Viszerale Osteopathie

Synonyme

griechisch: osteon= Knochen und pathos= Leiden, Krankheit
Synonyme: Manuelle Medizin/Therapie, Manualtherapie, Chirotherapie, Chiropraktik

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Einleitung

Körperliche Beschwerden ohne ersichtlichen Organbefund stellen einen Großteil des Patientienaufkommens in der ärztlichen Praxis dar. Unter diese Kategorie der sogenannten funktionellen Erkrankungen zählen ca. 30-50% aller körperlichen Beschwerden. Viele Patienten, die sich in Physiotherapiezentren behandeln lassen, haben Beschwerden, die sich am Bewegungsapparat äußern. Das viele dieser Beschwerden noch mehrere Faktoren aufweisen, die nicht auf die Funktionsstörung innerer Organe zurück geführt werden können, ist den meisten unbekannt.

Definition

Die viszerale Osteopathie beschäftigt sich mit den Organen im Brust-, Bauch- und Beckenraum und den Zusammenhängen zwischen diesen Bereichen und den Auswirkungen auf den Bewegungsapparat, das Nervensystem und die Extremitäten. Die viszerale Osteopathie als Sonderbereich der Osteopathischen Medizin fokussiert sich auf die manuelle Diagnostik und manuelle Therapie funktioneller Erkrankungen innerer Organe.


Historie

Die Viszerale Osteopathie geht auf H.V.Hoover oder M.D. Young in den 1940’er Jahren zurück. Ein weiterer internationaler Vertreter ist J.P.Barral, der v.a. in Frankreich praktiziert. In Deutschland ist dieser Teil der Osteopathie noch relativ unbekannt. Dabei nimmt die Bedeutung einer nicht-medikamentösen Therapie zur Behandlung von funktionellen Erkrankungen innerer Organe stetig zu, da Medikamente oft nicht den gewünschten Effekt erbringen und zu allem Übel zahlreiche Nebenwirkungen haben, gegen die dann wiederum Medikamente genommen werden müssen. Nur ca. 40-60% der Patienten profitieren von einer medikamentösen Behandlung, d.h. gut die Hälfte sind noch immer auf der Suche nach alternativen, besseren und Nebenwirkungsarmeren Behandlungstechniken. Die manuelle Therapie und Osteopathie sieht sich hier als erfolgversprechende Lösung, denn die Wechselwirkung zwischen funktioneller Erkrankung innerer Organe und dem Bewegungsapparat ist viel häufiger als gedacht.

Ursachen und Symptome

Ursachen für das Auftreten von funktionellen Erkrankungen der Organe ist laut der Auffassung der viszeralen Osteopathie eine Störung der Organbewegung. Jedes Organ weist eine innerliche und eine von anderen Organen unabhängige räumliche Beweglichkeit auf. Die Beweglichkeit der Organe zueinander und zu einhüllenden oder stützenden Strukturen (Muskeln und Bindegewebe) wird Mobilität genannt.
Daneben gibt es noch das Prinzip der Motilität eines Organes. Dies sind feine tastbare Eigenbewegungen, die das jeweilige Organ als Ausdruck seiner Vitalität fortwährend ausführt. Für dieses Prinzip ist ein Wissen um die embryonale Entwicklung der Organe von großer Bedeutung, da sich genau in diesen embryonalen Entwicklungsbewegungen (Aufsteigen-Ascendus und Absenken-Descensus) spätere Probleme entwickeln können. Senkungen von Niere, Gebärmutter und Blase mit den bekannten Folgen wie relative Inkontinenz, Zyklus- und Menstruationsstörungen sind typische Behandlungsindikationen.
Für jedes Organ ist es also essentiell eine gesunde Motilität (Rhythmik) und Mobilität (Bewegung im weiteren Sinne) zu haben. Nur so hat es die Möglichkeit seine normale Funktion auszuführen.
Jedes Organ reagiert nun eigens auf bestimmte Situationen um gesund zu bleiben. Die Magenschleimhaut wird zum Beispiel verstärkt durchblutet, wenn gerade eine Mahlzeit eingenommen wurde. Dasselbe passiert nun aber auch unter emotionalen Situationen wie z.B. Stress. Hält diese Stresssituation stetig an kommt es zur Ermüdung des Organs. Die Reflexmechanismen über die Blut- und Nervensysteme erschöpfen sich, es kommt zum Verlust der adäquaten Versorgung des Organs und die räumliche Stabilität lässt nach. Da der Körper stets versucht die Harmonie zu bewahren, kommt es primär zur Spannungsänderung im Organ selbst. Später stützen die Nachbarorgane das beanspruchte und schwache Organ und kompensieren die Disharmonie. Im Laufe der Zeit verbraucht aber auch dieser Prozess viel zu viel Energie. Diese Ermüdung können dann nur noch die Muskeln und die Körperhaltung ausgleichen. Chronische lokale Symptome, wie Nackenschmerzen sind z.B. Folge dieser Überlastung bestimmter Muskelbereiche. Auch Wirbelgelenke und Bandscheiben können in diesen Prozess integriert sein. Haltungsmuster, Narben, Entzündungen und traumatische Ereignisse wie Unfälle, Operationen und starke emotionale Schocks können aber ebenso gut Ursachen und Auslöser von funktionellen Störungen der Organe sein.

Therapie

Ziel einer osteopathischen Behandlung (viszerale Osteopathie) ist es den natürlichen Reflexmechanismus wiederherzustellen. Die Behandlung soll nicht nur die Symptome lindern, sondern vor allem die Ursachen beheben, Auslöser der Beschwerden beseitigen, Schonhaltungen lösen und somit dem Organismus wieder mehr Energie zur Verfügung zu stellen, so dass alte Muster verschwinden und nach und nach weitere Veränderungen von selbst eintreten können.
Der Behandelnde tastet (palpiert) die feinen Eigenbewegungen der Organe ab und macht sich so ein Bild über den Gesundheitszustand des jeweiligen Organs. Er kann nun das Organ mobilisieren und „Fehlstellungen“ direkt durch sanfte Bewegungen beheben, oder provokativ die Problematik verstärken um damit Gefäße und Nerven zu stimulieren (indirekte Technik). So wird die Eigendynamik des Organs wiederhergestellt und eine Balance zwischen inneren Organen und muskuloskelettalen System erreicht. Ligamentöse Anheftungen der Organe können mobilisiert werden, Bindegewebsverklebungen gelöst, gestaute Gewebe drainiert und damit die Funktion der Organe unterstützt werden. Die körpereigenen Selbstheilungskräfte werden aktiviert und krankhafte Mechanismen aufgelöst. Zudem entspannt sich besonders das autonome Nervensystem bei einer Lockerung tiefer, chronischer Spannungen im Gewebe. Die beiden Anteile des autonomen Nervensystems (Sympathikus/Parasympathikus) harmonisieren sich. Vor allem bei stressbezogenen Symptomen wie hohem Muskeltonus, Schlaflosigkeit, Zähneknirschen und Tinnitus etc. spielt dieser Bereich des Nervensystems eine Schlüsselrolle.

Weiterführende Informationen

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Qualitätssicherung durch: Gerret Hochholz      |     Letzte Änderung: 23.04.2018
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