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Herzmuskelschwäche

Einleitung

Die Herzmuskelschwäche oft auch Herzschwäche genannt, ist eine weit verbreitete Erkrankung, die besonders ältere Menschen betrifft, sie kann jedoch auch bei jungen Menschen auftreten. Medizinisch wird die Erkrankung auch als Herzinsuffizienz bezeichnet. Dabei kommt es mit der Zeit zu einer Abnahme der Pumpleistung des Herzens und letztendlich unter Umständen zum Pumpversagen.

Die Herzinsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben und in ihrem Schweregrad variieren. Für die Patienten besteht ab einer gewissen Ausprägung häufig ein hoher Leidensdruck, da die körperliche Leistungsfähigkeit stark abnimmt.

Lesen Sie mehr zum Thema: Herzschwäche.

Ursachen

Die Ursachen für eine Herzmuskelschwäche sind vielfältig. Der Herzmuskel kann beispielsweise direkt geschädigt werden und dadurch seine Leistungsfähigkeit verlieren. Dies kann der Fall sein nach einem Herzinfarkt, bei einer koronaren Herzerkrankung oder im Rahmen einer Herzmuskelentzündung.

Zudem wird der Herzmuskel geschwächt, wenn er stets gegen einen zu hohen Druck anpumpen muss, beispielsweise bei Bluthochdruck (arterieller Hypertonie) oder einer verengten Aortenklappe oder Pulmonalklappe.
Ist die Aortenklappe undicht, Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer Aortenklappeninsuffizienz, fließt ein Teil des ausgeworfenen Blutvolumens in der Entspannungsphase des Herzens in das Herz zurück. Dadurch erhöht sich das Volumen und die Herzkammern werden übermäßig gedehnt. Auch dieser Zustand kann auf Dauer zu einer Herzmuskelschwäche führen.

Wenn sich Flüssigkeit im Herzbeutel befindet (Perikarderguss), wird das Herz eingeengt und in seiner Funktion behindert. Dies kann ebenfalls eine Herzinsuffizienz bedingen. Zudem konnte festgestellt werden, dass Menschen mit Schlafstörungen häufiger an einer Herzmuskelschwäche erkranken.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome eines Herzinfarktes​​​​​​​

Symptome

Die Herzmuskelschwäche macht sich meist zunächst unter körperlicher Belastung bemerkbar. Dabei äußert sie sich unterschiedlich, je nachdem ob die rechte oder die linke Herzkammer schwerpunktmäßig betroffen ist.

Bei einer Schwäche der linken Herzkammer, der sogenannten Linksherzinsuffizienz leiden die Patienten vor allem unter Luftnot (Dyspnoe / Atemnot bei Herzschwäche) bei körperlicher Anstrengung. In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung kann die Luftnot auch bereits unter Ruhebedingungen bestehen, dann spricht man auch von Ruhedyspnoe. Die Luftnot verschlechtert sich in der Regel im Liegen, da dann mehr Blutvolumen zum Herzen zurückfließt und ein höherer Druck auf dem Brustkorb lastet. Die Betroffenen schlafen oft mit erhöht gelagertem Oberkörper, beispielsweise indem sie sich mehrere Kissen unter Kopf und Rücken legen.

Durch das Unvermögen des Herzens, das ganze Blutvolumen ausreichend schnell abzutransportieren kann es zum Flüssigkeitsaustritt in die Lunge kommen. Dies bezeichnet man als kardiales Lungenödem. Es macht sich durch Atemnot, rasselnde Geräusche bei der Atmung und gegebenenfalls schaumigen Auswurf beim Husten bemerkbar. Bei der Linksherzinsuffizienz sammelt sich bevorzugt das Wasser in der Lunge.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Wasser in der Lunge - Ursachen.

Bei einer Leistungsminderung der rechten Kammer, die als Rechtsherzinsuffizienz bezeichnet wird, sammelt sich Wasser vor allem in den Beinen. Diese Beinödeme führen zu einem Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen. Sie sind geschwollen und schmerzen häufig. Im Liegen nehmen die Beinödeme ab, da das Wasser dann aus dem Gewebe leichter zum Herzen zurückfließen kann. Dies erklärt auch, weshalb Patienten mit Herzinsuffizienz häufig nachts Wasserlassen müssen.
Flüssigkeit sammelt sich häufig auch im freien Bauchraum, dabei spricht man dann von Aszites. Der Bauch ist bei schwerer Ausprägung dann dick und stark flüssigkeitsgefüllt. Bei Anstoßen der Bauchdecke lässt sich in diesem Fall dann eine Welle beobachten, die durch die schwappende Flüssigkeit ausgelöst wird.

Lesen Sie mehr zum Thema: Herzschwäche Symptome.

Wie erkenne ich eine Herzmuskelschwäche?

Die Herzmuskelschwäche äußert sich durch charakteristische Symptome, wie Atemnot, verminderte körperliche Belastbarkeit, Beinödeme und häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie).

Da die Patienten mit der Zeit durch die Erkrankung immer stärker eingeschränkt sind, suchen sie häufig früher oder später einen Arzt auf. Da die Prognose der Erkrankung umso besser ist, je früher sie entdeckt und behandelt wird, sollte beim Auftreten genannter Symptome frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann durch eine gezielte Untersuchung meist recht schnell zu einer Diagnose kommen und die entsprechende Therapie einleiten.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Beschwerden und Symptome einer Herzmuskelschwäche.

Diagnose

Die Diagnose der Herzmuskelschwäche wird durch einen Arzt auf der Basis verschiedener Untersuchungen gestellt. Bereits durch Befragung des Patienten und Schilderung der für die Erkrankung typischen Symptome kann der Arzt Anhaltspunkte für ein kardiales Geschehen erlangen.

In der anschließenden körperlichen Untersuchung lassen sich ebenfalls meist Hinweise finden. So könnten dem Arzt Beinödeme, gestaute Halsvenen, Aszites, ein zu schneller Puls (Tachykardie) und eine vergrößerte Leber auffallen. Beim Abhören des Patienten können Rasselgeräusche über der Lunge durch ein Lungenödem, sowie ein dritter Herzton auffallen.

Besonders wegweisend für die Diagnostik ist die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie). Dabei kann der Arzt das Herz bildlich darstellen und auf seine Gestalt und Funktionsfähigkeit hin überprüfen. Vergrößerte Herzkammern, verdickte Herzmuskelwände oder dysfunktionale Herzklappen würden in der Echokardiografie auffallen.

Um zusätzliche Informationen zu bekommen, können auch weitere Untersuchungsmaßnahmen ergriffen werden. Eine Möglichkeit ist die Bildgebung mittels Röntgen oder MRT (lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: MRT Herz). Dabei kann eine Herzvergrößerung sichtbar gemacht und beispielsweise eine Lungenstauung erkannt werden. Diese Verfahren können auch aufschlussreich sein, um die mögliche Ursache für die Herzinsuffizienz herauszufinden.

Gleiches gilt für die Untersuchung des Blutes des Patienten, bei der unter anderem die Zucker- und Nierenwerte untersucht werden können.

Therapie

Für die Behandlung der Herzmuskelschwäche ist es wichtig, dass Risikofaktoren, die zu der Krankheit geführt, beziehungsweise diese aufrechterhalten, beseitigt oder gut eingestellt werden.

Dazu gehört unbedingt eine Modifikation des Lebensstils. Die Patienten sollten ihr Gewicht normalisieren, weniger als 2 L am Tag trinken, um das Herz zu entlasten, wenig Kochsalz zu sich nehmen, auf Alkohol und Nikotin nach Möglichkeit verzichten.
In frühen Stadien der Erkrankung wird ein leichtes körperliches Ausdauertraining empfohlen. In späten Stadien würde dies das kranke Herz zu sehr anstrengen und keinen Nutzen mehr bringen, daher sollte dort die körperliche Schonung im Vordergrund stehen.

Da die meisten Patienten nicht allein unter einer Herzmuskelschwäche leiden, sondern auch andere kardiovaskuläre Erkrankungen haben, sollte der Blutdruck gut eingestellt werden.

Eine koronare Herzkrankheit als Ursache für die Herzinsuffizienz sollte regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls interveniert werden.
Liegt eine Herzklappenerkrankung zugrunde, sollte diese je nach Schweregrad operativ versorgt werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: klinische Aspekte der Herzklappen.

Weitere Risikofaktoren, wie ein erhöhter Blutzucker im Rahmen eines Diabetes mellitus oder erhöhte Cholesterinwerte sollten ebenfalls therapeutisch gut eingestellt werden.

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen erfolgt eine medikamentöse Therapie. Diese richtet sich maßgeblich nach dem Stadium der Erkrankung. Die Stadien werden nach den Kriterien der New York Heart Association (NYHA) vergeben. Die vier Stadien werden dabei aufsteigend mit verschieden vielen Arzneimitteln behandelt (Stufentherapie). Dazu eingesetzte Präparate sind zum Beispiel ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, Betablocker, Diuretika und Aldosteronantagonisten.

In sehr schweren Fällen, in denen die medikamentöse Therapie nicht mehr hilft, kann auch die Implantation eines Herzschrittmachers angezeigt sein. In diesen Fällen ist auch eine Herztransplantation anzustreben.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie Herzschwäche.

Prognose

Die Prognose einer Herzmuskelschwäche richtet sich vor allem nach ihrem Schweregrad. Wird die Erkrankung im Frühstadium erkannt und frühzeitig und adäquat therapiert, so können die Patienten oft ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen. In späten Stadien ist die Krankheit oft so weit fortgeschritten, dass auch mit medikamentöser Therapie noch starke Einschränkungen der Lebensqualität bestehen.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung mit einer Herzinsuffizienz kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. Sie hängt sehr von den Voraussetzungen ab, die der Patient mitbringt. Dafür wichtig sind Alter und Lebensstil des Patienten, sowie Schwere der Krankheit und Begleiterkrankungen.

Patienten, die an einer sehr weit fortgeschrittenen Herzinsuffizienz leiden und zusätzlich weitere kardiovaskuläre Erkrankungen oder sonstige Erkrankungen haben, versterben früher, als Patienten, die eine Herzinsuffizienz im Frühstadium ohne sonstige Erkrankungen haben.
Im Durchschnitt verstirbt die Hälfte der Patienten innerhalb von vier Jahren nach Diagnosestellung, wobei die Streuweite aufgrund der unterschiedlichen Krankheitsausprägung und Begleiterkrankungen sehr groß ist.

Folgen einer Herzmuskelschwäche

Die Folgen einer Herzmuskelschwäche äußern sich vor allem in der verminderten Belastbarkeit der Patienten. Sie leiden unter Atemnot, können sich schließlich kaum noch körperlich belasten und dementsprechend kaum noch an Aktivitäten teilnehmen. Zudem können durch die eingeschränkte Funktion des Herzens auch die anderen Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, so kann es beispielsweise zu einem Nierenversagen kommen.

Im schlimmsten Fall kann ein kardiogener Schock entstehen, wenn das Herz akut dekompensiert, also akut überlastet ist und seine Funktionsfähigkeit einbricht. Der kardiogene Schock äußert sich durch einen schnellen Puls, niedrigen Blutdruck, schwere Atemnot, Kaltschweißigkeit und Bewusstseinstrübung. Dadurch kann es unter Umständen auch zum Tod kommen.

Prophylaxe

Die Entwicklung einer Herzmuskelschwäche lässt sich nicht immer vermeiden. Viele Faktoren spielen in der Pathogenese der Erkrankung eine Rolle. Dennoch helfen viele vorbeugende Maßnahmen, das Herz kraftvoll und gesund zu erhalten.

Die Modifikation des Lebensstils ist daher von zentraler Bedeutung. So sollte jeder Mensch sich mindestens 3x wöchentlich für je 30 Minuten körperlich betätigen. Dazu eignen sich Ausdauersportarten, wie Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Walking. Durch Ausdauersport wird das Herz-Kreislauf-System gestärkt und ist künftig belastbarer.
Auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung spielt eine große Rolle. Hohe Blutfettwerte sind ein wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Nahrung sollte daher ballaststoffreich, vitaminreich und eher fettarm gestaltet werden. Es wird empfohlen, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich zu nehmen.

Durch ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung kann bereits viel erreicht und ein Großteil kardiovaskulärer Erkrankungen vermieden werden.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Ernährung bei Herzerkrankungen.

Sport

Sport wirkt präventiv im Bezug auf kardiovaskuläre Erkrankungen. Leichter Ausdauersport kann das Risiko für das Auftreten einer Herzmuskelschwäche deutlich senken.

Liegt bereits eine Herzmuskelschwäche vor, so sollte Sport in den Anfangsstadien durchaus praktiziert werden. Dabei sollte leichter Ausdauersport gemacht werden, der das Herz nicht zu sehr anstrengt. Dies kann die Pumpfunktion des Herzens verbessern. Leistungssport sollte nicht ausgeübt werden, denn bei zu starker Belastung wird eher der gegenteilige Effekt erzielt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema unter: Ausdauersportarten.

In späteren Stadien der Erkrankung wird eine sportliche Betätigung generell nicht empfohlen. Da die Patienten im Spätstadium bereits meist unter erheblicher Atemnot leiden, sind sie ohnehin nicht in der Lage, sich stärker körperlich zu belasten. Das Herz würde durch Sport nur viel zu sehr belastet werden und könnte den Anforderungen in der Belastungssituation nicht gerecht werden. Daher wird ab einem gewissen Schweregrad körperliche Schonung bis hin zur Bettruhe empfohlen.

Schwangerschaft bei Herzmuskelschwäche

Schwangere Frauen, die unter einer Herzmuskelschwäche leiden, tragen ein höheres Risiko bezüglich ihrer und der kindlichen Gesundheit. Dennoch ist eine Herzmuskelschwäche nicht per se ein Grund, kein Kind zu bekommen. Die Schwangere sollte jedoch beachten, dass sie sich regelmäßig sowohl gynäkologisch als auch kardiologisch überwachen lässt. So kann im Ernstfall frühzeitig reagiert werden. Die Ärzte kontrollieren bei den Untersuchungen engmaschig die Entwicklung des ungeborenen Kindes und beobachten, ob dieses regelrecht an Größe und Gewicht zulegt.

Zudem muss die Medikation bei einer Schwangerschaft häufig angeglichen werden. Viele Medikamente dürfen während einer Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Eine Frau, die dauerhaft Medikamente einnimmt und glaubt, schwanger zu sein, sollte dies daher umgehend ärztlich abklären und ihre Medikation daran anpassen lassen. Ansonsten besteht das Risiko, dass das Kind Folgeschäden davon trägt.

Generell sollten schwangere Frauen mit Herzmuskelschwäche jegliche Mehrbelastung ihres Kreislaufs vermeiden. Sport sollte nur in Absprache mit einem Arzt getrieben werden, die Mahlzeiten sollten über den Tag verteilt in kleineren Portionen eingenommen werden. Die Geburt sollte im Krankenhaus erfolgen. Bei schweren Herzfehlern wird der Schwangeren in der Regel zu einem Kaiserschnitt geraten.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema Herzmuskelschwäche finden Sie unter:

Eine Übersicht aller bisher veröffentlichten internistischen Themen finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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