Bänderdehnung am Sprunggelenk

Synonyme

Supinationstrauma, Pronationstrauma, Bänderdehnung, Bänderriß, Bänderruptur, Bänderläsion, Distorsionstrauma, Außenbandriss, Fibulare Bandruptur, Umcknicken Sprunggelenk

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Definition

Zu einer Verletzung des oberen Sprunggelenkes (OSG) kommt es häufig im Rahmen sportlicher Aktivitäten, aber auch im Alltag. Die meisten Ereignisse führen nicht zu schwerwiegenden strukturellen Schäden, d.h. zu einer Verletzung mit dauerhaften Folgen. Dennoch kann es zu einem Bänderriss v.a. im Bereich des Außenknöchels kommen. Bei der Untersuchung des Sprunggelenkes durch den Arzt sind sie kaum von Bänderdehnung oder Bänderteilrissen oder kompletten Bänderrissen zu unterscheiden. Der Übergang ist fließend.

Abbildung Außenknöchel

  1. Ligamentum fibulotalare posterius
  2. Ligamentum fibulocalcaneare
  3. Ligamentum fibulotalare anterius
  4. Wadenbein (Fibula)
  5. Schienbein (Tibia)
  6. Sprungbein (Talus)
  7. Kahnbein (Os naviculare)
  8. Keilbein (Os cuniforme)
  9. Mittelfußknochen (Os metatarsale)
  10. Würfelbein (Os cuboideum)

Einleitung

Eine Sprunggelenksverletzung kommt häufig vor und ist in der Regel harmlos. In einigen Fällen kann aber eine vermeintlich harmlose Bänderdehnung dauerhafte Folgen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung des verletzten Sprunggelenkes haben.

Nur bei den wenigsten Sprunggelenksverletzten wird eine Kernspintomographie (MRT) durchgeführt, um das Ausmaß der Bandschädigung festzustellen.
Eine Kernspintomographie ist eine magnetische Untersuchung - also frei von Röntgenstahlen - die Schichtbilder vom Sprunggelenk darstellt.
Das Behandlungskonzept sieht meist eine konservative Therapie vor. Auch wenn die meisten Bandverletzungen folgenlos abheilen, kommt es immer wieder vor, dass Patienten über anhaltende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen oder über eine bleibende Instabilität des Sprunggelenkes klagen. Um derartige Verletzungsfolgen zu vermeiden, ist eine physiotherapeutische Behandlung von großer Bedeutung.

Zu den häufigsten Verletzungsmechanismen im Bereich des oberen Sprunggelenks gehört das Umknicken während des Laufens oder bei der Landung nach einem Sprung.

In den allermeisten Fällen erfolgt das Umknicken des Fußes zur Außenseite, es kommt zum sogenannten „Supinationstrauma“.

Das deutlich seltenere Umknicken zur Innenseite wird als „Pronationstrauma“ bezeichnet.

Diese Beschreibung der Verletzungsart sagt jedoch noch nichts darüber aus, welche Strukturen des Sprunggelenkes hierbei verletzt wurden.

Die häufigste Verletzungsfolge ist eine Schädigung der Kapsel und Bänder (Kapsel-Bandapparat) des Sprunggelenkes. Eine gründliche Untersuchung direkt nach dem Auftreten der Verletzung, gibt häufig erste Hinweise auf die Schwere der Verletzung. Eine endgültige Diagnose ist jedoch oft nur durch den Einsatz bildgebender Verfahren (Röntgen, Kernspintomographie) möglich.

Grundsätzlich sollte jede Umknickverletzung mit Entwicklung einer deutlichen Schwellung zum Ausschluss eines Bruches geröntgt werden. Je nach genauem Unfallmechanismus können folgende Knochenbrüche auftreten:

Physiotherapie bei einer Bänderdehnung

Frühfunktionelle Behandlungsphase

Die frühfunktionelle Nachbehandlung einer Bänderdehnung / Bänderriss beginnt in den ersten Tagen nach der Verletzung und ist wichtig für einen möglichst schnellen und optimalen Heilungserfolg. Durch Umknickverletzungen entstehen Schmerzen und Schwellungen des Sprunggelenkes, die die Beweglichkeit des Sprunggelenkes einschränken.
Die frühfunktionelle Behandlung wird meist im Rahmen der Krankengymnastik durchgeführt.

Hauptziel der frühfunktionellen Behandlung ist die möglichst frühe Wiederherstellung der vollständigen Beweglichkeit im betroffenen Sprunggelenk.

In der Krankengymnastik kann dies beispielsweise durch eine Bewegungstherapie im Sinne einer PNF-Behandlung (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) erfolgen. Die Intensität und die Art der Belastung kann dabei gut an das aktuelle Leistungsvermögen angepasst werden.

Allgemeine Informationen zur Krankengymnastik finden Sie auch unter unserem Thema: Krankengymnastik

Koordinations- und Propriozeptionstraining

Ein ganz wesentlicher, wenn nicht gar der wichtigste Aspekt bei der Nachbehandlung einer Sprunggelenksverletzung, liegt jedoch in der Schulung der koordinativen und propriozeptiven Fähigkeiten.

Wenn nach den ersten beiden Behandlungsphasen eine gute Sprunggelenksbeweglichkeit sowie eine Schmerzarmut erzielt werden konnte, besitzt das Training dieser beiden Fertigkeiten oberste Priorität.

Koordinationsschulung bedeutet, das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern, die für die Stabilität und Bewegung des Sprunggelenkes verantwortlich sind.

Propriozeption bedeutet die Fähigkeit, die Wahrnehmung und Steuerung des eigenen Körpers im Raum sicher zu gewährleisten. Das Wort „Gleichgewichtsgefühl“ ist wohl eine annehmbare Übersetzung des Begriffs „Propriozeption“.

Ein Training dieser beiden Fähigkeiten ist nur schwer zu differenzieren und isoliert kaum möglich, da bei nahezu jeder koordinativen Aktion auch ein hohes Maß an propriozeptiven Fertigkeiten gefordert ist. Umgekehrt verhält es sich ähnlich.

In der Praxis sollte ein Propriozeptoren- bzw. Koordinationstraining für die Sprunggelenke möglichst barfuss durchgeführt werden, da bereits das Tragen von Socken wichtige Trainingsreize unterbinden kann.

Der Übungsaufbau, bzw. die Übungsabfolge richtet sich nach der jeweiligen Leistungsfähigkeit des Patienten, sowie nach dessen individuellen Anforderungen an den Alltag.

Auf den ersten Blick einfache Übungen verlangen von Sprunggelenkspatienten bereits ein erhebliches Maß an koordinativen Fähigkeiten.

So gehört beispielsweise der Einbeinstand auf einer Gymnastikmatte schon zu den Aufgaben, die ein hohes Maß an Körpergefühl und Gleichgewichtsfähigkeit erfordern.

Am Ende dieser Therapiephase sollte unbedingt das Erarbeiten der Dynamischen Stabilität während der Bewegung erfolgen.

Diese lässt sich beispielsweise durch Laufübungen auf einer Matte oder auf einem Minitrampolin sehr gut schulen.

Die Koordinations- und Propriozeptionsschulung richtet sich in erster Linie nach den Anforderungen, die das Alltagsleben an die jeweiligen Patienten stellt. Ein Profifußballer benötigt sicherlich eine andere Form der Rehabilitation als ein Mensch, der überwiegend sitzende Tätigkeiten verrichtet und sportlich wenig aktiv ist. Die muskulären und koordinativen Ausgangsbedingungen sind hier schon ganz andere.

Dennoch ist eine ausreichende Stabilität und Beweglichkeit im Sprunggelenk für jeden Sprunggelenksverletzten wichtig. Bei jüngeren Patienten oder bei sportlich aktiven bietet sich die Durchführung eines sogenannten „Lauf ABC“ bzw. einer „Sprungschule“ an.

Beim „Lauf ABC“ werden verschiedene Laufformen, wie Hopserlauf, bewusstes abrollen über die Sprunggelenke, oder auch Skippings (Anziehen der Knie bis etwa Hüfthöhe) erarbeitet.

Bei der „Sprungschule“ werden die unterschiedlichsten Sprungarten (beidbeinige Sprünge, Einbeinsprünge, Sprünge über Hürden usw.), nach methodisch aufeinander abgestimmten Gesichtspunkten mit dem Patienten trainiert.

Eine Nachbehandlung einer Sprunggelenksverletzung bietet jede niedergelassene Krankengymnastikpraxis an.

Sportlich ambitioniertere Patienten, die eine Laufschule oder ein sportarztspezifisches Aufbautraining wünschen, sind bei einem speziell ausgebildeten Sportphysiotherapeuten besser aufgehoben.

Ein Blick auf die Internetseiten der ortsansässigen Physiotherapiepraxen, hilft Ihnen dabei, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Praxis entsprechende Sportphysiotherapie anbietet.

Konservative Therapiemöglichkeiten bei einer Bänderdehnung

Salbe bei einer Bänderdehnung

Die Symptome einer Bänderdehnung können häufig mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten behandelt werden.
Dazu gehören vor allem Salben, die lokal auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Dadurch entfallen Nebenwirkungen wie Magenschmerzen, die zum Beispiel beim Einnehmen von Schmerzmitteln in Tablettenform auftreten können.

Schmerzsalben wie das bekannte Voltarengel enthalten nichtsteroidale Antirheumatike (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, die schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Regelmäßig und frühzeitig aufgetragen helfen sie, die Symptome einer Bänderdehnung zu lindern. Desweiteren sind spezielle Sportsalben erhältlich.
Diese enthalten oft natürliche Inhaltsstoffe wie Menthol, die kühlend und abschwellend wirken sollen. Besonders empfehlenswert ist die Anlage eines kühlenden Salbenverbandes.
Hierzu kann die Salbe zuvor im Kühlschrank aufbewahrt und der Fuß dann nach dem Auftragen der Salbe mit einem Verband umwickelt werden. Auch gegen die bläuliche Verfärbung, die durch die Einblutung kleiner Blutgefäße ins Gewebe entstehen, lassen sich bestimmte Salben auftragen. Hierzu können Cremes mit natürlichen Inhaltsstoffen oder Heparinsalbe zur Anwendung kommen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Behandlung einer Bänderdehnung

Tapen bei einer Bänderdehnung

Essentiell für die Ausheilung einer Bänderdehnung ist eine Stabilisierung des Bandapparats und des gesamten Gelenks.
Der Vorteil des Tapens ist hierbei, dass die Funktionalität des Gelenkes dennoch erhalten bleibt.

Sporttapes gibt es mittlerweile in jeder Apotheke zu kaufen, allerdings kann eine nicht fachgerechte Anwendung die Verletzung sogar verschlimmern. Deshalb sollte der Betroffene sich das korrekte Aufkleben in jedem Fall von einem Arzt, Physiotherapeuten oder sonstigem Fachkundigen demonstrieren lassen. Die Funktion eines Tapeverbandes besteht dann darin, dass die Tapestreifen auf der Haut die auftretenden Kräfte so übertragen, dass der Bandapparat und so die Stabilität des gesamten Gelenkes unterstützt wird. Außerdem kann die mit der Verletzung einhergehende Gewebeschwellung gemildert werden.

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Dauer einer Bänderdehnung

Die Bänderdehnung oder auch Bänderzerrung gehört zu den leichteren Bandverletzungen.
Die Bänderdehnung ist normalerweise nur mit vorrübergehenden Funktionsbeeinträchtigungen und Beschwerden verbunden.

Trotzdem empfiehlt es sich, bei Verdacht auf eine Bänderverletzung sicherheitshalber einen Orthopäden aufzusuchen. Dieser kann schwerwiegendere Verletzungen wie Bänderrisse oder gar Knochenbrüche ausschließen.
Komplikationen ergeben sich nur selten, sodass die Bänderdehnung meist problemlos ausheilt. Schmerzen und Schwellung sollten nach einigen Tagen zurückgehen.

Während dieser Zeit sollte auf eine übermäßige Belastung und Sport verzichtet werden, eine absolute Ruhigstellung ist allerdings nicht erforderlich. Die Schmerzen und die Schwellung, die typischerweise direkt nach der Verletzung auftreten, sowie der häufig assozierte Bluterguss, sollten sich nach 1 bis 2 Wochen deutlich zurückbilden. Ist dies nicht der Fall, so sollte (erneut) ein Arzt aufgesucht werden. Sobald sich die Beschwerden vollständig zurückgebildet haben, darf der Fuß wieder wie gewohnt belastet werden.

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Bluterguss bei einer Bänderdehnung

Neben starken Schmerzen und einer Schwellung kommt es bei einer Bänderdehnung in vielen Fällen nach wenigen Stunden zu einem Bluterguss (Hämatom).
Dies ist entgegen verbreiteter Meinung auch der Fall wenn nur einzelne Fasern des Bandes gerissen und dieses als Ganzes lediglich überdehnt und nicht gerissen ist.

Ursächlich ist das Reißen kleiner Gefäße, die in der Folge in das umliegende Gewebe einbluten und so äußerlich als Bluterguss sichtbar werden. Da die Verletzung hier nahe der Hautoberfläche liegt, tritt der Bluterguss relativ schnell nach der Verletzung auf und nimmt je nach Lokalisation und Verletzungsschwere unterschiedliche Ausmaße an.
Linderung verschafft häufig ein Ruhigstellen und Hochlagern des betroffenen Fußes, sowie die Kühlung oder das Anlegen eines Kompressionsverbandes.

Zusätzlich können Schmerzsalben oder kühlende Gels aufgetragen werden. Heparinsalbe kann helfen, indem sie die Blutgerinnung verhindert (Wirkstoffklasse der Antikoagulantien). 2 bis 3 Mal täglich aufgetragen lässt sie die Schwellung zurückgehen und sorgt dafür, dass sich die Blutpfropfen in den Gefäßen unter der Haut schneller auflösen, wodurch der Bluterguss zunehmend verblasst.

Ursachen einer Bänderdehnung

Eine Bänderdehnung oder auch Bänderzerrung kann verschiedene Gründe haben.
Die häufigste Ursache einer Bänderdehnung ist eine Verzerrung oder eine falsche Bewegung beim Sport. Vor allem wenn ein Patient sich vor dem Training nicht ausreichend aufgewärmt hat, kann es bei Überanspruchung der Bänder (Ligamenta) oder bei einer falsch ausgeführten Bewegung schnell zu einer Bänderdehnung kommen.

Doch nicht nur beim Sport kann es dazu kommen, dass ein Band gezerrt wird. Eine weitere Ursache für Bänderdehnung ist, wenn eine Patientin mit ihrem Highheel umknickt oder wenn ein Patient allgemein eine ungeschickte Bewegung ausführt.
Auch gewaltsame Trauma, wie beispielsweise ein Sturz oder ein Schlag auf das Knie, können als Ursache für eine Bänderdehnung infrage kommen. Hierbei ist es vor allem wichtig zu differenzieren ob der Patient sich das Band „nur“ überdehnt hat oder ob es zu einem Riss im Band (siehe: Bänderriss) kam. Dieser ist sehr schmerzhaft und führt zu einer ungewöhnlichen (pathologischen) Beweglichkeit des betroffenen Gelenkes, manchmal auch zu Fehlstellungen (Luxationen) des Gelenks. Die häufigste Ursache für eine Bänderdehnung bis hin zu einem Bänderriss bleibt jedoch der Sport.
Vor allem Sportarten, bei denen es zu einem abrupten Stopp oder Richtungswechsel kommt, sind prädestinierend für eine Zerrung der Bänder. Somit sind Sportarten wie Fußball, TennisBasketball oder Handball eine besonders häufige Ursache für Bänderdehnungen.

Symptome einer Bänderdehnung

Die Symptome einer Bänderdehnung können sehr unterschiedlich sein und hängen unter anderem davon ab, wie oft der Patient sich das Band schon gezerrt hat und wie stark die Zerrung ist.
Viele Sportler bemerken nach einiger Zeit eine Zerrung der Bänder fast überhaupt nicht mehr da diese nach einiger Zeit dehnbarer werden. Dieses Phänomen kann man vor allem bei einer Ballerina oder einem Eiskunstläufer beobachten.
Haben diese zu anfangs noch Symptome bei der Bänderdehnung, wie Schmerzen oder leichte Schwellungen, so schaffen sie es nach einiger Zeit mit etwas Übung ohne Schmerzen in den Spagat.

Ursache hierfür ist, dass die Bänder elastisch sind und nach einiger Zeit aufgrund der dauerhaften Überdehnung noch elastischer werden.
Kommt es jedoch zu einer akuten Bänderdehnung sind Symptome völlig normal.

Typische Symptome einer Bänderdehnung sind unter anderem Schmerzen und Schwellungen in dem betroffenen Gelenk. Hat sich ein Fußballer beispielsweise eine Zerrung eines Bandes (Ligamentum) im Knie zugezogen, kommt es zu einem akut einsetzenden Schmerz sowie zu einer Schwellung im Bereich des Knies. Schmerzen und Schwellung werden meist durch:

  • Kühlung
  • Hochlagerung und
  • Ruhigstellung des Knies

besser.
Die Symptome einer Bänderdehnung verschlimmern sich hingegen wenn der Patient versucht das betroffene Gelenk zu belasten und weiter Sport zu machen. Oftmals schmerzt das Gelenk bereits bei kleinen Belastungen, wie einfachem laufen. Dennoch ist es wichtig zwischen einem Bänderriss und einer Bänderdehnung zu differenzieren.
Bei einem Bänderriss sind die Symptome ausgeprägter als bei einer Bänderzerrung. Des Weiteren kann der Patient trotz der Symptome bei einer Bänderdehnung das betroffene Gelenk belasten. Außerdem ist das Gelenk stabil.
Bei einem Bänderriss hingegen kommt es zu einer ungewöhnlichen Beweglichkeit, beispielsweise kann der Patient den Unterschenkel aufgrund eines Bänderriss im Knie abnormal (pathologisch) nach innen oder außen drehen (rotieren). Dieses Symptom ist bei einer Bänderdehnung nicht vorhanden. Hier bleibt das Gelenk stabil und der Patient kann (wenn auch unter Schmerzen) auftreten und normale Bewegungen ausführen. Bei einer Bänderdehnung treten Symptome wie Einblutungen (Hämatome) nur extrem selten auf. Eine Hämatombildung spricht somit ebenfalls eher für einen Bänderriss.

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Diagnose

Die Diagnose einer Bänderdehnung kann meist mithilfe einer Anamnese, also eines Gespräches mit einem fachkundigen Arzt (Orthopäde oder Unfallchirurgen), gestellt werden.

Anhand der Beschreibung des Unfallmechanismus kann der Arzt oftmals bereits auf eine Zerrung des Bandes schließen.
Zusätzlich sollte das betroffene Gelenk untersucht werden. Hierbei kann am besten die Diagnose einer Bänderdehnung von einem Bänderriss unterschieden werden. Bei der Untersuchung wird das betroffene Gelenk eingehend untersucht.
Wichtig ist vor allem, ob der Patient in dem Bereich des Gelenkes einen Druckschmerz hat, ob eine Schwellung oder sogar ein Bluterguss (Hämatom) vorhanden ist sowie ob eine abnormale (pathologische) Beweglichkeit des Gelenks vorliegt.

Mithilfe der Untersuchung kann dann die Diagnose einer Bänderdehnung gestellt werden. Fällt dem Arzt eine pathologische Beweglichkeit des betroffenen Gelenkes auf, ist ein Bänderriss wahrscheinlich und es muss eventuell zusätzlich weitere Diagnostik (beispielsweise eine Röntgen- oder MRT-Aufnahme) erfolgen.

Für jedes Gelenk und jedes Band gibt es spezifische Tests, die dem Arzt helfen die Diagnose einer Bänderdehnung von einem Bänderriss zu unterscheiden. Beispielsweise gibt es am Kniegelenk den Test der vorderen und hinteren Schublade.
Mithilfe dieser einfachen Untersuchungen kann der Arzt zwischen einem Kreuzbandriss oder einer Überdehnung des Kreuzbandes differenzieren. Kommt es zu einem positiven Testbefund, bedeutet dies, dass das Knie pathologisch beweglich ist. Somit lautet die Diagnose nicht Bänderdehnung sondern es handelt sich um einen Bänderriss, in diesem Fall um einen Riss des vorderen oder hinteren Kreuzbandes.
Allgemein gibt es für die meisten Bänder im menschlichen Körper einen spezifischen Test um die Diagnose einer Bänderdehnung zu sichern. Dennoch kann es sein, dass trotz fachkundiger Untersuchung eine sichere Diagnose nicht gestellt werden kann.

In diesem Fall ist zusätzlich eine Röntgenaufnahme oder eine MRT-Aufnahme indiziert um die Struktur der Bänder per Bildgebung zu beurteilen.

Therapie

Die Therapie einer Bänderdehnung ist häufig sehr simpel. Hierbei sollte der Patient nach dem sogenannten PECH – Schema vorgehen. Das P steht in diesem Fall für eine Pause, die der Patient unbedingt einhalten sollte. Hierbei ist es wichtig, dass die Therapie bei einer Bänderdehnung nur dann zu einer Besserung der Symptome führen kann, wenn der Patient das Band (Ligamentum) nicht immer wieder überlastet. Eine Pause beim Sport sollte unbedingt eingehalten werden, außerdem sollte das Band die ersten 2 Tage so gut es geht geschont werden. Das E steht für Eis, wobei es hier vor allem um die Kühlung des gezerrten Bandes geht. Merkt ein Patient, dass er sich das Band gezerrt hat, sollte er möglichst zeitnah ein Eispack auf die betroffene Stelle auflegen um somit Schwellungen und Schmerzen zu lindern. Eine eigentliche Therapie der Bänderdehnung geht von der Kühlung nicht aus, dennoch führt die Kühlung zu einer Linderung der Symptome. Das C in dem PECH-Schema steht für die Kompression. Zwar ist es nicht immer möglich das betroffene Gelenk mithilfe eines Druckverbandes zu umwickeln, ist es jedoch möglich, so sollte der Patient versuchen durch den Druckverband Entlastung für das gezerrte Band zu schaffen. Des Weiteren sollte als Therapie der Bänderdehnung das betroffene Gelenk hoch gelagert werden (H=Hochlagerung in dem PECH Schema). Auch eine Hochlagerung ist nicht immer möglich, vor allem im Bereich der Schulter nicht, ist jedoch das Knie oder das Sprunggelenk betroffen, so sollte das betroffene Bein erhöht gelagert werden. Eine weitere Möglichkeit der Therapie bei einer Bänderdehnung mit starken Schmerzen ist eine medikamentöse Behandlung. Zum Beispiel können schmerz- und schwellungs-lindernde Gels auf den betroffenen Bereich aufgetragen werden. Des Weiteren kann der Patient Schmerzmedikamente einnehmen um die Schmerzen zu reduzieren. Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass Schmerzmedikamente keine eigentliche Therapie der Bänderdehnung darstellen sondern lediglich die damit verbundenen Schmerzen und Schwellungen lindern können. Dennoch hat eine Pause beim Sport und eine Entlastung des betroffenen Gelenkes absolute Priorität da es sich hierbei um die beste Therapie der Bänderdehnung handelt. Nur durch eine eingehaltene Sportpause kann das betroffene Band regenerieren ohne bei erneuter Belastung direkt wieder gezerrt zu werden. Wird eine Bänderzerrung nicht mit einer ausreichenden Pause therapiert, kann es bei erneuter Belastung schneller zu einem Bänderriss kommen. Deshalb ist eine Sportpause für einige Tage absolut unumgänglich. Bei starker Bänderzerrung kann ein Orthopäde oder ein Unfallchirurg zusätzlich stabilisierende Schienen verordnen (beispielsweise für das Knie- oder Sprung-gelenk). Diese helfen dem Patient das gezerrte Band nicht der vollen Körperbelastung auszusetzten sondern verteilen die Lasten adäquat. Diese Therapie der Bänderdehnung kommt vor allem bei starken Zerrungen zum Einsatz oder aber, wenn der Patient sehr anfällig für eine Bänderzerrung ist. Die Schienen werden meist über eine Woche getragen.

Prognose

Die Prognose einer Bänderdehnung ist, wenn sie adäquat therapiert wurde, meist sehr gut. Vor allem wenn es sich um eine erstmalige Bänderdehnung handelt, kann diese ohne weiter verbleibende Schäden problemlos ausheilen. Dennoch ist es sehr wichtig, dass der Patient sich nach der Bänderzerrung ausreichend schont damit es nicht zu Folgeschäden kommt. Therapiert ein Patient seine Bänderzerrung jedoch adäquat und hält er die vom Arzt verordnete Sportpause ein, so ist die Prognose einer Bänderdehnung im Allgemeinen sehr gut. Dennoch kann es sein, dass Patienten, die immer wieder ihr Band überdehnen (beispielsweise im Eiskunstlaufen oder im Ballett) mit Folgeschäden zu rechnen haben. Durch die immer wieder auftretende (rezidivierende) Überanspruchung des Bandes (Ligamentum) kann es dazu kommen, dass das elastische Band sich so weit ausdehnt, dass es nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurückfindet. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Bänder im Bereich der Hüfte immer wieder durch einen Spagat überlastet wurden. In diesem Fall ist die Prognose der Bänderdehnung auf lange Sicht gesehen etwas schlechter. Dadurch, dass das Band immer elastischer wird und sich immer weiter ausdehnen muss, kann es sein, dass die nötige Stabilität nicht mehr gewährleistet ist. Dadurch kann es dann zu einer sogenannten Luxation des Oberschenkelkopfes (Femur) kommen. Hierbei rutscht der Oberschenkelkopf aus der Gelenkpfanne der Hüfte (Cox) hinaus da die Bänder keine ausreichende Stabilität mehr gewährleisten kommen. Auch bei einer Überdehnung der Bänder an der Schulter ist dies möglich (Schulterluxation). In diesem Fall ist die Prognose einer Bänderdehnung schlechter. Allgemein kommt es jedoch nur dann zu solchen Folgeschäden, wenn der Patient seine Bänder oftmals oder dauerhaft zerrt und überdehnt. Schont ein Patient die Bänderzerrung sind Folgeschäden eher selten. Dennoch ist ein überdehntes oder gezerrtes Band anfälliger für einen Bänderriss um somit für eine Instabilität im Gelenk. Ein Bänderriss, vor allem ein Kreuzbandriss, hat eine weitaus schlechtere Prognose als eine Bänderdehnung. Umso wichtiger sind die Schonung des gezerrten Bandes sowie eine adäquate Therapie da in diesem Fall mit einer sehr günstigen Prognose der Bänderdehnung zu rechnen ist.

Autor: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 31.08.2016
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