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Dauer eines Wirbelbruchs

Einleitung

Wirbel können an den verschiedensten Stellen brechen. Wirbelbruch ist also salopp gesagt nicht gleich Wirbelbruch. Ein Wirbel besteht aus dem Wirbelkörper – das ist der dicke, rundliche, und flächenmäßig größte Teil des Wirbels. Ferner schließt nach hinten hin der Wirbelbogen an, der das Rückenmark umgibt und schützt. An ihn schließen nach schräg hinten die beiden Querfortsätze an, und gerade nach hinten der Dornfortsatz.

Je nach Bruchstelle entstehen unterschiedliche Beschwerden, sind unterschiedliche Behandlungsmethoden indiziert, und resultiert eine unterschiedliche Dauer der Heilung.

Abbildung Wirbelkörper

1. Querfortsatz

2. Nerv

3. Wirbelkörper

4. Dornfortsatz

5. Rückenmark

Wirbelbruch am Wirbelkörper

Der Wirbelkörper nimmt eine Stützfunktion ein. Er sorgt für eine aufrechte Haltung und ist gewissermaßen ein Stützstein der Wirbelsäule. Ein Bruch muss meist operativ behandelt werden, was neben dem operativen Eingriff auch eine gewisse Heilungsdauer mir einschließt.

Je weiter unten der Wirbelkörper in der Wirbelsäule liegt, desto mehr Gewicht muss er tragen – deswegen sind Wirbel im Lendenbereich auch wesentlich stabiler, als die filigranen Halswirbel. Wie für alle anderen Knochen auch gilt: Nach 6-8 Wochen ist ein Bruch meist ausgeheilt. Osteoporose, Calciummangel und Alter beeinflussen diesen Wert negativ, hier kann es auch länger Dauern. Bei einem Wirbelbruch am Wirbelkörper gibt es mehrere Behandlungsverfahren. Neben der konservativen Therapie mit Schmerzmitteln, kann der Wirbelkörper beispielsweise „aufgespritzt“ werden (mit einer Art Flüssigbeton). Da dieser schnell aushärtet, und der Knochen nicht erst wieder zusammenwachsen muss, können sich operierte Patienten meist wenige Tage nach der Operation schmerzfrei bewegen und umherlaufen. Oft müssen die Patienten in ihrem Aktionismus regelrecht gebremst werden, um einem erneuten Bruch vorzubeugen.
Anders verhält es sich bei der Spondylodese, der sogenannten Wirbelkörperverblockung.
Hier werden zwei oder mehr Wirbelkörper mittels Schrauben und Stangen aneinander verschraubt, und versteift. Die Belastung wird so vom Wirbelbruch genommen, und auf die Metallstangen übertragen. Die Dauer bis zur vollständigen Mobilität nach solch einem Eingriff ist lang und entbehrungsreich: 6-8 Wochen darf nur in bestimmten Positionen gesessen oder gelegen werden. Zusätzlich muss ein Korsett getragen werden. Ob ein operativer Eingriff notwendig ist, und welche Art von Operation durchgeführt wird, hängt einerseits von der Art des Wirbelbruchs, andererseits aber auch von den sonstigen Umständen ab. Bei einem jungen Sportler ist man eher geneigt, eine Operation durchzuführen, als bei einem alten bettlägrigen Patienten, den man so ohne großen Nutzen für die Dauer von weiteren 2 Monaten in ein Korsett zwängen würde.


Abbildung eines Wirbelbruchs

Wirbelbruch (Wirbelfraktur)

  1. Querfortsatz -
    Processus transversus
  2. Dornfortsatz -
    Processus spinosus
  3. Oberer Gelenkfortsatz -
    Processus articularis superior
  4. Unterer Gelenkfortsatz -
    Processus articularis inferior
  5. Rückenmarknerv -
    Nervus spinalis
  6. Rückenmark -
    Medula spinalis
  7. Gallertkern - Nucleus pulposus
  8. Wirbelbogen - Arcus vertebrae
  9. Faserring - Anulus fibrosus
  10. Wirbelkörper - Corpus vertebrae
  11. Erster Brustwirbel -
    Vertebra thoracica I
  12. Zwölfter Brustwirbel -
    Vertebra thoracica XII
  13. Erster Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis I
  14. Fünfter Lendenwirbel -
    Vertebra lumbalis V
    a - Halswirbelsäule (HWS)
    b - Brustwirbelsäule (BWS)
    c - Lendenwirbelsäule (LWS)
    A - Wirbelbruch (Dornfortsatz,
    Wirbelkörper) von oben
    B - Wirbelbruch (Dornfortsatz,
    Wirbelkörper) von rechts
    C - Häufigster Bereich des
    Wirbelbruchs

Eine Übersicht aller Abbildungen von Dr-Gumpert finden Sie unter: medizinische Abbildungen

Wirbelbruch am Wirbelbogen

Der Wirbelbogen umgibt das Rückenmark – und befindet sich damit an einer kritischen Stelle: Bricht er, kann er das Rückenmark penetrieren, und eine Querschnittlähmung verursachen. Insofern stellt man hier die Indikation zur Operation recht großzügig.
Meist wird der Wirbelbogen operativ verschraubt, oder verplattet. Die Schrauben oder Platte verbleibt meist am Wirbelkörper, und wird nicht wieder entnommen. Wie bei anderen Knochenbrüchen auch, beträgt die Schondauer 6-8 Wochen.

Wirbelbruch am Dornfortsatz

Am Dornfortsatz setzen Bänder und ein Teil der Rückenmuskulatur an. Ein gebrochener Dornfortsatz alleine muss nicht unbedingt klinische Symptome hervorrufen. Erst ab einer größeren Anzahl gebrochener Wirbel muss auch zwingend operiert werden, da die Stabilität der Rückenmuskulatur beeinträchtigt wird. Schließlich kann sich der Muskel nirgendwo mehr „festhalten“, wenn alles gebrochen ist ! Der Bruch eines einzelnen Dornfortsatzes kann jedoch noch konservativ behandelt werden. Neben Entlastung und Physiotherapie ist vor allem die Schonung bis zur abgeschlossenen Knochenheilung nach 6-8 Wochen wichtig. Eine volle Belastungsfähigkeit ist allerdings erst wieder nach 3-4 Monaten zu erwarten.

Wirbelbruch an den Querfortsätzen

Wie der Dornfortsatz auch, sind die Querfortsätze Ansatzpunkte für Bänder und Muskeln. Ein Bruch am Querfortsatz ist äußerst selten, und meist Folge einer extremen, stumpfen Gewalteinwirkung.Der brasilianische Fußballspieler Neymar zog sich während der WM 2014 im Spiel gegen Kolumbien einen solchen Bruch zu. Er fiel für den Rest der Weltmeisterschaft aus und musste eine viermonatige Spielpause einlegen. Hieran sieht man, dass auch mit einem zweifellos erfahrenen und renommierten Ärzte- und Physiotherapeutenteam eine lange Heilungsdauer nicht vermieden werden kann.

Begünstigende Faktoren

Faktoren, die die Heilungsdauer nach einem Wirbelbruch beschleunigen sind neben Schonung und Bettruhe auch Physiotherapie und Reha. Ein Korsett verhindert zudem schädliche Bewegungen. In der Physiotherapie wird der Muskelapparat aufgebaut, und die Belastung vom gebrochenem Wirbel genommen. Deswegen ist eine Stärkung der Rückenmuskulatur auch ein wichtiger Teil der Therapie nach der Knochenheilung. Die Knochenheilung muss allerdings abgeschlossen sein, sonst könnte der Bruch wieder einreißen, und die Dauer der Heilung nochmals verlängern. Die Physiotherapie schließt sich für eine Dauer von 3-4 Monaten an und soll möglichst Beschwerden nehmen, und das Bewegungsausmaß wiederherstellen.

Blau: gesunder Wirbelkörper
Rot: gebrochener Wirbelkörper

Faktoren, die die Heilung ungünstig beeinflussen

Die Dauer der Heilung kann durch eine Vielzahl von Faktoren verlängert werden. Neben den üblichen operativen Komplikationen, kann der Bruch durch mangelnde Schonung wieder einreißen (sogenanntes Rezidiv). Entzündungen und Abszesse können die Heilungsrate beeinträchtigen. Generell werden Knochen mit dem Alter poröser und heilen langsamer. Die Neubildung von Knochenzellen im Knochen funktioniert bei einem betagten Patienten nicht mehr so gut wie bei einem jungen. Osteoporose-Patienten sind in besonderem Maße gefährdet: Durch die veränderte Knochenstruktur kommt es zu einer stark gesteigerten Frakturgefahr. Schrauben oder Platten halten nicht mehr so gut im Knochen, der Heilungsprozess insgesamt ist verlangsamt. Auch Calciummangel, oder die Einnahme von Östrogenen (Anti-Baby-Pille) verursachen eine verminderte Knochendichte. All diese Faktoren führen dazu, dass die Dauer der Heilung nach einem Wirbelbruch – unabhängig von der Lokalisation- verlängert wird.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Heilung eines Wirbelbruchs

Dauer der OP bei Wirbelbruch

Die Dauer einer Operation bei einem Wirbelbruch variiert von Eingriff zu Eingriff. Sie ist abhängig von der Art des Eingriffs und dem Ausmaß der Schädigung. Eine Vertebroplastie oder Kyphoplastie, bei denen es sich um minimal-invasive Eingriffe handelt, dauern zwischen 30 bis 60 Minuten. Diese Verfahren werden bei stabilen Frakturen eingesetzt, die trotz konservativer Therapie Schmerzen zeigen.

Die Wirbel werden bei der sog. Kyphoplastie mithilfe eines Ballons aufgerichtet und mit Knochenzement zur Stabilisierung aufgefüllt, eine sog. Vertebroplastie ist das alleinige Auffüllen mit Knochenzement ohne ein vorheriges Aufrichten. Andere Operationen, die zur Behandlung von Wirbelbrüchen eingesetzt werden, wie bspw. die sog. Spondylodese (Wirbelverblockung/ Wirbelversteifung) oder andere osteosynthetische, das heißt operative Knochenstabilisierende Verfahren, können bis zu mehrere Stunden andauern, je nachdem wie kompliziert sich der Bruch darstellt.

Lesen Sie mehr zu dem Thema: Therapie bei Wirbelbruch

Dauer der Schmerzen nach einem Wirbelbruch

Ein Wirbelbruch kann eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit sein. Es kann zu einem Druckschmerz über dem betroffenen Wirbel kommen, aber auch ein Klopf- und Stauchungsschmerz ist provozierbar. Ob und wie stark Schmerzen ausgeprägt sind, hängt auch von der Art des Bruches und der Ursache ab.

Besonders häufig sind Wirbelbrüche bei Autounfällen oder Stürzen. Da dann meist auch umliegendes Gewebe wie die Muskulatur und die Weichteile mitgeschädigt sind, sind Schmerzen keine Seltenheit. Wirbelbrüche können jedoch auch im Rahmen einer sog. pathologischen Fraktur entstehen. Ursachen dafür sind beispielsweise Knochentumore oder Osteoporose. Hier kann sich der Bruch auch relativ symptomarm, bzw. schmerzfrei, darstellen. Die Dauer der Schmerzen lässt sich so also nur schwer abschätzen. Relevant sind die Art des Bruches, weitere Begleitverletzungen sowie die Art der Therapie.

Insbesondere stabile Brüche präsentieren sich oft sehr symptomarm und können konservativ, d.h. ohne Operation, behandelt werden. Es gibt jedoch auch stabile Brüche, bspw. bei einer Osteoporose, also bei einer Verminderung der Knochendichte, die sich mit hartnäckigen Schmerzen präsentieren, sodass dann ebenfalls eine Operation erforderlich sein kann.

Bei instabilen Brüchen ist eine Operation notwendig, sodass Schmerzen mehrere Wochen anhalten können. Dabei handelt es sich dann um Schmerzen, die durch den Bruch entstehen, sowie Schmerzen, die durch die Operation zustande kommen. Durch eine angemessene Schmerztherapie wird jedoch versucht, die Schmerzen möglichst gering zu halten.

Es ist also aus der Distanz nur schwer einzuschätzen, wie lange die Schmerzen bei einem Wirbelbruch dauern. Es gibt Brüche, die fast gar nicht schmerzen, und andere bei denen mit Schmerzen bis zu einige Wochen lang gerechnet werden kann. Eine genaue Einschätzung ergibt sich aus der exakten Diagnose und kann von dem behandelnden Orthopäden getroffen werden.

Gesamtdauer der Behandlung bei Wirbelbruch

Die Behandlung eines Wirbelbruchs kann zwischen 6 und 8 Wochen andauern. Eine konservative Therapie umfasst dabei stabilisierende Maßnahmen wie Physiotherapie oder die Anlage eines Korsetts. Natürlich ist auch eine gute Schmerztherapie wichtig. Bei einer chirurgischen Versorgung kann die Nachsorge bis zu mehreren Wochen oder sogar Monaten dauern, da die Patienten sich nach der Operation erst einmal schonen müssen, bis der versorgte Bruch richtig stabil ist.

Die Dauer der Therapie ist individuell verschieden und kann vom behandelnden Orthopäden abgeschätzt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 11.10.2018
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