Herzstolpern durch Stress

Stressreaktion

Der menschliche Körper reagiert auf Stress mit einer Alarmreaktion, während der vermehrt Adrenalin und andere Stresshormone ausgeschüttet werden, die den Körper in Alarm- und Handlungsbereitschaft versetzen.

Die zentral ausgelöste Aktivierung führt zu einem Ungleichweit in der Regulation der unbewussten vegetativ gesteuerten Vorgänge im Körper. Diese gestörte Regulation kann zu funktionellen Organstörungen führen und den Körper krank machen.

Ist das auslösende Ereignis kontrollierbar, erwartet der oder die Betroffene also, dass er das Problem bewältigen kann, ist die Stressreaktion schnell unter Kontrolle zu bringen. Bleibt der oder die Betroffene zu lange Ereignissen oder Umständen ausgesetzt, die Stress verursachen, dann können Körper und Psyche keinen Widerstand mehr leisten, im Extremfall kommt es zum Zusammenbruch von Psyche und Körper.


Stressreaktion am Herz

Während der Stressreaktion werden Adrenalin und andere Stresshormone ausgeschüttet. Adrenalin aktiviert das sympathische Nervensystem am Herzen und steigert somit die Herzfrequenz und die Kontraktilität. Außerdem beschleunigt ein erhöhter Adrenalinspiegel im Blut die elektrische Reizweiterleitung des Herzens und senkt die Erregungsschwelle zur Auslösung eines neuen Aktionspotentials, welches dann die nächste Herzaktion einleitet. Die niedrigere Erregungsschwelle macht das Auftreten von Extrasystolen wahrscheinlicher, da mögliche Potentialschwankungen am Ende einer Herzaktion nun einfacher das nötige Schwellenpotential überschreiten können.

Extrasystolen sind Herzaktionen, die nicht dem normalen Herzrhythmus folgen, sondern als Extraschlag des Herzens wahrgenommen werden. Extrasystolen sind prinzipiell unbedenklich, da sie auch bei gesunden Patienten vorkommen und meist sogar gar nicht bemerkt werden. Extrasystolen werden durch eine Stressreaktion begünstigt und machen sich als Herzstolpern bemerkbar. Nicht bei jedem löst Stress Herzstolpern aus, was durch die unterschiedlichen Methoden verschiedener Personen, Stress wahrzunehmen und zu bewältigen, erklärt werden kann. Personen, die schlechter mit Stress umgehen können und Personen, die mehr Stress haben, erleben häufiger ein stressbedingtes Herzstolpern als Personen, die durch Stress weniger beeinflusste sind.
Neben dem Herzstolpern kann es auch zu Herzrasen durch Stress kommen.

Herzangstsyndrom

Herzstolpern durch Stress kann auch Zeichen eines sogenannten Herzangstsyndroms sein, das am häufigsten Männer im mittleren Lebensalter betrifft, die im nahen Bekannten- oder Verwandtenkreis Personen mit einer organischen Herzerkrankung kennen. Die Herzerkrankung der nahestehenden Person wirkt dabei als dauerhaftes Stressereignis (Stressor) auf den Betroffenen und löst mangels Widerstandskraft des Patienten eine Panikstörung aus, die anfallsweise und attackenartig auftritt.

Die Patienten erleben trotz Besitz eines völlig gesunden Herzens schwere Angstanfälle mit starkem Blutdruckanstieg, Schwindel, Schweißausbrüchen und Brustschmerz. Auch Herzstolpern kann Teil dieser Symptome sein, die einem Herzinfarkt sehr ähnlich sind. Das Herzangstsyndrom gehört zu den psychosomatischen Störungen: Trotz gesundem Herzen erlebt der Patient starke Symptome einer Herzerkrankung, die allein durch die Angst vor einer solchen ausgelöst wird.

Symptome

Herzstolpern äußert sich in dem Gefühl, dass das Herz plötzlich einen Aussetzer macht, der nur einen kurzen Augenblick anhält und den Herzrhythmus nicht wesentlich durcheinander bringt. Bei Herzstolpern durch Stress sind häufig viele dieser Aussetzer aneinandergereiht, sodass der oder die Betroffene einen deutlich unregelmäßigen Herzschlag wahrnimmt.

Zusätzlich zum Herzstolpern kann der Puls im Brustraum und Hals gespürt werden. Eventuell wird das Herzstolpern von Brustschmerz, Schwindel und Angst begleitet. Alle diese Symptome sind allerdings nicht durch eine organische Herzerkrankung verursacht, sondern alleinig durch die Auswirkungen der Stressreaktion auf das Herz zu erklären.

Lesen Sie mehr zum Thema: Symptome von Herzstolpern

Stress in Verbindung mit Atemnot

Stress ist eine der Hauptursachen für Herzstolpern.
Oftmals steckt hinter dem Herzstolpern eine eher harmlose Ursache, es gibt jedoch auch Gründe, einen Arzt aufzusuchen. Einer davon ist, wenn zusätzlich zu dem Herzstolpern Atemnot auftritt.

Atemnot ist in diesem Fall ein Zeichen dafür, dass die Pumpleistung des Herzens durch das Herzstolpern und den Stress so weit eingeschränkt ist, dass nicht mehr ausreichend Blut die Lungen und den übrigen Körper erreicht.
Dadurch wird dieses nicht mehr vollständig mit Sauerstoff gesättigt, was im Körper weiteren Stress auslöst und reflektorisch zu vermehrter Atemarbeit führt.
Subjektiv entsteht das Gefühl von Atemnot. Es ist möglich, dass die Atemnot bei Herzstolpern nicht nur durch Stress, sondern durch weitere Ursachen wie Elektrolytverschiebungen oder strukturelle Probleme entsteht. Daher sollte bei Atemnot immer eine Abklärung durch einen Kardiologen erfolgen, der Blutwerte bestimmt, ein EKG mit und ohne Belastung schreibt oder einen Ultraschall vom Herzen macht.

Eventuell muss dann im Anschluss eine Therapie eingeleitet werden, zum Beispiel mit medikamentösen Antiarrhythmika. Wird das Herz für gesund befunden, ist auch hier die Atemnot eher harmlos. So ist es wahrscheinlich, dass die Atemnot durch eine Mischung aus Stress und Herzstolpern sowie daraus entstehender Angst eher psychisch bedingt ist. Trotzdem besteht auch hier die Möglichkeit, das Herzstolpern medikamentös zu behandeln.

Lesen Sie mehr zum Thema: Atemnot und Herzschwäche

Therapie

Patienten, die unter Herzstolpern durch Stress leiden, müssen vom Arzt im ersten Schritt von einer nicht-organischen Ursache ihrer Beschwerden überzeugt werden, um die Angst vor einer Herzerkrankung zu beenden. In leichten Fällen des stressbedingten Herzstolperns, das häufig aufgrund einer akuten Belastung (zum Beispiel durch einen Todesfall) und bei sonst psychisch gesunden Personen auftritt, kann schon ein klärendes Gespräch zwischen Arzt und Patient ausreichend sein, um die Symptomatik zu bessern.
Der Arzt sollte dem oder der Betroffenen erklären, wie er oder sie sich vor einer ausgedehnten Stressreaktion schützen kann.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema: Wie kann man Stress abbauen?

In schwereren Fällen kann eine Verhaltenstherapie zur besseren Stressbewältigung erforderlich werden, die dem Patienten schrittweise einen neuen Umgang mit Stress und Ängsten vermittel.

Lesen Sie mehr zum Thema: Therapie von Herzstolpern

Herzstolpern durch Aufregung

In den meisten Fällen ist Herzstolpern durch Aufregung verursacht.
Dazu zählt sowohl freudige Aufregung als auch Aufregung im Sinne von Stress. Das Herzstolpern ist in diesen Fällen eine physiologische Reaktion, solange es sich um einzelne Aussetzer ohne weitere Symptome handelt.

Aufregung kann als eine Art Alarmzustand gesehen werden, um angemessen und wach auf verschiedene Situationen zu reagieren. Dabei wird auch das Herz angekurbelt, was in manchen Fällen zu Herzstolpern führt. Kommen jedoch zur Aufregung weitere Symptome hinzu, sollte das Herzstolpern weiter abgeklärt werden.

Emotionaler Stress als Ursache von Herzstolpern

Emotionaler Stress ist häufig Ursache von Herzstolpern.

Dazu können sowohl positive als auch negative Empfindungen und Gefühle zählen. Ein nachgewiesen deutlicher Auslöser für Herzstolpern, der wie emotionaler Stress wahrgenommen werden kann, ist das verliebt sein.
Nicht umsonst gibt es die Redewendung, dass das "Herz vor Freude hüpft". Dies lässt sich auch wissenschaftlich nachweisen, verantwortlich für das Herzstolpern ist das Hormon Adrenalin.
Dieses wird bei Stress ausgeschüttet und kann zu Herzstolpern führen. So kann emotionaler Stress direkt am Herzen wirken. Emotionaler Stress wird in ähnlicher Weise auch durch andere positive Empfindungen wie großer Freude verursacht.

Allerdings sind ebenso negative Gefühle dazu in der Lage, dass emotionaler Stress entsteht und zu Herzstolpern führt. Stress in Form von Überarbeitung, Prüfungsstress und sozialer oder familiärer Stress sind dabei eine nicht seltene Ursache für Herzstolpern. Der Mechanismus ist der selbe, Stresshormone überfluten dabei das Herz und bringen es kurzzeitig aus dem Rhythmus. Andere gewichtige Faktoren sind Trauer, Nervosität und auch Schlafprobleme. Emotionaler Stress kann also zu Herzstolpern führen, ist in der Regel aber ungefährlich und schädigt das Herz nicht.
Dauern die Symptome bei Herzstolpern jedoch lange an oder werden schlimmer, sollte man sich überlegen, wie man den Stress reduzieren und so die Symptomatik lindern kann.

Dabei spielt Entspannung in Form von autogenem Training, Yoga oder Atemübungen eine wichtige Rolle.

Psychischer Stress als Ursache von Herzstolpern

Psychischer Stress ist einer der stärksten Umstände, die Herzstolpern auslösen kann.

Beteiligt ist das autonome Nervensystem, genauer gesagt der sogenannte Sympathikus.
Dabei handelt es sich um ein regulatives System, das autonom arbeitet und bei äußeren Belastungen wie körperlicher Anstrengung oder Aufregung aktiviert wird.
Auch psychischer Stress kann den Sympathikus aktivieren. Das Ergebnis ist eine erhöhe Blutkonzentration an Stresshormonen wie Adrenalin, die unter anderem am Herzen wirken und dort Herzstolpern verursachen können.

Psychischer Stress wird dabei durch Belastungen im sozialen Umfeld oder im Beruf hervorgerufen, auch der Stress vor Prüfungen kann zu Herzstolpern führen. Oftmals werden auch Extremsituationen, die mit großer Trauer oder Angst einhergehen, als psychischer Stress empfunden. Für manche bedeutet auch das Gegenteil Stress, beispielsweise wenn man sich verliebt hat.

Lesen Sie mehr zum Thema: Phasen der Trauer

All diese Ursachen können Herzstolpern hervorrufen, sind jedoch in aller Regel absolut normale Reaktionen und bedürfen keiner Abklärung. Bei länger andauerndem Herzstolpern oder wenn weitere Symptome wie Atemnot, Schwindel mit Herzrasen oder andauernde Leistungsminderung hinzu kommen, muss jedoch eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Daneben gibt es noch ein Phänomen, das Herzneurose oder Herzphobie genannt wird. Diese hat psychische Ursachen wie Stress oder Angstgefühle, die Betroffenen klagen über Herzstolpern bis hin zu Schmerzen im Brustbereich, ohne dass organische Ursachen gefunden werden können. Insgesamt gehen Ärzte davon aus, dass rund ein Drittel aller Patienten mit Herzproblemen keine erkennbaren Veränderungen aufweisen.

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Prophylaxe

Schutz vor zu viel Stress schützt natürlich auch vor Herzstolpern durch Stress. Personen, die im Alltag mit viel Stress umgehen müssen, sollten unbedingt auf sich achten und sich genug bewegen. Bewegung bewirkt einen Ausgleich von Psyche und Körper. Ruhige Abendrituale und bewusste Zeiten des Rückzugs wirken prophylaktisch für eine Stresserkrankung.

Qualitätssicherung durch: Dr. N. Gumpert      |     Letzte Änderung: 13.04.2018
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