Inhalt:
Brustwirbelsäule / BWS
Synonyme
BWS, Brustwirbel, Brustwirbelkörper, Kyphose, Dorsalgie, Rippenblockierung, Wirbelblockierung
Anatomie
Die Brustwirbelsäule ist Bestandteil der Wirbelsäule als Ganzes, auch Rückrat genannt. Es gibt 12 Brustwirbelkörper (Vertebrae thoracicae), die den mittleren Teil der Wirbelsäule ausmachen und mit den Rippen (Costae) sowie dem Brustbein (Sternum) den Brustkorb (Thorax) bilden.
Natürlicherweise hat die Brustwirbelsäule von der Seite betrachtet eine geringe Krümmung (Kyphose). Die Wirbelsäule ist hier nach hinten konvex gebogen. Bei krankhaft verstärkter Brustwirbelsäulenkrümmung, beispielsweise bei einem Morbus Scheuermann oder einer Osteoporose, liegt ein Rundrücken (Hyperkyphose), als Extremform im Volksmund auch „Buckel“ genannt, vor. Seitabweichungen der Wirbelsäule werden als Skoliose bezeichnet.
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- Blockierung Brustwirbelsäule
In diesem Bereich der Brustwirbelsäule entstehen häufig Blockierungen der Wirbelgelenke oder der Rippenwirbelgelenke. Typischerweise wird ein Schmerz zwischen den Schulterblättern verspürt, der auch gürtelförmig in Richtung Brustkorb ziehen kann. Der Schmerz bei einer Blockierung ist meistens bewegungsabhängig, mitunter atemabhängig.
Der einzelne Brustwirbel besteht aus einem Brustwirbelkörper (Corpus vertebra), einem Brustwirbelbogen (Arcus vertebra) und aus Brustwirbelfortsätzen (Processus vertebrae).
Der Wirbelkörper besteht hauptsächlich aus Schwammknochen (Spongiosa). Seine nach unten und oben gewandten festen Knochenabschlüsse (Kortikalis) werden auch als Grund- und Deckplatten bezeichnet. Auf ihnen liegt die benachbarte Bandscheibe, danach folgt der nächste Wirbelkörper. Die verdickten Seitenränder der Wirbelkörper werden als Randleisten bezeichnet. Praktische Bedeutung haben diese Begriffe v.a. bei der Beschreibung von Veränderungen im Röntgen oder MRT.
Nach hinten setzt sich der Wirbelkörper in den Wirbelbogen fort. Die im Wirbelkörper beginnenden Wirbelbogenausläufer werden Bogenwurzeln (Pedikel) genannt. Sie haben besondere Bedeutung in der Wirbelsäulenchirurgie, weil durch sie, im Rahmen der Instrumentierung, die Schrauben bei der Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) in den Wirbelkörper eingebracht werden. Das hintere Ende des Wirbelbogens bildet die Wirbelplatte (Lamina). Dort wo sich die beiden Wirbelplatten treffen beginnt der Dornfortsatz (Processus spinosus), der im Bereich der Brustwirbelsäule steil nach unten ragt und am Rücken selbst für den Laien gut zu ertasten ist. Der Wirbelbogen bildet zusammen mit dem Wirbelkörper das Wirbelloch (Foramen vertebrale, Wirbelkanal, Spinalkanal) durch das das Rückenmark fußwärts zieht. Das Krankheitsbild der Spinalkanalstenose beschreibt einen zu engen Wirbelkanal mit daraus resultierender Nervenschädigung des Rückenmarkes bzw. der Rückenmarksnerven.
In der Seitansicht der Wirbelsäule bilden jeweils die Bogenwurzeln zweier benachbarter Wirbelkörper ein zur Seite offenes Loch (Foramen intervetebrale, Neuroforamen), aus denen die Rückenmarksnerven (Spinalnerven) den Wirbelkanal verlassen.
Neben dem Dornfortsatz gehen von dem Wirbelbogen noch die Querfortsätze (Processus transversi) ab, die der wirbelsäulenbegleitenden Muskulatur und den Bandstrukturen als Ansatzpunkte dienen.
Zwei weitere kleinere Fortsätze nach oben und unten bilden das obere und untere Zwischenwirbelgelenk (Processus articularis superior und inferior; Facetten) aus. Sie sind für die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule von Bedeutung. Bei Verschleiß der gelenkigen Knorpeloberfläche können hartnäckige Rückenschmerzen entstehen, die als sogenannte symptomatische Spondylarthrose oder als Facettensyndrom bezeichnet werden. Häufigstes Vorkommen des Facettensyndroms sind jedoch die Lendenwirbelsäule und die Halswirbelsäule.
Als Besonderheit der Brustwirbelsäule kann die gelenkige Verbindung zu den Rippen angesehen werden. Zusammen mit den Rippen und dem Brustbein (Sternum), wird eine Art nach oben und unten offener (obere und untere Thoraxapertur), kegelförmiger Korb ausgebildet, weshalb man vom Brustkorb (Thorax) spricht.
Die Gelenkpfanne für den Rippenkopf befindet sich an den Ober- und Unterkanten der Brustwirbelkörper.
CT - Abbildung Wirbelsäule
- Wirbelkörper
- Querfortsatz
- Gelenkfortsatz / Wirbelgelenk
- Dornfortsatz
- Wirbelloch
Funktion
Der Bewegungsumfang der Brustwirbelsäule ist gering, da die Befestigung der Rippen und die dachziegelartige Anordnung der Dornfortsätze einen großen Bewegungsspielraum nicht zulassen. Die bedeutsamste Funktion der Brustwirbelsäule besteht in der Drehung des Rumpfes. Drehbewegungen des Rumpfes werden fast ausnahmslos in der unteren Brustwirbelsäule vollzogen.
Zudem sind die Bewegungen der Rippen-Wirbelgelenke für die Ein- und Ausatmung von Bedeutung. Aufgrund einer unterschiedlichen Gelenkart vollziehen die oberen Rippenpaare der 2.-5. Rippe (Drehgelenk) eine andere Rippenbewegung (nach vorne Anheben der Rippen), als die Rippenpaare der 6.-9. Rippe (Schiebegelenk; seitliches Anheben der Rippen). Insgesamt wird hierdurch das Volumen des Brustkorbes bei der Einatmung vergrößert. Erkrankungen, die diese Beweglichkeit einschränken (z.B. Morbus Bechterew) führen zur Störung der Atembewegungen (Atemexkursion).
Die kleinste funktionelle (bewegliche) Einheit der Wirbelsäule ist das Bewegungssegment. Unter einem Bewegungssegment versteht man die Einheit zwischen zwei benachbarten Wirbelkörpern, die über zwei Wirbelgelenke untereinander verbunden sind, sowie die zwischen den Wirbelkörpern liegende Bandscheibe und alle muskulären Strukturen, Band- und Nervenstrukturen, die sich in diesem Bereich befinden.
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Abbildung Wirbelsäulenabschnitte
Der jeweils rot eingefärbte Bereich zeigt die verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule.
Von links nach rechts:
- Halswirbelsäule und obere Brustwirbelsäule
- Brustwirbelsäule
- Lendenwirbelsäule
Seitenansicht Bewegungssegment
- Wirbelkörper
- Bandscheibe
- Rückenmarksnervenwurzel
- Zwischenwirbelloch (Neuro foramen)
- Wirbelgelenk
- Dornfortsatz des Wirbels (am Rücken als hinteres Wirbelende tastbar)
Isolierte Störungen befinden sich häufig in einem einzelnen Bewegungssegment (z.B. Blockierungen, Bandscheibenvorfall). Zur örtlichen Beschreibung einer Wirbelsäulenerkrankung werden die einzelnen Wirbelkörper durchgezählt, z.B. HWK 5 für den 5. Halswirbelkörper, BWK 9 für den 9. Brustwirbelkörper, LWK 3 für den 3. Lendenwirbelkörper usw. Ebenso verhält es sich mit den Bandscheiben und den Bewegungssegmenten. Die Beschreibung BWK 7/8 bezieht sich auf das Bewegungssegment zwischen dem 7. und 8. Brustwirbelkörper.
Neben der Funktion als statisches Organ und als Bewegungsorgan, hat die Wirbelsäule noch eine weitere wichtige Funktion als Schutz- und Leitungsorgan für das Rückenmark. Das Rückenmark stellt im Prinzip die Verlängerung des Gehirn dar und wird deshalb auch dem zentralen Nervensystem zugeordnet.
Abbildung Wirbelsäule
- Querfortsatz
- abgehender Nerv
- Wirbelkörper
- Dornfortsatz
- Rückenmark
Erkrankungen
Erkrankungen der Brustwirbelsäule sind weniger anzutreffen als im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule, besonders was die häufigen verschleißbedingten Krankheitsbilder anbetrifft (z.B. Facettensyndrom, Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose etc.).
Dennoch kommen Dorsalgien, wie man Rückenschmerzen in der Brustwirbelsäule unspezifisch bezeichnet, des Öfteren vor. Bei jungen Menschen verbergen sich dahinter häufig Blockierungen der Zwischenwirbelgelenke oder der Rippen-Wirbelgelenke. Unter einer Blockierung versteht man die vorübergehende, umkehrbare Minderbeweglichkeit eines Gelenkes, welches aufgrund der „verhakten“ Fehlstellung und der Kapselspannung des Gelenkes Schmerzen hervorruft. Muskelverspannungen jedweder Art können selbständig, beispielsweise durch Fehlbelastungen auftreten, oder als Begleiterkrankung in Erscheinung treten.
Ein Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule ist sehr selten (<1% aller Bandscheibenvorfälle).
Bei älteren Menschen werden Schmerzen in der Brustwirbelsäule häufig durch eine Minderung der Knochenmasse (Osteoporose) verursacht. Diese an sich schon schmerzhafte Erkrankung kann sich an der Brustwirbelsäule noch akzentuieren, wenn es zu einem Wirbelkörperbruch aufgrund der stark abgenommenen Tragfähigkeit der Wirbelkörper gekommen ist. Moderne minimalinvasive Therapieverfahren, wie die Vertebroplastie und die Kyphoplastie, werden zur Behandlung derartiger Brüche (Frakturen) immer häufiger eingesetzt.
Zu unfallbedingten (traumatischen) Wirbelkörperbrüchen kommt es gehäuft im Bereich des Überganges der Brust- zur Lendenwirbelsäule. Ursächlich hierfür ist hauptsächlich die Krümmungsumkehr von der Brustwirbelsäulenkyphose zur Lendenwirbelsäulenlordose.
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