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Schulterluxation

Synonyme

Luxation des Schultergelenkes, Verrenkung des Schultergelenkes, luxatio humeri, Auskugeln der Schulter, habituelle Luxation, rezidivierende Luxation

Definition

Als Schulterverrenkung (auch Schulterluxation oder Schulterauskugelung) bezeichnet man eine in der Regel sehr schmerzhafte Verschiebung des Schultergelenkes.

Das Schultergelenk besteht aus der Gelenkpfanne des Schulterblattes (Scapula) und dem Kopf des Oberarmknochens (Humerus), welche nur sehr lose aufeinanderliegen, um maximale Beweglichkeit und Drehbarkeit zu ermöglichen. Gehalten wird das Gelenk vor allem durch einen Apparat aus Bändern und Muskeln.

Bei einer großen Krafteinwirkung von außen kann es geschehen, dass dieser dem Druck nachgibt und der Kopf der Oberarmknochens verschoben wird. Dann verliert dieser den Kontakt zum Schulterblatt und eine normale Bewegung der Schulter ist nicht mehr möglich. Eine Schulterverrenkung sollte immer von einem Fachmann wieder eingerenkt werden

Man kann Schulterluxationen hinsichtlich ihres Entstehungsmechanismusses unterscheiden. Demnach gibt es:

  • Traumatische Schultergelenksluxationen, als Folge eines direkten Unfallereignisses.
  • Von einer posttraumatisch rezidivierenden Luxation spricht man, wenn es nach einer primär rein traumatisch bedingten Schulterluxation bereits bei geringen Traumen zu wiederkehrenden Verrenkungen kommt.
  • Atraumatische Schultergelenksluxationen, die auch habituelle Schulterluxation genannt wird. Hierbei kommt wiederholt sich das Herausspringen des Schultergelenkes ohne jegliches Trauma, beispielsweise bei der Ausführung gewohnheitsmäßiger Bewegungen. Die Ursachen für die Entstehung habitueller Schulterluxationen sind anlagebedingt. Als Beispiel hierfür können angeborene Pfannendysplasien oder angeborene schlaffe Bänder, etc. genannt werden.

Epidemiologie

Die Schulterluxation als solches tritt recht selten auf. Man geht von 15 pro 100.000 Patienten jährlich aus.

Wie kommt es zu einer Schulterluxation?

Wie bereits oben kurz geschildert, gibt es unterschiedliche Ursachen für das Auftreten einer Schulterluxation (siehe Ursachen Schulterluxation).

Am häufigsten ist jedoch eine hebelnde Bewegung des Oberarms bei gleichzeitiger Außenrotation zu sehen, bei der sich der Arm vom Körper wegbewegt. Der Kopf des Oberarmknochens springt bei einer Schulterluxation meist nach unten vorn (Luxatio axillaris) oder nach vorn (Luxatio subcoracoidea). Verrenkungen nach hinten sind eher untypisch. Nur ganz selten luxiert eine Schulter bei nach oben ausgestrecktem Arm. In der Regel haben Schulterluxationen traumatische Ursachen: Stürze, Sport-, Fahrrad- oder andere Verkehrsunfälle sind diesbezüglich zu erwähnen.

Die eher seltener auftretenden habituellen (gewohnheitsmäßigen) Schulterluxationen (siehe oben) führen ohne adäquates Trauma (Bagatell-Traumen) aufgrund individueller Begebenheiten (z. B. angeborene Schulterpfannendysplasie) zur Verrenkung.

Welche Ursachen führen zu einer Schulterluxation?

Es wurde bereits auf die Unterscheidung zwischen einer traumatischen und einer atraumatischen Schulterluxation hingewiesen. Die jeweiligen Ursachen für das Entstehen der beiden Formen der Schulterluxation werden im Folgenden genauer beschrieben.
Die posttraumatisch rezidivierende Schulterluxation setzt dabei eine traumatische Erstluxation voraus und kann daher als eine Teilform der traumatischen Schulterluxation gewertet werden.

Traumatische (unfallbedingte) Schulterluxation

Die Ursachen einer traumatischen Schulterluxation liegen beispielsweise in:

  • Unfällen oder
  • Krafteinwirkungen

Zum Beispiel tritt sie am häufigsten als Folge eines Sturzes auf: Beim Versuch sich mit dem Arm abzufangen wird das Schultergelenk plötzlich großem Druck ausgesetzt und ist unter Umständen ungünstig gedreht. Aus diesem Grund kann der stützende Apparat aus Bändern und Muskeln das Gelenk nicht länger halten und es wird ausgekugelt.
Ähnliches kann bei einigen Sportarten passieren, beispielsweise im Tennis, beim Skifahren und im Handball.
Je nach Richtung der Krafteinwirkung und somit der Verrenkung unterscheidet man zwischen vorderer, hinterer und unterer Schulterverrenkung, wobei die vordere mit Abstand am häufigsten vorkommt. Klassische Ursache für eine vordere Schulterverrenkung ist ein Sturz nach hinten, bei dem der Arm unglücklich auf dem Boden aufkommt.

Während bei jungen Menschen Sportunfälle die häufigste Ursache für Schulterverrenkungen sind, ist bei älteren Menschen die Sturzgefahr ein großes Risiko. Hinzu kommt, dass mit den Jahren häufig die Stabilität von Bändern und Muskeln im Körper abnimmt. Auch bereits vorangegangene Verrenkungen stellen einen Risikofaktor dar, da der Bandapparat mit der Zeit gewissermaßen ausleihert.

Lesen Sie mehr zum Thema Schulterluxationen Ursachen.

Posttraumatisch rezidivierende Schulterluxation

Ursachen und Verletzungsmechanismen der posttraumatisch rezidivierenden Schulterluxation gelten als weitestgehend geklärt. Sie gelten aufgrund ihrer Bezeichnung als „rezidiv“, sodass bereits eine traumatische (unfallbedingte) Erstluxation vorgelegen haben muss, die darüber hinaus u. U. nicht planmäßig verheilte.

Die häufigsten Ursachen für die Entstehung einer posttraumatisch rezidivierenden Schulterluxation sind:

  • Verbliebene Schäden nach traumatischer Erstluxation, die in der Regel im Erwachsenenalter erstmals auftritt.
  • Knorpelige/ knöcherne Bankart-Läsion (= Abriss des Labrum glenoidale im Rahmen einer vorderen Schultergelenksluxation)
  • Hill-Sachs-Läsion (= Impression am dorsolateralen (zum Rücken hin, seitlichen) Rand des Humeruskopfes; bei habitueller Luxation)
  • Schwäche des Kapsel-Band-Apparates
  • Verlust der Propriozeption (= Verlust der Wahrnehmung und Kontrolle der Lage des Körpers im Raum; Sensibilitätsstörung)
  • Muskelschwäche trotz adäquater Rehabilitation

Habituelle (multidirektionale) Schulterluxation

Im Bereich der habituellen Schulterluxation sind sowohl Ätiologie als auch die Krankheitsentstehung noch nicht hinreichend geklärt. Klassischerweise liegt im Rahmen dieser Untergruppierung eine Erstluxation vor, die in der Regel zum processus coracoidia (= Rabenschnabelvortsatz), nach vorne unten gerichtet ist. Eine habituelle Erstluxation tritt überwiegend im Kindes- bis Jugendalter auf. Dabei bleibt in der Regel eine Instabilität vorhanden, die sich meist sehr schmerzarm auswirkt. Darüber hinaus geht man von gewissen Faktoren aus, die sich auf die Entstehung einer habituellen Schulterluxation begünstigend auswirken können:

  • Anomalien im Bereich des Kapselbandapparates
  • Veränderte Kollagenvernetzung bzw. -zusammensetzung der Kapsel
  • Dysplasie der Schulterpfanne (Minderanlage der Pfanne)
  • Verstärkte Neigung der Pfanne nach vorne, verminderte Drehbarkeit des Humeruskopfes nach hinten
  • angeborene Bindegewebsschwäche
    • Ehlers-Danlos-Syndrom (Hyperelastizität, erhöhte Vulnerabilität und Wundheilungsstörung der Haut, Gelenksüberstreckung mit Neigung zur Luxation; erbliches Krankheitsbild)
    • Marfan-Syndrom (erbliches Krankheitsbild, spezielle Bindegewebserkrankung: Veränderung der Augen, des Habitus und des kardiovaskulären Systems)
  • Muskuläre Fehlansteuerung

--> Weiter zum Thema Therapie der Schulterluxation

Anatomie

Das Schultergelenk (= Articulatio humeri) liegt zwischen dem Humeruskopf und der Gelenkpfanne (Cavitas glenoidales) des Schulter- blattes. Es zählt aufgrund der Form des Gelenkes zu den beweglichsten Gelenken des gesamten Körpers. Man nennt diese Form der Gelenke: KUGELGELENKE.

Der relativ große Bewegungsumfang des Schultergelenkes liegt in seiner Anatomie begründet. Die Schulterpfanne ist beispielsweise im Vergleich zum Humeruskopf recht klein. Hinzu kommt, dass Muskeln und Gelenkkapseln aufgrund ihrer relativ lockeren Spannung ein weites Spiel zu lassen.

Ein relativ großer Bewegungsumfang erscheint auf den ersten Blick nicht mit Nachteilen behaftet. Je größer die Bewegungsfreiheit, desto mehr Möglichkeiten der Bewegung hat der Mensch. Treten allerdings traumatische Ereignisse ein oder sind individuelle (angeborene) Ursachen vorhanden, so kommt es umso leichter zu einer “atraumatischen” (habituellen) Luxation.

Abbildung gesunde Schulter

  1. Oberarmkopf (Humerus)
  2. Schulterhöhe (Acromion)
  3. Schultereckgelenk
  4. Schlüsselbein (Clavicula)
  5. Rabenschnabelfortsatz (Coracoid)
  6. Schultergelenk (Glenohumeralgelenk)

Klassifikation

Da es verschiedene Formen der Schulterluxation gibt, versucht man sie möglichst verständlich zu klassifizieren. Bisher gibt es keine allgemein gültige Klassifikationsform. Man beschreibt sie mittels Ursache und der Richtung der Luxation, sowie hinsichtlich der Form und des Grades. Nachfolgende Kriterien treten demnach in Kombination miteinander auf, um die jeweils vorliegende Luxation zu beschreiben.

Pathogenese (Ursache):

  • Traumatisch
    • unidirektional
  • Atraumatisch
  • Folgende Luxationsformen können im Rahmen einer atraumatischen Schulterluxation auftreten:
    • Habituell unidirektional
    • Habituell willkürlich
    • Habituell multidirektional

Lokalisationen der Schulterluxation:

  • Anterior-inferior (vorne-unten) = Luxatio subcoracoidea
  • posterior-superior (hinten-oben)
  • Kombinationen

Schweregrad der Schulterluxation:

  • Grad I (Distorsion):
    • Dehnung
    • Kapsel und Muskulatur sind intakt
    • Einige Faserrisse sind vorzufinden
  • Grad II (Subluxation):
    • Partielle Muskelläsion
    • Kapselruptur, bzw. Kapselablösung
  • Grad III (Luxation):
    • Kapsel- Band- Läsionen sind immer vorhanden
    • In der Regel erfolgt die Luxation nach vorne (in etwa 96% aller Fälle)

Diagnose eine Schultergelenksluxation

Zur Diagnostik im Rahmen einer Schulterluxation zählt in erster Linie die klinische Untersuchung. Je nach Schweregrad kann diese allerdings unter Umständen schwierig sein. Insbesondere bei Distorsionen (Verdrehungen) und Subluxationen (unvollständige Ausrenkung) ist daher auch die Anamnese sehr richtungsweisend, um zwischen den verschiedenen Schwereformen zu unterscheiden.
Bei der klinischen Untersuchung tastet der Arzt die Schulter ab und kann im Fall einer Luxation die leere Gelenkspfanne, das herausstehende knöcherne Schulterdach und den ausgerenkten Kopf des Oberarmknochens fühlen. Versucht man, den ausgekugelten Arm vorsichtig wieder einzurenken, springt dieser wieder in die falsche Haltung zurück, was als "federnde Fixation" bezeichnet wird. Zusätzlich sollten durch die Untersuchung mögliche Begleitverletzungen wie die Schädigung eines Nerven abgedeckt werden.

Notwendige apparative Untersuchungen

  • Röntgen der Schulter in 2 Ebenen zur Abgrenzung des Types und zur Bestimmung eventueller knöcherner Begleitverletzungen. Mittels Röntgenbild lässt sich auch feststellen, ob Ursachen für die Luxation(z.B. Dysplasie, etc.) vorliegen.

Im Einzelfall nützliche apparative Untersuchungen

  • Sonographie (vor allem zum Ausschluss einer Rotatorenmanschettenläsion)
  • Spezielle Röntgen-Aufnahmen, z.B.: Velpeau-Aufnahme (Lage-beziehung Humeruskopf-Pfanne), ventrodorsale 60°-Innenrotationsaufnahme (Hill-Sachs-Darstellung), Pfannenprofilaufnahme
  • MRT vom Schultergelenk
  • CT (ggf. Luft-Arthro-CT)

Röntgenbild Schulterluxation

  1. Leere Schulterpfanne
  2. Oberarmkopf (Humerus)

Die grünen Flächen bilden bei einem
normalen Gelenk die Gelenkpartner

Der Schmerz als Symptom

Schmerzen stellen eines der Hauptsymptome bei einer Schulterluxation dar. In vielen Fällen lassen die Schmerzen schon nach Reposition des Oberarmkopfes zurück in die Gelenkpfanne schlagartig deutlich nach. Je nach Ausmaß der Verletzung können auch dann noch extreme Schmerzen vorherrschen. Ist der Bandapparat, Muskelsehnen oder das Gelenk selbst bei der Luxation beschädigt worden, treten die Schmerzen auch noch nach der Reposition auf, und verschlimmern sich üblicherweise bei einer Belastung oder Bewegung der Schulter.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schulternackenschmerzen - Was Sie dazu wissen solltenImpingement-Syndrom

Schmerzen, welche im Rahmen der Nachbehandlung einer Operation nach Schulterluxation auftreten, sind zu einem gewissen Grad als normal zu betrachten. Es kann sein, dass Schmerzen, welche nach einer längeren Ruhigstellung auftreten durch eine Schultersteife verursacht werden.

Die Behandlung von auftretenden Schmerzen bei einer Schulterluxation sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Häufig reicht die Einnahme von sogenannten NSAIDs wie Ibuprofen oder Diclofenac aus um die Beschwerden deutlich lindern zu können.

Mehr Informationen zum Thema Schmerzen in der Schulter hier nachlesen. 

Weitere Begleitsymptome

Eine weitere Symptomatik, die bei einer Schulterverrenkung auftreten kann, ist eine Nervenreizung. Hierbei entsteht ein kribbeliges Gefühl und eventuell eine Gefühllosigkeit an der betreffenden Stelle.
Zudem ist die Schulter in ihrer Bewegung stark eingeschränkt, da der Kopf des Oberarmknochens und die Gelenkpfanne des Schulterblattes nicht mehr ineinander greifen. Meistens sind an der Schulter ein Bluterguss und eine Schwellung erkennbar und eine Delle in der Knochenkontur tast- bzw. manchmal auch sichtbar.

Bei einer Schulterverrenkung besteht die Gefahr einer Verletzung umliegender Strukturen. Dabei sind vor allem die Muskeln und Sehnen des Halteapparates bedroht. Reißen diese, ist unter Umständen ein chirurgischer Eingriff notwendig. Auch die Sehne des Bizeps verläuft in der Nähe des Schultergelenks und kann geschädigt werden. Außerdem sind nahe verlaufende Blutgefäße und Nerven gefährdet.

Konservative Therapie

Eine Schulterverrenkung ist immer ein Fall fürs Krankenhaus. Auf keinen Fall sollte versucht werden, die Schulter selbst wieder einzukugeln, da hierbei umliegende Strukturen verletzt werden könnten.
Die konservative Therapie einer Schulterluxation kommt ohne die Durchführung einer Operation an der Schulter aus. Je nach dem Ausmaß der Verletzung, welche mit der Luxation der Schulter einhergeht, reicht eine konservative Therapie aus um die Schulter zu versorgen und ein sehr gutes Ergebnis zu erreichen.

Grundsätzlich muss zunächst einmal die Schulter eingerenkt werden. Bei der Einrenkung nach Hippokrates legt sich der Patient auf den Rücken, der Arzt setzt seine Ferse in die Achselhöhle des Patienten und zieht an seinem Arm. Dabei drückt der Fuß des Arztes den Oberarmkopf des Patienten nach außen, woraufhin dieser zurück in die Gelenkpfanne gleitet.
Die Einrenkung nach Arlt hingegen wird im Sitzen durchgeführt. Hier wird der Arm des Patienten über eine mit einem Kissen gepolsterte Stuhllehne gelegt. Dann zieht der Arzt am Arm des Patienten, woraufhin die Stuhllehne den Oberarmkopf nach oben drücken soll, wodurch dieser ebenfalls zurück in die Gelenkpfanne gleitet.
Vor der Durchführung eines dieser Verfahren müssen dem Patienten in jedem Fall Schmerzmittel und gegebenenfalls Muskelrelaxantien verabreicht werden.

Nach der Reposition des Armes und einer mehrtägigen Ruhigstellung, ist eine intensive physiotherapeutische Behandlung notwendig. Diese kann die Heilung der durch die Luxation entstandenen Weichteilschäden beschleunigen und eine Versteifung des Schultergelenkes entgegenwirken.

Näheres zum Thema Therapie der Schulterluxation hier nachlesen. 

Übungen

Nach der Reposition der Luxation ist eine Durchführung von Übungen für das Schultergelenk wichtig, da eine Ruhigstellung des Gelenkes rasch zu einer Versteifung desselben führen kann. Die Art der Übungen hängt von dem Ausmaß des Schadens am Gelenk und der durchgeführten Therapie ab.

Lesen Sie mehr zum Thema: Schultersteife

Ist lediglich eine konservative Therapie nötig gewesen, die Schulter reponiert, und der Muskel- Bandapparat der Schulter intakt, kann direkt mit einer Krankengymnastik begonnen werden. Kraftaufbauende Trainingstherapie sowohl an Geräten, wie sie aus dem Fitnessstudio bekannt sind, aber auch freie Bewegungen mit Hanteln oder elastischen Bändern sind Möglichkeiten die Kraft der Schulter zu steigern. Besonders Übungen mit Bändern oder Hanteln können auch von zuhause durchgeführt werden, wenn der behandelnde Physiotherapeut die Durchführung der Übung erklärt hat.

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Ist die Schulter mit einer Operation wieder stabilisiert worden, sollten zunächst keine intensiven Übungen stattfinden. Während die ersten drei Wochen lediglich leichte Pendelübungen des Armes erfolgen sollten, sollte die Intensität danach gesteigert werden. Wie stark das Gelenk belastet werden darf sollte der Physiotherapeut zusammen mit dem behandelnden Orthopäden/Unfallchirurgen besprechen. Auch die Durchführung von Übungen in Eigenregie ist zu empfehlen um eine Schultersteife zu verhindern.

Bandage

Je nach Ausmaß der Verletzung kann es sinnvoll sein, über einige Zeit eine Bandage zu tragen, welche das Schultergelenk entlastet und stabilisiert. Es existieren eine Reihe unterschiedlicher Produkte verschiedener Hersteller. Am häufigsten verwendet wird der sogenannte Gilchristverband. Die meisten der verfügbaren Verbände haben gemeinsam, dass der betroffene Arm an den Rumpf fixiert wird, während der Ellenbogen gebeugt wird. Das Schultergelenk wird durch die Bandage zwar in seiner Bewegung eingeschränkt, eine gewisse Bewegung ist jedoch meist noch möglich.

Kinesiotapen

Eine Möglichkeit, um das Schultergelenk zu fixieren und die Stabilität und Kraft im Gelenk zu erhöhen ist die Anlage eines Kinesiotapes. Bei Kinesiotape handelt sich um ein elastisch-stabiles Band, welches bei der Nachbehandlung einer Schulterluxation den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne halten, und die Muskeln, welche die Schulter stabilisieren, unterstützen kann. Um die korrekte Anlage des Kinesiotapes zu gewährleisten, sollte ein erfahrener Physiotherapeut oder der behandelnde Orthopäde oder Unfallchirurg die Anlage des Verbandes vornehmen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Tapeverband, Tapen eines Bänderrisses

Operation

Sind umliegende Strukturen beschädigt, kann eine Operation erwogen werden, um diese wiederherzustellen. Die häufigsten Beispiele hierfür sind Bänderrisse, Verletzungen der Gelenkspfanne, ein Riss in der Gelenkkapsel oder eine Verletzung der das Gelenk umgebenden Muskulatur. Treten bei einem Patienten Schulterverrenkungen öfter auf (mehr als dreimal innerhalb eines Jahres), spricht man von einer habituellen Verrenkung. Auch diese kann ein Anlass zur Operation sein. 

Wenn eine Schulterluxation operiert werden muss, wird in der Regel zunächst eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt. Bei dieser minimal invasiven Operationsmethode kann ein Schaden, welcher eventuell bei der Luxation im Gelenk entstanden ist, beurteilt werden. Je nachdem, wie erheblich der Schaden am Gelenk ausfällt, kommen unterschiedliche Operationsmethoden zum Einsatz. In letzter Zeit hat sich immer mehr die minimal invasive Art der Durchführung einer Operation der Schulterluxation durchgesetzt. Bei einer Luxation der Schulter kommt oftmals der Bandapparat des Schultergelenkes sowie die Gelenkkapsel zu Schaden. Der behandelnde Chirurg fixiert den Bandapparat wieder am Rand der Gelenkpfanne und wird versuchen eine ausgelockerte Kapsel zu straffen.

Lesen Sie mehr zum Thema: Bänderriss der SchulterMuskelfaserriss der Schulter

Wichtig ist vor allem, dass die Therapie nach der Operation einer Schulterluxation nicht endet. Die Nachbehandlung ist mindestens ebenso relevant wie die Operation selbst um eine gute Funktion des Schultergelenkes und der Beweglichkeit in der Schulter zu erreichen. Die Schulter wird üblicherweise zunächst mit einer Schlinge ruhiggestellt. Es dürfen, und sollen, zwar schon leichte Bewegungen ohne Belastung durchgeführt werden, die intensive Krankengymnastik beginnt in der Regel jedoch erst etwa 3 Wochen nach der Operation. Diese ist essentiell, damit die vollständige Beweglichkeit im Gelenk zurückerlangt wird und sich keine Schultersteife einstellt. Die Dauer bis zur Ausheilung der Erkrankung sollte also die Nachbehandlung miteinschließen. Inklusive Nachbehandlung können, je nach Ausmaß der Verletzung, oftmals 6-8 Wochen vergehen bis die Funktion der Schulter wieder vollständig hergestellt ist.

Mehr zum Thema Gründe und Ablauf bei einer Schulterluxation

Ob eine Operation im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt von dem Ausmaß der Verletzungen des Gelenkes und der umliegenden Bänder und Sehnen ab. Sind keine Strukturen verletzt worden und war es eine einmalige Luxation, kann eine Operation oftmals verhindert werden.

Die Vorteile einer Operation liegen darin, dass Schäden des Gelenkes und des Bandapparates zuverlässig repariert, und eine erneute Luxation der Schulter vermieden werden kann.

Nachteile einer Operation können dann entstehen, wenn Komplikationen auftreten. Aus diesem Grund sollte die Schulter nur dann operiert werden, wenn der behandelnde Orthopäde oder Unfallchirurg die Indikation für die Durchführung stellt. Ein Risiko der Operation ist die Infektion des Gelenkes, welche eine erneute Operation oder langfristige Behandlung nach sich zieht. Da der Eingriff meist in minimal invasiver Technik erfolgt, treten große Blutverluste oder Verletzungen von Nerven in der Regel nicht auf. Häufig tritt eine versteifte Schulter nach der Operation auf, welche durch eine intensive Physiotherapie und aktives Training während der Nachbehandlung verhindert werden kann.

Lesen Sie mehr zum Thema: Komplikationen einer Arthroskopie

Dauer

Eine Schulterverrenkung heilt normalerweise nicht von allein und sollte deshalb immer von einem Arzt wieder eingerenkt werden. Nach einer manuellen Einrenkung ohne Operation wird das Schultergelenk 1-3 Wochen mit einem Verband ruhig gestellt. Nach 8-12 Wochen kann die Schulter in der Regel wieder normal belastet werden.
Die für die Heilung benötigte Zeit ist jedoch stark von der Schwere der Verrenkung abhängig. Während dieser Zeit kann bereits mit vorsichtiger Belastung und Krankengymnastik begonnen werden, um einen Abbau der Muskulatur zu verhindern und das Risiko einer erneuten Luxation zu minimieren. Nach einer operativen Einrenkung kann die Regeneration wesentlich länger dauern.

Prognose

  1. Bei traumatischen (rezidivierenden) Schultergelenksluxationen
  2. Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer rezidiven (= erneuten) Luxation ist umso größer, je jünger der Patient und je größer seine sportliche Aktivität ist.
  • Die Einschränkungen durch das individuell unterschiedliche Ausmaß der Gelenkbeteiligung einer Luxation und der damit verbunden unterschiedlichen Art und Dauer der durchgeführten Therapiemaßnahmen, spielen hinsichtlich der Gefahr einer weiteren Luxation eine große Rolle, so dass nur der behandelnde Arzt die individuelle Prognose stellen kann.
  1. bei atraumatischen, habituellen Schultergelenksluxationen

    • Die Wahrescheinlichkeit eines erneuten Auftretens ist stark erhöht, da durch die Repositionierung und die nachfolgende Behandlung – sofern nicht operativ durchgeführt – keinerlei Veränderungen im Hinblick auf die teilweise angeborene Ursache bewirkt wurden

Prävention

  • Adäquate Ruhigstellung und konsequente Krankengymnastik nach der Erstluxation
  • Anpassung der körperlichen/sportlichen Aktivitäten, ggf. Meidung schulterbelastender Beanspruchungen
  • Ggf. auch frühzeitige operative Rekonstruktion zur Verhütung von Reluxationen

Perspektive

Mit einer Erweiterung bzw. Verbesserung der arthroskopischen Techniken ist zu rechnen.
Mittel- und langfristige Ergebnisse der arthroskopischen Operationen sowie der Lasertechniken bleiben abzuwarten.
Ob eine frühzeitige Rekonstruktion nach Erstluxation einen Einfluss auf die Rezidivrate hat, muss erst noch durch Studien belegt werden.

Qualitätssicherung durch: Dr. Nicolas Gumpert      |     Letzte Änderung: 15.11.2017
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