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Herzstolpern - Wie gefährlich ist das?

Einleitung

Das Gefühl des Herzstolperns kennen viele Menschen. Normalerweise schlägt das Herz regelmäßig und fast unbemerkt. Oder man spürt den kräftigen Herzschlag bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung. Manchmal wird man auf eine Unregelmäßigkeit des Herzschlages aufmerksam. Dieses Herzstolpern wird von sogenannten Extrasystolen verursacht.
 

Wie gefährlich ist das?

Extrasystolen sind in den meisten Fällen völlig harmlos und besitzen keinen Krankheitswert: Beispielsweise werden sie durch Genußmittel (Kaffee, Nikotin, Alkohol), ein aktives vegetatives Nervensystem oder Übermüdung ausgelöst.
Allerdings müssen hier einige Details beachtet werden:
Tritt das Herzstolpern etwa über einen längeren Zeitraum (mehrere Minuten bis Stunden) auf, oder kommt es zu begleitenden Beschwerden wie Atemnot, Schwindel oder Bewusstseinstrübung, sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden.
Dieser kann mit speziellen Untersuchungen (besonders mittels eines EKGs) schnell erkennen, ob Handlungsbedarf besteht.

So kann das Herzstolpern auch Zeichen einer Herzerkrankung, wie einer Herzmuskelentzündung oder einer Verkalkung der Herzkranzgefäße sein oder durch hohe psychische Belastung ausgelöst werden.
Herzstolpern kann aber auch das Symptom einer ganz anderen, weniger gefährlichen Erkrankung sein, beispielsweise einer Schilddrüsenüberfunktion oder einer Elektrolytentgleisung. Auch bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung ein Herzstolpern verursachen. 

Extrasystolen - Was ist das?

Extrasystolen sind zusätzliche Schläge des Herzens außerhalb des normalen Rhythmus. Dieses Phänomen entsteht, weil die Herzzellen von einem anderen Ort aus aktiviert werden als es normalerweise der Fall ist. Im Normalfall entsteht die elektrische Erregung am Sinusknoten, er liegt im rechten Vorhof des Herzens. Von dort aus pflanzt sich die elektrische Erregung über das Herz fort und aktiviert die einzelnen Zellen ähnlich wie eine Welle. Dadurch zieht sich das Herz zusammen und pumpt das Blut in den Körperkreislauf.

Bei einer Extrasystole entsteht diese Erregungswelle früher als der nächste reguläre Schlag des Sinusknotens und an einer anderen Stelle der Herzvorhöfe oder der Herzkammern, es kommt zu einem zusätzlichen Herzschlag. Nach einer erfolgten Erregungswelle sind die Herzzellen einen kurzen Moment nicht in der Lage, erneut aktiviert zu werden. Der nächste Schlag geht dann erst wieder vom Sinusknoten aus und der normale Rhythmus wird aufgenommen. Dadurch kann eine kurze Pause zwischen zwei Herzschlägen entstehen. Beginnt der normale Rhythmus wieder, äußert sich das mit dem Gefühl des Herzstolperns.


Symptome

Herzstolpern macht sich meist mit einem deutlich kräftigeren einzelnen Herzschlag bemerkbar, manchmal wird dieser Herzschlag als schmerzhaft empfunden. Es kann sich auch durch das Gefühl einer Pause bemerkbar machen, als hätte das Herz einen Schlag ausgesetzt. Diese Symptome können sich einige Minuten lang wiederholen und dann von selbst wieder aufhören. Manchmal bleibt es auch über Stunden bestehen oder beginnt nach einiger Zeit von neuem. Konzentriert man sich auf dieses Gefühl sehr stark, weil es unangenehm ist oder beunruhigend, kann es dadurch verstärkt werden. Zusätzlich können noch Symptome wie Schwindel, Atemnot oder Leistungsabfall auftreten.

Diagnose

Rein vom Ablauf her ist es nicht schwierig, Extrasystolen zu untersuchen. Während des Anamnesegesprächs wird versucht, über die Häufigkeit und Dauer des Auftretens eine Einschätzung treffen zu können. Wichtig ist auch, wie sich die Begleitumstände darstellen: Tritt das Herzstolpern immer in bestimmten Situationen oder zu bestimmten Tageszeiten auf? Gibt es dann zusätzliche Symptome wie Atemnot, Schwindel, Leistungsschwäche (bei körperlicher Betätigung) oder Bewusstseinseinschränkungen? Auch bestimmte Medikamente können Extrasystolen auslösen. Nach der körperlichen Untersuchung unter anderem des Herzens, also auf pathologische Herzgeräusche hören, Puls und Blutdruck messen, können weitere geräteunterstützte Untersuchungen folgen.

Da es sich bei einer Extrasystole um eine elektrische Aktivität des Herzens handelt, kann sie durch ein EKG abgebildet werden. Extrasystolen stellen sich dann auf dem Untersuchungsblatt als charakteristische Form dar. Es kann bei nicht dauerhaften Extrasystolen schwierig sein, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, damit sie auch während der Untersuchung erfasst werden. Im Zweifelsfall oder um einen Überblick über die Häufigkeit zu erhalten, wird ein Langzeit-EKG über 24 Stunden eingesetzt. Auch ein Belastungs-EKG mittels Fahrradergometer kann sinnvoll sein, wenn es sich um belastungsabhängiges Herzstolpern handelt. Um organische Erkrankungen des Herzens auszuschließen, kann ein Ultraschall des Herzens durchgeführt werden. Klappenerkrankungen, Erweiterungen der Kammern und Vorhöfe oder die Leistungsfähigkeit des Herzens können mittels dieser Untersuchung ermittelt werden. Auch ein Röntgen des Brustkorbes oder eine elektrophysiologische Untersuchung des Herzens ist möglich, wird aber eher zur weiterführenden oder eingrenzenden Diagnostik durchgeführt. Um die oben erwähnten anderen ursächlichen Erkrankungen auszuschließen, kann eine Blutuntersuchung helfen.

Therapie

Zur Therapie des Herzstolperns kommen verschiedenen Möglichkeiten in Frage. Liegt eine Grunderkrankung vor, sollte versucht werden die Ursache zu beheben oder den Zustand zu verbessern, sodass das Herzstolpern bestenfalls verschwindet. Durch eine medikamentöse Einstellung des Herzrhythmus wird für eine regelmäßige Frequenz gesorgt, die den Extraschlägen vorbeugen soll. Da diese Medikamente auch Nebenwirkungen mitbringen, muss vorher geklärt werden, ob ein Einsatz möglich ist. Eine Verödung des Entstehungsorts im Herzen durch eine Katheterablation stellt eine weitere Therapieoption dar. Fallen die Extrasystolen eher zufällig auf bei sonstiger Gesundheit und werden sie vom Betroffenen nicht als störend empfunden, ist keine Behandlung notwendig.

Wann wird Herzstolpern gefährlich?

Herzstolpern kann harmlos sein und bei einem Menschen mal auftreten, ohne ein Problem oder ernsthafte Erkrankung darzustellen. Wenn es den Betroffenen nicht einschränkt oder Ängste auslöst, kann man gut damit leben. Da Extrasystolen aber auch ein Symptom für eine Erkrankung darstellen können und nicht so leicht von ungefährlichen Extrasystolen zu unterscheiden sind, sollte man sie ärztlich abklären lassen. Bestehen während des Herzstolperns noch weitere Symptome (wie oben genannt), hält es über längere Zeit an oder tritt es während einer körperlichen Belastung auf, sollte es von einem Arzt abgeklärt werden.

Wann ist Herzstolpern beim Sport gefährlich?

Bei körperlichen Anstrengungen wie sportlicher Betätigung wird das Herz-Kreislaufsystem des Körpers deutlich verstärkt in Anspruch genommen und die Organfunktionen verändern sich. Zum Beispiel wird ein wesentlich höheres Blutvolumen durch den Körper transportiert, um die Muskeln mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Das Herz schlägt schneller und kräftiger. All diese Veränderungen haben keine pathologische Bedeutung, sondern werden vom Körper benötigt, um die gestiegenen Anforderungen bewältigen zu können. Vereinzelte Extrasystolen oder Herzstolpern kommen auch bei Sportlern vor, ohne einen Krankheitswert zu besitzen. Sollte das Herzstolpern jedoch gehäuft oder anfallsartig auftreten, hält es längere Zeit nach Beendigung des Trainings an oder kommen Symptome wie Atemnot, Leistungsabfall oder Schwindel hinzu, muss es von einem Arzt abgeklärt werden. Auch für den Betroffenen selbst kann ein Arztbesuch zur Beruhigung beitragen. Extrasystolen können unangenehm werden oder Ängste vor einer ernsthaften Erkrankung auslösen. Diese können durch einen Arztbesuch vielleicht gemildert werden oder die Erkrankung behandelt werden.

Wann ist Herzstolpern in der Schwangerschaft gefährlich?

Während einer Schwangerschaft kommt es im Körper der Mutter zu vielen Veränderungen, damit sich der Körper an die neuen Anforderungen anpassen kann.
So wird beispielsweise das Blutvolumen der Mutter erhöht, um das Kind optimal versorgen zu können. Dadurch erhöht sich der Puls und das Herz vergrößert sich wie bei einem Muskeltraining, um das gesteigerte Volumen transportieren zu können.

Fast bei der Hälfte aller Schwangeren kann es zu neu aufgetretenem oder verstärktem, bereits bekannten Herzstolpern kommen.
Genau wie im nicht-schwangerem Zustand muss dies kein Zeichen für eine Erkrankung des Herzens sein.

Häufig bilden sich diese schwangerschaftsbedingten Extrasystolen nach der Geburt des Kindes wieder von selbst zurück.
Wenn es sich um ein benignes, also harmloses, Herzstolpern handelt, bestehen weder für die Mutter noch für das Kind negative Auswirkungen.
Trotzdem sollten die Symptome abgeklärt werden, um einerseits ernsthafte Rhythmusstörungen ausschließen zu können und andererseits Unsicherheiten und Ängste zu mildern.

Weitere Informationen finden Sie auch unter unserem Thema: Herzstolpern in der Schwangerschaft.

Wann ist Herzstolpern beim Baby gefährlich?

Bereits bei ungeborenen Babys kann es zum Auftreten von Extrasystolen kommen, was für die werdenden Eltern meist ein beunruhigender Gedanke sein kann. In den meisten Fällen stellen sie ebenso wie bei Erwachsenen ein harmloses Ereignis dar. Nur selten stellen sie einen pathologischen Krankheitswert dar oder haben ernsthafte Herzerkrankungen als Ursache. Häufig verschwindet das Herzstolpern einige Zeit nach der Geburt von selbst. Trotzdem sollte eine regelmäßige Kontrolle der Extrasystolen erfolgen, um sicher zu gehen, dass es sich nicht um eine Herzerkrankung handelt.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:

Eine Übersicht über alle bereits veröffentlichten Themen finden Sie unter: Innere Medizin A-Z.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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