Die Ursachen geschwollener Knöchel

Einleitung

Geschwollene Knöchel können verschiedene Ursachen haben. Im Einzelfall heißt es daher genau nachzugucken, welches körperliche Problem zur Ausprägung der Schwellung geführt hat. Auf jeden Fall sollten Betroffene sich jedoch klar machen, dass geschwollene Knöchel ein Warnsymptom sind, da sie bei einem Gesunden nicht vorkommen.

Je nach Kombination mit anderen Symptomen können sie auf eine akute Überlastung des Gelenkes bis hin zu einer ernstzunehmenden Grunderkrankung hinweisen. Gerade bei Anhalten der Schwellung sollte deswegen eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Die typischen Symptome

  • Schmerzen
    • pulsierende Schmerzen v.a. bei einem Bänderriss
    • dumpf Schmerzen v.a. bei Sehnen- bzw. Knorpelreizung
  • Funktions-/ Bewegungseinschränkung
  • Rötung
  • Bluterguss
    • c-förmiger Erguss unter dem Knöchel bei einem Bänderriss
    • gleichmäßig Erguss bei einem äußerem Anprall
  • Überwärmung
  • Schwellung
    • teigige Schwellung bei einem Ödem
    • verschiebbares Flüssigkeitsdepot bei Einblutung oder Flüssigkeitseinlagerung im Kapselgewebe des Gelenks
    • feste Schwellung bei einem ausgeprägtem Hämatom
  • verminderte Belastbarkeit
  • begleitendes Fieber bei einer infektiöser Ursache
  • Atemnot bei körperlicher Belastung (Belastungsdyspnoe) bei einer Herzinsuffizienz

Die Herzschwäche

Bei einer Herzschwäche sind geschwollene Knöchel ein häufiges Symptom. Ursächlich entstehen sie durch die verminderte Pumpleistung des Herzens, welche einen Aufstau des zirkulierenden Blutvolumens vor dem Herzen bewirkt.

Ist der Aufstau sehr ausgeprägt, wird Flüssigkeit aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe „abgepresst“. Klinisch bemerken Betroffene die Flüssigkeitseinlagerung dann als Schwellung (lat. Ödem). Dass vor allem die Knöchel von einer Schwellung betroffen sind, ist der reinen Schwerkraft zuzuschreiben. Beim Stehen ist sie in den Beinen am höchsten.

Die Symptome einer Herzschwäche? Lesen Sie mehr zu diesem Thema.

Das Eiweißmangel-Ödem

Ein Eiweißmangel-Ödem kann auch die Ursache geschwollener Knöchel sein, wobei es nicht charakteristischerweise dieses Symptom hervorruft. Typisch ist nämlich ein „aufgedunsener“ Bauch, der als Reaktion auf den Eiweißmangel entsteht. Fehlt nämlich das Eiweiß Albumin, kann es nicht seiner Funktion nachkommen die Flüssigkeit in den Gefäßen zu halten. Als Folge tritt Flüssigkeit in umgebende Strukturen aus. Da besonders viele Gefäße im Bauchbereich verlaufen, ist hier der Flüssigkeitsaustritt am höchsten und es bildet sich ein täuschend runder, praller Bauch.

Nichtsdestotrotz kommt es auch zu Ödemen im Knöchelbereich, welche aber im Vergleich wesentlich schwächer ausgeprägt sind.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Das Eiweißmangelödem.

Die Krampfadern

Unter Krampfadern versteht man erweiterte Gefäße, die aufgrund ihrer krankhaft veränderten Klappen nicht mehr suffizient das Blut in Richtung Herz transportieren können. Genau genommen funktioniert der Schließmechanismus in diesen erweiterten Gefäßen nicht mehr, sodass das Blut entlang der Schwerkraft wieder nach unten in Richtung Füße versackt. 

Je größer das Füllungsvolumen der Krampfadern wird, desto undichter wird dabei die Gefäßwand und es wird mehr Flüssigkeit ins umliegende Gewebe gepresst. Betroffene merken dies durch eine Schwellung der Knöchel und mitunter sogar der Unterschenkel.

Mehr Informatiomen finden Sie unter: Die Krampfadern.

Die Medikamente

Medikamente können als Nebenwirkung durchaus geschwollene Knöchel hervorrufen. Besonders bekannt für diese Nebenwirkung sind Blutdruckmittel und Hormonpräparate. Bei den Blutdruckmitteln sind es vor allem Calciumantagonisten wie beispielsweise Amlodipin, die eine Weitstellung der Gefäße bewirken, um den Blutdruck zu senken. Bei den Hormonpräparaten handelt es sich vor allem um Medikamente mit einem Östrogengehalt, die zum Beispiel im Rahmen einer Hormonersatztherapie in den Wechseljahren oder in verschiedenen Anti-Baby-Pillen eingesetzt werden.

Generell gilt jedoch bei Auftreten einer Knöchelschwellung in Zusammenhang mit einer neuen Medikamenteneinnahme den Beipackzettel zu lesen und den behandelnden Arzt darüber zu informieren.

Die Hitze

Bei starker Hitze versucht der Körper die eigene Wärme über eine Weitstellung der Blutgefäße zu regulieren. Das Prinzip hinter dieser Maßnahme ist durch die Vergrößerung der Oberfläche der Gefäße mehr Wärme nach außen abgeben zu können. Dies gelingt auch meist sehr gut, da viele Gefäße oberflächlich verlaufen.

Bei einer übermäßigen Weitstellung der Gefäße ist jedoch die Zirkulation des Blutes beeinträchtigt und als Folge staut sich das Blut in den Gefäßen. Mit zunehmender Füllung wird die Gefäßwand durchlässiger und es tritt Flüssigkeit aus, welche als Schwellung beobachtet werden kann. Gemäß der Schwerkraft tritt diese bevorzugt an den Beinen auf.

Die Thrombose

Unter einer Thrombose versteht man ein Blutgerinnsel, dass ein Gefäß verschließt. Aufgrund des Verschlusses kommt es zum Blutstau in dem betroffenen Gefäß und die Gefäßwand wird durch das Volumen gedehnt. Mit zunehmendem Dehnungsgrad wird die Gefäßwand dabei „löchriger“ und es tritt Flüssigkeit ins umgebende Gewebe aus.

Ist ein Gefäß im Unterschenkel verschlossen, kommt es jedoch neben einer Schwellung im Knöchelbereich auch zu einer Schwellung im Unterschenkelbereich. Begleitend treten typischerweise eine Überwärmung sowie eine Rötung des betroffenen Beines auf.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter: Die Thrombose im Bein.

Die Entzündung

Eine Entzündung im Sprunggelenk kann durchaus eine Schwellung im Knöchelbereich hervorrufen. Dabei ist es egal von welchen Strukturen die Entzündung ausgeht - sowohl eine Reizung der Bänder als auch eine überbeanspruchte Gelenkfläche kann die klassischen Entzündungssymptome „Schwellung, Schmerzen, Rötung und Funktionseinschränkung“ hervorrufen. Eine Entzündungsreaktion des Körper führt nämlich zu einer Durchlässigkeit von Gefäßen und zu einer Sensibiliserung der Nerven. Aus diesem Grund kann Flüssigkeit aus den Gefäßen austreten und sich außerhalb sammeln. Eine Überanspruchung ruft dabei nur eine vorübergehende Schwellung hervor.

Bei einer Fehlstellung der Gelenkpartner besteht sie dauerhaft - folglich entsteht bei jeder Bewegung bzw. Belastung ein neuer Entzündungsreiz. In diesem Fall bedarf es einer orthopädischen Behandlung.

Der Insektenstich

Damit eine Schwellung des Knöchels bei einem Insektenstich auftritt, muss sich dieser in dessen Nähe befinden. Eine Schwellung über dem Knöchel ist nämlich als Reaktion auf das Insektengift bzw. den Insektenspeichel primär ein lokal gebundenes Symptom.

Im Rahmen der körpereigenen Abwehr auf den Insektenstich wird eine Entzündung im direkt umgebenden Gewebe ausgelöst, die sich in einer Schwellung, Rötung und Überwärmung äußert. Je nach Empfindlichkeit des Betroffenen gegenüber dem Insektengift kann sich die Schwellung im Verlauf jedoch weiter ausbreiten und von weiteren Symptomen begleitet sein.

Lesen Sie auch den Artikel: Der Insektenstich.

Die Allergie

Nicht jede Allergie kann die Ursache einer Knöchelschwellung sein. Ein Insektenstich bei einer Insektengiftallergie ist durchaus denkbar als Auslöser einer Schwellung im Knöchelbereich, wenn sich der Stich in der Nähe des Sprunggelenkes befindet. Eine Heuschnupfenallergie bewirkt dagegen beispielsweise keine Schwellung der Knöchel. Klassischerweise schwellen hier die Schleimhäute im Nasen-Rachenbereich an.

Kommt es im Rahmen einer allergischen Reaktion jedoch zum allergischen Schock, entwickelt der Körper eine generalisierte Ödemneigung. Das heißt, dass neben einer Schwellung der Knöchel hier dann eine globale Flüssigkeitseinlagerung stattfindet.

Die Symptome einer Allergie? Erfahren Sie hier mehr zu diesem Thema.

Die Chemotherapie

Bei einer Chemotherapie sind meist nicht die Chemotherapeutika (Zytostatika), sondern die Gabe von Cortison die Ursache einer Schwellung. Das Cortison ist bekannt eine vermehrte Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe zu bewirken. Diese Nebenwirkung nimmt man jedoch in Kauf, da es antientzündlich wirkt und eine Übelkeit vorbeugt, welche oft durch Zytostatika ausgelöst wird.

Weitere Informationen finden Sie unter: Die Nebenwirkungen von Cortison.

Die Verletzung

Im Bereich des Knöchels ist der häufigste Verletzungsmechanismus ein „Umknicken“, wodurch es zur Bänderüberdehnung bis hin zum -riss kommen kann. Im schlimmsten Fall sind sogar die Knochen betroffen.

Eine Schwellung kann sowohl durch eine Einblutung, als auch eine lokale Entzündungsreaktion durch den Unfallmechanismus entstehen. Erfahrungsgemäß ist die Schwellung dabei umso ausgeprägter, desto schwerwiegender die Verletzung ist. Schwillt der Knöchel also innerhalb von Sekunden stark an, ist mindestens mit einem Riss einer Gelenkstruktur zu rechnen, der einer ärztlichen Behandlung bedarf.

Die geplatzte Bakerzyste

Eine Bakerzyste ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Gelenkskapsel des Knies, wobei sie sich typischerweise in der Kniekehle befindet. Eröffnet sich die Zyste, tritt die Flüssigkeit aus und breitet sich gemäß der Schwerkraft in Richtung Knöchel aus. Eine Schwellung des Knöchels selbst ist dabei jedoch nicht charakteristisch. Es ist eher zu erwarten, dass sich die Flüssigkeit in den Logen zwischen der Unterschenkelmuskulatur verbreitet und dort zu muskelkaterähnlichen Schmerzen führt. Zudem ist die Flüssigkeitsmenge meist nur gering, sodass eine Eröffnung der Zyste lediglich wenige Milliliter freisetzt.

Eine Schwellung ist meist nur lokal im Bereich des Kniegelenkes zu erwarten.

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Der Gichtanfall

Theoretisch kann ein Gichtanfall eine Schwellung am Knöchel hervorrufen. Das Sprunggelenk ist jedoch nicht das klassische Gelenk, das im Rahmen eines Gichtanfalles schmerzt. Viel häufiger ist das Großzehengrundgelenk betroffen.

Lagert sich die überschüssige Harnsäure jedoch im Sprunggelenk an, führt sie auch hier zu einer immensen Entzündung, die sich auch mit einer schmerzhaften Schwellung äußern kann.

Das Lymphödem

Bei einem Lymphödem kann im Gewebe eingelagerte Flüssigkeit nicht über die sogenannten Lymphgefäße abtransportiert werden. Als Folge lagert sich immer mehr Flüssigkeit an und es kommt zu einer Umfangsvermehrung der betroffenen Extremität. Eine Schwellung der Knöchel kann somit durchaus durch ein Lymphödem bedingt sein. Hier gilt es im Einzelfall zu klären, ob es sich um eine angeborene oder erworbene Störung handelt und ob sie reversibel oder irreversibel ist.

Therapie der Wahl sind Lymphdrainagen und eine Kompressionsbehandlung in Form von Strümpfen oder Strumpfhosen.

Informieren Sie sich hier zum Thema: Das Lymphödem.

Der Muskelfaserriss der Wade

Ein Muskelfaserriss der Wade kann je nach Ausmaß der Muskelverletzung zu einer Schwellung des Knöchels führen. Bei kleinen Rissen kommt es eher zu einer lokalen Einblutung in den Muskel, was meist nur zu einer Schwellung der Wade führt. Ist der Muskelfaserriss jedoch so groß, dass die Entzündungsreaktion stark ausgeprägt ist, kann begleitend auch eine Schwellung des Knöchels auftreten.

Der Grund hierfür ist, dass die vermehrte Durchblutung im Bereich des Risses auch mehr Flüssigkeit ins Gewebe freisetzt. Wandert viel Flüssigkeit entlang der Muskellogen hinab, sammelt sie sich schließlich im Bereich des Knöchels und führt dort zu einer Umfangsvermehrung.

Der Knochenbruch

Bei einem Knochenbruch im Bereich des Sprunggelenkes kommt es nahezu immer zu einer Schwellung des Knöchels. Wenn Knochenstrukturen brechen, werden nämlich in der Regel auch Gefäße verletzt. Als Folge kommt es zu einer Einblutung ins Gewebe. Dies reicht schon aus, um eine Schwellung des Knöchels hervorzurufen.

Aggravierend kommt noch hinzu, dass die Verletzung eine Entzündungsreaktion induziert, die im Verlauf mit einer vermehrten Durchblutung einhergeht und die Schwellung zusätzlich verstärkt.

Weiterführende Informationen

Nähere Informationen zu diesem thema finden Sie unter:

Eine Übersicht aller Themen der Inneren Medizin finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 03.03.2020 - Letzte Änderung: 22.10.2021
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