Medizin Online > Innere Medizin > Erkrankung Herz > Herzrhythmusstörung > Extrasystole (Herzstolpern)
Inhalt:
- Extrasystolen (Herzstolpern)
- Synonyme im weitesten Sinne
- Definition
- 1. Supraventrikuläre Extrasystolen (kurz SVES)
- Symptome
- Ursachen
- Diagnose
- Therapie
- 2. Ventrikuläre Extrasystolen (kurz VES)
- Definition
- Formen der ventrikulären Extrasystolen
- LOWN-Klassifikation
- Symptome
- Ursachen
- Diagnose
- Therapie
- Homöopathie bei Herzstolpern
- Prognose
- Weiterführende Informationen
Extrasystolen (Herzstolpern)
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Synonyme im weitesten Sinne
Extraherzschlag, Herzstolpern, ventrikuläre Extrasystolen, supraventrikuläre Extrasystolen, Herzklopfen, Palpitation
Definition
Als Extrasystole bezeichnet man einen Herzschlag, der außerhalb der normalen Herzfrequenz in den normalen Takt einfällt. Extrasystolen treten sehr häufig auf, auch bei gesunden Menschen. Meist bleiben Extrasystolen unbemerkt oder sie äußern sich als „Herzstolpern oder Aussetzter“. Nach dem Ursprungsort der Extrasystole unterscheidet man in:
- Supraventrikuläre Extrasystole und
- Ventrikuläre Extrasystole
1. Supraventrikuläre Extrasystolen (kurz SVES)
Einzelne in den Sinus-Grundrhythmus eingestreute supraventrikuläre Extrasystolen (vom Vorhof ausgehende Extraschäge) sind häufig und in der Regel ein harmloser Zufallsbefund. Die Zellen, die das „aus der Reihe tanzende“ Potential erzeugen, liegen dabei im Vorhof. Sie gehören nicht zum normalen Reizbildungssystem wie z.B. der Sinusknoten. Man nennt sie ektope Erregungszentren.
Symptome
Supraventrikuläre Extrasystolen erzeugen meistens keine Symptome. Selten kommt es zu Herzklopfen oder Herzstolpern.
Ursachen
Wie schon beschrieben können Extrasystolen ohne jeden Krankheitswert auftreten. Meist werden sie beim Gesunden durch Erregung oder z.B. durch Genussmittel wie Kaffee, Alkohol oder Nikotin ausgelöst. Eine Extrasystole kann jedoch auch Hinweis auf eine Herzerkrankung sein. Kranke Herzzellen neigen eher dazu falsche Potentiale zu erzeugen. Liegt eine Herzerkrankung wie z.B. eine KHK (Koronare Herzkrankheit), eine Herzmuskelentzündung oder ein Herzinfarkt zugrunde, können Extrasystolen auch gefährliche anhaltende Rhythmusstörungen auf Vorhof- und Kammerebene auslösen, wie z.B. einen anhaltend schnellen Herzschlag (Tachykardien;siehe weiter unten).
Auch Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion können zu Extrasystolen führen.
Diagnose
Zur Diagnose der supraventrikulären Extrasystolen werden das Langzeit- und das Belastungs-EKG eingesetzt. Der Ursprung der Extrasystolen kann nur durch ein EKG geklärt werden. Das Langzeit-EKG kann zeigen, ob neben einzelnen Extrasytolen auch anhaltende Tachykardien vorkommen. Meist wird der Patient gebeten, während des Langzeit-EKG aufzuzeichnen, wann er Beschwerden verspürt. So lässt sich feststellen, ob die Beschwerden und die Extrasystolen gleichzeitig auftreten und somit ein ursächlicher Zusammenhang angenommen werden darf oder ob weiter nach Ursachen der Symptomatik gesucht werden muss. Durch das Belastungs-EKG kann festgestellt werden, ob die Extrasystolen vermehrt bei körperlicher Anstrengung auftreten.
Diese Diagnostik wird allerdings nicht in allen Fällen angewandt. Nur wenn die Extrasystolen:
- häufig auftreten (z.B. über 30mal pro Stunde)
- zu Symptomen führen
- oder eine Herzerkrankung vorliegt.
Im EKG lassen sich Extrasystolen meist als schmale (d.h. normal geformte), früher im Takt einfallende QRS-Komplexe erkennen. Die vorangehende P-Welle kann größer sein als eine normale P-Welle. Bei einer supraventrikulären Extrasystole tritt nach dem zusätzlichen QRS-Komplex eine sogenannte nicht-kompensatorische Pause auf, d.h. der Takt des Sinusrhythmus wird verschoben.
Therapie
Supraventrikuläre Extrasystolen, die beim Gesunden auftreten, sind nicht therapiebedürftig. Bei Vorhandensein einer Herzerkrankung steht zunächst die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund. Lösen die SVES Tachykardien oder andere Herzrhythmusstörungen aus, so ist eine Behandlung auf jeden Fall erforderlich. Meist werden dazu Betablocker oder Kalium-Magnesium-Präparate eingesetzt.
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2. Ventrikuläre Extrasystolen (kurz VES)
Definition
Genau wie SVES bezeichnen ventrikuläre Extrasystolen zusätzliche Potentiale, die in den normalen Herzrhythmus einfallen. Im Gegensatz zu den SVES entsteht das Potential hier jedoch in ektopen (außerhalb der normalen Bereiche) Erregungszentren, die in den Herzkammern lokalisiert sind.
Formen der ventrikulären Extrasystolen
Man unterscheidet bei den VES in:
- Monomorphe Extrasystolen: d.h. jede Extrasystole ist gleichartig deformiert oder einfacher - alle Extrasystolen sehen exakt gleich aus. Teilweise treten sie bei Gesunden, zum Teil bei Herzerkrankungen auf.
- Polymorphe Extrasystolen: die Extrasystolen sind unterschiedlich deformiert, sehen unterschiedlich aus. Hier liegt immer ein Herzmuskelschaden zugrunde (poly = viel, morph = Gestalt)
Polymorphe ES sind meist auch polytop, d.h. sie sind verschiedenen Ursprungs (Topos = Ort)
Obwohl Extrasystolen Potentiale sind, die außerhalb des Normalrhythmus sozusagen dazwischen spielen, haben sie oft eine regelmäßige Beziehung zum Normalrhythmus. Man unterscheidet hier:
- Trigeminus bzw. Couplets: Hierbei folgen jedem Normalpotential zwei Extrasystolen, dass Muster wäre: N EE (kompensatorische Pause) N EE.
- Salven: Folgen drei oder mehr Extrasystolen hintereinander, ohne dass ein Normalpotential dazwischen liegt, spricht man von Salven. Das Muster wäre z.B.: N EEE (kompenstorische Pause) N N N EEEEE. Man spricht hier auch von nicht-anhaltenden Tachykardien.
Nicht-anhaltende Tachykardie bezeichnen eine schnelle Herzfrequenz von über 100 Schlägen pro min, die aber weniger als 30 Sekunden anhält. Dauert die Phase der Frequenzsteigerung über 30 Sekunden, spricht man von einer anhaltenden Tachykardie. Anhaltende Kammertachykardien sind lebensbedrohliche Zustände, die in einem Kammerflimmern (faktisch Herzstillstand) enden können. Deshalb sollten auch nicht-anhaltende Tachykardien stets ernst genommen werden.
Eine Besonderheit stellt das „R-auf-T-Phänomen“ dar. Fällt eine Extrasystole in sehr kurzem Abstand zum vorangegangenen Normalpotential in den Takt, kann es passieren, dass die Extrasystole sich mit dem absteigenden Schenkel der T-Welle verbindet. Man nennt den Zeitraum in dem die T-Welle endet auch „vulnerable (verwundbare) Phase“, da in dieser Phase durch einfallende Potentiale ein gefährliches Kammerflimmern (siehe weiter unten) ausgelöst werden kann.
Diese Unterscheidungen sind in der Klassifikation nach Lown zusammengestellt. Der Grad der VES nach Lown gibt Hinweise auf die Prognose der Erkrankungen, die Klassifikation hat jedoch an Bedeutung verloren.
LOWN-Klassifikation
| Grad |
|
Einfache VES | I | Monomorphe VES unter 30mal pro Stunde |
II | Monomorphe VES über 30mal pro Stunde | |
Komplexe VES | III | Polymorphe VES |
IV a | Trigeminus/Couplets | |
IV b | Salven | |
V | “R-auf-T-Phänomen” |
Symptome
Wie auch bei der SVES fehlen bei ventrikulären Extrasystolen oft die Symptome. In manchen Fällen kann es zum Gefühl des Herzstolperns kommen. Bei lang anhaltenden Trigeminus- oder Salven-Phasen kann es zu einem Absinken des Schlagvolumens des Herzens kommen. Da die Pause, die zwischen zwei Normalpotentialen liegt und in der sich das Herz mit Blut füllt, durch die Extrasystole verkürzt wird, ist das Volumen, das vom Herzen ausgeworfen wird, vermindert. Daraus kann eine kurzzeitige Minderdurchblutung des Gehirns erfolgen, die zu Schwindel oder sogar kurzen Synkopen (Ohnmachtsanfälle) führen kann.
Ursachen
Das Auftreten ventrikulärer Extrasystolen ist meist Ausdruck einer Schädigung einzelner Zellen des Herzmuskels, sie deuten damit oft auf eine Herzerkrankung hin, z.B. KHK oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Sie kommen selten beim Herzgesunden vor.
Diagnose
Die Diagnose der ventrikulären Extrasystolen wird über Langzeit- und Belastungs-EKG gestellt. Da VES erster Ausdruck einer Herzerkrankung sein können, schließt sich eine sorgfältige klinische Untersuchung an.
Im EKG erkennt man ventrikuläre Extrasystolen als zu früh in den Takt einfallende QRS-Komplexe, die leicht verbreitert sein können. Ihnen geht keine P-Welle voran. Nach dem vorzeitigen QRS-Komplex folgt eine kompensatorische Pause (im Gegensatz zu den SVES). Der Takt des Sinusknotens ist bei einer VES nicht mit betroffen, die zusätzlichen elektrischen Potentiale kommen ja aus der Kammermuskulatur. Die Überleitung der Sinusknotenpotentiale zur Kammer ist nach einer ventrikulären Extrasytole jedoch nicht möglich, da die gerade erst erregte Kammermuskulatur noch nicht für den nächsten Reiz bereit ist - man sagt sie ist noch refraktär. Es entsteht eine Pause. Erst beim nächsten Sinusknotenpotential erfolgt wieder eine Kammererregung.
Therapie
VES bei Gesunden bedürfen meistens keiner Therapie. Liegen den ventrikulären Extrasystolen Erkrankungen des Herzens zugrunde, so werden vorrangig diese behandelt. Sie sind am wichtigsten für die Prognose. Zusätzlich sollten die Menge der Salze Kalium und Magnesium im Blut hochnormal gehalten werden.
Reicht die Therapie der Grunderkrankung nicht aus, um den Zustand zu stabilisieren, muss auf eine spezifisch antiarrhytmische Therapie zurückgegriffen werden, wenn die Extrasystolen zu Symptomen führen oder als sogenannte „Warnarrhythmien“ angesehen werden müssen, die als Vorboten für drohende Kammertachykardien gelten. Dies ist ab Stufe Ivb der LOWN-Klassifikation der Fall. Meist werden in diesen Fällen Antiarrhythmika der Klasse III (Amidaron, Soltalol) eingesetzt. Klasse I Antiarrhythmika dürfen hier nur bei Patienten ohne Herzerkrankung eingesetzt werden.
Homöopathie bei Herzstolpern
Auch Herzstolpern kann gut durch Homöopathie behandelt werden. Es muss jedoch ausgeschlossen werden, dass eine Herzerkrankung vorliegt.
Hierzu haben wir ein eigenständiges Thema veröffentlicht:
Prognose
Bei Gesunden haben die ventrikulären Extrasystolen eine gute Prognose. Bei Herzkranken sind sie Risikofaktoren für einen plötzlichen Herztod und können abhängig von der LOWN-Klassifikation auch als Warnarrhythmien für ein Kammerflimmern gelten.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:
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