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Flush-Syndrom

Definition

Das Flush-Syndrom wird im Volksmund meist auch als „Erröten“ bezeichnet. Medizinisch betrachtet handelt es sich beim Flush-Syndrom um eine Symptomatik, die viele verschiedene Ursachen haben kann. Beim Flush kommt es zu einer anfallsartig auftretenden Rötung der Haut, die bei den betroffenen Patienten insbesondere im Gesicht und Dekolleté-Bereich auftritt und daher gut sichtbar ist. So schnell wie die Rötung auftritt, verschwindet sie meistens auch von alleine wieder. Das Flush-Syndrom muss auch nicht das komplette Gesicht oder den kompletten Oberkörper betreffen, sondern kann auch nur lokal begrenzt an einigen Stellen auftreten.

Ursachen

Für das Flush-Syndrom kommen eine Vielzahl von unterschiedlichen Erkrankungen und Umständen in Betracht. Psychischer Stress oder vermehrte Erregung können zu einem Flush-Syndrom führen. Für größere körperliche Anstrengungen, die der Patient leistet, gilt dies gleichermaßen. Durch eine ausführliche Anamnese lassen sich die eben genannten Auslöser Stress und Anstrengung häufig zügig finden, sodass in diesen beiden Fällen keine weitere Diagnostik notwendig erscheint.
Auch das Essen von scharfen Speisen kann ein Flush-Syndrom auslösen. Hierbei spielen vor allem Stoffe wie das sogenannte Capsaicin, das in Chilischoten vorkommt, eine wichtige Rolle. Es fördert die Durchblutung des Gewebes und verursacht dadurch das Flush-Syndrom mit Rötung und Hitzegefühl im Bereich des Gesichts.
Als Ursache für das Auftreten eines Flush-Syndroms kommen auch erhöhte Temperaturen und Fieber in Frage. Diese treten häufig im Rahmen von viralen oder bakteriellen Infekten auf und kommen nach überstandenem Infekt im Alltag nicht mehr vor.
Ein Flush-Syndrom kann bei älteren Frauen auch im Rahmen von Wechseljahresbeschwerden auftreten. Auch die chronisch-entzündliche Hauterkrankung Rosazea kann ursächlich für ein Flush-Syndrom sein.

Flush-Syndrom nach Cortison-Einnahme

Ein Flush-Syndrom kann außerdem im Rahmen einer Medikamenteneinnahme als Nebenwirkung auftreten. Hierbei sind vor allem sogenannte Kalziumantagonisten oder auch Nitrate zu nennen, die im Rahmen der Bluthochdrucktherapie eingesetzt werden.
Aber auch das Medikament Cortison kommt als Ursache des Flush-Syndroms in Frage. Bei den eben genannten Medikamenten kommt es über eine Erweiterung der kleinen Blutgefäße zur vermehrten Durchblutung der Haut und damit zum Auslösen des Errötens (Flush). Eine Cortisoneinnahme kann zusätzlich zu einer Steigerung des Blutdrucks führen, was wiederum die Entstehung eines Flush-Syndroms fördert. Zudem ist eine mögliche Überempfindlichkeit auf das Cortison als Grund für ein Flush-Syndrom zu nennen. Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Nebenwirkungen von Cortison

Flush-Syndrom nach Tecfidera-Einnahme

In gleichem Maße kann die Einnahme des Medikaments Tecfidera® unter Umständen zu einer Rötung des Gesichts mit einem Hitzegefühl führen. Das Medikament Tecfidera enthält den Wirkstoff Dimethylfumarat. Es findet Anwendung bei der Behandlung der Multiplen Skerose, einer Nervenerkrankung, bei der es zum Zugrundegehen der Nervenfasern des zentralen Nervensystems kommt. Das Flush-Syndrom tritt hierbei in enger Beziehung und einem engen zeitlichen Zusammenhang zur Einnahme von Tecfidera® auf. Das Flush-Syndrom stellt eine häufige Nebenwirkung dar und nimmt in der Regel mit der Dauer der Einnahme von Tecfidera ab.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Tecfidera®

Flush-Syndrom bei Bluthochdruck

Eine arterielle Hypertonie, der sogenannte Bluthochdruck, kommt als weitere Ursache eines Flush-Syndroms in Frage. In den meisten Fällen tritt ein Flush-Syndrom erst bei längerer Zeit deutlich erhöhten Blutdruckwerten auf, sodass es meistens zunächst zu anderen Symptomen kommt. Mögliche Begleitsymptome sind hierbei zum Beispiel Kopfschmerzen oder Schwindel.
Durch den hohen Blutdruck werden die kleinen Gefäße der Haut stärker durchblutet, als es bei einem normalen Blutdruck der Fall wäre. Hierdurch kommt es zu Rötung der betroffenen Hautstellen, meist im Gesicht, und das Flush-Syndrom stellt sich ein. Grade in sogenannten Blutdruckkrisen, wenn der Blutdruck vorübergehend unkontrolliert nach oben ausbricht, treten die Symptome verstärkt auf.

Flush-Syndrom bei einer Allergie

Auch eine Allergie kann ein Flush-Syndrom hervorrufen. Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegen bestimmte Stoffe (Allergene). Ist man auf einen bestimmten Stoff, zum Beispiel auf bestimmte Blütenpollen, allergisch, dann kommt es bei Kontakt mit dem Allergen zu einer massiven Ausschüttung von Histamin aus den Körperzellen. Histamin stellt eine Art Botenstoff dar. An den Blutgefäßen kommt es durch das Histamin zu einer Erweiterung der Gefäße und einer vermehrten Durchlässigkeit für Flüssigkeit. Es kommt schließlich zu einer vermehrten Durchblutung der Haut und damit unter anderem zum Auftreten eines Flush-Syndroms.

Flush-Syndrom nach Alkoholkonsum

Auch das Trinken von Alkohol kann zum Auftreten eines Flush-Syndroms führen. Es tritt gehäuft im Rahmen von Abbaustörungen des Alkohols auf. Betroffen sind meist Personen aus dem asiatischen Raum, da bei ihnen aufgrund einer genetischen Veränderung die Enzymaktivität der sogenannten Acetaldehyddehydrogenase herabgesetzt ist. Dieses Enzym spielt jedoch eine bedeutende Rolle im Alkoholabbau. Durch eine niedrige Aktivität kann der Alkohol nicht regelrecht abgebaut werden und es kommt zum Flush-Syndrom mit Hitzegefühl und Erröten des Gesichts. Diese „Erkrankung“ wird auch als Alkoholunverträglichkeit oder Alkoholintoleranz bezeichnet.
Im Bezug auf Alkohol und Flush-Syndrom ist außerdem das sogenannte Acetaldehyd-Syndrom zu nennen. Hierbei kommt es zu einer „Vergiftung“ mit Alkohol aufgrund einer Abbauhemmung. Ursache der Abbauhemmung des Alkohols kann die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie zum Beispiel Antibiotika aus der Gruppe der Cephalosporine, z.B. Cefuroxim sein.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Cefuroxim und Alkohol - Verträgt sich das?

Gleichermaßen kann das Medikament Disulfiram, das im Rahmen der Alkoholentwöhnung eingesetzt wird, eine Abbauhemmung bewirken. Da der Alkohol nicht regelrecht abgebaut wird, kommt es zu einer Anhäufung des giftigen Acetaldehyds, was eine Zwischenstufe beim Alkoholabbau darstellt. Dieser Mechanismus führt dann zur Entstehung des Flush-Syndroms.

Flush-Syndrom durch einen Tumor

Eine weitere Ursache des Flush-Syndroms können zudem gutartige und bösartige Tumore sein. Hier stehen vor allem Tumorerkrankungen im Vordergrund, die die Botenstoffe Serotonin oder Katecholamine produzieren. Wichtige Vertreter in diesem Zusammenhang sind Karzinoide, welche häufig im Bereich des Blinddarmfortsatzes zu finden sind, aber auch das sogenannte Phäochromozytom, welches einen Tumor des Nebennierenmarks darstellt. Die Nebenniere befindet sich am oberen Pol der Niere und besteht aus Rinde sowie Mark und dient der Hormonsynthese (s. Hormone der Nebenniere).
Bei den Karzinoid-Tumoren kommt erst dann zu einem Flush-Syndrom, wenn der Tumor bereits in die Leber metastasiert ist.

Diagnostik

Das Flush-Syndrom kann eine Vielzahl an möglichen Ursachen haben, sodass eine allgemeine Diagnostik nicht zu benennen ist. Die wichtigste Maßnahme zu Beginn der Diagnostik ist eine ausführliche Anamnese (Befragung) des betroffenen Patienten. Hierbei interessieren besonders Fragen zum Auftreten, zur Häufigkeit und Dauer des Flush-Syndroms sowie mögliche Begleitsymptome, wie zum Beispiel Durchfall, Gewichtsverlust oder Stress.
Auch eine Befragung zur Medikamenteneinnahme ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.
Ein hoher Blutdruck (s. Bluthochdruck) als mögliche Ursache lässt sich ausschließen, indem man mehrere Male den Blutdruck misst, sowie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung veranlasst. Hat man eine Vermutung, wodurch ein Flush-Syndrom bedingt sein kann, können im nächsten Schritt einige aufwendigere Diagnosemethoden, wie bildgebende Verfahren oder Labortests vorgenommen werden.
Besteht der Verdacht auf eine Raumforderung, also einen Tumor, können beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums oder ein Röntgen des Brustkorbs veranlasst werden.
Zudem lassen sich im Blut oder im Urin einige Werte bestimmen, die Rückschlüsse auf eine Ursache des Flush-Syndroms zulassen können. Zu ihnen zählen unter anderem das Abbauprodukt des Hormons Serotonin (die 5-Hydroxyindolylessigsäure) und das Chromogranin-A, das ein Tumormarker für das Phäochromozytom ist. Dieses ist ein Tumor der Nebennierenrinde, der typischerweise mit einem Flush-Syndrom einhergeht und Bluthochdruck auslösen kann.
Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel Phäochromozytom und Bluthochdruck

Therapie

Die Behandlung des Flush-Syndroms richtet sich nach dem jeweiligen Auslöser der Symptomatik. Tritt das Flush-Syndrom als eine Nebenwirkung der Medikamenteneinnahme auf, dann kann man das auslösende Medikament absetzen oder auf ein anderes Präparat umstellen. Bei der Einnahme von Tecfidera® sollte die Flush-Symptomatik mit der Zeit abnehmen und schließlich vollständig verschwinden.
Kommt es im Rahmen der Essensaufnahme oder beim Trinken von Alkohol zu einem Flush-Syndrom, so gilt auch hier, die entsprechenden Lebensmittel zu meiden.
Beim Flush-Syndrom im Rahmen einer Allergie gibt es zahlreiche Medikamente, die in der Therapie zum Einsatz kommen. Hierzu zählen vor allem sogenannte Antihistaminika und Cortison-Präparate.
Kommt es aufgrund einer Tumorerkrankung zum Auftreten des Flush-Syndroms, dann ist unbedingt die Grunderkrankung zu behandeln. Je nach Tumorstadium und –ausdehnung kommt eine operative Therapie, eine chemotherapeutische Behandlung oder eine Strahlentherapie zum Einsatz.

Weitere Informationen zum Thema Flush-Syndrom

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 19.12.2018
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