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Ursachen von niedrigem Blutdruck

Einleitung

Unter einem niedrigen Blutdruck (Hypotonie) versteht man einen Blutdruck von unter 105/60 mmHg. Der Normwert des Blutdruckes liegt bei 120/80 mmHg.

Ein niedriger Blutdruck kann sich bei unterschiedlichen Ursachen manifestieren. Ein zu niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann mit bestimmten Symptomen einhergehen (z.B. Schwindel mit Kreislaufkollaps (Synkope), Sehstörungen, Kopfschmerzen, etc.). Daher gilt es für den behandelnden Arzt die zugrundeliegende Ursache aufzuspüren, um den Blutdruck adäquat anheben zu können.

Ursachen von Hypotonie

Die Ursachen von zu niedrigem Blutdruck kann man grundsätzlich in vier verschiedene Kategorien unterteilen: 

  1. organische Ursachen (z.B. bei Erkrankungen des Herzens oder des Gefäßsystems, der Schilddrüse oder der Nebenniere) oder durch bestimmte Umgebungsbedingungen (z.B. Stress oder Untergewicht)
  2. angeborene konstitutionelle Form des niedrigen Blutdrucks (Hypotonie) 
  3. Schocksituationen (z.B. bei allergischem oder septischem Schock)
  4. orthostatische Anpassungsstörung nach dem Lagewechsel von der liegenden in die stehende Position

Eine Hypotonie kommt sehr häufig bei weiblichen, dünnen Menschen im jugendlichen Alter vor. Auch körperlicher oder seelischer Stress im privaten oder beruflichen Umfeld kann Ursache für einen zu niedrigen Blutdruck sein. Nicht selten kann ein niedriger Blutdruck temporär durch eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme oder Elektrolytstörung verursacht werden. Da Hypotonie sehr unterschiedliche Ursachen haben kann, sollte eine umfassende Diagnostik durchgeführt werden (Überprüfung des Gefäßsystems, Bildgebung der Schilddrüse, Abnahme von venösem Blut zur Bestimmung der Elektrolyte, etc.). Anamnestisch sollten gewisse Fragen abgehandelt werden, anhand derer eine möglich Ursachenfindung wahrscheinlicher wird.

Herz- und Gefäßerkrankungen als Ursache für Hypotonie

Herzerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz können die Herzarbeit beeinträchtigen und zu einem niedrigen Blutdruck führen.

Herzrhythmusstörungen können zu einem verringerten Blutauswurf aus dem Herzen und somit zu einem niedrigen Blutdruck führen. Zu diesem verringerten Auswurf (Herzzeitvolumen) kommt es vor allem bei kreisenden Erregungen am Herzen (zum Beispiel Reentry-Tachykardien) oder in Situationen, in denen das Herz funktionell still steht (zum Beispiel bei Kammerflimmern). Hierbei gelangt weniger Blutvolumen pro Zeit in die zentralen und peripheren arteriellen Gefäße. Da vor allem eine kontinuierliche Sauerstoffversorgung der sensiblen Neurone des Gehirns essentiell ist und diese in einem solchen Fall nicht mehr gewährleistet werden kann, kann es zu den typischen Symptomen wie Schwindel, Synkopen, Blässe etc. kommen.

Auch bei einer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) wirft das Herz weniger Blut aus der Hauptschlagader (Aorta) und dem Truncus pulmonalis aus. Klinisch äußert sich dies identisch mit einem verringerten Blutauswurf wie bei bestimmten Herzrhythmusstörungen.

Bei einem sogenannten Aortenbogen-Syndrom kann es ebenfalls zu niedrigem Blutdruck kommen. Hierbei liegt eine Verengung (Stenosierung) direkt vor dem Abgang der arteriellen Gefäße (Arterie carotis communis) vor, welche das Gehirn versorgen. Beim Aortenbogen-Syndrom werden typischerweise die unteren Extremitäten noch ausreichend mit Blut versorgt, während das Gehirn arteriell unterversorgt ist. Daher kommt es hierbei zu typischen Beschwerden einer arteriellen Hypotonie.

Venenschwäche im Rahmen einer Hypotonie

Gefäßerkrankungen wie zum Beipsiel eine Schwäche der Venenwand können zu Hypotonie führen. Aufgrund einer Störung des muskulären oder des bindegewebigen Anteils kann es zu Erweiterungen der Venen ("Varizen") führen. Hierin versackt das Blut und es bilden sich durch den verlangsamten Blutfluss Turbulenzen aus. Das Blut bleibt förmlich "stehen" und versackt. Varizen treten meist in den Beinen auf, wohin das Blut folglich versackt. Dadurch kommt es im zentralen Kreislauf zu einem niedrigen Blutdruck. Eine Unterversorgung der arteriellen Gefäße des Gehirns mit einem möglichen Kreislaufkollaps kann resultieren.

Erkrankungen der Schilddrüse und Nebenniere als Ursache für Hypotonie

Die Schilddrüse gehört neben der Nebenniere zu den Organen, welche durch die Ausschüttung ihrer Hormone an der Regulation des Blutdruckes beteiligt ist.

Von wichtiger Bedeutung sind hier die zwei Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), welche von der Schilddrüse gebildet und in das Blut abgegeben werden. Diese Hormone wirken an verschiedenen Zellen und Geweben und können so u.a. Einfluss auf den Blutdruck nehmen. Sie können die Herzarbeit (unter anderem durch eine gesteigerte Aktivität der Natrium/Kalium-ATPase) und somit auch den Blutdruck erhöhen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), liegt ein Mangel an diesen Hormonen vor. Im Rahmen einer Hypothyreose kann es folglich zu einem niedrigem Blutdruck (Hypotonie) kommen. Sehr häufig ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion eine autoimmunbedingte Erkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis, vorrangig bei jungen Frauen) ursächlich. Daher sollte vor allem bei jungen Frauen mit Beschwerden eines niedrigen Blutdruckes (Schwindel, Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Blässe, Sehstörung mit Sterne-Sehen) an eine schilddrüsenbedingte Genese gedacht werden.

Morbus Addison

In der Nebennierenrinde werden neben Geschlechtshormonen (Androgene) zusätzlich noch Mineralocorticoide (vor allem Aldosteron) und Glucocorticoide (vor allem Cortisol) gebildet.

Gerade Aldosteron und Cortisol entfalten eine Erhöhung des arteriellen Blutdruckes. Bei Erkrankungen mit einer Unterfunktion (zum Beispiel der Morbus Addison oder Tumorerkrankungen) kann eine Hypotonie resultieren.

Bei einem Morbus Addison kommt es zu einer Unterfunktion der Nebennierenrinde. Wie oben beschrieben werden hier Blutdrucksteigernde Hormone wie Aldosteron und Cortisol gebildet. Bei einer Unterfunktion entfallen diese blutdrucksteigernden Hormoneffekte. In der Folge kann es zu niedrigem Blutdruck (Hypotonie) kommen.

Haben Sie weitere Fragen zu einer Schilddrüsenunterfunktion? Lesen Sie mehr dazu unter: Schilddrüsenunterfunktion

Stress als Ursache für Hypotonie

Zunächst erscheint das Auftreten eines niedrigen Blutdruckes in Stresssituationen als paradox. Normalerweise verengen Stresssituationen die arteriellen Gefäße (Vasokonstriktion), um den Blutdruck zu erhöhen und dabei den erhöhten Anforderungen an körperlicher Belastung nachzukommen.

Bei Auftreten von langen Stressperioden versagt jedoch dieser Regelkreis. Die Vasokonstriktion (Gefäßverengung) kann nicht länger aufrecht erhalten werden und es kann sich ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) einstellen. Daher sollte darauf geachtet werden, den sogenannten "negativen" Stress in einen "positiven" Stress zu verwandeln. Stressperioden sollte ingesamt zeitlich begrenzt werden, um gerade diese Dysregulation der Gefäßverengung zu vermeiden.

Leiden Sie an Stress? Lesen Sie mehr zu den Anzeichen von Stress auf der folgenden Seite: Symptome von Stress

Jugendliches Alter und weibliches Geschlecht als Ursache für Hypotonie

Auch Junges Alter kann prinzipiell zu niedrigem Blutdruck (Hypotonie) führen. Dies liegt meist daran, dass jüngere Menschen in einigen Fällen sehr dünn sind. Gerade im Jugendalter steht der Körper vor der Herausforderung, schnell zu wachsen. Die Jugendlichen sind dabei (oftmals auch durch "soziale Drucksituationen") sehr dünn. Der Blutdruck ist meist geringer als bei Erwachsenen.

Bis zu etwa 20% aller Kinder bis zum 15. Lebensjahr erleiden ein- oder mehrmals einen Kollaps aufgrund einer Kreislaufschwäche. Zurückzuführen ist in den häufigsten Fällen eine orthostatische Dysregulation.
Auch die sogenannte vasovagale Synkope tritt sehr häufig auf. Hierbei kommt es nach dem Aufstehen zu einem pathologischen Absinken des Blutdruckes und zu einem Versacken des Blutes in den unteren Extremitäten. In diesem Fall wird das Gehirn temporär mit Blut unterversorgt und ein Kreislaufkollaps kann sich entwickeln.

Die oben beschriebenen Prozesse des Erwachsenwerdens mit starkem Körperwachstum verbunden mit häufig sehr niedrigem Blutdruck tritt vermehrt beim weiblichen Geschlecht auf. Auslöser für niedrigen Blutdruck (Hypotonie) kann in dieser "Lebensphase" häufig auch eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme sein. Der Körper benötigt für das Wachstum eine erhöhte Aufnahme an Mineral- und Nährstoffen.

Flüssigkeitsmangel als Ursache für Hypotonie

Eine potentiell reversible und durch einfache Maßnahmen verhinderbare Ursache für niedrigen Blutdruck (Hypotonie) ist eine mangelnde Flüssigkeitsaufnahme.

Da täglich etwa 1,5 bis 1,8 Liter über den Urin (zusätzlich weitere Flüssigkeit zum Beispiel über die Atmung oder das Schwitzen) verloren geht, muss das zirkulierende Blutvolumen im Gefäßsystem durch ausreichende Flüssigkeitsaufnahme aufrechterhalten werden.
Die durchschnittlich empfohlene Menge an Flüssigkeitsaufnahme von zwischen 2 bis 3 Liter kann durch zusätzliche Belastungen (zum Beispiel Sport) deutlich erhöht werden.

Grundsätzlich wird der Blutdruck im Gefäßsystem über das gegenseitige Wechselspiel aus hydrostatischem Druck (der Druck den das Blut im Gefäß auf die Gefäßwand ausübt und Flüssigkeit potenziell aus dem Gefäßsystem drücken will) und kolloidosmotischem Druck (Proteine des Blutplasmas, welche die Flüssigkeit im Gefäßsystem halten) reguliert.
Ein Ungleichgewicht dieser zwei Drücke kann zu einer Veränderung des Blutvolumens und damit des Blutdrucks führen. Zum Beispiel führt ein Mangel an Plasmaproteinen (v.a. Albumin) zu einem Wasserverlust im Gefäßsystem und damit zu einem Abfall des Blutdrucks.

Zusätzlich kann ein erhöhter Verlust an Flüssigkeit (zum Beispiel in Folge von Verletzungen mit Blutungen) zu einem niedrigen Blutdruck durch Flüssigkeitsverlust sorgen. Auch häufiges Erbrechen (Emesis), Durchfälle (Diarrhö) oder das vermehrte Wasserlassen bei Diabetes mellitus verursachen einen erhöhten Flüssigkeitsverlust.

Medikamente als Ursache für Hypotonie

Ein starker Blutdruckabfall (Hypotonie) kann prinzipiell auch auf die Nebenwirkung von Medikamenten zurückzuführen sein.

Stark blutdrucksenkend wirken zum Beispiel harntreibende Medikamente wie Diuretika (zum Beispiel das häufig eingesetzte Schleifendiuretikum). Bei einer Therapie mit Diuretika sollte daher neben einer regelmäßigen Elektrolytkontrolle (vor allem Kalium) auch eine Blutdruckmessung erfolgen.

Im Allgemeinen kann es auch durch blutdrucksenkende Medikamente zu Hypotonien kommen. Besonders in der frühen Phase eine blutdrucksenkenden Therapie kann es zu starken Hypotonien kommen. Kontrollmessungen des Blutdrucks sollten hier regelmäßig erfolgen.

Auch einige Psychopharmaka wirken blutdrucksenkend. Besonders erwähnenswert sind hierbei tri- und tetrazyklische Antidepressiva sowie bestimmte Antipsychotika aus der Gruppe der Phenothiazine.

Genetische Veranlagung als Ursache für Hypotonie

Auch anlagebedingte Störungen des Sollwertes für den Blutdruck in den regulierenden Organen kommt als Ursache in Betracht.

Hierbei handelt es sich vor allem um die Dehnungsrezeptoren (Barorezeptoren) im Sinus caroticus der Aorta, um die Medulla oblongata als Kreislaufzentrum im Stammhirn und um die Niere als Regulator des Volumens mit dem zentralen Hormon Renin. Die Blutdruckregulation stellt eine komplexe Einheit aus mehreren organischen Systemen dar, welche durch angeborene Effekte durchaus aus dem Gleichgewicht zu bringen ist. Eine genetisch bedingte Sollwertverstellung für den „optimalen“ Blutdruck ist prinzipiell in beiden Richtungen möglich. So kann es anlagebedingt neben Hypotonien ebenfalls auch zu Hypertonien kommen.

Qualitätssicherung durch: Dr. Niklas Gumpert      |     Letzte Änderung: 10.05.2019
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