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Volvulus

Definition

Unter einem Volvulus versteht man in der Medizin eine Drehung eines Abschnitts des Verdauungstraktes um die eigene Achse. Durch die Drehung werden die zuführenden Blutgefäße des betroffenen Abschnitts eingeklemmt und somit die Sauerstoffzufuhr vermindert oder ganz unterbrochen. Die Folgen können vom Darmverschluss bis hin zum Absterben des Betroffenen Areals (Darmgangrän) reichen.

Häufigkeit

Der Blinddarm, das Caecum, und der hinterste Teil des Dickdarms, das Sigmoideum, sind am häufigsten von Darmverdrehungen betroffen. Im Dünndarm ist der Volvulus meist durch eine Störung der Dünn- und Dickdarmdrehung in der Embryonalentwicklung bedingt, die sogenannte Malrotation. Ihre Häufigkeit liegt bei 1:500 Lebendgeburten und tritt bei Jungen doppelt so häufig auf.

Verbindung zum Ileus

Ein Ileus wird umgangssprachlich als Darmverschluss bezeichnet. Der Darmverschluss stört die natürliche Darmpassage. Er wird entweder durch ein mechanisches Hindernis (mechanischer Ileus) oder durch eine Darmlähmung (paralytischer Ileus) provoziert. Der Ileus der durch einen Volvulus ausgelöst wird ist ein typischer mechanischer Darmverschluss. Es kommt zu starken, meist plötzlich auftretenden Bauchschmerzen. Je nach Höhe des Darmverschlusses fällt der Ileus als erstes durch Erbrechen oder fehlendes Absetzen von Stuhl auf. Beim Abhören des Bauches präsentiert sich der Ileus durch einen Volvulus mit typischen sogenannten hochgestellten Darmgeräuschen. In der Röntgen-Abdomen-Übersicht imponiert eine typische Spiegelbildung. Die Darmschlingen sind zudem überbläht. In der Sonographie tritt beim mechanischen Ileus durch einen Volvulus eine typische Pendelperistaltik auf. Der Darm arbeitet gegen die Verdrehung an, die die natürliche Peristaltik stört. Die Bewegung des Darms wird dann in die entgegengesetzte Richtung zurückgegeben. Bei einem mechanischen Ileus ist eine Operation meist unabdingbar, um ein Absterben der Darmschlingen zu verhindern.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Darmverschluss beim Baby erkennen

Ursachen

Die häufigste und bekannteste Ursache für den Volvulus ist die Malrotation, also eine fehlerhafte Darmdrehung in der Embryonalentwicklung.
Auch Entzündungen des Darms können zum Volvulus führen, diese können bakteriell, chemisch, allergisch oder durch Strahlung bedingt sein. Ein weiterer möglicher Auslöser ist Darmkrebs oder Verwachsungen im Darm. Nach einer perforierten Blinddarmentzündung kann es zu sogenannten Briden (hierbei handelt es sich um Bindegewebsverwachsungen, die im Zuge einer Operation entstanden sind) kommen, welche ebenfalls das Auftreten eines Volvulus begünstigen können.

Menschen die an der Erbkrankheit Mukoviszidose erkrankt sind haben ebenfalls ein höheres Risiko einen Volvulus zu bekommen, da der zähe Darminhalt nur ungenügend weiterbefördert werden kann.

Symptome

Symptome eines akuten Volvulus sind krampfartige Bauchschmerzen, ein geblähter Bauch, Erbrechen (grünlich), Durchfälle (zum Teil blutig), Bauchfellentzündung und Schock.

Ein chronisch rezidivierender Volvulus äußert sich durch eine verminderte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen (Malabsorption), unspezifische Bauchschmerze und eine Verstopfung beim Kind.

Lesen Sie mehr zum Thema unter: Darmverschluss beim Baby erkennen

Diagnose

Zur Diagnosefindung dienen vor allem bildgebende Verfahren wie einer Röntgenaufnahme des Bauches (ggf. mit Kontrastmittel) oder ein Ultraschall. Hierbei zeigt sich eine massive Überblähung der vorhergehenden Darmabschnitte.

Beim Volvulus des Sigmoideums findet sich das sogenannte Kaffeebohnenzeichen, bei dem aufgeblähte aufsteigende Darmschlingen eng bei einer absteigenden Darmschlinge liegen und beide zusammen wie eine Kaffeebohne aussehen.

Ist der Darm bereits geplatzt (perforiert) findet sich viel freie Luft um Röntgenbild/ Ultraschall.

Beim Volvulus bei Neugeborenen oder auch chronischen Verläufen ist die Diagnosestellung deutlich schwieriger, da in diesen Fällen das Röntgenbild meist unauffällig ist.

CT Aufnahme des Bauches

In einer Röntgen-Abdomen-Übersicht zeigen sich meist spezifische Hinweise je nach Lokalisation des Volvulus. In einer CT-Abdomen-Übersicht vom Bauch zeigt sich hingegen das unspezifische „Whirlpool“-Zeichen, kurz „whirl-sign“. Dieses Zeichen tritt dann auf, wenn sich eine Struktur wie eben beim Darmvolvulus verdreht. Der Darm dreht sich dabei um seine gewebliche Aufhängung mitsamt der darinliegenden Gefäße. Dadurch entsteht der „Wirbel“ auf dem CT-Bild. Der Wirbel ist ebenfalls im Falle einer Eierstock-Verdrehung zu sehen.

Sonographie beim Volvulus

Bei einem Volvulus erscheint der Magen und die Darmabschnitte vor der Verdrehung aufgebläht und geweitet. Die Beweglichkeit der Darmschlingen ist eingeschränkt. Das „Whirlpool“-Zeichen ist bei einem Darmvolvulus auch in der Abdomen-Sonographie zu sehen. Die obere versorgende Vene wickelt sich meist um die obere Arterie. Die heikle Durchblutungssituation kann unter Zuhilfenahme einer Doppleruntersuchung, bei der die Flussrichtung des Blutes nachvollziehbar wird, in der Sonographie leicht dargestellt werden.

Therapie

Akuter Volvulus: Der akute Volvulus ist ein Notfall, Ziel der Therapie ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der richtigen Lageverhältnisse der Darmabschnitte. Bei Verdacht auf einen Volvulus wird umgehend eine Operation vorbereitet und durchgeführt, da die Zeit der Minderversorgung des Darms entscheidend auf dessen Prognose ist und nur unter schnellem Handeln ein mögliches Absterben verhindert werden kann.
In der Operation wird der Darm zuerst wieder zurück gedreht und die ausreichende Blutversorgung getestet und sichergestellt. Sind die Darmabschnitte intakt werden sie gegebenenfalls noch fixiert, um einen weiteren Vorfall vorzubeugen. Darmabschnitte, die allerdings schon zu stark geschädigt wurden, durch die Mangelversorgung oder da sie eventuell zerplatzt (perforiert) sind, müssen entfernt werden. Hierfür wird der betreffende Abschnitt heraus geschnitten und die beiden offenen Darmenden miteinander verbunden.

Ausnahme ist die Therapie des Volvulus des Sigmoideums, hier kann zuerst der Versuch gemacht werden über eine in den After eingeführter Sonde mithilfe von Einläufen den Darm wieder in die richtige Position zu drehen. Schlägt dies fehl, wird auch hier eine Operation wie oben beschrieben durchgeführt.

Chronischer Volvulus: Auch hier ist die Therapie der Wahl die Operation, ähnlich wie beim akuten Volvulus wird versucht den Darm wieder in seine richtige Position zu drehen und ihn dort zu fixieren.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Länge des betroffenen Darmabschnitts und der Zeit der Mangelversorgung.

Müssen große Teile des Dünndarms entfernt werden besteht die Gefahr der Entstehung es Kurzdarmsyndroms. Hierbei handelt es sich um Verdauungs- und Nahrungsaufnahmestörungen in Folge der verkürzten Darmpassage, welche unter Umständen lebenslang zu Komplikationen führen kann.

Prävention

Eine klare Maßnahme zur Vorbeugung vor Darmverdrehungen gibt es nicht, allerdings kann man auf seine Darmgesundheit achten und somit das Risiko verringern. Dazu gehört vor allem eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse, sowie Ballaststoffen. Außerdem sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Am geeignetsten sind Getränke mit wenig bis keinem Zucker, wie Wasser oder Tee. Auch regelmäßige Bewegung und Sport halten den Darm fit, da diese die Verdauung anregen.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Volvulus und ähnlichen Themen erhalten Sie auf folgenden Seiten:

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 29.01.2019
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