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Therapie bei einer Nahrungsmittelallergie

Einleitung

Eine Heilung der Nahrungsmittelallergie durch Medikamente ist leider nicht möglich.
Dennoch verschwinden diese besonderen Allergien häufig im Erwachsenenalter. Bei bestehender Allergie ist Verzicht die beste und wichtigste Therapie. Nahrungsmittelallergiker sollten auf das Nahrungsmittel, auf das sie allergisch reagieren, möglichst ganz verzichten. Bei leichter Allergie können kleine Mengen vertragen werden. Bei Allergien gegen Obstsorten ist es möglich, dass die Allergene beim Kochen unschädlich gemacht werden können.
Dennoch kann es immer passieren, dass Patienten trotz großer Vorsicht versehentlich mit dem Allergen in Kontakt kommen. Für diesen Fall wird hoch sensibilisierten Nahrungsmittelallergikern empfohlen, ein Notfallset bei sich zu tragen. Dieses enthält meist ein Spray, das im Falle eines anaphylaktischen Schocks (siehe dort) die Luftwege offen hält.

Bei Heuschnupfenpatienten mit Kreuzreaktion (s.o.) kann eine Hyposensibilisierung, bei der der Körper über einen langen Zeitraum an immer größere Mengen des Pollenallergens gewöhnt wird, Heilung bringen. Diese Methode wird kaum bei Nahrungsmittelallergenen angewendet, da sie dort sehr aufwendig und nicht immer erfolgreich ist. Experten streiten sich über diese Möglichkeit. Es hat sich außerdem gezeigt, dass man möglicherweise das Risiko einer Nahrungsmittelallergie bei Kindern durch Stillen und abwechslungsreiche Ernährung verringern kann.

Vermeidung

Die wichtigste Maßnahme bei einer bekannten Nahrungsmittelallergie ist die konsequente Vermeidung des auslösenden Allergens. Wird das Allergen nicht mehr zugeführt, kommt es auch zu keinen allergischen Symptomen mehr. Bei einigen Lebensmittelallergien wie beispielsweise der Nussallergie kann bereits die Zufuhr geringer Mengen von Nussprodukten zu einer lebensgefährlichen allergischen Reaktion, dem anaphylaktischen Schock, führen.

Eine Ausnahme gibt es jedoch bezüglich der konsequenten Vermeidung von Allergenen bei Nahrungsmittelallergien: Im Kindesalter kommt es relativ häufig zu einer Kuhmilchallergie, nämlich bei etwa 2-3% der Säuglinge und Kleinkinder. Hier müssen zunächst ebenfalls jedwede Kuhmilchprodukte vollständig vermieden werden.

Im Laufe der ersten Lebensjahre entwickeln die meisten Kinder jedoch eine Toleranz sodass die langsame Steigerung der Kuhmilchzufuhr wieder problemlos möglich ist. Dies ist bei Allergien im Erwachsenenalter – wie beispielsweise der Nussallergie – nicht der Fall. Hier muss in der Regel eine lebenslange konsequente Vermeidung der Allergie-auslösenden Produkte erfolgen da sonst lebensgefährliche allergische Reaktionen drohen.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel zur Kuhmilchallergie beim Baby

Hyposensibilisierung

Die klassische Hyposensibilisierung bedient sich dem Prinzip, den Körper regelmäßig in langsam steigenden Dosen dem Allergen auszusetzen. Ziel des Ganzen ist es, dass der Körper aufgrund der immer wieder erfolgenden Konfrontation mit dem Nahrungsmittel in niedriger Dosis eine Toleranzentwicklung durchmacht, sodass die Allergie nach erfolgreicher Therapie auch bei Zufuhr normal hoher Dosen des Allergens im Alltag nicht mehr auftritt.

Das Prinzip der Hyposensibilisierung wird bisher insbesondere bei Patienten mit Pollenallergien (Heuschnupfen), Insektengiftallergien und auch Allergien gegen Tierhaare und Hausstaubmilben eingesetzt.

Auf dem Gebiet der Nahrungsmittelallergien gibt es bisher keine etablierten Verfahren zur Hyposensibilisierung.


Es gibt jedoch Studien, die sich mit dem Thema der Hyposensibilisierung bei Allergien gegen Nüsse, Milch und Hühnereiweiß beschäftigen und erste Erfolge aufzeigen. Die Hyposensibilisierung erfolgt hier nicht in Form einer Spritze unter die Haut sondern oral, also in Tablettenform. In den nächsten Jahren werden weitere Studien immer neue Ergebnisse bringen, sodass in Zukunft eine Hyposensibilisierung eine denkbare Therapiemöglichkeit bei Nahrungsmittelallergien sein wird.

Dieses Notfall-Set sollte man bei sich haben

Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie sollten ein Notfallset bei sich tragen. Insbesondere dann, wenn es schon einmal zu einer schweren allergischen Reaktion, auch als anaphylaktischer Schock bezeichnet, gekommen ist.

Diese Situation ist potentiell lebensgefährlich, wenn nicht zeitnah die entsprechenden Medikamente verabreicht werden. Daher sollte neben dem Notfallset auch immer ein Allergiepass mitgeführt werden. So kann für den Fall, dass der Betroffene bewusstlos ist, anhand des Allergiepasses die Notfallsituation erkannt und entsprechend gehandelt werden.

Das wichtigste Medikament des Notfallsets ist das Adrenalin. Es wird als Notfallpen (Notfallstift mit Applikationshilfe) mitgeführt. Das Adrenalin sollte in die Außenseite des Oberschenkels injiziert werden. In der Regel ist ein Freimachen der Haut nicht nötig, der Pen kann also auch durch die Kleidung hindurch verabreicht werden.

Neben Adrenalin enthalten Notfallsets zur Allergiebehandlung oftmals auch noch Antihistaminika wie Fenistil oder Cetirizin und Glucocorticoide wie Prednisolon. Diese Medikamente werden als Tabletten oder in Tropfenform eingenommen. Nur im Bereich des Rettungsdienstes wird im Falle einer starken allergischen Reaktion auch eine intravenöse Anwendung von Antihistaminika und Glucocorticoiden vorgenommen.

Das Adrenalin ist jedoch das einzige Notfallmedikament, das sofort seine Wirkung entfaltet und akut lebensrettend wirkt. Die Wirkung der anderen Medikamente setzt erst über Stunden ein und hat in der Akutsituation keine wesentliche Bedeutung. Nichtsdestotrotz wird ihre Anwendung im Akutfall, neben der Anwendung von Adrenalin, meist empfohlen.

Diese Medikamente können helfen

Wie bereits oben erwähnt, ist Adrenalin das Mittel der Wahl zur Behandlung einer akuten allergischen Reaktion bei Nahrungsmittelallergie. Adrenalin sorgt über eine Verengung der Blutgefäße und eine Erweiterung der Bronchialmuskulatur für eine Blutdrucksteigerung und Erweiterung der Atemwege. Dies ist im anaphylaktischen Schock äußerst wichtig, da es hier oftmals zu einem starken Blutdruckabfall bis hin zum Schock und zu einer ausgeprägten Verengung der Atemwege mit Luftnot bis hin zur vollständigen Verlegung der Atemwege mit Erstickung kommen kann.

Neben dem Adrenalin als Medikament zur Behandlung einer akut lebensbedrohlichen allergischen Reaktion gibt es Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika und Glucocorticoide, die zur Behandlung einer allergischen Reaktion eingesetzt werden. Sie wirken hemmend auf die Histamin-ausschüttenden Zellen und entzündungshemmend und dämmen so Symptome wie Hautausschlag, Juckreiz und Fließschnupfen sowie juckende und tränende Augen und Beschwerden der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts ein.

Sowohl Antihistaminika als auch Glucocorticoide wirken mit zeitlicher Verzögerung. Während die Wirkung von Antihistaminika nach Minuten bis Stunden einsetzt, wirken Glucocorticoide erst nach Stunden bis Tagen und nur bei regelmäßiger Einnahme.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 01.03.2019
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