Rechter Vorhof


Synonym

Atrium dextrum

Definition

Der rechte Vorhof ist einer der vier Herzbinnenräume, der in den großen Kreislauf eingeschaltet ist. In ihm fließt das Blut über die Hohlvenen ein und wird in die rechte Herzkammer weitergeleitet.

Anatomie

Der rechte Vorhof ist kugelförmig und besitzt auf der Vorderseite das rechte Herzohr. Der Herzmuskel ist im rechten Vorhof etwa 3 mm dick.
Der rechte Vorhof ist von der rechten Herzkammer durch die rechte Segelklappe (Trikuspidalklappe) getrennt. Er erhält das sauerstoffarme Blut von der unteren Körperhälfte über die untere Hohlvene; von der Schulter- , Brust- und Kopfregion über die obere Hohlvene. Die gemeinsame Einstrombahn der beiden Venen heißt Sinus venarum cavarum und stellt den glatten Teil der Vorhofwand dar. Innerhalb des Sinus venarum cavarum befindet sich eine leichte Vorwölbung der Vorhofhinterwand, das Tuberculum intervenosum, das die Veneneingänge abgrenzt. Der andere Teil der Vorhofwand ist von den sogenannten Musculi pectinati geprägt, die als parallele Herzmuskelbälkchen auch das rechte Herzohr auskleiden. Die Grenze zwischen diesen beiden strukturell unterschiedlichen Anteilen heißt Crista terminalis.

Der rechte Vorhof ist durch das Vorhofseptum von dem linken Vorhof getrennt. Auf der rechten Seite dieser Trennwand ist eine schwache Vertiefung zu sehen, Fossa ovalis. Dies ist die Stelle an der es während der embryonalen Entwicklung einen Kurzschluss zwischen den beiden Vorhöfen gab.
Die Fossa ovalis wird nach unten durch einen Wulst begrenzt (Valvula venae cavae inferioris), der im Embryonalkreislauf dafür sorgt, dass das Blut durch die Fossa ovalis in den linken Vorhof geleitet wird. Vor der Valvula venae cavae inferioris befindet sich die Einmündung der Herzkranzgefäße, das Ostium sinus coronarii.

Der rechte Vorhof enthält außerdem zwei wichtige Kompenenten der Erregungsbildung und Erregungsleitung: den Sinusknoten und den AV-Knoten.

Der Sinusknoten ist neben der Einmündung der oberen Hohlvene lokalisiert und gilt als primärer Schrittmacher. Dies bedeutet, dass er bei Gesunden die Herzfrequenz bestimmt. Er gibt 60-80 Impulse pro Minute, die dann über den Herzmuskel weiter verbreitet werden und zur Kontraktion des Herzens führen.

Der AV-Knoten ist die nächste Station der Erregungsleitung. Er liegt an der Basis des interatrialen Septums. Der AV-Knoten hat eine Eigenfrequenz von 40-60 Erregungen pro Minute. Seine Hauptfunktion ist eine Verzögerung der Erregungsweiterleitung, sodass eine gleichzeitige Kontraktion der Vorhöfen und Kammer verhindert wird. Bei einem Ausfall des Sinusknotens wird die Schrittmacherfunktion von dem AV-Knoten übernommen und das Herz schlägt somit langsamer.

Histologie - Wandschichten

Wie auch die anderen Binnenräume des Herzens besteht die Wand des rechten Vorhofs aus drei Schichten:

  • Endokard:
    Das Endokard bildet die innerste Schicht und besteht aus einem einschichtigen Endothel. Die Funktion des Endokards ist eine Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes.
  • Myokard:
    Das Myokard ist die eigentliche Herzmuskelschicht und besteht aus zwei Teilen: dem Erregungsleitungssystem und der Arbeitsmuskulatur.
  • Epikard:
    Das Epikard ist die äußerste Schicht der Herzwand und besteht aus einem einschichtigen Mesopithel, elastischen Fasern und Fettgewebe. Seine Funktionen sind der Ausgleich der Unebenheiten der Herzoberfläche, Schutz der Koronararterien sowie die Volumenänderungen des Herzens zu erleichtern.

Gefäßversorgung und Innervation

Der rechte Vorhof wird von der rechten Koronararterie versorgt. Der venöse Abfluss erfolgt meist über die Vena cardiaca parva.
Die Innervation des Herzens wird von dem Plexus cardiacus geleistet, das Fasern aus dem Hirnstamm (Nervus vagus) und aus den oberen thorakalen Rückenmarksegmenten enthält.

Funktion

Der rechte Vorhof pumpt das sauerstoffarme Blut aus den Hohlvenen in die rechte Herzkammer, welche das Blut in die Lunge weiterleitet. Dort wird das Blut mit Sauerstoff angereichert (oxygeniert) und über die Lungenvenen zurück zum Herzen gebracht um erneut in den Körper gepumpt und verteilt zu werden.
Die Kontraktion der Vorhöfe verursacht den 4. Herzton; dieser bei Kindern und Jugendlichen physiologisch sein kann, während er bei Erwachsenen ein Hinweis auf eine Herzerkrankung sein kann.

Klinische Aspekte

Das Sinusknotensyndrom (Sick-Sinus-Syndrom) und supraventrikuläre Extrasystolen stellen Erkrankungen dar, welche vom Vorhof selbst bzw. Strukturen des Vorhofes ausgehen.

Bei dem Sinusknotensyndrom handelt sich um eine Gruppe von Störungen, die vom Sinusknoten ausgehen. Zu diesen zählen die Sinusbradykardie, das Bradykardie-Tachykardie-Syndrom, der SA-Block und der Sinusknotenstillstand.
Als Risikofaktoren und Ursachen kommen ein hohes Alter, die koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien, Bluthochdruck oder bestimmte Medikamente.
Die Symptome sind unterschiedlich je nach Art der Störung. Dazu gehören Ohnmachtanfälle oder Schwindel, Herzrasen (Puls >100/min) oder Schmerzen im Brustkorb.
Die Krankheit kann mithilfe eines Langzeit-EKG oder eines Belastungs-EKG diagnostiziert und je nach Symptomatik therapiert werden. Bei einem zu langsamen Herzschlag (Bradykardie)können mit der Implantation eines Herzschrittmachers behandelt werden. Bei Herzrasen (Tachykardie) können entsprechende Medikamente eingesetzt werden, die die Herzfrequenz senken.

Die supraventrikuläre Extrasystole, oder auch Herzstolpern genannt, ist eine Störung, die durch eine vorzeitige Erregung der Vorhöfen charakterisiert ist. Sie tritt sowohl bei Gesunden als auch bei Herzkranken auf, häufiger mit zunehmendem Alter.
Die auslösende Faktoren sind vielfältig, dazu gehören z.B. Entzündungen, Infektionen, Störungen im Salzhaushalt, Bluthochdruck, die koronare Herzkrankheit, aber auch der Verzehr von bestimmten Substanzen wie Koffein, Drogen oder Alkohol.
Die meisten supraventrikulären Extrasystolen werden meist symptomlos erlebt, manchmal werden sie auch als Herzpochen oder -stolpern (Palpitationen) wahrgenommen.
Die Diagnose wird mithilfe eines EKG gestellt. Meist ist keine Behandlung nötig. Bei zu häufigem oder zu starkem Auftreten können ß-Blocker oder Antiarrhythmika. Wichtiger ist es allerdings in diesen besonderen Fällen die zugrunde liegende Erkrankung zu diagnostizieren und zu therapieren.

Weitere Informationen zum Thema rechter Vorhof

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 03.01.2018
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