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Marcumar® und Alkohol - verträgt sich das?

Einleitung

Marcumar® enthält den Wirkstoff Phenprocoumon und ist ein gerinnungshemmendes Medikament, welches zur Gruppe der Cumarine und Vitamin-K-Antagonisten gehört. Es hemmt die Vitamin K abhängige Bildung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX sowie X, die in der Leber stattfindet. Ferner unterdrückt Marcumar® die Bildung von Protein C und S, die als Gerinnungsmodulatoren dienen und ebenso Vitamin-K abhängig gebildet werden. Marcumar® hemmt also die menschliche Blutgerinnung, indem es die Herstellung der eben genannten Gerinnungsfaktoren unterbindet.
Marcumar® ist laienhaft auch als „blutverdünnendes“ Medikament bekannt. Durch die Anwendung von Marcumar® resultiert zwar keine Blutverdünnung im eigentlichen Sinn, aber die Blutgerinnung wird soweit gehemmt, dass die Gefahr einer Thrombusbildung in den Blutgefäßen sinkt. Marcumar® ist somit ein wichtiger Bestandteil der Therapie oder Vorbeugung von Gefäßverschlüssen durch einen Thrombus (Blutgerinnsel).
Da Marcumar® lediglich in die Bildung der Vitamin-K abhängigen Blutgerinnungsfaktoren eingreift, bleiben die bereits gebildeten Gerinnungsfaktoren von der Wirkung des Marcumars unberührt. Die Wirkung von Marcumar®, im Unterschied zu Heparin, das sofort wirkt, setzt also erst nach etwa zwei Tagen ein und erreicht nach etwa fünf Tagen seine volle Wirksamkeit. Kontrolliert wird die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar® beim Arzt mit dem sogenannten INR Wert, der über das Blut bestimmt wird.

Lesen Sie hierzu auch unsere Hauptseite Marcumar®


Marcumar® und Alkohol

Viele Patienten fragen sich häufig, ob sie Alkohol trinken dürfen während sie bestimmte Medikamente einnehmen. Alkohol, auch als Ethanol bekannt, ist ein Rausch-und Genussmittel. Alkohol wird über die Schleimhaut im Mund, im Magen sowie im Dünndarm aufgenommen. Die Aufnahme des Trinkalkohols dauert etwa eine Stunde und ist davon abhängig, ob und wie viel vorher gegessen wurde. Die Leber ist der Ort, an dem der Hauptteil des Alkohols verstoffwechselt wird. Hierbei spielen die zwei Enzyme Alkoholdehydrogenase und Aldehyddehydrogenase die wichtigste Rolle. Das sogenannte mikrosomale Ethanol-oxidierende System (MEOS) verstoffwechselt vor allem erst bei steigenden Alkoholkonzentrationen den Trinkalkohol. Über die Atmung wird ein sehr kleiner Teil des Alkohols wieder aus dem Körper ausgeschieden. Prinzipiell spricht gegen einen gelegentlichen Alkoholkonsum nichts. Da aber die Wirkung von Marcumar® sehr komplex ist und von vielen äußeren Faktoren abhängt, unter anderem von den Ernährungsgewohnheiten des Patienten, sollte man ein wenig vorsichtiger mit dem Alkohol Trinken sein. Je nach Menge und Regelmäßigkeit des Alkohol Trinkens kann die Marcumarwirkung verstärkt oder abgeschwächt werden.

Neben- und Wechselwirkungen

Prinzipiell spricht die Anwendung von Marcumar® nicht unbedingt gegen einen mäßigen, gelegentlichen Alkoholkonsum. Angesichts des sehr komplexen Einflusses von Alkohol auf die Wirkung von Marcumar® sollte auf dessen Konsum jedoch verzichtet werden. Unter einem mäßigen und gelegentlichen Alkoholkonsum fällt bei Frauen ein Konsum von weniger als 12 Gramm reinen Alkohols pro Tag und bei Männern ein Konsum von weniger als 24 Gramm reinen Alkohol pro Tag. Ein Standard-Glas Sekt (0,1l) oder ein Standard-Glas Bier (0,25l) enthalten 10 Gramm Alkohol.
Alkohol hat einen sehr komplexen Einfluss auf die Wirkung von Marcumar®. Wird in kurzer Zeit eine große Menge Alkohol aufgenommen, dann wird die Wirkung des Gerinnungshemmers Marcumar® deutlich verstärkt, was schließlich zu lebensgefährlichen Blutungen führen kann. Beim Trinken von Alkohol sollte ebenso bedacht werden, dass Alkohol die Koordination und den Gleichgewichtssinn der Person beeinträchtigt, wodurch die Gefahr eines Sturzes oder Unfalls deutlich ansteigt. Bei einem Sturz oder Unfall unter der gleichzeitigen Einnahme eines gerinnungshemmenden Medikaments wie Marcumar® ist das Risiko für gefährliche Blutungen natürlich erhöht. Dies ist ebenfalls ein Grund den Konsum von Alkohol während der Einnahme von Marcumar® möglichst gering zu halten. Der Rauschzustand bedingt unter Umständen, dass Gefahren nicht mehr richtig eingeschätzt werden und im Zuge von bedrohlichen Verletzungen ein Arzt oder anderweitige professionelle Hilfe zu spät in Anspruch genommen werden kann.

Eine chronische Alkoholeinnahme kann die Wirkung von Marcumar® abschwächen, da Marcumar® beschleunigt abgebaut wird, sodass sich dessen Wirkung auf die Gerinnungshemmung verringert. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Gerinnbarkeit des Blutes zunimmt und die Gefahr der Thrombusbildung im Gefäßsystem steigt. Bei einem chronischen Alkoholmissbrauch ist jedoch auch eine Wirkverstärkung möglich. Durch einen chronischen Alkoholmissbrauch kann es nämlich zu einer Leberverfettung mit anschließendem bindegewebigen Umbau der Leber kommen. Diesen Umbau der Leber bezeichnet man in der Medizin als Leberzirrhose. Hierbei kann es zu einem Versagen der Leberfunktion kommen, wodurch unter anderem auch keine Gerinnungsfaktoren für die Blutgerinnung von der Leber produziert werden können. Diesen Zustand der Leber bezeichnet man auch als Leberinsuffizienz. Der daraus folgende Mangel an Gerinnungsfaktoren führt zu einem erhöhten Blutungsrisiko.

Ernährung bei der Einnahme von Marcumar®

Bei der Einnahme von Marcumar sollten einige Besonderheiten bezüglich der Ernährung beachtet werden. Wie bei vielen Medikamenten wird Marcumar langsamer im Bauch aufgenommen, wenn dieser zur selben Zeit mit Nahrung gefüllt ist. Der erforderliche Wirkungsspiegel, also die Menge eines Medikamentes im Blut die mindestens vorliegen muss, damit es wirkt, wird dadurch bei regelmäßiger Einnahme des Marcumars nicht beeinflusst. Die Wirkung von Marcumar erfolgt dadurch, dass es die Bildung von Gerinnungsfaktoren verhindert. Dafür verdrängt Marcumar Vitamin-K aus dem Aufbauapparat der Gerinnungsfaktoren. Somit verliert dieser seine Wirkung und  die Gerinnungsfaktoren können nicht mehr ausgebildet werden. Wird jedoch über die Nahrung sehr viel Vitamin-K aufgenommen, reicht die Menge an Marcumar nicht mehr aus um das ganze Vitamin K zu verdrängen. Dadurch können wieder Gerinnungsfaktoren gebildet werden. Das Blut neigt somit wieder zum Verklumpen und die Wirkung ist vermindert. Dabei kommt es nicht darauf an, ob Marcumar zusammen mit Vitamin-K-haltiger Nahrung oder in zeitlichem Abstand eingenommen wird. Lebensmittel die Vitamin-K enthalten sind zum Beispiel Sauerkraut, Hähnchen, Rosenkohl, Spinat und andere frische Gemüsesorten. Werden sie jedoch zu lange aufbewahrt und gekocht, können sie dadurch Vitamine verlieren können. Außerdem ist Vitamin K ein fettlösliches Vitamin und benötigt daher immer ein wenig Fett in der selben Mahlzeit, um im Magen gelöst und dann aufgenommen zu werden. Eine weitere Besonderheit bei der Ernährung spielt sich im Bereich des Abbaus von Marcumar ab. Das Medikament wird im Körper durch Enzyme abgebaut und dann ausgeschieden. Bei Marcumar handelt es sich um das Enzym CYP3A4. Durch das Essen von Grapefruits wird das CYP3A4-Enzym gehemmt. Marcumar, welches ein Substrat dieses Enyzms ist, wird somit weniger schnell abgebaut. Aus diesem Grund kann die Wirkung von Marcumar beim Essen von Grapefruits zunehmen

Weitere Informationen zu diesem Thema: Marcumar® und Ernährung

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:

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Eine Liste aller Medikamente, die wir bereits veröffentlicht haben finden Sie unter: Medikamente A-Z.

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Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 16.07.2018
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