Inhalt:
Akute myeloische Leukämie (AML)
Synonyme im weiteren Sinne
Leukämie, weisser Blutkrebs, Auerstäbchen, Bluterkrankung
Definition
Diese Leukämieart gehört zu den akuten Leukämien mit raschem Krankheitsverlauf. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass die entarteten Zellen aus einem sehr frühen Entwicklungsstadium stammen, also unreif sind. Diese Zellen entstehen aus einer Zellreihe, die aus dem Knochenmark stammt (myeloisch). Die Zellen der frühen Entwicklungsstufe werden Blasten genannt. Diese Blasten vermehren sich im Knochenmark und im Blut.
Häufigkeit
Auf 100000 Einwohner kommen drei bis vier Neuerkrankungen pro Jahr. Es sind vor allem erwachsene Patienten, die von der Erkrankung betroffen sind, hier beträgt die Ziffer der Neuerkrankungen 15 auf 100000 Einwohner. Im Kindesalter beträgt sie 20 % der akuten Leukämien.
Ursachen
Siehe allgemeines Kapitel über Leukämie.
Krankheitsentstehung
Es wurden vor allem Unregelmäßigkeiten (Aberrationen) im menschlichen Erbgut (Chromosomensatz) als Auslöser der AML erfasst und der Befund der Zellgenetik stellt darüber hinaus den wichtigsten Faktor für die Prognose des Patienten. Es gibt Aberrationen mit guter und Aberrationen mit schlechter Prognose. Das unkontrollierte, ungebremste Wachstum der entarteten Vorläuferzellen ist so ausgeprägt, dass andere Zellen bzw. Vorläuferzellen im Knochenmark keinen Platz mehr haben, um sich zu entwickeln. Diese „normalen“ Zellen werden also verdrängt. Das erklärt die häufig auftretende Armut an roten Blutkörperchen (Anämie) bei AML- Patienten. Wenn im Knochenmark mehr als 30 % von den Blasten vorhanden sind, dann ist die Definition einer akuten Leukämie gegeben.
Symptome
Es treten vermehrtes nächtliches Schwitzen, Fieber, Gewichtsverlust, Appettitlosigkeit, Leistungsknick und Knochenschmerzen auf. Ausserdem kommt es zur Blutarmut (Anämie); deren Symptome sind dann Hautblässe, Leistungsknick, Herzrasen (Tachykardie) und selten sogar Brustenge (Angina pectoris). Es kommt durch das verdrängende Wachstum der entarteten Zellen zu einem Mangel an „normalen“ Abwehrzellen. Die Folge sind vermehrte Infektionen, wie z.B. der Lunge (z.B. Lungenentzündung) oder der Nierenbecken (Nierenbeckenentzündung). Die Patienten bekommen häufiger Fieber. Durch die Armut an Blutplättchen (Thrombozytopenie) kommt es zu vermehrten Blutungen, auch nach sog. Bagatelltraumen, wie z.B. bei so alltäglichen Tätigkeiten wie Zähneputzen. Die Folge sind dann Symptome wie Zahnfleischbluten, Nasenbluten und Blutspucken. Es werden selten Symptome wie Zahnfleischvergrößerung (Gingivahyperplasie) oder Doppelbildersehen beobachtet. Der behandelnde Arzt sollte ebenso eine Vergrößerung der Milz und der Leber (Hepatosplenomegalie) ausschließen.
Diagnose
Zu den ersten Maßnahmen gehört die einfache Blutentnahme. Damit werden die Zellzahlen der Blutplättchen (Thrombozyten), der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und der weissen Blutkörperchen (Leukozyten) bestimmt. Da die Gruppe der Leukozyten mehrere unterschiedliche Zelltypen (Lymphzellen, Granulozyten) enthält, wird ein sog. Differentialblutbild erstellt, welches eine genaue Analyse dieser Zellen gibt. Dadurch wird dann eine absolute oder relative Ab- oder Zunahme dieser Zellen erkannt. Die oben genannten Untersuchungen ergeben im Falle der AML z.B. eine niedrige Anzahl von roten Blutkörperchen (Anämie) und eine hohe Anzahle von weissen Blutkörperchen (Leukozytose).
Mikroskopische Untersuchung
Mit Hilfe des Mikroskopes kann eine Blut- oder Knochenmarkprobe analysiert werden. Wenn sog. Auerstäbchen in den untersuchten Zellen zu finden sind, dann ist die AML bewiesen. Diese Auerbachstäbe ähneln kleinsten Stäben in den Zellleibern.
Knochenmarkspunktion
Zur Analyse wird, bevorzugt aus dem Becken, eine Probe entnommen. Diese Probe wird dann gefärbt (zytochemische Färbung) und weiter analysiert. Ausserdem werden die entnommenen Zellen bezüglich ihrer Genetik untersucht, um Unregelmäßigkeiten (Aberrationen) in der Zellgenetik zu finden (Zyto- und Molekulargenetik). Die Befunde der Zytogenetik spielen eine grosse Rolle für die Prognose. Eine Verbindung (Translokation) zwischen den Genträgern (Chromosomen) 8 und 21 ist eher positiv für die Prognose zu bewerten, während der Verlust von Chromosom 5 z.B. eine sehr schlechte Prognose besitzt.
Therapie
Chemotherapie:
Ziel dieser Therapie ist mit wachstumshemmenden Substanzen, die Leukämiezellen zu zerstören. Das auftretende Problem dabei ist, dass die Substanzen nicht nur auf Leukämiezellen wirken, sondern ebenso auf alle schnell wachsenden Zellen im Körper, z.B. andere blutbildende Zellen, Haarzellen (deswegen entsteht die Nebenwirkung des Haarausfall bei Chemotherapie) und, besonders problematisch, die Keimzellen (z.B. Spermienzellen).
Stammzelltransplantation:
Es gibt zwei Wege der Stammzellspende: Einerseits können Familienmitgliedern oder Fremdspendern (allogen), sollte es von den Gewebemerkmalen her passen, Stammzellen entnommen werden, die dem Patienten verabreicht werden. Aus diesen Stammzellen bilden sich dann „normale“ gesunde Blutzellen. Vorher muss jedoch eine Hochdosischemotherapie durchgeführt werden, um möglichst alle entarteten Zellen zu zerstören (Prinzip der Hochdosischemotherapie siehe allgemeinen Teil zur Leukämie). Andererseits kann dem Patienten selber (autolog), wenn dieser sich zwischenzeitlich in einem Stadium der sog. Vollremission befindet, d.h. wenn die meisten entarteten Zellen zerstört sind, gesunde Stammzellen entnommen werden, um ihm diese bei einer Rückkehr der Erkrankung wieder zu verabreichen. Allerdings ist die autologe Stammzelltransplantation noch in den Anfängen und wird eher in klinischen Studien angewandt.
Spezielle Medikamente:
Das Medikament Gemtuzumab hat in den letzten Jahren sehr gute Ergebnisse in der Behandlung von AML gezeigt.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zur Leukämie finden Sie unter:
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