Herzstolpern durch die Schilddrüse

Definition

Als Herzstolpern bezeichnet man außerhalb des normalen Herzrhythmus auftretende Extraschläge des Herzens. Im Fachjargon werden sie als Extrasystolen bezeichnet. Oftmals treten sie bei jungen, herzgesunden Menschen auf, nicht immer sind Auslöser oder Ursachen zu finden. Bestimmte Schilddrüsenerkrankungen können jedoch das (gehäuften) Auftreten von Herzstolpern begünstigen. Erfolgt eine Behandlung der Schilddrüsenerkrankung, verschwinden dann oftmals auch die Extrasystolen.

Die Ursachen

Bei Herzstolpern, das durch eine Erkrankung der Schilddrüse bedingt ist, handelt es sich fast immer um eine Schilddrüsenüberfunktion. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Eine der häufigsten ist eine Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow. Hierbei werden Antikörper produziert, die an Schilddrüsenrezeptoren andocken und die Schilddrüsenhormonproduktion anregen.

Auch eine Autonomie der Schilddrüse, also eine Art Entkopplung einzelner Schilddrüsenareale von der normalen Regulation, kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Weiterhin können eine Schilddrüsenentzündung oder andere Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditiszu einer vorübergehenden Überaktivität der Schilddrüse mit vermehrter Schilddrüsenhormonproduktion führen.

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Die Schilddrüsenüberfunktion

Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, kann diese ursächlich für das Auftreten von Herzstolpern sein. Wie bereits oben erwähnt, können verschiedene Erkrankungen eine Überaktivität der Schilddrüse auslösen.

Kommt es im Rahmen der Überfunktion zu einer vermehrten Produktion von Schilddrüsenhormonen, hat dies verschiedene Auswirkungen auf den Körper. Grundsätzlich kann man sagen, dass Schilddrüsenhormone den Körper aktivieren. Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, kommt es also zu einer Art dauerhafte Überaktivierung des Körpers. Dies kann sich unter anderem in verschiedenen Herzrhythmusstörungen, auch Herzstolpern, zeigen.

Informieren Sie sich hier rund über das Thema:Die Schilddrüsenüberfunktion.

Die Schilddrüsenunterfunktion

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden von der Schilddrüse zu wenige Schilddrüsenhormone produziert. Hierdurch kann es zu verschiedenen Symptomen wie Gewichtszunahme, verstärktem Kälteempfinden oder Haarausfall kommen. Herzstolpern ist kein typisches Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion.

Weitere begleitende Symptome

Tritt das Herzstolpern im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion auf, können weitere begleitende Symptome bestehen. Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen verursacht eine Art Überaktivität des Körpers. Es kommt daher neben Herzstolpern und anderen Arten von Herzrhythmusstörungen zu Symptomen wie Unruhe, Nervosität, Stimmungsschwankungen, Zittern, Schwitzen, Schlafstörungen, Gewichtsabnahme trotz vermehrten Appetits, Herzrasen und Bluthochdruck.

Lesen Sie hier weiter: Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion.

Die Diagnose

Um die Diagnose von Herzstolpern durch eine Schilddrüsenerkrankung zu stellen, müssen zunächst die Extrasystolen in einem EKG nachgewiesen werden. Oftmals ist dies in einem normalen EKG nicht möglich da die Ableitungsdauer der Herzaktion nur wenige Sekunden beträgt und Extrasystolen meist deutlich seltener auftreten. Es bietet sich daher die Ableitung eines 24-Stunden-EKGs an, hier kann das Herzstolpern dann unter Umständen verifiziert werden.

Um eine Schilddrüsenfunktionsstörung festzustellen, muss eine Blutentnahme mit der Bestimmung von Schilddrüsenwerten erfolgen. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor und tritt gehäuft Herzstolpern auf, so kann angenommen werden, dass beides miteinander zusammenhängt. Sicher bewiesen werden kann die Kausalität allerdings nicht.

Die Behandlung

Bei Herzstolpern durch die Schilddrüse muss die Schilddrüsenfunktionsstörung – meist eine Schilddrüsenüberfunktion – behandelt werden. Diese Behandlung erfolgt durch verschieden Maßnahmen, je nach auslösender Ursache. Liegt ein Morbus Basedow vor, erfolgt die Behandlung meist medikamentös. Eingesetzt werden Medikamente, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen hemmen, man bezeichnet sie als Thyreostatika. Die Medikamente müssen in der Regel über mindestens ein Jahr eingenommen werden. Kommt es nach Absetzen der Medikamente wiederholt zu Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung), kann eine Operation oder eine sogenannte Radiojodtherapie notwendig werden.

Eine Operation mit Entfernung des überaktiven Schilddrüsenanteils ist auch bei einer Autonomie die Therapiemethode der Wahl. Bei vielen Patienten kommt jedoch auch eine Radiojodtherapie in Frage. Hierbei handelt es sich um eine Art Strahlentherapie bei der das überaktive Gewebe durch die Einnahme von radioaktivem Jod bestrahlt wird.

Zur raschen Behandlung der unangenehmen Symptome, die im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, wie zum Beispiel das Herzstolpern, können Betablockern eingesetzt werden. Sie dienen jedoch nicht der Beseitigung der Ursache sondern nur der Symptomlinderung.

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Die Prognose

Die Prognose von Herzstolpern, welche durch die Schilddrüse ausgelöst wird, ist in der Regel gut. Das Herzstolpern hat in den meisten Fällen keine negativen Auswirkungen auf den Körper außer, dass es für den Betroffenen unangenehm sein kann.

Nichtsdestotrotz muss die zugrundeliegende Erkrankung, die Schilddrüsenüberfunktion, behandelt werden da sie sonst zu schweren Schäden führen kann.

Der Krankheitsverlauf

Bei einer adäquaten Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion verschwindet ein Herzstolpern durch die Schilddrüse meist rasch. Wird die Schilddrüsenfunktionsstörung nicht behandelt, kann das Herzstolpern immer wieder auftreten.

Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 18.06.2019 - Letzte Änderung: 08.06.2021