wirbeln abgelöst und entsprechende Wirbelanteile hierbei entfernt, ohne die Höhle des Brustkorbes zu eröffnen.

Des Weiteren wird je nach Ausprägung der Kielbrust zusätzlich das Brustbein quer gespalten und es werden Teile entfernt oder das Brustbein in einem anderen Winkel wieder zusammengesetzt, um die Vorwölbung auszugleichen. Im Anschluss daran werden auch die Rippen wieder am Brustbein befestigt, meist mittels Metallspangen oder Drähten, die nach einiger Zeit wieder entfernt werden müssen. Die OP einer Kielbrust hat für gewöhnlich eine gute Erfolgschance. Doch auch hier bestehen wie bei jeder Operation Risiken, weshalb eine Indikation gut abzuwägen ist.

Operation einer Kielbrust

Die Kielbrust an sich verursacht medizinisch gesehen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle keine körperlichen Symptome. In seltenen Fällen kann es zu leichten Beeinträchtigungen der Atmung kommen, bei besonders herausstehendem Brustkorb sind Scheuerstellen und oberflächliche Abschürfungen durch die Kleidung möglich, sodass hier eine OP sinnvoll ist.
Allerdings geschehen die meisten operativen Eingriffe aufgrund psychischer Belastungen und subjektiven Unwohlseins.

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden eines operativen Vorgehens:

  • die offene OP und
  • minimal invasive Korrekturen

wobei der beste OP-Zeitpunkt nach der Pubertät liegt, da das Wachstum dann abgeschlossen ist.Die offene Operation hat zum Ziel, den hervorstehenden Teil des Brustkorbs auf normales Niveau herabzusetzen.

Meist in Vollnarkose werden die Rippen zunächst vom Brustbein getrennt, um daraufhin einen zuvor genau bestimmten Teil des überschüssigen Knorpels zu entfernen. So wird das Brustbein auf die gewünschte Höhe gesenkt und am Anschluss mit Schrauben oder Platten wieder an den Rippen befestigt.

Eine andere Methode, die sogenannte "Nuss-Technik", ist ein minimal invasives Verfahren, was bedeutet, dass man durch einen sehr kleinen Schnitt operiert und so das Risiko für Komplikationen und auch die Schmerzen nach der OP verringert; umgangssprachlich Schlüsselloch-Chirurgie.
In diesem Verfahren wird ein Metallbügel implantiert und so die Kielbrust nach unten gedrückt. Diese Technik ist jedoch für die Trichterbrust, also das Gegenteil der Kielbrust, weitaus verbreiteter und bekannter; so konnte sie sich noch nicht für die Kielbrust durchsetzen.

Insgesamt sind die Chancen gut, nach einer Operation der Kielbrust ein zufrieden stellendes Ergebnis zu erzielen. Eventuell muss nochmal korrigiert werden. Jedoch ist der Nutzen immer genau gegen die Risiken ein jeder OP abzuwägen.

Prognose bei Kielbrust

Im Anschluss an die Operation der Kielbrust sollte dann eine Behandlung mit einer Druckpelottenbandage erfolgen, um den Brustkorb und das Operationsergebnis zu stabilisieren.

Auch sollte eine Anschlussheilbehandlung in Form einer Atem- und Krankengymnastik erfolgen, um die

  • Atmung
  • Lungenfunktion
  • Beweglichkeit zu verbessern
  • Muskulatur zu stärken

und somit den Erfolg der Operation zu optimieren.

Weitere Informationen

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.07.2018
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