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Herzstolpern in den Wechseljahren

Definition

Unter Herzstolpern versteht man im medizinischen Sinne sogenannte Extrasystolen, die zu den Herzrhythmusstörungen zählen. Eine Extrasystole entspricht einem zusätzlichen Schlag, der außerhalb des normalen Rhythmus des Herzens einsetzt. Dieser Schlag setzt ein wenig früher als der eigentlich folgende Herzschlag ein. Da das Herz nach jedem Schlag kurze Zeit benötigt um sich wieder in den Ausgangszustand zu begeben und von dort aus neu erregt zu werden, ist es meist für den folgenden Herzschlag nicht bereit und dieser fällt aus. Dieses Aussetzen wird „kompensatorische Pause“ genannt und oft als Herzstolpern empfunden. Die nächsten Schläge folgen wieder im normalen Rhythmus. In den Wechseljahren kann es zu einem gehäuften Auftreten von Herzstolpern kommen.

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Ursachen

In den Wechseljahren können sowohl hormonbedingte Veränderungen die Ursache des Herzstolperns sein, als auch andere Ursachen, die unabhängig von Hormonveränderungen auftreten. Sie können ihren Ursprung in der Herzkammer (ventrikulär) oder in bestimmten Zellen des Herzvorhofes (supraventrikulär) haben.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Ursachen von Herzstolpern

In den aller meisten Fällen hat das Auftreten jedoch keinen Krankheitswert, sondern ist ein normales Phänomen. In den Wechseljahren kommt es zu einem natürlichen Abfall der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron (Lesen Sie hierzu auch: Hormone in den Wechseljahren). Da diese Hormone auf viele Organsysteme des Körpers Einfluss haben, kommt es zu vielen Veränderungen. Dazu zählen unter anderem auch eine Veränderung der psychischen Stimmung, oft verbunden mit erhöhter Empfindlichkeit, Stimmungsschwankungen und depressiver Verstimmung. Auch Hitzewallungen, Schlafstörungen und Nachtschweiß können auftreten. Oft sind diese Veränderungen mit Stress, Unruhe und zum Teil ängstlichen Gefühlen verbunden.

Diese Faktoren haben Einfluss auf das vegetative Nervensystem, das den Herzrhythmus an die jeweilige Situation anpassen kann und bei Stress versucht zu beschleunigen. Somit begünstigen Stress, Unruhe und Angst das Auftreten von Herzstolpern. Besonders in Kombination mit Nikotin, Alkohol oder Koffein werden sie begünstigt.

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Eine andere Veränderung, die der Hormonabfall mit sich bringt, ist der Verlust des Schutzes der Gefäße. Östrogen reguliert zum einen die Fettverteilung des Körpers, zum anderen sorgt es für einen Weitstellung der Gefäße. Nach Abfall des Hormonspiegels kommt es zu einer Umverteilung des Fettes im weiblichen Körper, wodurch der Fettspiegel im Blut ansteigt. Sowohl die Engstellung der Gefäße, als auch die erhöhten Blutfettspiegel führen zu einer verstärkten Verkalkung der Gefäße. Auch am Herzen. Somit wird das Herz schlechter durchblutet und Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern können vermehrt auftreten.

Des Weiteren gibt es auch andere Ursachen die unabhängig von den Wechseljahren, aber zufälligerweise gleichzeitig auftreten können. Diese sind beispielsweise die Erkrankung oder Entzündung des Herzens oder der Herzklappen, ein Herzinfarkt, eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Störung des Elektrolythaushalts z.B. ein Kaliummangel. Auch einige Medikamente können Herzstolpern auslösen.

Diagnose

Meist ist das Auftreten von Herzstolpern ein ganz normales Phänomen des Herzens. Jedoch sollte bei langem Anhalten von Beschwerden oder Rhythmusstörungen die länger als 30 Sekunden andauern, bei häufigem Auftreten oder bei starken Begleitsymptomen ein Arzt aufgesucht werden. Zur Diagnose von Herzstolpern und der  Frage ob ein Zusammenhang mit den Wechseljahren besteht, ist besonders das Gespräch mit dem Arzt, also die Anamnese wichtig. Hier sollten Vorerkrankungen und Risikofaktoren für Herzerkrankungen wie das Rauchen zur Sprache kommen. Außerdem sind für den Arzt die Häufigkeit, die Dauer und die Begleitsymptome wichtig. Auch sollte darüber gesprochen werden, ob die Beschwerden belastungsabhängig auftreten. Zur weiteren Untersuchung wird das Herz abgehört, der Blutdruck gemessen und die Pulse werden getastet. Somit können Unregelmäßigkeiten im Rhythmus und der Frequenz des Herzens erkannt werden. Außerdem kann der Arzt beim Auftreten abnormaler Herzgeräusche auf andere Herzerkrankungen schließen.

Eine weitere diagnostische Möglichkeit ist die EKG-Untersuchung. Hierbei wird die Erregungsausbreitung des Herzens dargestellt, wodurch auf den Ursprung der zusätzlichen Erregung geschlossen werden kann. Zudem kann mit einem Herzultraschall das Herz angesehen werden und Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Fehler der Herzklappen, erkannt oder ausgeschlossen werden. Wichtig besonders für die Frage ob das Herzstolpern mit den Wechseljahren in Verbindung steht, ist die Blutuntersuchung, bei der die Hormonspiegel im Blut und bei Herzerkrankungen erhöhte Proteine gemessen werden.

Begleitende Symptome

Herzstolpern in den Wechseljahren kann mit oder ohne Begleitsymptome auftreten. In den aller meisten Fällen besitzt das alleinige auftreten von Herzstolpern, also von Extrasystolen, keinen Krankheitswert. Treten Begleitsymptome in zeitlicher Nähe zum Herzstolpern auf, sollte abgeklärt werden ob es sich um reine Symptome der Wechseljahre handelt oder ob eine zusätzliche Erkrankung des Herzens vorliegt.

Solche Begleitsymptome können Schweißausbrüche, nervliche Unruhe oder Herzrasen sein. Diese Symptome treten besonders bei nervösen Menschen als ängstliche Reaktion auf das Herzstolpern auf. Sie deuten also meist nicht auf eine Krankheit, sondern eher auf das emotionale Empfinden hin. Bei anderen Begleitsymptomen wie Schwindel, Bewusstseinseinschränkungen, starke Schmerzen in der Brust oder im Oberbauch und Atemnot weisen demgegenüber eher auf eine zugrundeliegende Erkrankung des Herzens hin.

Tritt das Herzstolpern und die Begleitsymptome stärker bei Belastung auf, sollte man die Ursache der Beschwerden durch einen Arzt abklären lassen. In seltenen Fällen kann es zu Husten als Begleitsymptom kommen. Bei Herzstolpern ist der Puls oft stärker zu spüren. Besonders die Blutgefäße am Hals liegen nah beim Herzen. Daher kann das verstärkte Pochen ab und zu einen Hustenreiz auslösen.

Behandlung/ Therapie

Generell sollte vor der Entscheidung für eine Therapie des Herzstolperns die Ursache gesichert und dementsprechend therapiert werden. Dies gilt sowohl für Beschwerden die abhängig oder unabhängig von den Wechseljahren auftreten. Da das meiste Herzstolpern, also die Extrasystolen, als normales Phänomen bei gesunden Menschen auftreten, bedürfen sie in diesem Fall keiner Therapie. Hilfreich können hier Entspannungsmethoden oder ruhiges Durchatmen sein. Vor allem wenn es aufgrund von Hormonumstellungen im Körper zu vermehrten Emotionen und Stress- der Angstgefühlen kommt.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Therapie von Herzstolpern

Beim Vorhandensein von Vorerkrankungen, besonders bei Erkrankungen des Herzens oder zurückliegendem Herzinfarkt, sollte die Ursache genau festgestellt und therapiert werden. Ansonsten sollte der Gehalt an wichtigen Spurenelement im Blut, wie Kalium oder Magnesium überprüft werden. Liegt dieser unter dem normalen Bereich, sollten diese Stoffe dem Körper wieder ausreichend zugefügt werden. Bei einem Mangel an Kalium, helfen kaliumreiche Nahrung wie Vollkornprodukte oder Bananen (Lesen Sie hierzu auch: Erkennen eines Kaliummangels). Magnesium ist vor allem in Sonnenblumenkernen, Hülsenfrüchten und Linsen vorhanden. Außerdem können diese Stoffe in Tablettenform eingenommen werden. Dies sollte aber in jedem Fall mit einem Arzt besprochen werden, da Überdosierungen sehr schwere Nebenwirkungen haben können.

Ist das Herzstolpern so stark ausgeprägt, dass es zu einer starken Störung des Herzrhythmus kommt, die die Pumpleistung des Herzens einschränkt, können Medikamente eingesetzt werden die den Rhythmus des Herzens beruhigen und wieder in den normalen Takt bringen sollen. Diese Medikamente werden Antiarrhythmika genannt. Sie greifen stark in die Funktion des Herzen, seine Schläge selbst zu regulieren, ein. Dadurch entsteht bei dieser Therapie ein erhöhtes Risiko, dass eine unkoordinierte Erregung des Herzens entsteht. Dies kann zu der bis hin zu sogenannten Kammerflimmern und zu einem plötzlichen Herztod führen.

Auf Hormonpräparate sollte sowohl zur Therapie des Herzstolperns, als auch zum Vorbeugen eines Herzinfarktes verzichtet werden, da diese Medikamente viele Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko mit sich bringen.

Medikamente gegen Herzstolpern in der Schwangerschaft

Auch einige Medikamente selbst können zur Entstehung von Extrasystolen führen, die sich als Herzstolpern bemerkbar machen. Wichtig für die Entstehung der Erregung des Herzens die zum Herzschlag führt ist, dass viele Stoffe im Körper im Gleichgewicht vorliegen. So wird auch eine gewisse Menge an Kalium benötigt. Durch einige Medikamente wie zum Beispiel Diuretika, die zur vermehrten Ausscheidung von Wasser genutzt werden, wird auch vermehrt Kalium ausgeschieden und es kommt zu einem Kaliummangel im Körper. Dieser kann zu Herzrhythmusstörungen und Herzstolpern führen. In den Wechseljahren kommt es zu einer Umverteilung von Fett und Wassereinlagerungen im Körper. Dabei ist die Gabe von Diuretika zu vermeiden da diese Medikamente zu Herzstolpern führen.

In Stress und Angstsituationen wird das sympathische Nervensystem aktiviert und dadurch die Aktivität des Herzens gesteigert. Medikamente, die das sympathische Nervensystem aktivieren, können auch den Rhythmus des Herzen beeinflussen und dadurch zu Herzstolpern führen. Sie werden Sympathomimetika genannt. Auf eine ähnliche Art können auch manche Antidepressiva den Herzschlag beeinflussen. Da die Hormonumstellung in den Wechseljahren oft zu Stimmungsschwankungen führt, kann es sein, dass diese Medikamente hier eingesetzt werden.

Zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen werden häufig Antiarrhythmika eingesetzt. Diese beeinflussen den Rhythmus des Herzens direkt. Sie sollen eigentlich den Herzschlag so regulieren, dass eine normale Herzfrequenz mit einer ausreichenden Schlagkraft der Herzkraft entsteht. Sind sie nicht richtig eingestellt oder Schlagen nicht richtig an, können auch hier Extrasystolen also Herzstolpern entstehen. Im Allgemeinen sollte man besonders bei der erstmaligen Einnahme von Medikamenten auf Auffälligkeiten oder Nebenwirkungen achten und besonders beim Auftreten von Herzproblemen, wie häufigem Herzstolpern, einen Arzt aufsuchen.

Homöopathie bei Herzstolpern in der Schwangerschaft

Da die häufigste Ursache von Herzstolpern in den Wechseljahren Stress-, Unruhe- und Angstzustände sind, können hier homöopathische Mittel eine gute Hilfe zur Entspannung sein. Andererseits ist es wichtig bei anhaltenden Beschwerden oder Verschlechterungen einen Arzt aufzusuchen.

Die Homöopathie bietet viele verschiedene Mittel die entspannend oder beruhigend wirken können und somit Herzstolpern vermindern können, dazu zählen unter anderem einige Schüssler-Salze oder Heilsteine. 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema: Homöopathie bei Herzstolpern

Dauer

Das Auftreten des Herzstolperns kann unterschiedlich lange und mit verschiedener Häufigkeit passieren. Treten die Beschwerden zum ersten mal mit Beginn der Wechseljahre auf, kann dies auf einen Zusammenhang mit der Hormonumstellung deuten, der jedoch nicht gefährlich ist. Es sollte auf die Anzahl der Beschwerden geachtet werden. Sehr wichtig ist es bei Herzstolpern, dass mehrere Male, länger als 30 Sekunden am Stück auftritt einen Arzt aufzusuchen, da hier eine Herzerkrankung als Ursache wahrscheinlicher ist.

Roemheld-Syndrom

Das Roemheld-Syndrom beschreibt Herzbeschwerden, die als Reaktion eines Drucks auf das Herz durch den Magen oder den Darm entstehen. Zu diesen Beschwerden können auch Extrasystolen zählen, also ein zusätzlicher Herzschlag, der sich als Herzstolpern spürbar macht. Magen und Darm liegen im Bauch direkt unter dem Herzen und werden von ihm durch das Zwerchfell getrennt. Sind sie gebläht oder vergrößert kommt es zu einem Druck auf das Herz. Dieser Druck kann durch schwere, blähende im Magen liegende Mahlzeiten, eine Entzündung in der Magengegend oder eine Lebensmittelunverträglichkeit, die wiederum zu Blähungen führt, entstehen.

In den Wechseljahren treten vermehrt verschiedene Verdauungsstörungen auf. Ist der Bauch dabei aufgebläht, kann es auch hier zu einem Druck auf das Herz und folglich zu Herzstolpern kommen. Auch dies wäre ein Beispiel des Roemheld-Syndroms.

Zur Diagnose des Roemheld-Syndroms müssen andere Herzerkrankungen aufgeschlossen werden. Dies wird bevorzugt mittels einer EKG-Untersuchung oder einem Herzultraschall durchgeführt.  Ist ein Roemheld-Syndrom bestätigt kann die Blähung des Bauchs durch Medikamente wie zum Beispiel Lefax® mit Simeticon als Wirkstoff behandelt werden, um die Gasansammlung im Darm zu binden und somit den Druck auf das Herz zu reduzieren.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2018
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