Nebenwirkungen von Kreatin

Einleitung

Kreatin gilt heutzutage als eines der am besten erforschten und als eines der erfolgversprechendsten Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Allerdings ist die Studienlage bezüglich des Kreatins etwas undurchschaubar. Während es sowohl Studie gibt, die eine Wirksamkeit bescheinigen, gibt es genauso viele Studien, die das Gegenteil aussagen.
Im Bezug auf die Schädlichkeit sprechen jedoch alle Studien dafür, dass die Langzeiteinnahme von Kreatin keine Folgeschäden hervorruft – neuste Studien haben bis jetzt allerdings nur einen Zeitraum von ca. 10 Jahren betrachtet.

Im Allgemeinen wird die Einnahme von Kreatin oder generell von vielen Nahrungsergänzungsmittel von Unwissenden mit dem Konsum von steroidalen Anabolika-Präparaten gleichgesetzt. Ist gibt jedoch einen ganz klaren Unterschied zwischen Steroidpräparaten und Kreatin. Dies betrifft sowohl die zugrundeliegende Wirkweise als auch das Gefahrenpotential, welches von den beiden Substanzen ausgeht.

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema unter: Die Wirkung von Kreatin

Was für Nebenwirkungen gibt es bei der Einnahme von Kreatin?

Insgesamt kann man im Zusammenhang mit Kreatin nicht von schwerwiegenden Nebenwirkungen sprechen, sondern eher von unangenehmen Zusatzerscheinungen, die sich jedoch alle durch die Wirkweise des Kreatins erklären lassen.
Kreatin ist in der Lage, Wasser zu binden, weshalb es dem Körper an anderer Stelle entzogen wird. Dies kann sich sowohl auf das Hautbild, den Verdauungstrakt als auch das Körpergewicht auswirken.
Durch den Umstand, dass dem Körper das Wasser an anderer Stelle entzogen wird, schwindet auch das Wasser in den Hautzellen. Es kommt also zu trockener Haut, die Haut wirkt faltiger und nicht so straff.
Im Bereich des Verdauungstraktes kann es sowohl zu Durchfällen, als auch in seltenen Fällen zu Verstopfungen kommen. Da das Kreatin nicht vollständig vom Körper aufgenommen werden kann, wird es durch den Darm auch wieder ausgeschieden, wo es allerdings noch in der Lage ist, Wasser zu binden. Dies führt dazu, dass der Stuhl dünnflüssiger wird- im schlimmsten Fall kommt es sogar zum Durchfall.
Die Gewichtszunahme wiederum lässt sich durch das Wasser erklären, das tatsächlich im Körper – genauer gesagt in den Muskeln aufgenommen wird. Auch hier kommt es wiederum zur vermehrten Speicherung von Wasser, was die Gewichtszunahme erklärt.
Außerdem kann Kreatin den Anschein einer geschädigten Niere hervorrufen. Das Abbauprodukt des Kreatins- das Kreatinin wird in der Medizin als Marker für die Funktionsfähigkeit der Niere herangezogen. Physiologischerweise kommt Kreatinin als Abbauprodukt des Muskels vor und wird von einer gesunden Niere in hohem Maße ausgeschieden. Steigt die aufgenommene Menge an Kreatin, so erhöht sich auch die Menge an Kreatinin im Blut, was als Indikator für den Zustand der Niere herangezogen wird. Sollte die Niere jedoch schon vorgeschädigt sein, kann eine weitere Schädigung somit nur schlecht detektiert werden.

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Verursacht Kreatin Impotenz?

Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die Einnahme von Kreatin eine verminderte Potenz zur Folge hätte oder die Qualität der Spermien vermindert wäre.
Die Annahme die dahinter steckt, könnte ähnlich wie bei den Auswirkungen auf den Hoden sein, dass man Kreatin für eine Art steroidales Anabolikum hält, welchem durchaus Nebenwirkungen im Bereich der Impotenzoder der Spermienqualität beiwohnen. Auch in diesem Falle lässt sich bereits aus der Wirkweise des Kreatins keinerlei Anhaltspunkt für diese vermuteten Nebenwirkungen ziehen. Bei anabolen Steroiden kann es hingegen dazu kommen, dass durch den dauerhaft erhöhten Testosteronlevel die körpereigene Testosteronproduktion eingestellt wird. Nach Absetzen des Dopings kann es dann im schlimmsten Fall dazu kommen, dass es nicht mehr gelingt, eigenes Testosteron zu produzieren. Damit wäre dann der Zustand der Impotenz erreicht.
Diese Wirkung wurde für Kreatin aber in keiner bislang veröffentlichten Studie untersucht, da bereits die Annahme viel zu weit her geholt scheint, als dass es tatsächlich einen kausalen Zusammenhang geben könnte.

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Haarausfall

Verglichen mit den anderen in diesem Abschnitt diskutierten Nebenwirkung scheint hierin noch die meiste Wahrheit zu liegen. Zwar scheint es in der Fachwelt nur eine Studie zu geben, welche zu diesem Schluss kam, allerdings kann sie somit auch nicht als völlig haltlos ignoriert werden.
Vornehmlich schien es jedoch nur bei Probanden zu einemHaarausfall zu kommen, die sowieso unter erblich bedingtem Haarausfall „litten“; Bei diesen Probanden könnte es also gegebenfalls zu verfrühtem Haarausfall kommen. Ihre Haare würden sie dann aber auch ohne die Einnahme von Kreatin verlieren.
Andere Personen, die nicht von erblich bedingtem Haarausfall betroffen waren, zeigten sich durch die Einnahme von Kreatin- was diese Nebenwirkung angeht- jedoch unbeeindruckt.
Als weiteres Argument könnte man noch ins Feld führen, dass es bei der millionenfachen Anwendung heutzutage wesentlich mehr darüber finden würde und mehr Studien zu einem gleichen Ergebnis kommen würden, wenn sich aus der Kreatineinnahme ein handfestes Problem ergeben würde.

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Nebenwirkungen nach Lokalisation

Am Hoden

Nebenwirkungen von Kreatin, welche den Hoden oder im übertragenen Sinne die männliche Potenz beeinflussen, sind nicht bekannt.
Eventuell könnte diese Annahme daher rühren, dass man Nahrungsergänzungsmittel generell für „unerlaubte“ Substanzen hält, die man mit anabolen Steroiden gleichsetzt.
Dem ist jedoch nicht im Geringsten so. Bis jetzt gibt es keine Studie, die ein derartiges Ergebnis zu Tage gefördert hätte. Wahrscheinlich erscheint diese Annahme sogar so absurd, dass diese Möglichkeit gar nicht untersucht wurde.
Da Kreatin eine Substanz ist, die sich auch völlig physiologischerweise im menschlichen Körper findet, müsste es ja früher oder später bei jedem Mann zu Auswirkungen am Hoden kommen. Da sich normalerweise in den Muskelfasern befindet, verfügen Menschen, die über mehr Muskeln verfügen auch über mehr Kreatin. Sollte nun von muskulösen Männern bekannt sein, dass sie unter Potenzproblemen, etc. leiden, ist dies jedoch auf viele andere Faktoren- meist auf den Gebrauch von oben angesprochenen steroidalen Anabolika zurückzuführen.

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Am Herz

Auch für die Annahme, Kreatin könnte negative Auswirkungen am Herzen oder genauer gesagt an den Herzmuskelzellen hervorrufen, gibt es nach heutigen Kenntnisstand keinerlei Hinweise.
Vielmehr wurde bis vor einigen Jahren noch versucht, Menschen mit hochgradiger Herzinsuffizienz zu helfen, indem man ihnen Kreatin verabreichte. Bei einer Herzinsuffizienz ist der Herzmuskel nicht kräftig genug, um gegen die Blutdrücke im Körperkreislauf Blut aus dem Herzen herauszupumpen. Mithilfe des Kreatins wurde in diesem Zusammenhang versucht, den Herzmuskel zu kräftigen und dafür zu sorgen, dass sich seine Kraftentwicklung steigert, um so höhere Pumpdrücke des Herzens generieren zu können. Mit der Einnahme von simplem Kreatinpulver ließ sich dieser Effekt jedoch nicht erreichen. In einer Studie aus den 90ern zeigte jedoch die Gabe von Phospho- Kreatin eine positive Wirkung.
Auch dieser Mythos könnte daher rühren, dass körperliche Zusammenhänge falsch gedeutet wurden. Da Kreatin heutzutage als unbedenklich gilt, wird es von einem Großteil der aktiven Sportler konsumiert. Kam es nun im Zusammenhang mit körperlichem Training zur Entwicklung von Herzbeschwerden, könnte dies fälschlicherweise auf die Einnahme des Kreatin zurückgeführt worden sein, obwohl in Wirklichkeit andere Dinge wie zum Beispiel eine nicht diagnostizierte Myokarditis (Herzmuskelentzündung) dahinter steckten.

Mehr hierzu unter:Herzmuskelentzündung und Sport

An der Haut

Auch dieser Punkt wurde weiter oben bereits kurz angeführt und soll nun etwas ausführlicher erläutert werden. Wie Kreatin das Hautbild verändert hängt primär mit der zusätzlich aufgenommenen Wassermenge zusammen. Wie bereits beschrieben, sorgt Kreatin dafür, dass im Körper Wasser an ihm gebunden wird.
Nun kann sich das Hautbild dadurch in zwei Weisen verändern:
Die erste Möglichkeit geht davon aus, dass nicht genügend Wasser mit dem Kreatin aufgenommen wird. Dementsprechend muss sich das Kreatin aus den „Wasserreservoirs“ des Körpers bedienen. Dies geschieht zum einen aus dem Wasser, welches Bestandteil des Blutes ist – das Blut wird also sozusagen dicker, und zum anderen aus dem Wasser, welches sich im Unterhautfettgewebe und in der Haut selbst befindet. Die Haut erscheint dadurch also dünner, faltiger und weniger gestrafft.
Die zweite Möglichkeit geht davon aus, dass dem Körper genügend Wasser zugeführt wird, sodass die Wasserspeicher nicht angezapft, bzw. direkt wieder aufgefüllt werden. Die Haut bleibt also weiterhin gestrafft. Durch die Größenzunahme der Muskeln kann es bei Personen mit geringem Körperfett außerdem dazu kommen, dass die Haut durch die vergrößerten Muskeln noch weiter gestrafft bzw. gespannt wird. 

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Autor: Dr. Nicolas Gumpert
Veröffentlicht: 29.06.2018 - Letzte Änderung: 16.08.2021
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